Amerika ist wieder da, hatte Joe Biden behauptet. Ende der Woche veranstaltet er einen
internationalen Demokratiegipfel (mehr
hier). Aber Amerika, schreibt Majid Sattar in der
FAZ, steht auf wackeligen Beinen, weil es
innerlich angegriffen ist: "Zwei Drittel der
Wähler Trumps behaupten bis heute, ihrem Präsidenten sei durch Wahlbetrug die zweite Amtszeit gestohlen worden. Der Republikaner ist trotz seiner Verantwortung für den Sturm auf das Kapitol längst dabei, seine Rückkehr ins Weiße Haus zu planen. Biden steht daher nicht nur zu Hause unter Druck. Auf sein Mantra, Amerika sei wieder da, entgegnen die Vertreter gleichgesinnter Staaten:
Für wie lange? Es herrscht Misstrauen auch im Westen - ein
rapider Wertverfall der Weltmacht."
China ist zu Bidens Demokratiegipfel ausdrücklich nicht eingeladen worden. Die chinesische Führung revanchiert sich, indem sie noch vor dem Gipfel ein offizielles Weißbuch mit dem Titel "
China:
Demokratie, die funktioniert" herausgebracht hat. China will damit seine "ganzheitlich-prozedurale Demokratie" genannte Einparteienherrschaft als "einzigartige Anwendung demokratischer Prinzipien" verkaufen,
erklärt Michael Radunski auf
Zeit online. "Am Samstag bei der Vorstellung des Demokratieweißbuches erklärten mehrere KP-Funktionäre das Konzept. Es handele sich um ein 'neues Modell von Demokratie, das China entwickelt hat'. Die Bewertung jener Demokratie lieferten die KP-Offiziellen gleich mit: Chinas Demokratie sei
umfangreicher,
authentischer und effektiver als die amerikanische. US-Politiker würden willkürliche Versprechen abgeben, nur
um gewählt zu werden. Vordergründig akzeptieren sie durch Wahlen eine Kontrolle durch die Bevölkerung, aber in Wirklichkeit hätten die Bürger nach einer Wahl keine Einflussmöglichkeit mehr und müssten bis zur nächsten Wahl
hilflos dem Handeln der Regierung zusehen." In China ist das natürlich ganz anders!
Im Interview mit der
Welt kritisiert
Ai Weiwei einmal mehr die in seinen Augen
anbiedernde Haltung des Westens an China: "Sogar die
New York Times hat Meinungsartikel veröffentlicht, in denen es heißt: Vielleicht sollten wir nicht mehr ständig dagegen ankämpfen, sondern
Chinas Dominanz einfach akzeptieren. Aber was würden wir da akzeptieren? Um wirtschaftlich mit dem Westen gleichzuziehen, hat China in den letzten 30, 40 Jahren all das getan, was der Westen nicht tun durfte. Es hat sich nicht um
Arbeitnehmerrechte, die Gesundheit seiner Bevölkerung, die Umwelt, Menschenrechte und die Redefreiheit geschert. Der Westen und China sind so ein
Dreamteam geworden. Der Westen liebt es! ... Im Westen muss man mit zwei, drei oder fünf Parteien jahrelang diskutieren und kämpfen und erreicht am Ende vielleicht trotzdem nichts. In China kann alles von einem einzigen Führer entschieden werden. In China heißt es: 'OK, lasst uns zu Abend essen!' Und am nächsten Tag ist alles geregelt. Dann kann
Volkswagen einfach so eine Fabrik bauen. Dann kann man alles machen!"