Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.05.2009. Die Kritik ist sich uneins über Judith Hermanns neuen Erzählband "Alice": Bei ihr wird nicht geweint und nicht geklagt, auch wenn's um den Tod geht, und das ist des einen Freud und des anderen Leid. Die SZ will Google Book Search und Open Access nicht in einen Topf werfen. In der NZZ kritisiert Peter Stein seine jüngeren Kollegen als konventionell. Marcel Weiss setzt in Netzwertig seine Bestandaufnahme der deutschen Angst vorm Netz fort.
30.04.2009. Abdolkarim Soroush erklärt in seinem Blog, warum Gott für Rumi formlos ist. Die FR staunt über die aberwitzige Konsequenz der Dramaturgie rumänischer Filme. Nerdcore greift eine Meldung von Lawrence Lessig auf: Warner hat die Youtube-Videos des Urheberrechtlers sperren lassen, weil er dort Remixe zeigte. Die FAZ freut sich: Diebe geistigen Eigentums kriegen in Frankreich nicht nur den Internetanschluss gesperrt - sie müssen ihn auch noch weiterzahlen!
29.04.2009. Jetzt auch mit NZZ: Darin schildert der pakistanische Autor Mohammed Hanif, wie das Leben unter der Scharia im Swat Tal aussieht. In der FR erinnert sich der Kabarettist Johnny Klinke: Eine Stelle bei Opel kann einem ein ganzes Lehrerstudium ersparen. Und Umberto Eco erklärt, warum das Buch unverzichtbar ist. Die FAZ plädiert gegen Open Access. Die SZ warnt vor "Les Untergunther".
28.04.2009. In der FR äußert sich Martin Luther in der alten Rechtschreibung über Urheberrechtsfragen: "Das die geitzigen Wenste vnd reubische Nachdrücker mit vnser Erbeit vntrewlich vmbgehen!" Die Welt unterstützt den "Heidelberger Appell" gegen Google, aber nicht gegen Open Acess. Im Blog von Eren Güvercin beklagt Ilija Trojanow die Bösartigkeit der Islam-Kritiker. Die NZZ inspiziert die Lage der Roma in Osteuropa.
27.04.2009. Nach fortwährendem Beschuss der Öffentlichkeit mit Heidelberger Appell und Kinderporno-Sperren fragen sich die Blogs, ob Deutschland überhaupt reif ist fürs Internet. Die FR erinnert daran, wie Golo Mann mit siebzig seine Mutter verließ. Der Tagesspiegel fürchtet nach den annoncierten Abschieden der Dirigenten Ingo Metzmacher und Lothar Zagrosek um die Musikstadt Berlin.
25.04.2009. Im Tagesspiegel erklärt Jonathan Franzen, warum er glaubt, das Günter Grass' Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" ungerecht behandelt wurde. In der NZZ schreibt der in der Türkei wegen Blasphemie angeklagte Autor Nedim Gürsel einen offenen Brief an seine Regierung. Die FAZ hätte das Internet aus Sorge um die Urheber vielleicht doch lieber weg. Die taz wandert durch die weibliche Literaturlandschaf, die Welt durch das Internet der Jugend. Das Blog Medienlese verabschiedet sich.
24.04.2009. Die SZ fürchtet um das Ende der Berliner Nachtkultur. Die Welt bekämpft die Bekämpfer des DDT. In der NZZ meint der Layouter Javier Errea, dass Zeitungen in zwanzig Jahren auch nicht so anders aussehen werden. Die FAZ begreift nicht, dass sich Architekten gegen den Abriss ihrer Bauten wehren.
23.04.2009. Heute ist der Tag des Buchs. Ein Tag, an dem viele Dichter starben, so der Dichter Ian McMillan im Guardian. Ein Tag, an dem das Buch stirbt, so der Darwin-Biograf Jürgen Neffe in der Zeit, der aber froh ist, denn das Internet ist das Himmelreich des Buchs, das sich aus seinem Körper befreit hat. Auch die FAZ ist froh: Christoph Schlingensief glaubt. Nur die taz sucht das Heil jenseits des Jenseits.
22.04.2009. In der FAZ sieht Adriaan van Dis Südafrika am Abgrund und hofft doch auch auf die Zivilgesellschaft. In der Welt sieht es Hans Kollhoff als kapitalistischen Zyklus an, dass die Werke der Konkurrenten demnächst der Spitzhacke zum Opfer fallen. Die SZ lässt das Hamburger Schauspielhaus im Regen stehen. Hannes Stein erklärt in Achgut, warum er anders als die von Robert Spaemann bemühte Edith Stein den Holocaust nicht als Strafe für den Unglauben des jüdischen Volkes ansieht.
21.04.2009. In der FR erklären Matthias Spielkamp und Florian Cramer etwa 1.300 Gelehrten und Schriftstellern, warum Open Access ihnen nützt. Wie aus einem gut aussehenden Prinzen ein tyrannisches altes Ekel wurde, erzählt die Welt. Der SZ zu Ehren organisiert man in Kapstadt eine Schießerei. Die FAZ warnt vor nahkampftechnisch ausgebildeten russischen Friseusen. Für Kleingeld gibt's keine zweite Hochzeitsnacht, erfährt die taz von Mary in Hamburg.