Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ein Stück Rindfleisch unter der Heizung

25.02.2010. War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall.  Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio

Und dann die große moralische Frage

24.02.2010. Grünbeins Hegemann-Verteidigung in der FAZ ist zwar von Benn, aber er nimmt kein Wort zurück! Die SZ bringt nochmal mehrere Sonderseiten zum Fall Hegemann. Besonders rigide gegen jegliches Plagiat äußert sich hier der noch selber schreibende Feridun Zaimoglu. In der Welt versichert Petros Markaris: die Griechen sind selber schuld. Jakob Michael Reinhold Lenz ist nicht Kurt Cobain, erfahren wir von Frank Castorf in der taz. In der NZZ fragt Adam Krzeminski: Wie weit im Westen liegt heute der Osten? Oder umgekehrt?

Jenes 'Lawinengefühl', wie ich es nennen möchte

23.02.2010. "Dass jeder Satz und jeder Dialog durchatmet und durchströmt wird von der Inspiration einer großen Schöpferin": Durs Grünbeins feierliche Verteidigung der Helene Hegemann steht in der FAZ. In der NZZ gesteht Volker Braun, wie ihn die Schweiz zum Schreiben brachte. Für Gabriele Goettle erzählt der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl aus seinem Leben. Im Blog der New York Review of Books erinnert Charles Simic an den Dichter Heimrad Bäcker. BoingBoing rätselt über das Phänomen der singenden Hunde.

25 fatal lächelnde Kastenbrillenleichen

22.02.2010. Der Goldene Bär für den türkischen Film "Honig" stößt auf laue Zustimmung nach einer allgemein als etwas fad resümierten Berlinale. Gefeiert wird allerdings noch Dominik Grafs Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens".  Nutzer des Iphones werden künftig ohne Sex auskommen müssen, meldet Techcrunch. Aber man kann zur Not sogar ohne Google auskommen, meldet Gizmodo. Wenn die jetzt bekanntgwordenen ACTA-Bestimmungen durchgesetzt werden, kommt demnächst vielleicht auch das Netz ohne Nutzer aus, wenn man BoingBoing glauben darf.

Auf Montage

20.02.2010. In der NZZ erklärt Don DeLillo, warum die Regierung Bush den Irak angegriffen hat. In der Berliner Zeitung erzählt Arthur Becker, wie er als 16-Jähriger allein in Polen auf seinen Pass für die Ausreise wartete. Die FR sieht ein Beckett-Licht aus Don DeLillos neuem Roman aufscheinen. Die taz geht mit Benjamin von Stuckrad-Barre spazieren. Die SZ besucht Rapidshare. In der FAZ führt Frank Rieger in die Überwachungsmöglichkeiten des Staates ein.

Die Knochen gelenkiger

19.02.2010. Die Welt erzählt, wie die israelische Regisseurin Yael Hersonski einen Nazi-Propagandafilm über das Warschauer Ghetto rekonstruierte. Die NZZ lauscht dem Tee-und-Kräuter-Rap des taiwanesischen Sängers Jay Chou. In der FR streiten Paul Krugman und Niall Ferguson über die Krise Griechenlands und den Euro. In der FAZ erklärt die Informatikerin Constanze Kurz, wie der Hacker tickt.

Wie im jemenitischen Teehaus

18.02.2010. In der FR erinnert sich der Opernregisseur Calixto Bieito an den sexuellen Missbrauch in seinem Jesuiten-Kolleg. Spiegel Online erklärt, warum das Internetsperregesetz in Kraft tritt, obwohl es niemand mehr will. Die NZZ bewundert eine japanische Scheibe Emmentaler Käse auf dem Campus der ETH Lausanne. In der Zeit tritt Iris Radisch dem backenbärtigen Teil des männlichen Kulturestablishment gegens Schienbein. Die FAZ findet Tutenchamuns Mutter.

Es triumphieren die Vorsichtigen

17.02.2010. Die Welt staunt über einen Friedhofsflirt. In der NZZ wünscht sich Hans Ulrich Gumbrecht mehr riskantes Denken beim geisteswissenschaftlichen Nachwuchs. In der taz spricht der iranische Regisseur Rafi Pitts über seinen Wettbewerbsbeitrag "Zeit des Zorns". In der FR schüttelt der haitianische Filmregisseur Raul Peck den Kopf über zottelige westliche Journalisten. In der SZ erzählt der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase vom Filmemachen in der DDR.

Dann singt Konstantin Wecker

16.02.2010. Laut Schriftsteller Sigfrid Gauch hat auch Peter Esterhazy abgeschrieben, ganze Kapitel sogar, allerdings ohne ein Hehl daraus zu machen. Die Debatte um Helene Hegemann geht ebenfalls weiter und entzweit sogar die FAZ. In der Welt spricht der iranische Regisseur Rafi Pitts über die explosive Stimmung in seinem Land. Die FAZ hat einen Ausbeuter freier Journalisten gefunden: Demand Media. In der SZ erzählt Ingo Schulze, wie er in Dresden den Aufmarsch der Neonazis verhinderte.

Im guten alten Totholzformat

15.02.2010. Der Fall Hegemann treibt die Medien doch noch um: Die FAZ am Sonntag brachte eine flammende Verteidigung der Jungautorin gegen den Hass, der ihr entgegenschlage. Auch die New York Times berichtet jetzt. Und in BoingBoing erklärt ein Leser den Unterschied zwischen Remix und Plagiat. In der taz spricht die  Regisseurin Feo Aladag über ihren Film "Die Fremde", der das Thema Ehrenmord aufgreift. Die FAZ erläutert die Kritik der Chinesen am Universalismus.