9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 37 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2020 - Internet

Sehr "beflissen" seien die großen Plattformen wie Youtube, Facebook und Twitter beim Ausschalten von Desinformationen über die Corona-Krise, berichtet Julian Jaursch in Netzpolitik. Die Haupttechniken seien dabei "Warnungen vor Desinformation und Verweis auf verlässliche Quellen" und "Hoch- und Herabstufen von Inhalten via KI". Insgesamt läuft es darauf hinaus offizielle Quellen zu privilegieren: "Große Plattformen haben mittlerweile etwas Erfahrung damit, Nutzende auf verlässliche Informationen hinzuweisen. So gibt es schon seit einiger Zeit unter bestimmten YouTube-Videos Verweise zur Quelle des Videos - etwa, ob es sich bei den Produzierenden um staatliche TV-Sender handelt. Warnhinweise zu COVID-19 gibt es in unterschiedlichen Formen auf fast allen Plattformen: YouTube zeigt bereits auf der Startseite einen Link zur Weltgesundheitsorganisation, die auch mit TikTok und Snapchat kooperiert. Google hat ein prominent platziertes Infofenster bei einer Suche zum Thema, Amazon verlinkt auf das Robert Koch-Institut, Twitter auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2020 - Internet

Parallel zum Ausbruch des Coronavirus breiten sich Falschnachrichten und Verschwörungstheorien aus, konstatiert Ulrich Hottelet auf Zeit Online: Die WHO spricht von einer "Infodemie". Laut Washington Post verdächtigt das amerikanische Außenministerium Russland, gezielt Desinformationen zu streuen, um seine "Gegner zu schwächen", schreibt Hottelet weiter, warnt aber: Falschinformationen in sozialen Netzen lassen sich kaum einem Akteur zurechnen. "Die Plattformen reagieren auf die Fake-News-Vorwürfe, indem sie sich im Kampf gegen Falschnachrichten zusammenschließen. Am Montag veröffentlichten die großen Internetfirmen Google, YouTube, Microsoft, LinkedIn, Facebook, Reddit, Twitter und YouTube ein Statement, in dem sie ankündigten, gemeinsam gegen Betrügereien und Desinformationen zum neuen Coronavirus vorzugehen. Jedes Unternehmen bekämpft die 'Infodemie' zudem mit eigenen Maßnahmen: (…) Google versucht, die Suchergebnisse stärker zu kontrollieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.03.2020 - Internet

Und wo wären wir jetzt ohne Internet, fragt in der Welt Dagmar Rosenfelder all die sonst omnipräsenten Internetkritiker, die jetzt sehr still geworden sind: "Die Beschränkungen, zu denen das Virus uns zwingt, als Chance zu sehen, von dem Höher-schneller-weiter runterzukommen, dem die Gesellschaft verfallen sei, ist dumm. In Deutschland zeigt sich gerade jetzt, dass es gar nicht zu hoch, zu schnell, zu weit gehen kann. In der Digitalisierung zum Beispiel ist das Land weder effizient noch ambitioniert gewesen. Nun, wo alle, deren Beruf es zulässt, von zu Hause arbeiten, sämtliche Schulen geschlossen sind und Unterricht nur noch online stattfinden kann, macht sich das bemerkbar."

In der NZZ schlägt Tobias Sedlmaier vor, die Corona-Krise auch als Chance für Veränderungen im Kulturmarkt zu begreifen. Kulturereignisse würde inzwischen viel zu schematisch und formelhaft durchgeführt: "Warum nicht mehr Autoren auf Youtube vorlesen lassen? ... Warum nicht mehr Filme von Filmfesten streamen und anschließend via Skype-Call gemeinsam diskutieren lassen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2020 - Internet

Es ist Zeit, das Internet, heute die eigentliche Sphäre der Öffentlichkeit, als ein "Common" zu betrachten, schreibt Perlentaucher Thierry Chervel in einem größeren Essay zum zwanzigsten Geburtstag des Perlentauchers. Information sollte im Netz zum Beispiel möglichst frei zirkulieren können, "diese freie Zirkulation wird aber immer schwieriger, nicht nur wegen der Paywalls. Schlimmer wirkt sich aus, dass die Kulturindustrien nach der Krise ihrer ursprünglichen Geschäftsmodelle immer mehr auf Einnahmen setzen, die bislang sekundär waren - immer mehr verhindern Urheberrechte, die Monopolisierung von Werken durch riesige Konzerne und Leistungsschutzrechte die Auseinandersetzung mit Kultur und Information."

Um terroristische Inhalte aus dem Netz zu tilgen, möchten der Europäische Rat und die Kommission ein ganzes Bündel drakonischer Maßnahmen durchsetzen, darunter Uploadfilter und Fristen von einer Stunde. Was "terroristisch" ist, sehen aber die EU-Länder in Zeiten populistischer Regimes recht unterscheidlich, wendet Tomas Rudl  bei Netzpolitik ein. Bisher kam Widerstand aus dem Europäischen Parlament. Aber man ist wohl verhandlungsbereit: "So können sich die Abgeordneten beispielsweise vorstellen, auf eine unabhängige richterliche Überprüfung von Löschaufforderungen zu verzichten und diese auch grenzüberschreitend zuzulassen. Ein EU-Land könnte diese Aufgabe dann administrativen Einrichtungen oder etwa der Polizei überlassen. Diese Stellen könnten dann selbst darüber entscheiden, was sofort aus dem Netz getilgt werden soll - selbst wenn es sich um völlig legale Inhalte handelt, die in einem anderen EU-Land aber politisch unerwünscht sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2020 - Internet

Im Interview mit Joachim Frank in der FR moniert der Medienwissenschaftler Pörksen eine maximale Fehlerintoleranz in öffentlichen Debatten, die einen Großteil der Gesellschaft in die Diskursresignation treibe: "Die gesellschaftliche Mitte darf sich durch die Fixierung auf die kleine, radikalisierte Minderheit der Hassenden nicht entmutigen lassen. Und wir leben gegenwärtig in drei Kommunikationswelten. Die erste Welt bestimmt die öffentliche Wahrnehmung: Wut, Hetze, furchtbare Attacken auf Andersdenkende und Andersaussehende. Die zweite Welt, die medial kaum vorkommt: eine Sphäre echter Wertschätzung und respektvoller Kommunikation - in Unternehmen, Universitäten, Schulen, Redaktionen. Und die dritte, gegenwärtig massiv beachtete Welt: eine manchmal übertriebene Betulichkeit und Hypersensibilität, die schon minimale Grenzüberschreitungen mit maximalem Furor verfolgt."

"Vernetzung verstört", meint Pörksen in einem weiteren Interview in der taz, weil uns auf demselben Kanal simultan Banales, Bestialisches und Berührendes zugleich erreiche: "Wir, die Bewohner einer privilegierten Welt, sind in eine Atmosphäre der totalen Gleichzeitigkeit eingetreten, sehen alles, leiden unter einer Überdosis Weltgeschehen, schwanken zwischen Erregungserschöpfung, Panikschüben, Mitgefühl, Ignoranz-Sehnsucht."

Auf Politico berichtet Mark Scott allerdings von einer Studie der New York University, derzufolge Facebook mit spalterischer oder ominöser Politwerbung weiterhin beste Geschäfte macht: Die Hälfte der in den USA gezeigten politischen Werbung in den USA stammt von unbekannten Urhebern: "Facebook hat nach eigenen Angaben seit Mai 2018 mehr als sieben Millionen politische Anzeigen in den USA bekommen, mit einem Wert von 1,1 Milliarden Dollar und lässt damit Google und YouTube weit hinter sich, die auf 216 Millionen Dollar kommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2020 - Internet

Dier Bundesregierung hat Investitionen in Digitalisierung zur Priorität erklärt. Seitdem hat man nicht viel gehört. Dann stellten Abgeordnete eine Anfrage, berichtet Tomas Rudl in Netzpolitik: "Monate später liegt nun die Antwort der Regierung vor - und immer noch kann sie keine umfänglichen Zahlen nennen. Sie räumt ein, dass es 'durchaus Bedarf an einer Erhebung digitalpolitisch relevanter Haushaltsposten' gebe. Liefern könne sie diese jedoch nicht in vollständiger Form: Aufgrund der hohen Komplexität des Begriffs 'Digital' falle es schwer, eine trennscharfe Abgrenzung vorzunehmen. Über die Anfrage hatte zuerst das Handelsblatt berichtet."

Die Regierungsbildung in parlamentarischen Demokratien steckt in der Krise, konstatiert Miriam Meckel in der NZZ und fragt ernsthaft: Warum übernehmen eigentlich nicht Algorithmen die Wahlen? "Eine algorithmische Wahl, gestützt auf die Rechen- und Prognosekapazitäten künstlich intelligenter Systeme, könnte hinreichend genau beschreiben, was die Bürger wollen. Die Berechnungen ließen sich permanent auf Basis wachsender Datenmengen und immer zeit- und passgenau durchführen. Damit trügen sie auch den Veränderungen der Meinungsbildung Rechnung, die jederzeit bei einer Entscheidung auch kurzfristig möglich sind." Dem Staatswesen müsse man dann allerdings "eine Stunde null der Datensammlung gönnen", um Daten von Verzerrungen zu bereinigen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2020 - Internet

Immer häufiger schalten Staaten in missliebigen Situationen schlicht das Internet ab, berichtet Patrick Wagner in der taz unter Bezug auf eine Studie der Organisation #KeepItOn, die sich für ein offenes Internet einsetzt: "Tatsächlich ist es denkbar einfach, ein ganzes Land vom Internet abzukapseln. Damit Telekommunikationsanbieter in einem Land operieren dürfen, benötigen sie eine Lizenz. Aus Angst, diese zu verlieren, wehren sich Internetanbieter nicht gegen staatliche Eingriffe, erklärt Berhan Taye, die Koordinatorin von #KeepItOn, gegenüber der taz. Faktisch gibt es also einen Notausschalter, mit dem Staaten den Internetzugang im eigenen Land nach Belieben an- und ausschalten können, ganz egal, ob sie dafür eine rechtliche Grundlage haben oder nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2020 - Internet

Eric Schmidt, einst Google-Chef fordert in der New York Times Staatsgeld (auch aus dem Verteidigungsbudget) für das Silicon Valley, damit Amerika im Wettbewerb mit China bestehen kann: "Wichtige Trends laufen nicht zu unseren Gunsten. Amerikas Vorsprung bei der künstlichen Intelligenz ist zum Beispiel prekär. A.I. wird Türen  in allen Bereichen von der Biotechnologie bis zum Bankwesen öffnen und ist auch eine Priorität im Verteidigungsministerium. Eine weltweit führende Position in der KI ist für das Wachstum unserer Wirtschaft und den Schutz unserer Sicherheit unerlässlich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2020 - Internet

Mark Zuckerberg ist bei einer Brüssel-Reise, mit der er wohl drohenden Regulierungen zuvorkommen wollte, von EU-Funktionären eher kühl empfangen worden, berichten eine Reihe von politico.eu-Reportern: "In einer Woche, in der die  Europäische Union eine Reihe von digitalen Vorschlägen enthüllen wird, von denen viele das Kerngeschäft von Facebook berühren werden, haben die Beamten am Montag viele dieser Vorschläge höflich zurückgewiesen und behauptet, das Unternehmen müsse mehr eigene Anstrengungen unternehmen, um viele der regulatorischen Herausforderungen zu bewältigen, mit denen es jetzt konfrontiert ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2020 - Internet

In der FAZ berichtet Fridtjof Küchemann, wie Amazon Titel zensiert und Leser ausspioniert: "Ende Januar hat die amerikanische Journalistin Adrianne Jeffries aus der Markup-Redaktion eine Liste der Daten veröffentlicht, die Amazon über den populären E-Book-Leser Kindle von ihr gesammelt hatte. Bis ins Jahr 2018 zurück reichten die Aufzeichnungen, die sie über die Amazon-Funktion 'Meine Daten anfordern' zugeschickt bekommen hatte, mehr als neunzigtausend Zeilen umfasste die Liste, registriert wurde jede einzelne Berührung des Lesegeräts."