9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2017 - Internet

Westliche Medien oder Google sind von China aus längst nicht mehr zu nutzen. Einziger Weg dahin waren sogenannte VPN-Tunnel, die China nun auch barrikadiert - Apple hilft dem Regime dabei, indem es alle VPN-Apps aus seinem Appstore löscht (unser Resümee). Felix Lee erklärt in der taz die Hintergründe: "Das ist nicht das erste Mal, dass sich der Tech-Gigant der chinesischen Zensur beugt. Erst Anfang des Jahres war von einem Tag auf den anderen die Nachrichten-App der New York Times aus dem chinesischen App-Store verschwunden. Die Apple-Konzernleitung gab kurze Zeit später zu, dass dies auf ausdrücklichem Wunsch der Führung in Peking erfolgte." So wird es für China weiter kein Problem sein zu behaupten, dass niemand in China Liu Xiaobo und Liu Xia kenne. In einem zweiten Artikel erklärt Sebastian Erb, wie VPN-Tunnel funktionieren.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2017 - Internet

(Via turi2) Apple beugt sich der chinesischen Internetzensur, berichtete  Jon Russell am Samstag bei techcrunch: "Die Gleichschaltung des chinesischen Internets geht mit der Meldung weiter, dass Apple alle VPN-Apps entfernt hat, die es chinesischen Nutzern bisher erlaubten, das Zensursystem, des Landes zu umgehen. Diese Maßnahme ist zuerst von ExpressVPN bemerkt worden, einem Dienstleister außerhalb Chinas, der in einem Blogbeitrag berichtete, dass 'alle größeren VPN Apps', auch die eigene, aus dem chinesischen Appstore von Apple herausgeworfen wurden. ExpressVPN  zitierte auch aus eine Apple-Mitteilung an die Firma, in der es hieß, dass die App abgeschaltet wurde, weil sie 'Inhalte enthält, die in China illegal sind'."

Und Putin tut es den Chinesen gleich und hat laut Adario Strange von Mashable nur einen Tag später ein Gesetz unterzeichnet, das "alle Technologie verbietet, die es erlaubt, in Russland verbotene Websites zu besuchen, inklusive virtuelle privater Netzwerke (VPNs)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.07.2017 - Internet

Soundcloud, der Stolz der Berliner Start-up-Szene, musste Anfang des Monats vierzig Prozent seines Personals entlassen. Ryan Mac geht für die amerikanischen Buzzfeed-News den Ursachen des Abstiegs nach, der "nach Aussagen vieler Ehemaliger Folge einer strategischen Fehlentscheidung war - der Idee, Hals über Kopf, mit den Giganten des Musik-Streamings konkurrieren zu wollen. Mit dem Start von SoundCloud Go, einem Abodienst für 9,99 Dollar im Monat im März 2016 war Soundcloud ein Spätentwickler in einem wild kompetetiven Umfeld und mit einem Angebot, das sich kaum von Spotify oder Apple Music unterschied. Es war ein Flop, und der missglückte Start und der Widerspruch zur Unternehmenskultur wogen schwer. 'Niemand geht zu Soundloud, um den Beatles-Katalog zu hören', sagt ein Investor. 'Soundcloud hat genau das getan, was seine Nutzer nicht wollten.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2017 - Internet

Das nennen wir Globalisierung: Wladimir Putins Partei "Einiges Russland" orientiert sich bei der Formulierung eines neuen Internet-Überwachungsgesetz am Vorbild von Heiko Maas' Netzwerkdurchsetzungsgesetz, heißt es - mit Verweis auf russische Quellen - in einer Pressemitteilung der Reporter ohne Grenzen: "Am 12. Juli reichten Abgeordnete der Duma-Fraktion 'Einiges Russland' einen Gesetzentwurf ein, der Betreibern sozialer Netzwerke hohe Strafen androht, wenn sie rechtswidrige Inhalte nicht innerhalb von 24 Stunden löschen. In ihrer Begründung beziehen sich die Initiatoren ausdrücklich auf das Ende Juni vom deutschen Bundestag verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz, aus dem sie zahlreiche Punkte kopiert haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2017 - Internet

In Sachen Internet ist in Deutschland, wer auf dem Land lebt, oft abgehängt. Das liegt unter anderem daran, dass öffentliche Bibliotheken kaum freien Internetzugang anbieten, erklärt Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung: "Die Stadtbibliothek München hat gute Erfahrungen gemacht mit Programmierkursen selbst für Kinder, nachdem sie sich mit einer einst von russischen Einwanderern gründeten Bürgerinitiative zusammentat; Computerspiele kann man lernen und kritisch begleiten; als 'Maker-Space' bezeichnete Treffpunkte öffnen Bibliotheken für diejenigen, die neue Ideen und Produkte mit und für die digitale Welt entwickeln, aber keine Formenapparate im Hintergrund haben. Und man kann hier lernen, wie Fake News zu erkennen und zu bewerten sind oder wie man E-Books schreibt." Außer in Bayern und NRW sucht man solche Angebote leider meist vergeblich.

Laurens Cerulus besucht für politico.eu die Factchecker von Correctiv, die sich in Zusammenarbeit mit Facebook auf die Suche von Fake News begeben, und resümiert die europäische  Politik zum Thema: "Das neue deutsche Gesetz über die Plattformen geht um vieles weiter als alle anderen Versuche westlicher Regierungen, den Inhalt auf sozialen Netzen zu kontrollieren... Politiker in anderen europäischen Staaten, auch das Vereinigte Königreich und Frankreich, wollen Facebook für Inhalte terroristischer und krimineller Kreise auf Facebook verantwortlich machen. Nach den drei jüngsten Terrorattacken erhöhte die britische Regierung den Druck auf Facebook und andere, um Terrorkreise und Hate Speech zu bekämpfen."

Roboter, die sich als Menschen ausgeben, sogenannte Bots, werden zu einer immer größeren Gefahr für die Demokratie, die Wirtschaft und das ganz normale gesellschaftliche Zusammenleben, warnt Tim Wu in der New York Times und fordert gesetzliche Maßnahmen, die Bots wie Piraten als Feinde der Menschheit einstufen: "Am besten wäre ein 'Blade Runner'-Gesetz, dass den Einsatz von Programmen für illegal erklärt, die ihre wahre Identität verhüllen oder sich als Menschen ausgeben. Automatisierte Prozesse sollten verpflichtet sein zu bekennen: 'Ich bin ein Roboter'. Wenn man mit einem unechten Menschen kommuniziert, wüsste man das ja gern."

Nur keine Angst vor den Internetriesen: Facebook, Google und Co. sollten stärker reguliert werden, fordert im Interview mit Netzpolitik der amerikanische Rechtswissenschaftler Frank Pasquale, denn die Algorithmen dieser Konzerne bestimmten unsere Sicht auf die Welt mehr, als viele verstehen. Das Hauptproblem sei das Microtargeting: "Man kann also wirklich extremistische Inhalte erzeugen, die nur an die Leute ausgespielt werden, für die sie annehmbar erscheinen. Andere Leute, die diese Inhalte in Frage stellen könnten, werden sie gar nicht zu sehen bekommen. Wenn alle das Gleiche sehen, kann ich jemanden zum Beispiel darauf hinweisen, dass etwas schlicht unwahr ist. Microtargeting führt zu einem Mangel an Anfechtungsmöglichkeiten bestimmter Inhalte und an argumentativer Deliberation, die für eine Demokratie unabdingbar sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2017 - Internet

Gewerkschafter Thomas Voss erklärt im Gespräch mit Dario Dietsche von der taz die harten Arbeitsbedingungen der "Picker" in den berühmten, "chaotisch" organisierten Lagerhallen von Amazon. Da die Waren, die die Picker zusammensuchen müssen, sehr unterschiedlich groß sind, sind sie noch nicht durch Roboter zu ersetzen (aber Amazon arbeitet dran): "Sie müssen ihren Kopf komplett ausschalten, um die extrem monotonen Tätigkeiten acht Stunden lang ausführen zu können. Die Leistungsvorgaben sind dabei enorm: Ein Picker muss rund zwei Produkte pro Minute aus den Regalen nehmen und in eine kleine Plastikwanne legen. Er rennt computergesteuert durch die Lagerhallen und wird dabei permanent kontrolliert, denn die Daten des Handscanners stehen den Vorgesetzten jederzeit zur Verfügung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2017 - Internet

"In den letzten zehn Jahren hat Google (äh, Alphabet) Tausende Dollar an Universitätsleute bezahlt, die an Themen mit direktem Bezug zu den Geschäften der Firma forschten", berichtet Madison Malone Kircher mit Bezug auf nicht online stehende Wall-Street-Journal-Artikel (hier) im NYMag. "Die Beträge lagen zwischen 5.000 und 40.000 Dollar. Die Finanhzilfen des Konzerns wurden in den Texten oft nicht erwähnt, berichtet das Journals ebenfalls." Google hat in einem Blogpost auf die Vorwürfe geantwortet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2017 - Internet

In der SZ lobt Bernd Graff einen vom Munich Center for Internet Research (MCIR) ausgeschriebenen Wettbewerb zur automatisierten Identifizierung von Robotern in sozialen Medien (Bots), die die Diskussion und damit auch die Politik beeinflussen: "Dabei wird es immer schwerer, Bots von Menschen zu unterscheiden. Denn sie agieren inzwischen unter echt anmutenden Fake-Profilen und geben immer besser vor, aktive und interessierte Bürger zu sein. Sie wandeln sich also immer mehr vom beauftragten Agenten, der mechanisch Jobs abspult, hin zum selbsthandelnden Akteur. Ja, es gibt mittlerweile Botnetze, in denen Skripte untereinander sogar Kontroversen austragen, um nicht als Algorithmen enttarnt zu werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2017 - Internet

Strafen gegen Google sind gut und schön, aber die EU erkennt nicht das eigentliche Problem, meint in der SZ Evgeny Morozov, der da schon viel weiter ist: Daten. "Die Daten der gesamten Nation könnten zum Beispiel in einem gemeinschaftlichen nationalen Datenfundus gesammelt werden, der allen Staatsbürgern gehört (oder im Fall einer europäischen Lösung allen Europäern). Wer auch immer auf Grundlage dieser Daten einen neuen Service anbieten wollte, müsste das in einem sehr wettbewerbsorientierten, streng regulierten Umfeld tun und einen entsprechenden Anteil seiner Profite als Nutzungsgebühr abgeben. Eine solche Aussicht würde große Technikkonzerne viel stärker abschrecken als die Aussicht auf ein Bußgeld."

Während in Hamburg gewalttätige Demonstranten alle Aufmerksamkeit auf sich zogen, billigte der Bundesrat ganz leise den Einsatz von Staatstrojanern, berichtet Patrick Beuth auf Zeit online. Da möchte man seine Daten doch sofort freiwillig an den Staat übereignen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2017 - Internet

Dinah Riese geht in der taz die Argumente Heiko Maas' für eine Kontrolle von Algorithmen - möglicherweise durch eine eigene Behörde - durch und kommt zu dem Ergebnis: "Ein groß angelegtes Forschungsprojekt zur Funktionsweise und vor allem zu den Auswirkungen von Algorithmen wäre .. durchaus angebracht - eine Digital-Agentur braucht es dafür aber nicht. Und statt dem Justizminister wäre wohl eher das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung zuständig." Bei Netzpolitik schreibt Alexandra Hiller über Prognose-Software zur zur Beurteilung von Angeklagten und ihren sozialen Prognosen in den USA, die zu rassistischen Ergebnissen führen soll - sie bezieht sich auf ein Feature beim Deutschlandfunk.

Patrick Beuth stellt auf Zeit online das Projekt Datenspende BTW17 vor, mit dem AlgorithmWatch zusammen mit einigen Landesmedienanstalten den Google-Algorithmus durchleuchten will: "Bekommen alle Google-Nutzer die gleichen Ergebnisse angezeigt, wenn sie in den Wochen vor der Bundestagswahl über Google oder Google News nach politischen Begriffen suchen? Und wenn nicht, was beeinflusst die individuellen Ergebnisse? Das sind die Ausgangsfragen ... Gesucht werden Freiwillige, die sich hier ein eigens programmiertes Plugin für ihren Chrome- oder Firefox-Browser herunterladen und installieren - und anschließend darüber Daten spenden."

Nicht gut klingt diese Meldung aus turi2: "Der Musik-Streaming-Dienst Soundcloud entlässt 173 seiner zuletzt 420 Mitarbeiter, das sind mehr als 40 Prozent der weltweiten Belegschaft. Die Büros in San Francisco und London werden geschlossen, die Aktivitäten der Standorte Berlin und New York gebündelt. Die Einsparungen sollen helfen, das einstige Berliner Vorzeige-Startup langfristig auf eine gesunde Basis zu stellen und profitabel zu machen." Mehr bei Heise.de.