Wer
China für Corona verantwortlich macht, irrt,
beteuert Andrew Liu im
Guardian. Denn nicht die Kultur,
die Globalisierung war's gewesen. "Es stimmt zwar, dass
Pangolin-Schuppen und -fleisch auf dem chinesischen Festland als eine Art Volksmedizin angepriesen werden, aber Statistiken deuten darauf hin, dass die wirkliche Schlüsselvariable die Auswirkungen der Globalisierung sind, die die
Geschäftsleute des Landes bereichert haben. Die Preise für das Tier sind von 14 Dollar pro Kilo im Jahr 1994 auf heute über
600 Dollar gestiegen, während illegale Lieferungen, die an der Grenze beschlagnahmt werden, regelmäßig zehn Tonnen überschreiten. Kunden, die Wildtiere ordern, tun dies oft, um ihren
Reichtum zur Schau zu stellen oder einen guten Tag an der Börse zu feiern. Aber sie bleiben eine Minderheit: Die meisten Chinesen befürworten strenge Beschränkungen, wenn nicht gar ein Verbot des Konsums von Wildtieren. Der
wiederauflebende Pangolinkonsum ist also ein Ergebnis der wirtschaftlichen Liberalisierung in China - für die sich
die USA eingesetzt haben - und nicht einfach der traditionellen Kultur." Uff, das war eine lange Beweiskette, aber nun ist der übliche Schuldige überführt.
Etwas anders sieht es Lily Kuo, die ebenfalls für den
Guardian ausführlich in Wuhan
recherchiert hat: "
Peking behauptet, dass seine strengen Sperrmaßnahmen der Welt
Zeit verschafft hätten, die von den Gesundheitsbehörden anderer Länder verschwendet worden sei. Doch Interviews mit den ersten Patienten, medizinischem Personal und Anwohnern sowie durchgesickerte interne Dokumente, Berichte von Informanten und Forschungsstudien zeigen Verzögerungen in den ersten Wochen der Epidemie,
Fehler der chinesischen Regierung, die weitreichende Konsequenzen hätten."
In einem
viel retweeteten Artikel für die
Mittelländische in der Schweiz lobt dagegen der Schweizer Mediziner
Paul Robert Vogt das chinesische Einschreiten gegen Corona und kritisiert das
Verhalten Europas: "Politik und Medien spielen hier eine besonders unrühmliche Rolle. Statt sich auf das eigene Versagen zu konzentrieren, wird die Bevölkerung durch ein fortgesetztes,
dümmliches China-Bashing abgelenkt. Dazu kommen, wie immer, Russland-Bashing und Trump-Bashing. Man muss Trump keinesfalls mögen - aber bis die USA bezüglich der COVID-19-Todesfälle pro Kopf gleichauf mit der Schweiz liegt, müssen sie
30.000 Tote haben." Sehr scharf kritisiert Vogt das teure
Schweizer Gesundheitssystem, das nicht verhindern konnte, dass die Schweiz heute in Europa die zweithöchste Infektionsrate pro Kopf hat.
Die Corona-Krise führt zu
Ausschreitungen gegen Ausländer in der Zentralafrikanischen Republik,
berichtet Jack Losh im
Guardian: "Seit im vergangenen Monat ein italienischer Missionar als erster Coronavirus-Fall in der ZAR identifiziert wurde, ist die Fremdenfeindlichkeit
auf dem Vormarsch. In den Zeitungen des Landes und in den sozialen Medien verbreitete Geschichten haben Ausländer als
unwillkommene Importeure einer Krankheit porträtiert, die das Land weiter verarmen lassen könnte."