9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.03.2017 - Medien

(Via turi2) Könnte es sein, dass das EU-Leistungsschutzrecht ohne den für die Verleger besonders engagierten EU-Kommissar Günther Oettinger zum Flop wird? Die maltesische Abgeordnete Therese Comodini Cachia, die im Rechtsausschuss des Parlaments die Federführung für das Thema hat, lehnt den Vorschlag zum Leistungsschutzrecht in ihrem Bericht zu der Reform jedenfalls ab, schreibt Till Hoppe im Handelsblatt: "Comodini will den Verlegern anderweitig entgegenkommen: Sie sollen im eigenen Namen vor Gericht gegen die Verletzung von Rechten ihrer Autoren klagen können. Google und andere könnten aber wohl weiterhin kurze Textausschnitte in ihren Suchergebnissen nutzen - ohne dass die Verlage dafür eine finanzielle Entschädigung erwarten dürfen. Sie können sich zwar auf das Urheberrecht ihrer Autoren berufen. Aber dieses deckt die kleinen Textausschnitte, sogenannte Snippets, nicht ab. " Hierfür bräuchte es ein Leistungsschutzrecht. Leonhard Dobusch berichtet bei Netzpolitik.org zum Thema.

Den in Deutschland zur Zeit besonders frommen Reden darüber, wie Presse die Demokratie verfechte und aufrechterhalte, hält Jan Keetman in der Jungle World einige Beispiele dafür entgegen, wie sich Presse in der Türkei lange vor dessen Festnahme auf Deniz Yücel einschoss: "Im Star konnte man .. lesen, Yücel habe Erdogan als 'Despot und Frauenfeind' beleidigt, 'Lügenberichte' verfasst, 'seinen Hass gegen die Türkei ­erbrochen'. Außerdem verbreitete die Zeitung, dass er ein deutscher Spion sei. Nachdem der Vorwurf der Spionage ganz ohne Quellenangabe gestreut war, konnte ihn Erdogan am folgenden Tag öffentlich wiederholen. Nun sei wohl auch dem letzten klar, warum sich die deutsche Regierung so um Yücel reiße."

Im Spiegel hat gerade auch der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, behauptet, die demokratische Öffentlichkeit werde durch die öffentlich-rechtlichen Sender garantiert - Trump sei auch wegen des Fehlens solcher Sender an die Macht gekommen.  Dem hält Perlentaucher Thierry Chervel in der Welt entgegen: "Wie offensiv würden die Herren und Damen Intendanten agieren, wenn die AfD erst an der Regierung wäre und Einfluss auf ihre Posten hätte? Die privaten Medien in den USA haben scharf und präzise auf Trump reagiert. Die BBC dagegen hat aus falscher Ausgewogenheit und Sorge vor dem Verlust des eigenen Status gegenüber den Brexit-Populisten eher laviert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2017 - Medien

Leute, ihr braucht nicht länger zu suchen. Die nordrhein-westfälischen Zeitungsverleger haben den Grund für die Wahl Trumps und den Brexit gefunden: Es lag an den Werbeblockern im Internet, die die Online-Ableger der Zeitungen behindern, schreiben sie in einer Stellungnahme zu diesem Thema für den NRW-Landtag (hier als pdf-Dokument): "Schon heute ist die redaktionelle Qualität von Online-Medien beeinträchtigt, weil Internet-Werbeblocker die Refinanzierung aufwendiger Medieninhalte erschweren oder sogar unmöglich machen... Die Meinungsbildung für die breite Masse erfolgt dann durch Blogger ohne journalistische Standards und soziale Netzwerke. Erste Auswirkungen eines solchen Trends lassen sich in den letzten Wahlen in Großbritannien und den USA besichtigen. Ein barrierefreier Zugang zu Qualitätsmedien im Internet ist für die demokratische Meinungsbildung der Bevölkerung von grundlegender Bedeutung. Die Werbefinanzierung gewährleistet dies."

Aufgespürt wurde diese zwingende Argumentationskette von Friedhelm Greis bei golem.de, der allerdings ein paar Einwände hat: "Schließlich wurde die Brexit-Kampagne auch von traditionellen Medien wie The Sun oder Daily Mail unterstützt. Der US-Wahlkampf wurde wiederum von Fake-News-Medien befeuert, die nur deshalb gestartet wurden, um an Werbeanzeigen zu verdienen. Geradezu hanebüchen erscheint die Vorstellung, dass die Menschen soziale Medien wie Facebook nutzen, weil den etablierten Medien Anzeigeneinnahmen verloren gehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2017 - Medien

Eine Gruppe von Autoren der Harvard-Universität (darunter der große Yochai Benkler) stellt bei der Columbia Journalism Review eine Studie vor, die die Einflusspolitik der rechtspopulistischen Blogger- und Medienszene in den USA untersucht. Die Studie zeige, wie diese Sphäre "mit Breitbart als Ankerpunkt als ein deutlich abgegrenztes und in sich geschlossenes System hochkam, indem es die sozialen Medien als Rückgrat nutzte, um eine extrem parteiische Sicht auf die Welt zu verbreiten. Diese pro-Trump Mediensphäre scheint nicht nur erfolgreich die Agenda für konservative Medien gesetzt zu haben, sondern beeinflusste auch stark die breitere Medienagenda, vor allem in der Berichterstattung über Hillary Clinton."

Außerdem: In der FAZ wenden sich die Grünen-Politikerin Tabea Rößner und der Medienrechtler Karl-E. Hain gegen die Idee, man könne "Fake News" in den sozialen Netzen mit Zensur bekämpfen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2017 - Medien

(Via golem.de) Die Deutschen sehen relativ wenig Filme und Serien illegal, behauptet Netflix-Chef Reed Hastings im Interview mit Tobias Jochheim von der Rheinischen Post: "Andererseits sind sie es auch gewohnt, nichts für relativ gutes Programm bezahlen zu müssen. ARD, ZDF und Co. sind ja mit Milliarden Euro besser finanziert als die BBC, so gut wie kein anderer öffentlich-rechtlicher Rundfunk der Welt! Aber die Deutschen hassen auch Werbeunterbrechungen mehr als die Menschen im Rest der Welt." Wenn acht Milliarden Euro "nichts" sind!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2017 - Medien

Nach der Verhaftung von Deniz Yücel hatte Michael Martens in der Frankfurter Sonntagszeitung die Entsendepraxis deutscher Medienhäuser kritisiert, die türkischstämmige Journalisten allzu sehr auf Türkei-Themen festlegten. In der FAZ berichtet nun Baha Güngör von seinen eigenen Erfahrungen: "Ob mich aber die Deutsche Presse-Agentur, deren Türkei-Korrespondent ich von 1992 bis 1999 war, irgendwo anders als in der Türkei beschäftigt hätte? Wohl kaum. Auch die Deutsche Welle übertrug mir 1999 die Leitung der türkischen Redaktion wegen meiner Türkei-Erfahrungen. Eine Chance auf einen anderen Job habe ich in den 16 Jahren auch dort nicht bekommen... Hand aufs Herz, lieber Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt - wäre es denkbar gewesen, dass man Deniz Yücel einen Korrespondentenposten in London oder in Rom angeboten hätte statt in der Türkei? Die ehrliche Antwort kann nur nein lauten, oder?"

Nach einer Vorstellung neuer Serien - darunter der Serie "Dark" aus Deutschalnd - stellt Christian Meier  in der Welt die neue Netflix-Strategie vor. "Mit in verschiedenen Ländern produzierten Serien, in denen dort bekannte Schauspieler zu sehen sind, sollen die Abonnentenzahlen in den jeweiligen Märkten nach oben getrieben werden. Funktionieren sollen die meisten dieser neuen Stoffe aber auch über die Ländergrenzen hinweg." Die Welt hatte neulich auch berichtet, dass das Angebot von Netflix in den letzten Jahren drastisch gesunken sei - der Artikel steht leider nicht online. Ein weiterer Hintergrundartikel zum immer kleineren Katalog von Netflix (dssen Preise trotzdem steigen) dazu findet sich im Techbook.

(Via turi2) Medienübergreifende Bezahldienste wie Blendle schaden den proprietären Zahlmodellen von Zeitungen, behauptet eine Studie, die der Hamburger Medienprofessor Michel Clement mit erarbeitet hat. In der Pressemitteilung der Uni heißt es: "Die Mehrzahl der befragten Personen steht Online-Kiosken Professor Clement zufolge positiv gegenüber. Viele der bereits zahlenden Leserinnen und Lesern würden ihre kostenpflichtige Bezugsquelle für journalistische Inhalte wechseln. 'Apps wie Blendle oder pocketstory kannibalisieren so die traditionellen Bezahlangebote der Verlage, da die Verlage keine neuen Bezahlerinnen und Bezahler gewinnen.  (...) Die für Digital-Kiosk-Apps erfolgreichste Preisstrategie ist der Untersuchung zufolge das Flatrate-Angebot. 'Allerdings sind die Konsumentinnen und Konsumenten sehr preissensibel', so Clement. Er empfiehlt einen monatlichen Preis von höchstens zehn Euro. 'Eine derartige Flatrate hat das Potenzial circa 7 Prozent des Marktes zu binden.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.03.2017 - Medien

Bevor er für seine Untersuchungshaft in ein anderes Gefängnis überstellt wurde, konnte Deniz Yücel einen kleinen handschriftlichen Brief an seine Unterstützter verfassen, den die Welt gestern veröffentlichte. Immerhin sind die Umstände besser als im bedrückenden Gewahrsam: "Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescáfe! Rauchen! Zeitungen! Ein echtes Bett! Eine Toilette für mich alleine, die ich aufsuchen kann, wann ich will. Tagsüber - wenn ich will - Küche und Hof mit einer Handvoll politischer Häftlinge, abends eine Zelle für mich allein. Hier werde ich nicht lange bleiben, aber es ist okay. "

Can Dündar schreibt in der Zeit über den Fall Deniz Yücel: "Deniz' Ver­haf­tung weist dar­auf hin, dass Er­dogans Zorn ge­gen jeg­li­che Kri­tik nun auch ins Aus­land schwappt. Und das jetzt, da der Staats­prä­si­dent plant, nach Deutsch­land zu kom­men, um für sein Re­fe­ren­dum zu wer­ben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2017 - Medien

Die taz macht mit Deniz Yücel und den anderen 151 Journalisten in türkischen Gefängnissen auf. Chefredakteur Georg Löwisch schreibt im Kommentar: "In der Türkei wird die freie Presse schon lange zensiert, blockiert und drangsaliert. Dennoch ist die Entscheidung, dass Deniz Yücel in Haft bleibt, selbst im Sultanat des Recep Tayyip Erdogan ein Einschnitt. Er will nun auch gegenüber der internationalen Presse Stärke zeigen. Sie prägt das Bild des Machthabers in der Welt. Und dieses Bild ist relevant für die Frage, wie groß der Spielraum bleibt, den Erdoğan bei politischen Geschäften mit dem Ausland hat."

In einem taz-Hintergrundartikel informiert Ali Celikkan außerdem über Bestimmungen der türkischen Justiz und erklärt, warum er glaubt, dass die Ermittlungen gegen Yücel selbst nach türkischen Maßstäben gesetzeswidrig seien.

Auch die Welt hat etliches zu Deniz Yücel. Unter anderem fürchtet Can Dündar Schlimmes für alle inhaftierten Journalisten: "Vor dem Referendum am 16. April gibt es meines Erachtens keine Chance auf Freilassung. Die Kollegen wissen, dass die türkische Regierung sie als Geiseln genommen hat. Recht und Gesetz sind ausgeschaltet. Jetzt richten sich alle Augen auf den Ausgang des Referendums. Wir müssen diesen politischen Kampf gewinnen."

Als stark cholesterinhaltige beleidigte Leberwurst schreibt  FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube über die #Freedeniz-Kampagne und  beschwert sich zumal, dass  ein FAZ-Herausgeber in der Kampagne fälschlich genannt wurde und dass die meisten FAZ-Redakteure überhaupt erst aus der Zeitung davon erfuhren. Und darum hat die FAZ auch anders als die SZ keinen Raum für eine - natürlich kostenlose -  Anzeige der Kampagne freigeräumt. "Wer ernsthaft gewollt hätte, dass Journalisten dieser Zeitung per Unterschrift das Selbstverständliche bekräftigen, Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit für unerträglich zu halten, wäre anders vorgegangen. Die Mailadressen des Hauses sind gut bekannt. Es gibt sogar Telefone."

In der SZ weist Mike Szymanski daraufhin, dass sich Deniz Yücel nach dem Besuch von Angela Merkel in Ankara freiwillig der türkischen Justiz gestellt hat.: "Die Regierung in Ankara erlaubt sich den Luxus, die einzige, wirklich mächtige EU-Politikerin zu brüskieren, die überhaupt noch bereit ist, mit Erdoğan zu reden."

Sogenannte "Hyperpartisan Websites" haben im amerikanischen Wahlkampf eine große Rolle gespielt und eine Menge Klicks erzeugt - sie bedienten die Filterblasen politisch dezidierter Kreise - Republikaner oder Demokraten - und scheuten zuweilen vor "Fake News" nicht zurück. Craig Silverman zeigt in einer faszinierenden Recherche für Buzzfeed, dass die Firma American News LLC  parallel extrem demokratische und extrem konservative Websites betreibt und Meldungen zuweilen durch bloße Negationen für die jeweiligen Filterblasen präpariert: "Es ist unklar, ob  American News LLC  die selben Autoren oder getrennte Teams für ihre konservativen und linksliberalen Websites einsetzt. Klar ist aber, dass zumindest eine der Websites gefälschte Autorenfotos benutzt. Die Auorenseite für God today gibt zwei Autoren an, Henry Freeman and John Sullivan. Die Fotos für diese Autoren sind Bilderdiensten entnommen. Sullivans Video stammt aus einen Shutterstrock-Video mit dem Titel 'Reifer Mann spielt Golf'. Freemans Foto kiommt aus Material mit dem Titel 'Junger Mann im Park schreibt auf seinem Laptop.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2017 - Medien

Die türkische Justiz hat den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel in Untersuchungshaft gesteckt. In der Welt versichert Mathias Döpfer, dass sich ein Deniz Yücel so schnell nicht einschüchtern lässt, doch seien derartig willkürlichen Machtgesten nicht hinnehmbar: "Gedankenfreiheit, Kunstfreiheit und Pressefreiheit sind hoffentlich unbequem. Aber: Die Demokratien der Mitte, die den Schutz dieser Freiheiten als konstituierende und also unter allen Umständen schützenswerte Elemente ihres Systems begreifen, sind weltweit geschwächt, matt, zum Teil taumelnd. Sogenannte Populisten, Kaum-Demokraten und Diktatoren sind dagegen im globalen Angriffsmodus und stürmen von Erfolg zu Erfolg - die Verachtung und Einschränkung intellektueller Freiheiten ist dabei ein Muster."

In der taz berichten Fatma Aydemir und Ebru Tasdemir von der Gerichtsverhandlung gegen Deniz Yücel: "Es ging unter anderem um das Interview, das er mit PKK-Anführer Cemil Bayık geführt hatte, und Berichte über Gefechte in der kurdischen Stadt Cizre. Im Protokoll heißt es, das Bayık-Interview 'glorifiziere die PKK-Terrororganisation'; die in der Cizre-Nachricht enthaltene Zahl der getöteten Zivilisten sei 'nicht wahrheitsgemäß'; und ein Bericht über den Putschversuch im vergangenen Sommer, in dem Yücel schrieb, es sei nicht klar, ob die Gülen-Begewegung hinter dem Putsch stecke, wird im Protokoll als 'Terrorpropaganda' eingestuft." Außerdem wissen sie von taz-Kollegin Doris Akrap, die vor Ort ist: 'Er sah gut aus, sein Bart ist nur sehr lang und wir durften ihn kurz umarmen.'"

Außerdem wurde eine riesige  deutsch-türkische Kampagne gestartet, mit der die Größen der deutschen Öffentlichkeit die Freiheit für Deniz fordern. Beziehungsweise: Deniz'e Özgürlük!

In der NZZ möchte Rainer Stadler Trumps Angriffe auf die Presse nicht so ernst nehmen. Trump schimpfe, aber er behindere die Presse nicht ernsthaft: Dass diese ritualisierten Pressekonferenzen für die Kontrolle der Regierungstätigkeit so wichtig sind, muss man bezweifeln. Wenn Trump nun die gewohnte Ordnung etwas durcheinanderbringt, ist dies gar nicht schlecht. Für die Medien dürfte es gar heilsam sein, wenn sie zu den Mächtigen etwas mehr auf Distanz gehen und nicht darauf warten, dass ihnen der Präsident durch Einladung an eine Medienkonferenz indirekt die Gnade der Anerkennung gewährt."

Wer nur den aktuellen  Streit Donald Trumps mit Medien wie der New York Times ansieht, verkennt möglicherweise bedeutendere Verschiebungen auf dem amerikanischen Medienmarkt, schreibt  Charles Ferguson im Guardian. Trump hat den ergebenen Ajit Pai  bei der FCC installiert, die die Medien reguliert. Pai will unter anderem die Netzneutralität abschaffen. Und im Hintergrund werden die Medienkonzerne längst von Telekom-Riesen regiert: "Amazon has bought the Washington Post. Verizon is buying Yahoo and has already purchased AOL, the owner of the Huffington Post. AT&T is buying Time Warner, which owns CNN and HBO among other channels. A large portion of the news media will soon be owned by enormous companies with very strong special interests of their own."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2017 - Medien

In der SZ kommentiert Nicolas Richter Trumps Versuche, den Quellenschutz im Journalismus aufzuweichen: "Donald Trump ist nicht interessiert an gutem Journalismus. Er beurteilt Journalismus allein danach, ob er ihm huldigt oder nicht. Er ärgert sich darüber, dass permanent Vertrauliches aus dem Regierungsapparat sickert, unter anderem zur Affäre um seinen mittlerweile geschassten Berater Flynn. Trump will dem entgegenwirken, indem er die Medien als Volksfeinde beschimpft, deren Arbeit als Fake News niedermacht oder indem er Reporter aus dem Weißen Haus verbannt. Er will die Medien diskreditieren und potenzielle Informanten im Apparat einschüchtern, die seinen Stil mit Grausen verfolgen."

Kersint Holm schildert in der FAZ klassische Techniken russischer Medienpolitik, etwa das Anhängen eines "faulen Herings", bei dem jemand eine schwere Straftat nachgesagt wird: "Es muss eine möglichst abstoßende Tat sein, Mord aus Habsucht oder Kinderschändung eignen sich besonders. Beim 'faulen Hering' kommt es nicht darauf an, den Vorwurf zu beweisen, vielmehr soll gerade seine Unhaltbarkeit möglichst ausführlich in der Öffentlichkeit kommentiert und durchgekaut werden. Die menschliche Psyche sei nämlich so beschaffen, wussten schon die sowjetischen Strategen des Informationskriegs, dass jede öffentliche Behauptung sogleich Fürsprecher und Gegner auf den Plan rufe..."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2017 - Medien

Trumps Pressespecher Sean Spicer hat mehrere Medien von einer Pressekonferenz im Weißen Haus ausgeschlossen, darunter Die New York Times, CNN, Politico, Buzzfeed und die Los Angeles Times. In ihrem Editorial antwortet die NYTimes sehr entschieden: "Dieser Schritt ist ein unmissverständlicher Angriff auf die demokratischen Ideale. Nehmen Sie dafür nicht nur unsere Worte, sondern Spicers eigene. Im Dezember sagte er Politico, dass das Weiße Haus unter Trump niemals eine Medium ausschließen würde. 'Weder konservative noch liberale oder andere. Das ist was eine Demokratie von einer Diktatur unterscheidet.'"

Politico sieht darin eine weitere Eskalation in Donald Trumps Krieg gegen die Medien und zitiert Carlos Lauria vom internationalen Committee to Protect Journalists: "He cited leaders in Egypt, Venezuela, Russia and Turkey who routinely accumulated new powers 'by marginalizing the independent media.' The aim of such denigration, he said, is to inoculate the administration from legitimate criticisms by delegitimizing the media. 'Such a framework is familiar in authoritarian countries where the media is undermined, marginalized and attacked,' he said. 'It's very, very troubling. It sets a terrible example for the rest of the world.'"