In
China legt die Coronakrise den grassierenden
Rassismus gegen Afrikaner frei,
berichtet Hsiao-Hung Pai im
Guardian. Der zeigt sich besonders deutlich in den sozialen Medien und in der 12-Millionen-Stadt Guangzhou: "Es begann damit, dass die lokale Regierung in Guangzhou Überwachung, obligatorische Tests und eine 14-tägige Quarantäne für alle afrikanischen Staatsbürger durchsetzte - selbst wenn sie zuvor
negativ getestet worden waren und nicht kürzlich aus China gereist waren. Im Bezirk Yuexiu, der größten afrikanischen Migrantengemeinde in China, wurden viele Afrikaner von Vermietern
auf die Straße gesetzt, obwohl sie ihre Mieten bezahlt hatten. In Anlehnung an die Apartheid in Südafrika oder die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten wurde in der ganzen Stadt ein
Farbbalken eingeführt: Krankenhäuser, Hotels, Supermärkte, Geschäfte und Lebensmittelgeschäfte
verweigern Afrikanerinnen und Afrikanern den Zutritt. ... Der weit verbreitete Rassismus hat in ganz Afrika einen gewaltigen öffentlichen Aufschrei ausgelöst, der über soziale Medien unter dem Hashtag
#ChinaMustExplain verbreitet wurde."
Nach
Donald Trumps Unfall mit dem Desinfektionsmittel, das er in einem Presse-Briefing gern
gegen Corona spritzen wollte (hierzu ein interessanter
Hintergrund im
Guardian), hat er nun diese
famosen Presse-Briefings eingestellt. Der
Politologe Jan-Werner Müller veröffentlicht in der
FAZ (politischer Teil) einen Essay über das Dilemma der amerikanischen Qualitätsmedien, permanent Unwahrheiten und rechtspopoulistischen Positionen Raum geben zu müssen. Die Corona Presse-Briefings tragen nun also nichts mehr dazu bei. Und sie waren von vornherein als
Ersatz für Wahlkampfversammlungen konzipiert, erläutert Müller (der wohl noch vor Trumps Rückzug geschrieben hat): "Auch deswegen sind die
Einschaltquoten so hoch wie zuletzt bei den Debatten während der Vorwahlen der Republikaner 2016, welche Fernsehen und Rundfunk
enorme Profite bescherten. Trump hat es sich denn auch nicht nehmen lassen, selbst per Tweet darauf hinzuweisen, dass seine Briefings derzeit mehr Zuschauer haben als die beliebtesten Reality-TV- Shows." Damit hat Müller ja auch noch das andere Dilemma der Qualitätsmedien angedeutet:
Trump bringt Quote.
Der Wohltäter und Microsoft-Gründer
Bill Gates hatte frühzeitig vor Pandemien gewarnt. Im Gespräch mit Roland Lindner im Wirtschaftsteil der
FAZ gibt er zu, dass er das Ausmaß dabei eher noch unterschätzte: "Es ist vielleicht nicht der allerschlimmste Fall wie ein Bioterrorismus-Anschlag mit Pockenviren. Aber es ist
erheblich schlimmer, als ich gedacht habe. Die Disruption ist unfassbar, wenn man auf die Todesfälle blickt, die Wirtschaft oder auch
verlorengegangene Fortschritte in der Ausbildung. Ich hätte nicht gedacht, dass sich das Virus in Europa und den Vereinigten Staaten so weit verbreiten würde."
Elisabeth von Thadden
unterhält sich für
Zeit online mit der Anthropologin
Shalini Randeria über globale
Ungleichheiten, die in der Coronakrise besonders deutlich werden. Sie wünscht sich einen Schuldenerlass für die Entwicklungsländer, mehr Förderungen für kleine und mittlere Unternehmen und pharmazeutische Produkte, an die
keine Profiterwartungen geknüpft sind: "Teure Beatmungsgeräte werden gegenwärtig für die Märkte der reichen Länder produziert - obwohl sie sich viel günstiger fertigen und einfacher bedienen ließen. Das hängt
mit dem Patentrecht zusammen und auch das ist ein Faktor wirtschaftlicher Ungerechtigkeit zwischen den Staaten. Wir brauchen ein neues Niveau der internationalen Zusammenarbeit, damit mehr Gerechtigkeit möglich wird. Man sieht es an der
weltweiten Forschungskooperation zu Impfstoffen und Medikamenten, ebenso an der
Open-
Access-
Bereitstellung der Ergebnisse. Der
Impfstoff sollte, wenn er denn endlich gefunden ist, nicht patentiert als privatwirtschaftliches Monopol verkauft werden. In meinen Augen ist er ein
Gemeingut."