Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.05.2009. FAZ und NZZ sind fassungslos über die Entscheidung, Navid Kermani vom Hessischen Kulturpreis auszuschließen. In der FR fragt Necla Kelek ihren Soziologenkollegen Claus Leggewie, wie ein emanzipatorischer Ansatz in der Frage des Moscheenbaus aussehen sollte. Die Welt bewundert die Brüste einer Venus von der Schwäbischen Alb.
13.05.2009. In der Welt meldet die Autorin Julia Franck literarische Bedenken gegen das Internet an. Die FR hat David Attenborough nach den Kreationisten gefragt. Die Antwort kriecht als Wurm durch das Auge eines afrikanischen Kindes. Den Leipzigern soll eine Demokratieglocke schlagen, berichtet die NZZ. Stefan Niggemeier platzt der Kragen über die Qualitätsjournalisten. Alle Zeitungen freuen sich auf das krisenbedingt ein wenig gerupfte Festival von Cannes.
12.05.2009. Der Papst war in Jerusalem, Depeche Mode waren in Tel Aviv. Die SZ entschied sich - für Tel Aviv. Die Welt ist fasziniert: In "Riesenbutzbach" wird mit Menschen gehobelt. Die taz schildert vergebliche Vereinigungsbemühungen von Ost- und Westfeministinnen. In der FAZ erzählt Andrzej Stasiuk sein 89. Carta ist überzeugt: Der deutsche Journalismus geht gerade wegen seiner Rettungsringe unter.
11.05.2009. "Heidelberger Appell" hin oder her - in der Welt fasst Cora Stephan ihren Ko-Autoren und den etablierten Medien an die jeweils eigenen Nasen. Auch die taz kritisiert die Medien, die das eigene Desinteresse an Europa als "Europa-Müdigkeit" des Publikums verkaufen. Die NZZ zeigt: Matisse versteht Picasso mit dem Kopf, aber nicht mit dem Hintern. Der SZ-Kritiker Christopher Schmidt diagnostiziert eine Sehnsucht nach Unmittelbarkeit im Theater und beim Publikum.
09.05.2009. In der Welt schwärmt Arno Geiger von der unkontrollierten, lebenswütigen Literatur des Thomas Wolfe. In der taz arbeitet Antonio Negri an einem Pragmatismus der Revolution. Die SZ sieht sie in Mexiko schon auf bestem Weg, zumindest in der Architektur. In der FR fragt sich Navid Kermani, warum über Goethe immer nur die Meiers und die Schulzes reden. Die NZZ bewundert Ingmar Bergmans souveränen Umgang mit Kritik. Die Blogs resümieren die Urheberrechtskonferenz des Bundesjustizministerium. Und die FAZ erklärt, wie sich Indiens siebenhundert Millionen Wähler an die Urnen bringen lassen: mit Begeisterung.
08.05.2009. Für die Welt liest Hubertus Knabe die Akten der Stasi-Verhöre Jürgen Fuchs'. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries stimmt dem "Heidelberger Appell" zu, will ein Leistungsschutzrecht für Zeitungen und fordert strengere Kontrolle im Netz, berichtet Heise. Die FR druckt ein Youtube-Interview mit Condoleezza Rice, die ganz genau erklärt, warum Waterboarding gar keine Folter sein kann. Die SZ besucht die europäische Google-Zentrale. Im Tagesspiegel erklärt Jury-Mitglied Thomas Brussig, warum es mit dem Einheitsdenkmal nicht werden konnte.
07.05.2009. Im Freitag protestiert Christoph Hein gegen die offizielle Ausstellung "60 Jahre - 60 Werke", in der kein einziges Werk aus der DDR gezeigt wird. Telepolis fragt: Warum fordern die Zeitungen, denen es doch so um die Urheber zu tun ist, Leistungsschutzrechte? Die Zeit besucht die Macher des ersten Programmkinos im Internet: The Auteurs. Die Welt berichtet über Zweifel an der Echtheit der Nofretete-Büste.
06.05.2009. In der SZ erzählt der Künstler James Turrell, wie er den Sammlern Licht verkauft. Die FAZ bringt weitere Artikel gegen Open Access. Und Martin Walser verteidigt den Kapitalismus. Die FR schätzt Wolfgang Rihms "Proserpina" als feministische Oper. Thomas Knüwer hat für Indiskretion Ehrensache den Guardian besucht, wo die Printjournalisten dem Prekariat aus der Online-Abteilung gleichgestellt werden.
05.05.2009. Techcrunch fürchtet: Der neue Kindle wird die amerikanischen Zeitungen auch nicht retten. In der taz warnt Peter Sloterdijk: Wir müssen aufhören, die Krise zu ästhetisieren. Die Berliner Zeitung will die Gratis-Idee des Netzes aufbrechen. In der FAZ setzt der Autor Michael W. Perry seine Hoffnungen auf Europa: Rettet uns vor Google.
04.05.2009. Schriftsteller sind wie Vögel, meint Jonathan Franzen in der Welt. Und Vögel sind so arm, dass sie Käfer fressen. Die taz fürchtet eine immer stärkere Zensur im Netz, für die Kinderpornografie nur ein Vorwand ist. Für die SZ berichtet Richard Swartz Unheimliches aus dem krisengeplagten Ungarn. Und selbst die FAZ kann über Ernst Nolte nur den Kopf schütteln.