9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2021 - Religion

Die Berliner "Anlauf- und Dokumentationsstelle konfrontative Religionsbekundungen" hat eine Studie über religiösen Druck vorgelegt, der an einigen Berliner Schulen ausgeübt wird (hier als pdf-Dokument). Frederik Schindler berichtete vor einigen Tagen in der Welt über die von Michael Hammerbacher erstellte Studie: "So bestehe insbesondere auf Schüler aus muslimisch geprägten Familien ein starker Anpassungsdruck, etwa was das Verhalten im Fastenmonat Ramadan, den Umgang mit religiösen Minderheiten oder dem Kopftuch angeht. 'Es bleibt nicht dabei, dass die Schüler*innen sich privat für eine strengere Auslegung des Islams entscheiden. Zunehmend beherrschen derartige Auffassungen den Mainstream, womit immer klarere Forderungen verbunden sind, dass diese Regeln auch von anderen einzuhalten seien', heißt es in der Bestandsaufnahme. 'Das gilt dann auch für das pädagogische Personal, sofern es selbst einen muslimischen Migrationshintergrund hat.'"

Im SZ-Gespräch mit Annette Zoch erklärt Lisa Kötter, eine der Mitbegründerinnen der Reformbewegung katholischer Frauen Maria 2.0, weshalb sie die katholische Kirche jetzt verlassen hat: "Ich bin inzwischen zutiefst davon überzeugt, dass sich diese römische Kirche nicht reformieren lässt. Weil sie auf Machtgenerierung und Machterhalt aufgebaut ist. Die römische Kirche in ihrer monarchischen Verfasstheit, in diesem unheilvollen Spiel aus Gehorsam und Angst, ist für mich im Grunde ein Verrat an der Botschaft Jesu.Viele Bischöfe fragen, was sollen wir denn noch tun. Wir klären ja auf, gründen Betroffenenbeiräte, sind offen für mehr Frauen in Ämtern und so weiter. Aber sie reden dabei immer von oben herab. Die Bischöfe sind die Platzanweiser. Am Ende sind sie es, die etwas gestatten oder auch nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2021 - Religion

Religion ist in Frankreich zu einem fatalen "Identitätsmarker" geworden, besonders an den Schulen und ganz besonders in den "prioritären Schulen" in den Banlieues, berichtet Gérard Biard in Charlie Hebdo. Er bezieht sich auf eine Umfrage, die zum "Tag der Laizität" am 9. Dezember vorgelegt wurde. Liegt es an den Eltern? "Gewiss, aber nicht nur. 40 Prozent der Gymnasiasten denken, dass die Normen und Regeln der Religion wichtiger sind als die Gesetze der Republik, darunter 65 Prozent der Gymnasiasten muslimischer Konfession, während die Zahl bei den Erwachsenen nur 23 Prozent beträgt. Das ist der Stand der Dinge. In der öffentlichen Schule wirkt sich die Religion tiefgreifend auf alle Aspekte des Schullebens aus, auf den Inhalt des Unterrichts, die Mahlzeiten, verschiedene Aktivitäten, die Organisation bis hin zur Hygiene."

In launigem Tonfall spricht Kurt Kister im SZ-Feuilletonaufmacher über den fehlenden Gottesbezug in jüngsten Ministereiden. Die Säkularisierung sieht er sowieso als durchgesetzt (der Islam kommt in seinem Artikel nicht vor). Und schildert die Lage der Kirchen so: "Ihr soziales Engagement - Caritas, Altenheim, Krankenhäuser, Betreuung - wird auch von Ungläubigen geschätzt. Allerdings nimmt die Zahl der in den beiden christlichen Großkirchen verzeichneten Mitglieder stetig ab." Die Caritas, lieber Kurt Kister, ist kein Engagement - sondern eines der größten Unternehmen in Deutschland, praktischerweise mit eigenem Arbeitsrecht.

Zu diesem Thema äußern sich bei hpd.de auch die "Säkularen Sozis" (die in der SPD keinen Arbeitskreis bilden dürfen). Caritas und Diakonie sind nach dem Staat die zweitgrößten Arbeitgeber, schreiben sie: "Die Finanzierung der meisten Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft (Krankenhäuser, Altenheime) erfolgt dabei zu hundert Prozent aus öffentlichen Mitteln, selbst das 'Aushängeschild' Kindergärten wird nur zu einem sehr geringen Teil kirchlich bezuschusst. In diesen Einrichtungen gilt ein eigenes, kirchliches Arbeitsrecht, was die Angestellten zu Arbeitnehmern minderen Rechts macht. Aus naheliegenden Gründen sollte die Beseitigung dieser Form der Diskriminierung  an und für sich ein Herzensthema der SPD sein." Aber obwohl die Grünen und die FDP hier klare Forderungen stellen, will die SPD dieses Thema nur "in Zusammenarbeit mit den Kirchen" angehen.

Ebenfalls bei hpd.de erzählen die polnischen Menschenrechtsaktivistinnen Joanna Gzyra-Iskandar, Anna Prus und Elżbieta Podleśna im Gespräch mit Manfred Isemeyer, wie die Katholische Kirche das polnische Abtreibungsrecht nach 1989 mit großer Beharrlichkeit schleifte: "Nach 1989 schien es für alle Politiker_innen, unabhängig von ihrer Einstellung, nahezu unmöglich, nicht nur etwas gegen die Kirche, sondern etwas ohne ihren Segen zu tun. Deshalb legten selbst linke Parteien Wert auf gute Beziehungen zur Kirche und räumten ihr in der Wirtschaft und vor allem im gesellschaftlichen Diskurs eine privilegierte Stellung ein. Wenn ein_e Politiker_in einem großen konservativen Partner etwas schuldet, dann werden die Schulden immer mit den Rechten von Frauen und Minderheiten bezahlt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2021 - Religion

Sämtliche MinisterInnen der Grünen verzichtet bei ihrem Eid auf den Gottesbezug, sämtliche Minister der FDP beschworen Gottes Hilfe, staunt Gis Bodenstein bei hpd.de: "Neben einem konfessionsfreien Kanzler und mehreren Minister:innen ohne religiöses Bekenntnis gibt es auch im Parlament eine kleine Entwicklung in Richtung gesellschaftlicher Realität, der zufolge in nicht allzu ferner Zukunft die Hälfte der deutschen Bevölkerung religionsfrei sein wird: Der Anteil der konfessionsfreien Abgeordneten stieg auf 10 Prozent."
Stichwörter: Bundestag, FDP

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2021 - Religion

Eine Rehabilitierung scheint für den türkischen Moschee-Verband Ditib, der direkt unter Tayyip Erdogans Kommando steht, greifbar, berichtet Lennart Pfahler in der Welt. NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen scheinen für den Religionsunterricht weiter mit der Ditib kooperieren zu wollen. Da könnte ein Artikel Marvin Hilds von der "Göttinger Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Analyse politischer und religiöser Extremismen in Niedersachsen" stören. Hild hat die Social-Media-Profile hochrangiger Ditib-Funktionäre in Deutschland untersucht und ist auf zahllose antisemitische Äußerungen und Leugnungen des Genozids an den Armeniern gestoßen. Lennartz zitiert auch eine Reaktion des Ditib-Verbands auf die Funde: "Man begrüße, 'dass sich Göttinger Wissenschaftler des Instituts für Demokratieforschung, die Mühe gemacht haben, die Inhalte der Facebook-Profile von über 2.000 aktiven Ehrenamtlern seit mindestens 2014 zu durchforsten'. Gleichzeitig hoffe man, 'dass dieses Engagement genauso effizient eingesetzt wird, wenn es um Angriffe im Bereich des anti-muslimischen Rassismus geht'."

In der NZZ skizziert Lucien Scherrer den wachsenden Einfluss des politischen Islam in Europa. Die Strategie der "gemäßigten" Islamisten beschreibt ihm der Politologe Lorenzo Vidino: "'Gegen innen sagen sie den Leuten 'Wir sind anders, wir haben eigene Werte, und die Gesellschaft will uns nicht'. Nach außen geben sie sich als tolerante, aber diskriminierte Minderheit, die Geld vom Staat braucht.' Dieses Schauspiel treiben manche Islamisten laut Vidino so weit, dass sie das Gendersternchen benutzen, Kontakte zu jüdischen Vereinen suchen und sich mit LGBT-Aktivisten fotografieren lassen. 'Am nächsten Tag laden sie dann einen Prediger ein, der Gewalt gegen Frauen befürwortet und Steinigungen von Schwulen rechtfertigt.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2021 - Religion

Wenn die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erlaubt, dass die Moscheen zum Freitag den Muezzinruf erschallen lassen, dann ist das nicht 'ein Zeichen des Respekts' vor 'berechtigten religiösen Interessen' der Muslime, wie Reker selbst sagt, sondern ein Einknicken vor dem politischen Islam, schreibt Necla Kelek bei cicero.de: "Wenn heute jemand auf der Straße, einem Bahnhof oder vor einem Fußballstadion 'Allahu Akbar' ruft, zucken die Menschen zusammen, fühlen sich bedroht und fürchten Bombenterror oder eine Messerattacke. Somit scheint der Gebetsruf durch extremistische Muslime selbst diskreditiert und auch zum symbolischen Ruf des Terrors geworden zu sein. Die muslimischen Verbände unternehmen nichts gegen diesen Missbrauch, so wie sie nichts gegen 'Extremisten/Terroristen' aus den eigenen Reihen tun, oder Stillschweigen darüber herrscht… Die Gelehrten sind aufgerufen, friedliche Mittel der Darstellung ihrer Religion in einer lebendigen, offenen Gesellschaft zu finden. Sie sind herausgefordert, ihre Moscheen und Gemeinden von innen her zu reformieren. Wir sollten sie dabei bestärken, und nicht, wie gerade in Köln geschehen, ihre Politik bestätigen."

Richtig zur Geltung kommt der Ruf des Muezzins doch vor allem von den Minaretten der großen Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld, schreibt die SPD-Politikerin Lale Akgün auf Facebook: "Und damit sind wir mitten im politischen Minenfeld. Die Ditib-Moschee ist inzwischen ein Symbol für den politischen Islam, eine politische Institution mit  Gebetsmöglichkeiten. Um das nicht zu erkennen, muss man politisch blind und taub sein. Man denke nur mal kurz an die Eröffnung der Moschee 2018, bei der Erdogan das große Wort führte und zu der nicht einmal der ehemalige OB Fritz Schramm eingeladen war, der sich über Jahre für den Bau dieser Moschee eingesetzt hatte. Die Erlaubnis für den Muezzinruf von der Ehrenfelder Moschee ist  also ein Knicks vor dem politischen Treiben Erdogans, auch in Deutschland."

Wenn Kirchenglocken hierzulande läuten dürfen, dann müssen auch Muezzinrufe erschallen dürfen, meint dagegen Malte Lehming im Tagesspiegel: "Auch der Verweis auf die religiöse Prägung einer Gesellschaft, ihre Tradition und Akzeptanz von Vielfalt kann Freiheitsrechte nicht außer Kraft setzen. Der Gebetsruf mag auf Nicht-Muslime zunächst fremd wirken, auf einige gar bedrohlich, und er kündet von einer Realität, vor der manche am liebsten die Ohren verschließen. Er eckt an und verstört. So ist das nun mal. Kein Grund zur Panik."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2021 - Religion

Michaela Wiegel porträtiert in der FAS Jean-Marc Sauvé, einst Präsident des höchsten Verwaltungsgerichts in Frankreich, dem Conseil d'État, der die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche des Landes leitete. Die im Abschlussbericht benannten Verbrechen sind so bestürzend wie in anderen Ländern: "Er habe sich nicht vorstellen können, wie groß das Ausmaß sexueller Übergriffe war und wie schwer die Leiden der Opfer. Die 'Minimalschätzung' belaufe sich auf 2.900 bis 3.200 Priester, Diakone oder Mönche, die sich sexuell an Minderjährigen vergingen. Opfer waren zu 80 Prozent Jungen. Die Zahl der Betroffenen pro Täter wird auf 64 bis 67 geschätzt. In den seltensten Fällen gab es Konsequenzen. Weitet man den Täterkreis auf Mitarbeiter kirchlicher Aktivitäten bei Ferien- und Freizeitlagern oder im Katechismus aus, steigt die Opferzahl auf 330.000 Kinder und Jugendliche. In fast einem Drittel der Fälle handelte es sich um Vergewaltigungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2021 - Religion

Murat Kayman hat für sein Blog den "Tag der offenen Moschee", in der großen Kölner Ditib-Moschee besucht. Er feierte am 3.Oktober immerhin 25. Jubiläum. Aber es herrschte nicht nur "kein Festtagswetter. Auch beim Bodenpersonal Gottes kaum heitere Mienen - der Vorsitzende des Ditib Bundesverbandes, Kazim Türkmen, empfängt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf dem Vorplatz vor dem Moscheeeingang. Sie ist neben dem Bezirksbürgermeister offenbar der einzige nicht muslimische Gast. Der größte Zusammenschluss der größten muslimischen Dachverbände feiert das 25-jährige Jubiläum seines TOM - und kaum jemand will mitfeiern. Kein Staatssekretär des BMI, niemand, der für die Deutsche Islam Konferenz zuständig ist, kein Bundespolitiker, kein religionspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktionen, kein Integrationsminister des Landes NRW, niemand aus der Landespolitik in NRW, kein Vertreter der Kirchen oder anderer Religionsgemeinschaften."

Inge Hüsgen hat sich für hpd.de den Bericht "Independent Inquiry into Child Sexual Abuse" (IICSA) angeschaut, der sexuelle Gewalt gegen Kinder in den meisten großen Religionsgemeinschaften Großbritanniens dokumentiert. Neben anglikanischer und katholischer Kirche sind auch jüdische, muslimische, hinduistische und andere Gemeinden betroffen: "So unterschiedlich sich die Einzelfälle darstellen - Schülerinnen in der Koranschule sind ebenso betroffen wie Jugendliche, die ein christliches Sommercamp besuchen -, so sehr gleichen sich die Strategien der Täterinnen und Täter. Sie verharmlosen die Übergriffe, bringen die Zeugen mit Geschenken, Drohungen und emotionaler Erpressung zum Schweigen. In einigen Fällen berufen sie sich ausdrücklich auf moralische Konzepte der Glaubensgruppe - statt die Tat publik zu machen, solle das Opfer dem Täter doch vergeben, heißt es da. Kommt es doch zu polizeilichen Ermittlungen, werden die Beschuldigten nicht selten von ihrer Gemeinde gedeckt."

Von einem "Erdbeben für Frankreichs Katholikinnen und Katholiken" berichtet derweil Christine Longin in der taz: Eine 2018 eingesetzte Kommission hat ihren Bericht zum Ausmaß sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche veröffentlicht: "216.000 Kinder wurden den Schätzungen unabhängiger Experten zufolge in den vergangenen 70 Jahren Opfer von Missbrauch durch Priester und Ordensleute. Auf 330.000 Opfer steigt die Zahl, wenn Laien, beispielsweise in Schulen oder Ferienlagern, als Täter mit eingerechnet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2021 - Religion

In der nächsten Zeit nimmt Raoul Löbbe die katholischen Kirche aufs Korn, die Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer nur in einem höchst intransparenten Verfahren bewilligt.. Der Text wurde vorab online gestellt. Bis zu  50.000 Euro sollen laut der Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda gezahlt werden. Inzwischen hat der Betroffenenbeirat gegen das abartigerweise "Ordnung für das Verfahren zur Anerkennung des Leids" bezeichnete Verfahren protestiert, so Löbbe. "Begründungen sind nicht vorgesehen und werden deshalb den Betroffenen auch nicht gegeben. Zudem fehle 'dem gesamten Verfahren', wie der Betroffenenbeirat Bischof Bätzing am 19. August schreibt, 'eine Widerspruchsmöglichkeit'. So werde der Eindruck erweckt, die Entscheidungen der Unabhängigen Kommission für die Anerkennungsleistungen seien 'gottgegeben' und 'unfehlbar'. Die Folge: 'Durch die Bescheide der UKA wurde bereits eine erhebliche Zahl von Retraumatisierungen mit den entsprechenden Folgen bis hin zu stationären Unterbringungen in psychiatrischen Kliniken verursacht.' Wenn stimmt, was der Betroffenenbeirat schreibt, wer ist dafür verantwortlich?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2021 - Religion

Oliver Rautenberg liest für sein Anthroposophie.blog eine Fibel des Anthroposophen Alfredo Agostini mit hübschen, aber schwer verständlichen Tafeln gegen die Corona-Impfung: "Für die Landesarbeitsgemeinschaft Freier Waldorfschulen in Niedersachsen und Bremen unterrichtet Herr Agostini angehende Lehrkräfte in Hellseherei und Aura-Lesen. In der Tradition des Anthroposophie-Gründers Steiner, der hunderte schwer verständlicher Tafelzeichnungen hinterließ, zeichnet und malt der Aura-Experte seine Eingebungen von den Auswirkungen der Corona-Impfung. Wenig überraschend muss nach okkulter Deutung das schlimmste, das überhaupt vorstellbar ist, auch geschehen: Die Reinkarnation wird verhindert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2021 - Religion

Maxim Biller hat neulich in Frage gestellt, dass Max Czollek jüdisch sei. In diesem schmerzhaften Streit (unsere Resümees) hat die Jüdische Allgemeine einige Juden um Antwort auf die Frage "Wer ist jüdisch?" gebeten. Der Rabbiner Arie Folger ist kategorisch: "Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren oder ordentlich zum Judentum übergetreten ist. Dass das Religionsgesetz bezüglich der Matrilinearität erst in der Mischna auftaucht, ist schlicht die Behauptung jener, die generell nicht bereit sind, eine Kontinuität zwischen der Halacha und dem 'biblischen Judentum' zu sehen. Im Tanach gibt es verschiedene Stellen, die auf die Matrilinearität der jüdischen Zugehörigkeit hinweisen. Dieses Gesetz wird sich nicht ändern."

Die Journalistin Esther Schapira beschreibt, was dies für die "patrilinearen" Juden bedeutet: "Zu jüdisch für die Nazis, nicht jüdisch genug für die Juden. Das eine habe ich begriffen, als ich als Kind in einer Ausstellung auf die Rassentafel der Nürnberger Gesetze schaute, das andere, als ich nicht mitfahren durfte in die Ferienfreizeit der ZWST. Mein Vater hat die Schoa überlebt und mir den koscheren Namen gegeben und damit zwangsläufig den Auftrag, mich mit meiner jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen. Das tue ich zeitlebens, aber mein Platz bleibt zwischen den Stühlen. Bequem ist es dort nicht. Und es tut oft weh. Für meine Gegner bin ich Jüdin."