Wir müssen einen neuen Begriff lernen: "
red-pilling". Sascha Lobo
verweist in seiner
Spiegel online-Kolumne auf eine
Recherche des unermüdlichen
Bellingcat-Teams: Die investigative Website konnte tausende Beiträge eines
amerikanischen Neonazi-Forums auswerten. Dort geht es um die
Konversion einzelner zu den Verschwörungstheorien der extremen Rechten: "Eine Online-Community entwickelt über die Zeit ihren eigenen Sprech. 'Red-pilling' bedeutet unter faschistischen Aktivisten, jemanden zu faschistischen, rassistischen und antisemtischen Überzeugungen zu bekehren. Der Begriff geht auf den populären Film '
The Matrix' von 1999 zurück. Der Protagonist wird vor Wahl zwischen einer
roten Pille, die ihm die Augen für die Realität einer von Maschinen dominierten Welt öffnet, und einer
blauen Pille, die ihn wieder in Unwissenheit und Sicherheit versetzt, gestellt. Die von den Faschisten benutzte Definition der 'roten Pille' ist recht elastisch." In den von
Bellingcat ausgewerteten Forumsbeträgen erzählen die Mitglieder freimütig die Geschichte ihrer Konversionen.
Lobo selbst verwendet den Begriff der "
Filterbrillen", die sich Mitglieder solcher Foren aufsetzten, und gerät dann in ein leicht relativistisches Schlingern: "Ich habe beispielsweise häufiger beobachtet, wie Erkenntnismomente über
Kapitalismus oder das Patriarchat zu einer aufgeklärteren Weltsicht geführt haben. In gewisser Weise ist
auch die Aufklärung selbst eine Art riesige Filterbrille: ein Erkenntnis- und Ideengebäude, das die komplette Weltsicht verändert."
Zum Thema passt eine
Mitteilung auf dem Unternehmensblog von
Twitter: Heute veröffentlichen wir alle Konten und damit verbundenen Inhalte im Zusammenhang mit möglichen Geheimdienstoperationen, die wir seit 2016 in unserem Dienst gefunden haben." Es geht allein um
3.800 Konten russischer Staatshacker.