In Sachen Internet ist in Deutschland, wer
auf dem Land lebt, oft abgehängt. Das liegt unter anderem daran, dass
öffentliche Bibliotheken kaum freien Internetzugang anbieten,
erklärt Nikolaus Bernau in der
Berliner Zeitung: "Die Stadtbibliothek München hat gute Erfahrungen gemacht mit Programmierkursen selbst für Kinder, nachdem sie sich mit einer einst von
russischen Einwanderern gründeten Bürgerinitiative zusammentat; Computerspiele kann man lernen und kritisch begleiten; als 'Maker-Space' bezeichnete Treffpunkte öffnen Bibliotheken für diejenigen, die neue Ideen und Produkte mit und für die digitale Welt entwickeln, aber keine Formenapparate im Hintergrund haben. Und man kann hier lernen,
wie Fake News zu erkennen und zu bewerten sind oder wie man E-Books schreibt." Außer in Bayern und NRW sucht man solche Angebote leider meist vergeblich.
Laurens Cerulus
besucht für
politico.eu die
Factchecker von
Correctiv, die sich in Zusammenarbeit mit
Facebook auf die Suche von Fake News begeben, und resümiert die europäische Politik zum Thema: "Das
neue deutsche Gesetz über die Plattformen geht um vieles weiter als alle anderen Versuche westlicher Regierungen, den Inhalt auf sozialen Netzen zu kontrollieren... Politiker in anderen europäischen Staaten, auch das Vereinigte Königreich und Frankreich, wollen Facebook für Inhalte
terroristischer und krimineller Kreise auf Facebook verantwortlich machen. Nach den drei jüngsten Terrorattacken erhöhte die britische Regierung den Druck auf Facebook und andere, um Terrorkreise und Hate Speech zu bekämpfen."
Roboter, die sich
als Menschen ausgeben, sogenannte
Bots, werden zu einer immer größeren Gefahr für die Demokratie, die Wirtschaft und das ganz normale gesellschaftliche Zusammenleben,
warnt Tim Wu in der
New York Times und fordert gesetzliche Maßnahmen, die Bots wie
Piraten als Feinde der Menschheit einstufen: "Am besten wäre ein 'Blade Runner'-Gesetz, dass den Einsatz von Programmen für illegal erklärt, die ihre wahre Identität verhüllen oder sich als Menschen ausgeben. Automatisierte Prozesse sollten verpflichtet sein zu bekennen: '
Ich bin ein Roboter'. Wenn man mit einem unechten Menschen kommuniziert, wüsste man das ja gern."
Nur keine Angst vor den Internetriesen: Facebook, Google und Co. sollten
stärker reguliert werden, fordert im
Interview mit
Netzpolitik der amerikanische Rechtswissenschaftler
Frank Pasquale, denn die Algorithmen dieser Konzerne bestimmten unsere Sicht auf die Welt mehr, als viele verstehen. Das Hauptproblem sei das
Microtargeting: "Man kann also wirklich extremistische Inhalte erzeugen, die nur an die Leute ausgespielt werden, für die sie annehmbar erscheinen. Andere Leute, die diese Inhalte
in Frage stellen könnten, werden sie gar nicht zu sehen bekommen. Wenn alle das Gleiche sehen, kann ich jemanden zum Beispiel darauf hinweisen, dass etwas schlicht unwahr ist. Microtargeting führt zu einem
Mangel an Anfechtungsmöglichkeiten bestimmter Inhalte und an argumentativer Deliberation, die für eine Demokratie unabdingbar sind."