Neue Attacken gegen den
Axel Springer Verlag und
Mathias Döpfner, diesmal nicht von der
New York Times, sondern von der
Financial Times - bei Twitter herrscht helle Aufregung. Der
FT-Artikel lässt sich über
diesen Link eventuell lesen. Eine über Monate auf den Konzern angesetzte Gruppe von Autoren hat herausgefunden, dass der ehemalige
Bild-Chef Julian Reichelt, dem Sex-Affären im Unternehmen (aber kein Missbrauch nach deutschem Recht) vorgeworfen wurde, offenbar von der Konzernleitung über den Gang der Gespräche mit den Frauen, die ihn beschuldigt hatten,
informiert wurde. Der Springer Konzern und Julian Reichelt weisen das als
Lügen oder Verfälschung zurück. "Die
FT hat jedoch Beweise überprüft, die darauf hindeuten, dass Reichelt während der Ermittlungen
Updates erhielt, die es ihm ermöglichten, viele der Zeuginnen zu identifizieren." Bei einer der betroffenen Frauen, die mit einem Ermittler der Anwaltskanzlei Freshfields gesprochen hatte, "kontaktierte der Redakteur die Mutter. Er machte deutlich, dass er
von den Beschwerden wusste, obwohl die Frau eine schriftliche Vertraulichkeitszusage erhalten hatte. 'Mir wurde versprochen, dass ich diesen Männern vertrauen kann', ließ die Ex-Freundin über ihren Anwalt der
FT mitteilen. 'Ich habe das Gefühl, dass sie mich
in Gefahr gebracht haben, um Julian - und sich selbst - zu verteidigen.'" In dem Artikel werden weitere schwere Vorwürfe gegen Mathias Döpfner erhoben: "Nicht lange nach Abschluss der Freshfields-Untersuchung hatte Döpfner auf eigene Initiative
eine Gegenuntersuchung eingeleitet, um eine '
Verschwörung' aufzudecken - ein Ausdruck, den er häufig in Textnachrichten an Führungskräfte verwendete... Döpfner und seine Vertrauten beauftragten einen externen Anwalt und erstellten eine Liste von Personen,
gegen die ermittelt werden sollte." Auch
Benjamin von Stuckrad-Barre, der eine private Mail von Döpfner an die Presse weitergegeben hatte, gehörte offenbar zu den Zielen von Döpfners "Gegenuntersuchung".
Springer sei es in Reaktion auf die Affäre vor allem um eine
geräuschlose Beerdigung des Skandals gegangen, kommentiert Nils Minkmar in der
SZ: "Im Artikel wird ein Springer-Vorstand so zitiert, dass sie
alle ihren Hut nehmen können, sollte der Inhalt der Untersuchung öffentlich werden. Was freilich, auch das lässt sich dem Artikel entnehmen, niemanden aus Vorstand oder Chefetage dazu bewog, Reichelts Gebaren und Döpfners Umgang mit dem Skandal
laut und deutlich anzuprangern." Stefan Winterbauer
meint bei
Meedia: "Der Artikel in der
FT ist für Axel Springer
noch viel schädlicher als die Enthüllung der
New York Times. Die
FT zerlegt das Narrativ vom
bedauerlichen Einzelfall. Hier zeigt sich das Bild einer systematischen Vertuschung von massivem Fehlverhalten durch das Springer-Management, angeführt von seinem CEO. Der ganz nebenbei auch noch als BDZV-Präsident für
die deutsche Zeitungsbranche spricht."