9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 58 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2018 - Internet

(Via turi2) Die Organisation Freedom House stellt einen Bericht über regierungsamtliche Kaperung des Internets in der ganzen Welt vor. Das chinesische Exempel sei vielen Regimes dabei eine Inspiration. Ein Blogpost erklärt, wie Regierungen das Argument der "Fake News" benutzen, um unliebsame Äußerungen zu unterdrücken: "In Ägypten wurde eine libanesische Touristin wegen 'absichtlicher Verbreitung falscher Gerüchte' zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie ein Facebook-Video veröffentlicht hatte, das die sexuelle Belästigung beschreibt, die sie während ihres Besuchs in Kairo erlitten hat. In Ruanda wurde der Blogger Joseph Nkusi wegen Anstiftung zum zivilen Ungehorsam und Verbreitung von Gerüchten zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er die staatliche Darstellung des Völkermords von 1994 in Frage gestellt und den Mangel an politischer Freiheit im Land kritisiert hatte." Bewusst untergraben Regierungen Vertrauen in Online-Informationen, indem sie auf Fakten basierende Berichte, persönliche Meinungsäußerungen und falsche Berichte "alle in den Topf 'Fake News' werfen, sofern sie kritisch zur Regierung stehen", sagt Adrian Shahbaz, der beim Freedom House für Internetfreiheit zuständig ist. Mehr bei heise.de.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2018 - Internet

Robert Bowers, Der Attentäter von Pittsburgh, verbreitete seinen Hass auf einer Online-Plattform namens Gab. Aber der Briefbombenleger Cesar Sayoc benutzte Twitter. Sein Konto war nicht deaktiviert worden, obwohl es vor seinen Taten Beschwerden über ihn gab, schreibt Kara Swisher in der New York Times: "Lassen Sie es mich noch einmal sagen: Social Media Plattformen - und Facebook und Twitter sind genauso schuldig wie Gab - sind so konzipiert, dass das Schreckliche doppelt so schnell zirkuliert wie das Gute. Und sie arbeiten mit schlampiger Missachtung der Folgen dieser Hassäußerungen, die zu Katastrophen führt, die sie dann beseitigen müssen."

CNN hat die Tweets von Cesar Sayoc analysieren lassen und herausgefunden, dass er seit April dieses Jahres von Hasstiraden zu Bedrohungen einzelner Personen übergegangen war. "Die Bedrohungen und die offensichtliche Untätigkeit von Twitter werfen neue Fragen zu Social Media und Radikalisierung auf. Social Media Plattformen wie Twitter sind 'Radikalisierungsmaschinen', sagte Jonathon Morgan, der CEO von New Knowledge, zu CNN. Morgans Firma verfolgt Desinformation im Internet und befasst sich seit Jahren mit Online-Radikalisierung. Auf der Seite findet sich auch ein Video-Interview mit der Journalistin Rochelle Richie, die Twitter schon vor einiger Zeit auf Sayoc aufmerksam gemacht hatte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2018 - Internet

Constanze Kurz warnt in ihrer FAZ-Kolumne von der Allgegenwart des Trackings, mit dem das Verhalten der Nutzer ausspioniert wird, besonders bei Mobiltelefonen, wo man sich weniger dagegen wehren kann als bei Computern. Die EU bereitet eigentlich ein Gesetz dagegen vor, die ePrivacy-Verordnung - eigentlich: "Zwar hätten die Europäer allen Grund, sich vorbeugend gegen Manipulationen der EU-Wahlen im Mai 2019 zu wappnen. In der Realität jedoch blockieren und verzögern nationale Regierungen, einschließlich der deutschen und der österreichischen, seit Monaten die Konsensbildung bei der ePrivacy-Verordnung." Gegen die ePrivacy-Verordnung machen nicht nur Google und Facebook, sondern auch die Zeitungen Druck, berichtete neulich Netzpolitik (unser Resümee).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2018 - Internet

In Brüssel fand eine hochrangig besetzte Datenschutzkonferenz statt, in der Tim Cook höchstpersönlich und die Chefs von Google und Facebook per Videozuschaltung ihre Hommagen an die DSGVO darbrachten, berichtet Mark Scott in politico.eu: "Cooks Warnung vor dem 'daten-industriellen Komplex' und sein Ruf nach amerikanischen Gesetzen war wesentlich prononcierter als die Statements der Google- und Facebook-Bosse, deren Geschäftsmodell weitgehend aus dem Sammeln großer Mengen von persönlichen Daten besteht. Noah Phillips, ein Beamter der US-Handelskommission hat im Gespäch mit Politico anerkannt, dass die neuen Datenschutzregeln der EU eine Debatte in den USA ausgelöst haben. 'Die DSGVO hat einen Einfluss auf die nationale Debatte in den USA.'"
Stichwörter: DSGVO, Politico

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2018 - Internet

Screenshot aus sueddeutsche.de
Schon erstaunlich, dass ein (allenfalls mäßig kritischer) Artikel über Google, "die Antwortmaschine", auf sueddeutsche.de gleich mit mehreren Google-Anzeigen gespickt ist! Simon Hurtz kündigt darin an, dass Google zusehends von seiner einst so angenehm minimalistischen Homepage abgehen wird, um den Verbraucher gleich von vornherein mit aufdringlichen Hinweisen und natürlich Werbung zu bombardieren: "Wer dann Google.com oder Google.de auf seinem Smartphone eingibt, sieht das gewohnte Suchfeld - und darunter eine lange Liste mit Artikeln, Videos und anderen Vorschlägen. Dieser Feed erinnert an soziale Netzwerke, und ähnlich wie Facebook und Twitter könnte Google auch Werbung darin anzeigen, erste Experimente laufen bereits."

Ebenfalls auf sueddeutsche.de fordert Valentin Dornis einen Ethik-Kodex für Algorithmen. Anlass ist der Versuch Österreichs, Arbeitslose per Algorithmus zu verwalten. Der Kodex soll die mögliche Diskriminierung von Frauen, Alten und Langzeitarbeitslosen verhindern: "Die größte Sorge ist, dass ... das Leistungsprinzip zum ultimativen Grundsatz wird: Wer schlechte Kennzahlen in der Akte stehen hat, der wird nicht gefördert und weiß im Zweifel nicht einmal, warum. Diese Sorge ist berechtigt, aber kein Grund, auf automatisierte Systeme zu verzichten. Nötig sind klare Regeln, wenn staatliche Institutionen Algorithmen einsetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2018 - Internet

(Via turi2) YouTube-Chefin Susan Wojcicki ruft die Nutzer - besonders jene, die selbst Videos hochladen - im Blog der Plattform dazu auf, gegen Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform zu protestieren, der Uploadfilter für Videos vorsieht: "Falls Artikel 13 wie vorgeschlagen umgesetzt wird, sind hunderttausende Arbeitsplätze bedroht - von  europäischen Creatorn, Unternehmen, Künstlern und jedem, den sie beschäftigen. Der Vorschlag könnte Plattformen wie YouTube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten großer Unternehmen zuzulassen. Es wäre schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte verantwortlich wären."

Ein Argument gegen Artikel 11 der EU-Urheberrecht, also Leistungsschutzrechte, die das Zitieren von Presseartikeln schwieriger machen, bringt unterdessen Julia Krüger in Netzpolitik vor: "Ein restriktiver Umgang mit Presseartikeln, Werken und anderen Schutzgegenständen in sozialen Netzwerken impliziert indirekt eine Begrenzung qualitativ hochwertiger Inhalte, insbesondere für sozial schwache Schichten. Denn diese sind häufig nicht bereit oder fähig, für die hochwertigen Inhalte von FAZ & Co. zu zahlen. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass bei rassistischen, nationalistischen oder verschwörungstheoretischen Inhalten tendenziell keine Urheberrechte geltend gemacht werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.10.2018 - Internet

Youtube-Filmer haben jetzt eine eigene Gewerkschaft gegründet, die "Youtubers Union" (mit schon mehr als 16.000 Mitgliedern), um gegen die häufige und undurchsichtige Änderung der Nutzungsbedingungen und der Algorithmen bei Youtube zu protestieren, berichtet Caspar von Au in der SZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2018 - Internet

Wir müssen einen neuen Begriff lernen: "red-pilling". Sascha Lobo verweist in seiner Spiegel online-Kolumne auf eine Recherche des unermüdlichen Bellingcat-Teams: Die investigative Website konnte tausende Beiträge eines amerikanischen Neonazi-Forums auswerten. Dort geht es um die Konversion einzelner zu den Verschwörungstheorien der extremen Rechten: "Eine Online-Community entwickelt über die Zeit ihren eigenen Sprech. 'Red-pilling' bedeutet unter faschistischen Aktivisten, jemanden zu faschistischen, rassistischen und antisemtischen Überzeugungen zu bekehren. Der Begriff geht auf den populären Film 'The Matrix' von 1999 zurück. Der Protagonist wird vor Wahl zwischen einer roten Pille, die ihm die Augen für die Realität einer von Maschinen dominierten Welt öffnet, und einer blauen Pille, die ihn wieder in Unwissenheit und Sicherheit versetzt, gestellt. Die von den Faschisten benutzte Definition der 'roten Pille' ist recht elastisch." In den von Bellingcat ausgewerteten Forumsbeträgen erzählen die Mitglieder freimütig die Geschichte ihrer Konversionen.

Lobo selbst verwendet den Begriff der "Filterbrillen", die sich Mitglieder solcher Foren aufsetzten, und gerät dann in ein leicht relativistisches Schlingern: "Ich habe beispielsweise häufiger beobachtet, wie Erkenntnismomente über Kapitalismus oder das Patriarchat zu einer aufgeklärteren Weltsicht geführt haben. In gewisser Weise ist auch die Aufklärung selbst eine Art riesige Filterbrille: ein Erkenntnis- und Ideengebäude, das die komplette Weltsicht verändert."

Zum Thema passt eine Mitteilung auf dem Unternehmensblog von Twitter: Heute veröffentlichen wir alle Konten und damit verbundenen Inhalte im Zusammenhang mit möglichen Geheimdienstoperationen, die wir seit 2016 in unserem Dienst gefunden haben." Es geht allein um 3.800 Konten russischer Staatshacker.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2018 - Internet

Google ruiniert sich seinen ohnehin ramponierten Ruf, weil es mit einer zensierten Suchmaschine in den chinesischen Markt eintreten will. Dabei kommt der Konzern ohnehin zu spät, schreibt Christoph Giesen in der SZ: "Selbst wenn Facebook, Google oder Twitter die Gnade der Kommunistischen Partei widerfährt: China, der mit Abstand größte Internetmarkt der Welt, ist längst aufgeteilt. Statt bei Amazon kaufen die Chinesen bei Alibaba und seinen Diensten. Das Monopol zum Suchen hat Baidu, genauso wie für den Kartendienst, ja sogar Chinas Wikipedia-Klon wird von Baidu betreut: Baike nennt sich dieses politisch streng redigierte Lexikon."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2018 - Internet

Wird die ePrivacy-Verordnung der EU, die das Tracking, Datensammeln und personalisierte Werben im Internet erschweren soll, aufs Abstellgleis gestellt?, fragen Ingo Dachwitz und Alexander Fanta in Netzpolitik. Die Verordnung sollte ursprünglich die DSGVO ergänzen. Allerdings machen sowohl klassische Medien als auch Plattformkonzerne wie Google und Facebook Druck dagegen. Die Politiker reagieren - indem sie nicht reagieren: "Als fleißigster Bremser betätigte sich zuletzt die rechte Regierung in Österreich, die derzeit den Vorsitz in den Arbeitsgruppen des Rates der Mitgliedsstaaten führt. Zur Überraschung aller kündigte Österreich an, nicht mal den Versuch zu unternehmen, eine Einigung über eine gemeinsame Position der Mitgliedsstaaten bis Jahresende zu erzielen. Damit wird die Zeit für abschließende Trilog-Verhandlungen vor den EU-Wahlen im Mai 2019 damit knapp, eine Verabschiedung unwahrscheinlich."