9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2022 - Medien

Neue Attacken gegen den Axel Springer Verlag und Mathias Döpfner, diesmal nicht von der New York Times, sondern von der Financial Times - bei Twitter herrscht helle Aufregung. Der FT-Artikel lässt sich über diesen Link eventuell lesen. Eine über Monate auf den Konzern angesetzte Gruppe von Autoren hat herausgefunden, dass der ehemalige Bild-Chef Julian Reichelt, dem Sex-Affären im Unternehmen (aber kein Missbrauch nach deutschem Recht) vorgeworfen wurde, offenbar von der Konzernleitung über den Gang der Gespräche mit den Frauen, die ihn beschuldigt hatten, informiert wurde. Der Springer Konzern und Julian Reichelt weisen das als Lügen oder Verfälschung zurück. "Die FT hat jedoch Beweise überprüft, die darauf hindeuten, dass Reichelt während der Ermittlungen Updates erhielt, die es ihm ermöglichten, viele der Zeuginnen zu identifizieren." Bei einer der betroffenen Frauen, die mit einem Ermittler der Anwaltskanzlei Freshfields gesprochen hatte, "kontaktierte der Redakteur die Mutter. Er machte deutlich, dass er von den Beschwerden wusste, obwohl die Frau eine schriftliche Vertraulichkeitszusage erhalten hatte. 'Mir wurde versprochen, dass ich diesen Männern vertrauen kann', ließ die Ex-Freundin über ihren Anwalt der FT mitteilen. 'Ich habe das Gefühl, dass sie mich in Gefahr gebracht haben, um Julian - und sich selbst - zu verteidigen.'" In dem Artikel werden weitere schwere Vorwürfe gegen Mathias Döpfner erhoben: "Nicht lange nach Abschluss der Freshfields-Untersuchung hatte Döpfner auf eigene Initiative eine Gegenuntersuchung eingeleitet, um eine 'Verschwörung' aufzudecken - ein Ausdruck, den er häufig in Textnachrichten an Führungskräfte verwendete... Döpfner und seine Vertrauten beauftragten einen externen Anwalt und erstellten eine Liste von Personen, gegen die ermittelt werden sollte." Auch Benjamin von Stuckrad-Barre, der eine private Mail von Döpfner an die Presse weitergegeben hatte, gehörte offenbar zu den Zielen von  Döpfners "Gegenuntersuchung".

Springer sei es in Reaktion auf die Affäre vor allem um eine geräuschlose Beerdigung des Skandals gegangen, kommentiert Nils Minkmar in der SZ: "Im Artikel wird ein Springer-Vorstand so zitiert, dass sie alle ihren Hut nehmen können, sollte der Inhalt der Untersuchung öffentlich werden. Was freilich, auch das lässt sich dem Artikel entnehmen, niemanden aus Vorstand oder Chefetage dazu bewog, Reichelts Gebaren und Döpfners Umgang mit dem Skandal laut und deutlich anzuprangern." Stefan Winterbauer meint bei Meedia: "Der Artikel in der FT ist für Axel Springer noch viel schädlicher als die Enthüllung der New York Times. Die FT zerlegt das Narrativ vom bedauerlichen Einzelfall. Hier zeigt sich das Bild einer systematischen Vertuschung von massivem Fehlverhalten durch das Springer-Management, angeführt von seinem CEO. Der ganz nebenbei auch noch als BDZV-Präsident für die deutsche Zeitungsbranche spricht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2022 - Medien

Nach Vorwürfen des Antisemitismus gegen einige arabische Mitarbeiter und Partnersender der Deutschen Welle, hat Intendant Peter Limbourg eine Untersuchung durch die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und die Islamismus-Experten Ahmad und Beatrice Mansour beauftragt, die nun vorliegt und die Michael Hanfeld für die FAZ liest. Die Zustände seien eher noch schlimmer als ursprünglich angenommen. "In der Middle-East-Redaktion, so die Untersuchung, herrsche ein angespanntes Klima und Misstrauen gegenüber der Redaktionsleitung. Manche hätten Angst, sich frei zu äußern. 'Viele kritische Stimmen in der arabischen Redaktion', die sehr wohl in der Lage seien, 'Antisemitismus zu erkennen und die Werte der DW zu vertreten, sind mit dem derzeitigen Zustand unzufrieden und fühlen sich von Verantwortlichen der DW allein gelassen'. Die Redaktion sei 'tief gespalten', die Rekrutierung sei intransparent, es bedürfe eines grundlegenden Neuanfangs."

Der Sender hat sich von fünf Mitarbeitern getrennt, mehr in der Jüdischen Allgemeinen. Immerhin liegt laut Bericht aber "kein struktureller Antisemitismus" vor, schreibt Joachim Huber im Tagesspiegel erleichtert: "In dem Untersuchungsbericht wird deutlich, dass die betroffenen Mitarbeiter ihre inkriminierten Äußerungen nicht in den DW-Programmen gemacht, sondern auf ihren privaten Social-Media-Accounts platziert haben. Sie waren Ausgangspunkt für die rund dreißig Gespräche, die Leutheusser-Schnarrenberger und Mansour seit Dezember geführt hatten. Namen wurden keine genannt, trotzdem zeigte sich die Kommission überrascht davon, welch eindeutiger Antisemitismus Haltung und Einstellung Einzelner prägt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2022 - Medien

In der Zeit gab es vor einigen Monaten einen Artikel mit unangenehmen Details über die Berliner Zeitung (unser Resümee). Heute gibt es einen Artikel in der Berliner Zeitung mit unangenehmen Details über den Holtzbrinck Verlag, zu dem auch die Zeit gehört. Maximilian Both hat recherchiert, dass dem Verleger Dieter von Holtzbrinck ein Finanzierungsuntenehmen für Start-ups gehört, DvH Ventures, das den Start-ups Berichterstattung in seinen Medien anbietet. Das ist vor allem im Pharmabereich lukrativ, wo DvH Ventures Berichterstattung in der allein durch Anzeigen finanzierten Apotheken Umschau anbiete: "DvH Ventures hatte damals gerade zusammen mit weiteren Partnern aus dem Apotheken-Geschäft einen neuen 60 Millionen Euro schweren Fonds aufgelegt, der sich auf Investitionen im Gesundheitsbereich spezialisiert. Die Medienmacht der Holtzbrinck-Gruppe sollte es dabei erleichtern, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen - damit geht man auf der Website von DvH Ventures ganz offen um. Für Start-ups, die neue Produkte im heiß umkämpften Gesundheitsmarkt etablieren wollen, ist der Zugang zu Zeitungen wie der Apotheken Umschau Gold wert."

Die Schließung der Deutschen Welle in Moskau - die russische Retourkutsche für die Verweigerung der RT DE-Lizenz in Deutschland (unser Resümee) - stößt auf harsche Kritik der deutschen Regierung, berichtet Jasmin Kalarickal in der taz: "Das Sendeverbot sei 'in keiner Weise hinnehmbar', kritisierte Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Die Gleichsetzung von RT DE und der Deutschen Welle entbehre 'jeglicher Grundlage'. RT DE sende zurzeit ohne Lizenz, das sei nicht vergleichbar. Zudem sei die Deutsche Welle 'staatsfern' organisiert. Im ARD-'Morgenmagazin' bezeichnete Roth das Vorgehen Moskaus 'als aggressiven Akt'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2022 - Medien

Der Chef von CNN Jeff Zucker ist zurückgetreten, weil er eine einvernehmliche Liebesbeziehung mit einer engen Kollegin hat - wokes Amerika! Aber Majid Sattar erzählt in der FAZ die Hintergründe der Geschichte: Zucker war Kumpel des geschassten Starmoderators Chris Cuomo, der wiederum Bruder des wegen realer sexueller Belästigung gefallenen demokratischen Gouverneurs Andrew Cuomo: Und alle zusammen waren eine Propagandamaschine für die Demokraten gegen Trump. Nun freuen sich Fox und Trump. Und CNN sieht schwach aus: "Ohne Trump im Weißen Haus macht CNN... kaum noch Quote. Biden zieht nicht. Fox News und CNN sind zudem die zentralen Plattformen des großen amerikanischen Kulturkampfes, in dem 'middle America' den Küsteneliten die Deutungshoheit streitig machen will. Gekämpft wird über den Me-Too-Feminismus, strukturellen Rassismus, 'Cancel Culture' und ganz generell über die Meinungsfreiheit."

Außerdem: Russland schmeißt die Deutsche Welle raus, nachdem RT DE in Deutschland als Staatssender keine Lizenz bekommen hat, berichtet Inna Hartwich in der taz. Obwohl auch die Deutsche Welle ein Staatssender ist, ist der russische Schlag keineswegs symmetrisch, heißt es in einem erläuternden Text bei den "Reportern ohne Grenzen": "RT DE kann sich dazu entschließen, eine Sendelizenz in Deutschland zu beantragen, zudem wie bisher eine Webseite betreiben, Videoinhalte produzieren sowie Journalistinnen und Reporter in Deutschland ohne vorherige Akkreditierung beschäftigen. In Russland unterliegen ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten einer generellen Akkreditierungspflicht, wobei solche Genehmigungen häufig intransparent vergeben wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2022 - Medien

Das Magazin "Zone interdite" des französischen Privatsenders M6 zeigte in einer Undercover-Reportage einige Viertel der Stadt Roubaix nahe der belgischen Grenze, die von radikalen Islamisten beherrscht werden - dort werden als Kinderspielzeug Puppen ohne Gesicht verkauft, weil Allah die Darstellung menschliche Gesichter verbiete. Seit der Sendung habe es mehrere Morddrohungen gegen Verantwortliche der Sender und Amine Elbahi, einen Protagonisten der Reportage, gegeben, berichtet Jürg Altwegg in der FAZ: Ebahis "Telefonnummer zirkuliert im Internet. Er bekam Anrufe, die ihm seine Enthauptung ankündigten: Es werde ihm wie dem Lehrer Samuel Paty ergehen, der während des Charlie-Hebdo-Prozesses im Unterricht die Mohamed-Karikaturen zum Thema gemacht hatte. Die Polizei nimmt die Drohungen ernst."

Selbstverständlich wird das Phänomen vom rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour (dessen Rang in den Umfragen seiner Medienpräsenz übrigens nicht entspricht) instrumentalisiert, so wie sein linksextremer (und ebenfalls in die Bedeutungslosigkeit absinkender) Widerpart Jean-Luc Mélenchon gleich Rassismus wittert. Aber Le Monde hält in einem ausnahmsweise mal klaren Editorial fest, dass die Sendung von der Pressefreiheit geschützt ist. Die Morddrohung, die auch die Moderatorin der Sendung betrifft, "bedroht einmal mehr die Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und die Informationsfreiheit. Diese Freiheiten werden in Bezug auf den Islam wie auch auf jede andere Religion nur durch die Strafgesetze eingeschränkt, die Beleidigung, Verleumdung, Aufruf zu Hass oder Diskriminierung unter Strafe stellen. (...) Um die Sackgasse der Identitätspolitik und die politische Instrumentalisierung des Islams in Frage zu stellen, muss man sich ohne Angst mit all diesen Realitäten auseinandersetzen können, wie mit jeder anderen auch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2022 - Medien

In der Welt ist Anna Staroselski, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, empört darüber, wie die ZDF-Sendung "Aspekte" am Holocaust-Gedenktag "nicht nur die Shoah relativiert, sondern nun auch noch der Vorschlag elaboriert, eine neue Form der Erinnerungskultur müsse politisch die Abkehr von dem Versprechen der Staatsräson und die Anerkennung der sogenannten Nakba bedeuten. Bei der Begriffserläuterung wird vergessen zu erwähnen, dass einen Tag nach der Gründung des Staates Israel die Armeen von fünf arabischen Staaten das Land angriffen mit der Absicht, es zu zerstören, und es zu unzähligen Pogromen gegen Juden in der arabischen Welt kam. Die Folge dessen war nicht nur die Nakba, die heute von Extremisten als Vorwand für den Terror gegen Israel genutzt wird, sondern auch die Vertreibung sämtlicher Juden aus den arabischen Ländern. Während in Israel heute 20 Prozent der Bevölkerung arabisch sind, lässt sich jüdisches Leben in den meisten arabischen Staaten nicht mehr feststellen. ... Mir ist unerklärlich, wieso das ZDF in einer Sendung zum 27. Januar den Holocaust in Relation mit der deutschen Kolonialgeschichte und vor allem mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt stellt, wieso die Shoah relativiert und die Juden zu Tätern stilisiert werden." Online nachlesen lässt sich Artikel Staroselski mit gleichem Tenor in der Jüdischen Allgemeinen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.01.2022 - Medien

In China werden Journalisten immer stärker eingeschüchtert oder gleich in Haft genommen, je näher die olympischen Spiele rücken, berichtet Spon. "'Eingesperrt oder rausgeworfen' überschreibt der Foreign Correspondents Club of China, die inoffizielle Vertretung der Auslandskorrespondenten in der Volksrepublik, ihren Jahresbericht. Für den Report befragte die Organisation im Dezember ihre fast 200 Mitglieder, die für Medien aus 30 Ländern und Regionen arbeiten. 127 Personen nahmen demnach an der Befragung teil. ... Wegen der Schikanen durch die chinesischen Behörden gegen sie und ihre Familien haben manche Korrespondenten bereits demoralisiert aufgegeben und das Land verlassen. So berichtete etwa John Sudworth von der BBC in dem Report, Polizisten in Zivil hätten auch seine Frau und ihre beiden kleinen Kinder bei der Abreise auf dem Weg zum Flughafen verfolgt. Er hatte seinen Arbeitsplatz in Peking im vergangenen März nach Drohungen der Behörden aufgegeben." Schlecht ist das nicht nur für die Journalisten, sondern auch für China, meint ein amerikanischer Journalist: "Wenn der Personalbestand ausländischer Medien auf das aktuelle Niveau schrumpft, geht eines der bemerkenswertesten Dinge verloren, Nuancen. Alles wird mehr schwarz-weiß."
Stichwörter: China, Olympische Spiele

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2022 - Medien

In den Stuttgarter Zeitungen, die beide der SWMH-Holding gehören (die auch die Süddeutsche Zeitung besitzt) werden bekanntlich 55 Redakteurs- und andere Stellen gestrichen. Die Ressorts werden aufgelöst, statt dessen verbreiten Rubriken wie "Freizeit/Unterhaltung", "Stadtleben/Events" und "Liebe/Partnerschaft" Fröhlichkeit. Josef-Otto Freudenreich erzählt bei Kontext von der Verzweiflung der Journalisten. Die wirtschaftliche Lage ist allerdings tatsächlich ernst, scheint es: "Elf Prozent Umsatzrückgang, Einbruch der Werbeerlöse um 30 Prozent. Die digitalen Reichweiten rutschen, Schuld ist die 'allgemeine News-Verdrossenheit', die Papierpreise steigen um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Mindestlohn erhöht sich, die Kurzarbeit fällt weg, und zu allem Übel hat Springer auch noch seinen Druckauftrag für die Bild-Zeitung beim 2017 gekauften Eßlinger Bechtle-Verlag gekündigt. 'Der Arsch geht auf Grundeis', fasst ein früherer Topmanager zusammen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.01.2022 - Medien

In der NZZ stellt Daniel Imwinkelried den österreichischen Satiriker Fritz Jergitsch vor. Als Gründer eines Online-Mediums, das, wie er sagt, im wesentlichen von Abogebühren lebt, kritisiert er die massive staatliche Unterstützung der Printpresse in Österreich. Nicht nur durch offizielle Presseförderung, die 2020 33,5 Millionen Euro betrug: "Fast gleich hoch war andererseits der Betrag, für den die Bundesregierung in Print- und Online-Publikationen Inserate schaltete. In den vergangenen Jahren ist diese Art der Mediensubvention völlig aus dem Ruder gelaufen." Dabei "handelte es sich oft "um Imagekampagnen, von denen die drei regierungsfreundlichen Boulevardblätter Krone, Österreich und Heute überproportional profitierten."
Stichwörter: Presseförderung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2022 - Medien

Plastisch erzählt Silke Burmester, die ehemalige Medienkolumnistin der taz, was die Verlage von Gruner und Jahr, das ja auch Anteile am Spiegel hatte, für angehende Journalisten einst für einen Nimbus hatten: "Eine Welt, die man von außen bestaunen musste: große, prächtige Verlagshäuser, in denen jene arbeiteten, deren Name mit Ehrfurcht ausgesprochen wurde. Günter Gaus, Fritz J. Raddaz, Ingrid Kolb, Michael Jürgs. Die einen Sack voll Geld verdienten und auf Sylt Häuser hatten. Die bis in die Ressortleiter-Position hinein einen Firmenwagen bekamen und unbegrenzte Spesenbudgets. Verlagshäuser, die für ihre Mitarbeiter*innen Masseure beschäftigten und deren Kantinen auf Restaurantniveau kochten." Nun wird das Verlagshaus spurlos im RTL-Konzern aufgelöst, über Jahre hatte man aus alter Arroganz das Internet verschlafen.

Ebenfalls in der taz kritisiert Peter Weissenburger die Kritiker der Öffentlich-Rechtlichen in Britannien und Deutschland, die kein Reformkonzept vorlegten (er allerdings auch nicht).

Medienforscher Bernhard Pörksen beklagt auf der Medienseite der SZ eine Tendenz der Medien, Internethypes durch ihre Megafone in eine Art Feedbackschleife zu ziehen - so jüngst beim Fall Djokovic: "Die primäre und praktische Konsequenz der Sofort-Sichtbarkeit von Publikumsinteressen besteht für Medienunternehmen viel zu oft einfach darin, den allmählich entstehenden Hype aufzugreifen und ihn zu verstärken, also im allgemeinen Aufmerksamkeitspoker auf das ohnehin bereits Populäre zu setzen."

Eine kleine historische Zäsur notiert Meedia-Autor Jens Schröder bei der Durchsicht der IVW-Zahlen der Zeitungen, also der Zahlen mit der mehr oder weniger tatsächlichen Auflage, nach denen sich die Anzeigenpreise bemessen: "Auf nur noch 970.948 Abonnements und Einzelverkäufe kam Bild pro Ausgabe im vierten Quartal. Damit fällt das Blatt erstmals seit 1953 unter die Millionenmarke. Im Gesamtverkauf liegt sie dank Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen noch über dieser Marke, doch auch dort ist die Million nicht mehr fern. Das Minus von 5,8 Prozent fällt immerhin geringer aus als noch in den vergangenen Jahren." Und die FAZ liegt noch bei 174.000, die Welt ist mit 40.600 kleiner als die taz mit 41.000. Die Zeit badet weiterhin im Erfolg.