9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2017 - Medien

Der Tagesspiegel bringt laut turi2 eine Recherche über die Abhängigkeit der Kommunen von Microsoft, und stellt ausgerechnet diese Recherche, die doch für open source plädieren müsste (und von der stiftungsfinanzierten Journalistengruppe Investigate Europe betreut wurde), in den Zahlbereich. Eine Zusammenfassung findet sich in bei futurezone.at.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.04.2017 - Medien

taz-Redakteur Klaus Raab stellt (unter Verweis auf eine Kolumne von Jan Fleischhauer bei Spiegel online) eine unheimliche Frage, die am Ende seines Artikels unheimlich bleibt, weil seine Antwort nicht überzeugt. Die Frage ist: Auch die taz trat einmal gegen ein "Medienkartell" an und wollte es mit "Gegenöffentlichkeit" bekämpfen, so wie es heute rechtspopulistische Medien für sich beanspruchen. "Was ist dran an dem Vergleich? Was sagt das über die linken Ziele von damals und die rechten Strategien von heute?" Raabs Antwort: "Ein entscheidender Unterschied ist: Ziel von linker Gegenöffentlichkeit war es, die bestehenden Medien zu ergänzen, ihnen Stimmen hinzuzufügen. Meinungsmonopole zu verhindern. Zwar behaupten Medien der Neuen Rechten genau das heute auch von sich. Aber man sieht in Staaten wie Polen und Ungarn, wohin es führen kann, wenn die Autoritären mit ihren Strategien durchkommen: zu Meinungsmonopolen." Und das sollte einer Linken an der Macht nicht passieren können?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2017 - Medien

An fünf Beispielen beschreibt Marc Zitzmann in der NZZ, wie der Front National kritische Journalisten unter Druck setzt und Berichterstattung erschwert. Für Dominique Albertini, Redakteur bei Libération, ist etwa bezeichnend, "dass interne Quellen im FN immer anonym bleiben wollten. 'Wenn es darum geht, ein substanzielles Gespräch zu führen und nicht nur Floskeln wiederzugeben, haben alle Angst, bei der Parteileitung anzuecken. Ein führendes Mitglied des FN sagte mir einmal halb scherzhaft, seine Partei sei 'ein bisschen stalinistisch'. Alles läuft auf Marine Le Pen zu, alles geht von ihr aus. Wer nicht auf ihrer Linie liegt, wird rasch und hart mit Sanktionen belegt.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.04.2017 - Medien

Auch der umformulierte Entwurf des Gesetzes gegen Hate Speech im Netz wird heftig kritisiert, berichtet Maria Fiedler im Tagesspiegel: Selbst Zeitungsverleger befürchten, dass die Verwaltung der Meinungsfreiheit damit privaten Konzernen überlassen wird: "Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisierte das Gesetzesvorhaben. 'Das läuft auf die staatliche Einsetzung privater Meinungspolizei hinaus', sagte VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner. Auch die Grünen monieren, dass die sozialen Netzwerke in eine Richterrolle gedrängt würden. 'Die sensible Abwägung zwischen Grundrechten gehört zunächst einmal vor Gericht und nicht zwischen Privaten geklärt - sonst drohen Löschorgien wie beim Maas'schen Ansatz', sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz dem Tagesspiegel."

Auf zeit online sieht Patrick Beuth auch ein paar positive Folgen dieses Gesetzes: "Die ersten und sichtbarsten wären die 'inländischen Zustellungsbevollmächtigten', also Ansprechpartner für Justiz, Bußgeldbehörden und Betroffene, die alle Anbieter von sozialen Netzwerken nennen müssen. Opfer und Justiz müssten bei ihren Versuchen, gegen Hetze, Bedrohungen und Verleumdungen vorzugehen, nicht länger monatelang (und häufig umsonst) auf Reaktionen eines gesichtslosen US-Mitarbeiters der Unternehmen warten."

Im Interview mit der FAZ dürfen Mathias Döpfner und Dieter Gorny - ohne auch nur von einer kritischen Frage behelligt zu werden - auf einer ganzen Seite Werbung machen für ein europäisches Leistungsschutzrecht für Verlage und andere Verbesserungen des Schutzes ihrer Verwertungsrechte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.04.2017 - Medien

Gerade hat Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäckel in der FAZ auf einer ganzen Seite die Dominanz der digitalen Konzerne beklagt, die den Printmedien das Wasser abgraben. Doch so schlecht schlagen sich die deutschen Medienunternehmen im Netz gar nicht mehr, berichtet Petra Schwegler, die in WuV "digitale Geschäftsmodelle, Produktmanagement, Publishing, E-Commerce und Monetarisierungsstrategien" von Bauer, Burda, Spiegel, G+J und Condé Nast beschreibt. So ist Ligatur, ein Performance-Vermarkter von G+J, nach Angaben des Unternehmens inzwischen "führender Native Advertising Anbieter in Europa geworden".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2017 - Medien

Überall Fake-News-Fahnder. turi2 zählt heute allein drei davon auf: George Soros gibt Correctiv.org 100.000 Euro, um Facebook beim Aufspüren von Fälschungen zu helfen, berichtet Jens Twiehaus. Die "Tagesschau" geht mit "Faktenfinder" auf Fake-News-Suche, meldet Jens Twiehaus. Und Jeff Jarvis gründet laut Markus Trantow gar mit 14 Millionen Dollar von Facebook und anderen Unternehmern eine "News Integrity Initiative" - aus Deutschland sind als Unterstützter das Hans-Bredow-Institut und die Hamburg Media School dabei (mehr auch hier). Dann wollen wir mal hoffen, dass das Netz den begehrten Rohstoff in ausreichender Menge produziert!

Außerdem kämpft die Regierung mit einem Gesetzentwurf gegen Hate Speech, den der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger laut Markus Reuter von Netzpolitik nun allerdings als Zensuransinnen bekämpft.

Julia Jäkel höchstpersönlich, die CEO von Gruner + Jahr, kritisiert in der FAZ Mark Zuckerbergs auf Facebook veröffentlichtes Manifest (unsere Resümees), das auch auf die Fake-News-Kritik reagierte. Besonders sauer stößt ihr natürlich auf, dass Facebook inzwischen einen so gigantischen Teil der Werbeeinahmen abgreift:  "In meinen Augen ist es ein Testfall für die neue Weltordnung, wie Facebook tatsächlich mit seinen Problemen umgeht - und mit uns Verlagen und Journalisten. Hier wird sich zeigen, ob es 'Mark' um mehr geht als schöne Worte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2017 - Medien

Die Autorin Petra Reski, die sich in journalistischen Artikeln ebenso wie in fiktionalen Romanen mit der Mafia auseinandersetzt, wurde wegen eines im Freitag erschienenen Textes über die Mafia in Ostdeutschland von einem italienischen Geschäftsmann vor dem Landgericht Leipzig verklagt, berichtet Andreas Rossmann in der FAZ. Der Freitag löschte den Artikel daraufhin ohne Rücksprache mit der Autorin von seiner Internetseite. "Auf den Vorwurf der fehlenden rechtlichen Unterstützung angesprochen, sagte [Herausgeber Jakob Augstein]: 'Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.' Damit übernimmt Augstein nicht nur ungeprüft die Entscheidung aus Leipzig, sondern diskreditiert auch die zuvor von der Zeitung geschätzte Autorin und teilt mit, was eine freie Mitarbeit beim Freitag bedeuten und kosten kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2017 - Medien

Viel Aufsehen erregen ein Buch und eine Sendereihe des Autors  Constantin Schreiber, der Moscheen in Deutschland besucht hat. Daniel Bax bezweifelt in der taz, dass er seriös arbeitet: "Für die zweite Folge seines 'Moscheereports' suchte Schreiber mit seinem Team die Moschee und Begegnungsstätte Dar Assalam in Berlin-Neukölln auf. Nachdem der Beitrag in dieser Woche online zu sehen war, hat die Moschee jetzt angekündigt, Schreiber deshalb zu verklagen, und die ARD hat die Folge rasch wieder aus ihrer Online-Mediathek entfernt. Schreiber und seine Redaktion sollen sich auch schriftlich entschuldigt haben, sagt die Moschee." [Nachtrag: Das Landgericht Berlin hat knapp vier Wochen später einen Antrag auf Gegendarstellung der Moschee zurückgewiesen, meldet Spon am 27.4.]

Äußerst beunruhigend liest sich die FAZ-Meldung über die Schwierigkeiten der Gazeta Wyborcza, die, wie in populistischen Regimes üblich, offenbar über den Weg des staatlichen Anzeigenentzugs drangsaliert wird: "2016 musste ihr Verlag Agora 176 Kündigungen aussprechen. Die Anzeigenerlöse sanken im letzten Jahr um sechzehn Prozent. Die Auflage ging im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent zurück auf 118.000 Exemplare. Vor allem der Wegfall von Anzeigen staatlicher und staatsnaher Firmen verringert die Einnahmen." Auch Medien in ausländischem Besitz bekommen in Polen zusehends Schwierigkeiten.

Außerdem: Die Zeit führt ein Metered Model für den Inhalt der Print-Zeit ein, informiert ein Blogbeitrag der Redaktionen der Zeit und von Zeit online.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.03.2017 - Medien

Die bekannten Medienprofessoren Emily Bell und Taylor Owen stellen in der Columbia Journalism Review einen fast hundertseitigen Forschungsbericht über den Einfluss von Plattformen wie Facebook und Google auf den Journalismus vor. Hier schon mal das Resümee: "Traditionelle Verlegerrollen werden zusehends von Firmen wie Facebook, Snapchat, Google und Twitter übernommen. Diese massive Übernahme zeigt keine Zeichen der Verlangsamung und wirft die Frage auf, wie Journalismus künftig finanziert wird. Diese Unternehmen sind längst über ihre Rolle als Vertriebskanäle hinausgewachsen und kontrollieren heute, was das Publikum sieht, wer für seine Aufmerksamkeit bezahlt wird und sogar, welche Formate und Typen von Journalismus blühen." Der Bericht kann als pdf-Dokument hier heruntergeladen werden.

Die deutsche Medienbürokratie hat jüngst gezeigt, dass nicht mit ihr zu spaßen ist und dass sie sich auch fürs Internet zuständig fühlt. Ein Videokanal bei Youtube, der Livestreams über Spiele anbot, muss eine Rundfunklizenz beantragen. Im Interview mit der FAZ sagt der Medienrechtsexperte Christian Solmecke: "In der Pressemitteilung der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medienanstalten wird deutlich, dass die ZAK ein Exempel statuieren und künftig konsequenter gegen Live-Streamings vorgehen will. Youtuber und Let's Player wie 'Piet Smiet' sind mit dem Thema Rundfunklizenz bislang vielleicht etwas naiv und fahrlässig umgegangen." Aber hätte nicht eigentlich das ganze Internet zunächst um eine Lizenz nachsuchen sollen?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2017 - Medien

Kurz vor Ultimo sind die Zeitungen voll mit Artikeln über DVB-T2. Die Umstellung auf den moderneren Antennenempfang bedeutet für die bereits von der Haushaltsabgabe beroffenen Zuschauer, dass sie nun auch noch 69 Euro jährlich für den Empfang der Privatsender zahlen sollen. Joachim Huber vom Tagesspiegel sieht das gar nicht ein: "Der TV-Konsument muss ins Recht gesetzt werden, über den Umfang der nachgefragten Programmleistung selbst zu bestimmen: nicht irgendwelche voluminösen, zusätzlichen, verdeckten Paketlösungen, sondern Individualempfang und individuelle Abrechnung. Das funktioniert bei Wasser und Strom, da sollte es beim Fernsehen auch funktionieren können."

Und dann gibt es noch die Dienste, für die die Mediennutzer mit ihrer angeblichen Kostenlosmentalität freiwillig zahlen sollen. Der bekannte Journalistikprofessor Jay Rosen erklärt im Niemanlab, warum er den niederländischen Dienst De Correspondent bei seiner Expansion in die USA begleiten will - De Correspondent lässt sich von seinen "Mitgliedern" und Lesern bezahlen. Eines der Argument für dieses Modell ist für Rosen, dass De Correspondent ein Autorenblatt sei - sie dürfen ihre Themen selbst setzen. Und "im Austausch für die Freiheit, ihr Tempo und ihre Passionen selbst zu bestimmen, wird von den Korrespondenten verlangt, in eine reiche Interaktion mit ihren Lesern zu investieren. Sie haben keine Wahl. Das ist Teil des Jobs. Dieser Schritt ist entscheidend für das auf Vertrauen aufgebaute Modell von De Correspondent und für sein Geschäftsmodell."

Dazu passt dann noch die heutzutage geradezu surreal klingende Meldung, dass der Independent fünfzig Redakteure einstellen will. Seit seinem Verzicht auf Print, mache die Zeitung wieder Gewinn, berichtet Alexander Menden in der SZ.