9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.11.2018 - Internet

Facebook hat mit der Firma Definers Public Affairs zusammengearbeitet, um George Soros anzuschwärzen (unser Resümee). Die Co-Chefin Sheryl Sandberg hatte zunächst behauptet, davon nichts gewusst zu haben, dann ein bisschen was zugegeben: Nun enthüllt die New York Times unter Berufung auf anonym bleibende Mitarbeiter: Sie hat nachfragen lassen, ob George Soros nach einer flammenden Rede gegen Facebook und Google gegen die Facebook-Aktie spekuliert hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2018 - Internet

(Via turi2) Google-Mitarbeiter wenden sich in einer Petition gegen das "Projekt Dragonfly", also das Vorhaben der Firma, eine zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt aufzubauen (unsere Resümees), berichtet Zoë Bernard im Business Insider, wo auch der volle Text des Aufrufs zu lesen ist - ein Auszug: "Unsere Ablehnung von Dragonfly bezieht sich nicht auf China: Wir lehnen Technologien ab, die den Mächtigen helfen, die Schwachen zu unterdrücken, wo immer sie auch sein mögen. Die chinesische Regierung ist sicherlich nicht allein in ihrer Bereitschaft, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken und die Überwachung zur Unterdrückung von Meinungsverschiedenheiten zu nutzen. Dragonfly in China würde einen gefährlichen Präzedenzfall in einem heiklen politischen Moment schaffen."

Ursula Pachl, stellvertretende Generaldirektorin des europäischen Verbraucherschutzverbands, erklärt im Interview mit SZ-Online, warum sie Beschwerde gegen Googles Erhebung der Standortdaten der Android-Nutzer einlegen will: "Nur wenige wissen, dass Google die ganze Zeit aufzeichnet, wo sich ein Nutzer gerade befindet, selbst wenn derjenige die App, der er die Standorterfassung erlaubt hat, gerade gar nicht verwendet. Dieses Problem betrifft sehr viele Menschen: Weltweit nutzen zwei Milliarden Menschen Android-Geräte. Standortdaten sind sehr sensible Daten. Mit ihrer Hilfe kann man viel über das Leben einer Person herausfinden: dass jemand regelmäßig zu einem bestimmten Arzt geht zum Beispiel, oder oft in die Kirche, oder in bestimmte Bars. Solche Daten lassen sich zu Geld machen, wenn sie zu Werbezwecken verwendet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2018 - Internet

In einem äußerst ungewöhnlichen Schritt hat das britische Unterhaus von einer Firma, die mit Facebook kooperiert, aber auch in einem Rechtsstreit liegt, Daten über den Cambridge-Analytica-Skandal beschlagnahmt, berichtet Carole Cadwalladr im Observer. Ein Beamter des britischen Parlaments suchte den Geschäftsführer  der Firma namens Six4Three im Hotel auf und zwang ihn, elektronische Kopien der Dokumente zu übergeben: "Die Beschlagnahme ist der jüngste Coup in einer bitteren Schlacht zwischen dem britischen Parlament und dem Social-Media-Giganten. Der Kampf darum, Facebook zur Rechenschaft zu ziehen, bereitete Sorgen über britische Zugriffsmöglichkeiten auf Firmen, die heute eine Schlüsselrolle im demokratischen Prozess spielen. Facebook, das hundert Milliarden Dollar an Wert verlor, seit der Observer im März nachwies, wie Cambridge Analytica die Daten von 87 Millionen US-Nutzern ausgebeutet hatte, steht nun womöglich eine weitere PR-Krise bevor. Man nimmt an, dass die Dokumente zeigen, wie Datenentscheidungen in den Jahren vor den Cambridge-Analytica-Skandal gefällt wurden, mit Wissen Zuckerbergs und anderer Spitzenmanager." Bei heise.de berichtet Tilman Wittenhorst.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2018 - Internet

Richard Gingras, Chef von Google News zeigt im Gespräch mit Alexander Armbruster von den Wirtschaftsseiten der FAZ, wie diplomatisch man drohen kann. All jenen, die nach dem europäischen Leistungsschutzrecht aus irgendwelchen Gründen nicht bei Google gelistet sind oder sein wollen wollen, macht er folgende Rechnung auf: "Nach Einschätzung von Deloitte liegt der wirtschaftliche Wert eines Zugriffs zwischen 4 und 8 Eurocent. Da es also hier und heute um beträchtlichen Wert geht, möchten wir sicherstellen, dass jeder Publisher unabhängig von seiner Größe weiterhin die Möglichkeit hat, vom Traffic und der Auffindbarkeit zu profitieren, welche die Google-Suche und Google News bieten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2018 - Internet

Marcel Weiß erklärt in seinem Blog Neunetz, warum seiner Meinung nach ein Thinktank, der sich allein mit dem digitalen Wandel in allen Bereichen auseinandersetzt, in Deutschland notwendig ist: "Wenn man als Experte in seinem Themenfeld arbeiten will, muss man sich zwangsläufig auf feste Rahmenbedingungen außerhalb dieses Themenfelds verlassen, weil man nicht in allem Experte sein kann. Wenn sich alle gesellschaftlichen Felder langsam aber sicher verschieben, wird eine themenübergreifende Zusammenarbeit immer zwingender, wenn man mehr als das Gestern erfassen will. (Und selbst das kann heute schon eine Herausforderung sein.)" Und schreitet gleich zu Tat, indem er die Gründung des Otherwise Network bekannt gibt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2018 - Internet

Aufruhr bei Facebook nach dem gestrigen Artikel der New York Times, der der Führung von Facebook schwere Vorwürfe macht (unser Resümee). Es geht unter anderem um die  PR-Firma Definers Public Affairs, die angeheuert wird, wenn politische Parteien oder Firmen schlechte Nachrichten über Konkurrenten oder Gegner streuen wollen. Die firma schwärzte laut Times unter anderem für Facebook George Soros als angebliche Quelle einer "Bewegung gegen Facebook" an. Zuckerberg hat sich gestern in einer Telefonkonferenz geäußert, berichtet Taylor Hatmaker bei Techcrunch: Obwohl er nicht ausführlicher zu der Times-Geschichte habe Stellung nehmen wollen, "machte er in einem Punkt ein starkes Statement und leugnete jede Kenntnis oder Verwicklung im Engagement der Firma Definers Public Affairs... 'Ich las davon zum ersten Mal in der New York Times', sagte Zuckerberg, 'gleich danach rief ich unser Team an, um zu sagen, dass wir nicht mehr mt dieser Firma arbeiten.'" turi2 verlinkt auf mehrere Artikel in amerikanischen Blogs, die die Geschichte aufgreifen. Mashable etwa untersucht die Reaktion auf den Vorwurf, Facebook habe früher als bekannt von russischer Einflussnahme gewusst und die Meldung unterdrückt.

Facebook hat allerdings auch selbst auf angeblich antisemitische Taktiken seiner Gegner hingewiesen, ergänzt Alexander Fanta bei Netzpolitik: "Soros' Stiftung unterstützt zwei Gruppen, die sich an 'Freedom from Facebook' beteiligen, einer Kampagne gegen das soziale Netzwerk. Bei einer Protestaktion von Freedom from Facebook im Juli hielten Aktivisten ein Plakat hoch, das Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Top-Managerin Sheryl Sandberg, beide jüdischer Herkunft, als Teil einer weltumfassenden Krake zeigt. Das erinnert an antisemitische Motive der Nazis. Facebook meldete das der Anti-Defamation League. Die jüdische Bürgerrechtsgruppe verurteilte daraufhin die Verwendung des Symbols." Mehr dazu auch bei golem.de.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2018 - Internet

Die New York Times bringt eine aufwändige Recherche über das unzureichende Krisenmanagment bei Facebook, seit in vielen Ländern Vorwürfe von Manipulationen bekannt wurde - und die recherchierenden Journalisten machen von vornherein klar, dass der Fisch vom Kopf her stinkt: "Als sich herausstellte, dass die Macht von Facebook auch ausgenutzt werden konnte, um Wahlen zu beeinflussen und weltweit virale Propaganda und tödliche Hasskampagnen zu verbreiten, gerieten Zuckerberg und Sandberg ins Straucheln. Die beiden auf Wachstum zentrierten Chefs ignorierten Warnsignale und versuchten dann, sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen. In kritischen Momenten der letzten drei Jahre wurden sie durch persönliche Projekte abgelenkt und gaben Sicherheits- und Richtlinienentscheidungen an Untergebene weiter, so aktuelle und ehemalige Führungskräfte."

Nicht nur der Perlentaucher (hier) auch Netzpolitik bittet seine Leser um Unterstützung. Anders als der Perlentaucher ist Netzpolitik gemeinnützig und verzichtet völlig auf Werbung. Im Brief an die Leser informiert das Magazin: "netzpolitik.org ist eine der wenigen Websites, auf denen man nicht merkt, ob der Adblocker aktiviert ist oder nicht. Denn es gibt keinen Unterschied. Dass wir auf Werbung verzichten, heißt auch: netzpolitik.org ist eine der wenigen Nachrichtenseiten ohne Tracking. Zwischen 80 und 300 Targeting-Cookies zählt Cookiepedia momentan auf den marktführenden journalistischen Websites. Hinter digitalen Werbeanzeigen steht heute ein komplexes Geflecht aus tausenden Firmen und automatisierter Datenverwertung. Selbst wenn sie es wollten - die Datenflüsse zwischen diesen Plattformen können die Verlage gar nicht kontrollieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2018 - Internet

Auf SZ online kritisiert Adrian Lobe Facebooks Newsfeed, der sich immer wieder durch eine Änderung der Algorithmen neu gliedert. Für journalistische Produkte sei das brandgefährlich: "Facebook kann Portale hochjazzen, aber gleichsam in die Bedeutungslosigkeit herunterpegeln - ohne dass die Algorithmen einer öffentlichen Kontrolle unterzogen werden. Es ist so, als würde jemand über Nacht die Sendefrequenzen ändern und dafür sorgen, dass manche Stationen nicht mehr senden können oder die Signale so verrauscht sind, dass sie keiner mehr hört. Facebook sitzt an den Hebeln der Macht - und kann sie jederzeit betätigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2018 - Internet

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, versucht eine Art Charta des freien Internets durchzusetzen und hat dafür unter anderem Mark Zuckerberg und einige Politiker getroffen, berichtet Shona Ghosh im Business Insider: "Zu den von Berners-Lee vorgeschlagenen Prinzipien gehören: Das Internet frei und für jedermann zugänglich machen, die Daten und den Datenschutz der Menschen respektieren und Technologien entwickeln, die 'das Beste der Menschheit unterstützen'. Weitere Grundsätze für die Regierung und den Einzelnen sind die Freiheit und Zugänglichkeit des Internets für alle und die Achtung des Grundrechts der Menschen auf Privatsphäre. Neben Facebook und Google hat die World Wide Web Foundation bisher die französische Regierung ... gewonnen." Im Guardian berichtet Ian Sample.

(Via turi2) Bei Youtube stehen im Moment einige Videos von Influencern ganz oben in den Trends, die dramatisch vor dem Ende des Videodienstes warnen - Hintergrund ist die EU-Urheberrechtsreform mit den geplanten Uploadfiltern. Die Influencer übertreiben ein bisschen, meint Sebastian Meineck im Motherboard-Blog von Vice, der nebenbei einen nützliche Einblick in diese Szene gibt: "Natürlich ist es gut, kritisch zu diskutieren, ob die EU ihre Maßnahmen zum Schutz des Urheberrechts sinnvoll umsetzen wird. Aber Horror-Szenarien vom Ende YouTubes stehen einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Problem doch eher im Weg: der schwierigen Balance aus Copyright, Netzkultur und Meinungsfreiheit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.11.2018 - Internet

Schon im letzten Jahr hatte Propublica nachgewiesen, dass es Facebook ohne Probleme erlaubt, mit Themen wie "Jew hater" bestimmte Teile seines Publikums anzusprechen. Sam Biddle hat das Experiment nach dem von Robert Bowers begangenen Massaker in der Synagoge von Pittsburgh für The Intercept wiederholt: Noch "Anfang dieser Woche konnte The Intercept den Begriff 'white genocide conspiracy theory' als vordefiniertes 'detailliertes Targeting'-Kriterium im sozialen Netzwerk auswählen, um zwei Artikel an eine Interessengruppe zu vermarkten, deren Größe Facebook mit 168.000 große Nutzer angab und als 'Personen, die ein Interesse im Zusammenhang mit der Theorie der Verschwörung des weißen Völkermords oder für ähnliche Seiten zum Ausdruck gezeigt haben' definierte. Die bezahlte Werbung wurde von der Werbeabteilung von Facebook genehmigt." Erst nach Kontaktierung von Facebook entschuldigte man sich und löschte die Werbemöglichkeit.

Netzpolitik bringt ein Audiogespräch mit der EU-Abgeordneten Julia Reda, die wie keine  andere gegen Uploadfilter und EU-Leistungsschutzrecht kämpfte - und bis zum letzten Moment nicht aufgeben will. Im Gespräch mit Alexander Fanta sagt sie: "Man hat Angst vor großen amerikanischen Plattformen und will die regulieren. Aber man tut das in einer Art und Weise, wo man in einen totalen Technikglauben verfällt und glaubt, diese Algorithmen können alles. Eingesetzt werden die von Plattformen, die überhaupt keiner öffentlichen Kontrolle unterliegen. Die einzigen, die vielleicht halbwegs technisch in der Lage wären, diese Filter zu entwickeln, sind Google und Facebook. Und deren Technologie machen wir jetzt verpflichtend für alle."