Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.09.2013. Die Zeitungen sind nur mäßig zufrieden mit dem diesjährigen Festival von Venedig. In der NZZ fragt der Philosoph Konrad Paul Liessmann, warum die Idee der Revolution verblasst. In der Welt fürchtet sich der Militärhistoriker Martin van Creveld vor den Folgen eines Eingreifens in Syrien. In der FAZ fragt Frank Rieger, ob die Bevölkerung nicht insgeheim von einem digitalen Gott träumt, "der ein wachsames und allsehendes Auge auf die Welt hat".
07.09.2013. In der FAZ verzweifelt Juli Zeh über die grassierende Selbstentmachtung von Politik und Gesellschaft beim Thema Überwachung. Für die taz ist klar: In einem Überwachungsstaat ist keine Demokratie mehr möglich. Die SZ findet nicht den Wahlkampf langweilig, sondern die lustlose Berichterstattung. Die FR besucht den C.H. Beck Verlag in München. Und in der NZZ fordert die Autorin Samar Yazbek Hilfe für die syrische Bevölkerung in ihrem Kampf gegen zehnköpfige Hydra.
06.09.2013. Verschlüsseln hilft nix. Die
NSA knackt noch den letzten Code.
Edward Snowden veröffentlicht neue Papiere, mehrere Medien berichten. Der
Guardian will die Hoffnung nicht aufgeben: Da sind ja noch GPG, Silent Circle, Tails, OTR, TrueCrypt, BleachBit. Der Goethe-Präsident
Klaus-Dieter Lehmann rät im
Tagesspiegel lieber gleich zur realen Begegnung. Zum Beispiel
auf der Demo, morgen? In der Zukunft der
Welt spielt Überwachung keine Rolle: sie ist
durchweg rosig. Die
taz stellt den Dokumentarfilmer
Wang Bing vor, der in Venedig einen Film über eine psychiatrische Anstalt in China präsentierte. Und der Ärger beim
Spiegel ist nicht ausgestanden.
05.09.2013. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen eine militärische Sanktionierung der syrischen Giftgasmassaker an der Zivilbevölkerung. Die NZZ schildert die aussichtslose Lage der Frauen in Syrien. In der SZ wehrt sich Taiye Selasi gegen die Idee einer afrikanischen Literatur. In der FAZ erklärt Ulrich Beck, was wir fortan unter Kosmopolitisierung zu verstehen haben. In der Welt fürchtet der Historiker Dominik Geppert, dass der Euro Europa platzen lässt. Die Berliner Zeitung fragt: Was wird aus den Dahlemer Museen?
04.09.2013. In der taz erzählt Haifaa al-Mansour, die erste Regisseurin Saudi-Arabiens, wie schwierig es für sie war, "Das Mädchen Wadjda" zu drehen. Die NZZ zählt Amos Gitais neuen Film "Ana Arabia" zu den Favoriten von Venedig. Die SZ klärt die Voraussetzungen, um in Syrien nicht einzugreifen. Torrentfreak schildert Stadien der Illegalität: Erst ist die Kopie illegal, dann der Link zum Dienst, der die Kopie erlaubt, dann der Link zum Link... Im Guardian klärt Slavoj Zizek mit Kant über den NSA-Skandal auf. Und Joey Ramone singt John Cage.
03.09.2013. Die NZZ will sich von akademischen Weltverbesserungsmaschinen nichts einreden lassen. Die taz feiert das kleine, räudige und überdies in Venedig präsentierte Kino des Bret Easton Ellis und Paul Schrader. Im Börsenblatt bekennt Suhrkamp-Miteigner Hans Barlach seine Sympathie für das Kaufinteresse von dtv. 3quarksdaily plädiert für die Aufnahme des Wortes "Quatsch" ins Englische. In der SZ verdreht Jazz-Avantgardist Peter Brötzmann die Augen über die heutige Jugend.
02.09.2013. Wie kommt es nur, dass immer mehr und immer schönere Bibliotheken entstehen, und warum sind sie immer voller, fragt der Guardian am Beispiel Birminghams. In der NZZ spricht der Ägyptologe Cornelius von Pilgrim über Grabraub und Entdeckungen von Gräbern durch Plünderer. Der taz geht's ganz schön schlecht, meldet das Hamburger Abendblatt. Gegen die Kontamination der deutschen Geschichte hilft kein Shampoo, möglicherweise aber der Suhrkamp Verlag, meint die Welt. In der FAZ hadert der Salzburger Festivalleiter Alexander Pereira mit seinem Schicksal.
31.08.2013. Wir bringen viele Blogbeiträge und ein Video zur Verleihung des Whistleblower-Preises an Edward Snowden. Im Gespräch mit der taz verwahrt sich der Grüne Volker Beck gegen Vorwürfe früher grüner Pädophiliephilie. Der Standard erzählt die traurige Geschichte der Sexualität im Maghreb. Die NZZ widmet sich unseren außerirdischen Lesern. Die SZ goutiert die Nacktheit in Lady Gagas neuem Video. Philip Grönings in Venedig gezeigter Film "Die Frau des Polizisten" begeistert die Kritiker.
30.08.2013. Der Freitag sieht die Wunderkinder der Literatur, Hege- und Kehlmann als kongeniale Chronisten des Scheiterns einer Generation. Teju Cole erstellt ein Dictionnaire des Idées Reçues mit künftig verbotenen Aperçus, Sottisen und vornehmen Ersatzvokabeln fürs eigentlich Komische. Edgar Reitz' in Venedig gezeigtes "Heimat"-Prequel beeindruckt die Kritikerinnen. Alex Ross empfiehlt und wir embedden ein Ensemble aus den "Meistersingern" mit den genialen Sängern Elisabeth Schumann, Lauritz Melchior und anderen. Die NZZ aber zergeht in der Hitze Japans.
29.08.2013. Venedig hat angefangen: Die Welt ist beeindruckt von Edgar Reitz' "Heimat" im 19. Jahrhundert. Die taz springt mit George Clooney im Eröffnungsfilm "Gravity" von Level zu Level. Die Berliner Zeitung erklärt, warum den Osteuropäern alle Musik Melodie war. Arianna Huffington gründet mit Nicolas Berggruen eine Art Konkurrenz zu CNN, meldet AllthingsD. In der FAZ bekennt Adonis seinen Abscheu vor religiösen Regimes. Viel sexier als Putin mit nacktem Oberkörper ist Medwedew in Frauenunterwäsche, finden wir. Aber der Künstler muss gehen.