Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2025 - Musik

Der letztjährige ESC-Gewinner Nemo, dem als nonbinäre Person Inklusion ansonsten sicher Herzenssache ist, macht sich in einem Gespräch mit der Huffpost für die Exklusion der israelischen Hamas-Massaker-Überlebenden Yuval Raphael aus dem Eurovision Song Contest stark, berichtet Simon Bordler im Tages-Anzeiger. Nicht weiter zu kümmern scheint Nemo, dass der Antisemitismus auch in der Schweiz und in Bern seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober einem SZ-Bericht von Nicolas Freund zufolge drastisch zugenommen hat: "'In zwei, drei Monaten registrierten wir zehn Tätlichkeiten gegen Juden', so Jonathan Kreutner", der Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). "'Vorher gab es alle paar Jahre mal einen Vorfall. ... Den Angriff der Hamas haben einige als Auslöser genommen, ihren Hass auf Juden auszuleben', sagt Kreutner. 'Das zeigt, wie tief der Antisemitismus auch in der Schweiz wurzelt.'"

Gruppierungen wie "Escalate for Palestine" rufen derweil sehr unverhohlen dazu auf, die israelische Teilnahme zu "verhindern" und rasseln entsprechend mit den Säbeln, berichten Sebastian Briellmann und Daniel Gerny in der NZZ. "Was damit gemeint ist, kann nur erahnt werden. Sachbeschädigungen, klar, dazu wird in der Mitteilung explizit aufgefordert. ... Auch Gewalt gegen jüdische Besucherinnen und Besucher scheint nicht mehr ausgeschlossen: Israels Rat für nationale Sicherheit hat inzwischen eine Reisewarnung für Basel während des ESC ausgesprochen." Außerdem blickt Esthy Baumann-Rüdiger für eine große NZZ-Reportage hinter die Kulissen des ESC.

Weiteres: Dennis Sand (Welt) sowie Jakob Biazza und Philipp Bovermann (SZ) schreiben Nachrufe auf den unerwartet verstorbenen Deutschrapper Xatar. Mathis Rabe wirft für Zeit Online einen Blick darauf, wie der nicht per se und stets politische Deutschrap sich gegen die AfD in Stellung bringt. Ljubiša Tošić sieht im Standard mit Spannung dem Musikfest im Wiener Konzerthaus entgegen. Ole Schulz bietet in der taz einen Überblick über Geschichte und Gegenwart der venezolanischen Musikszene und hebt dabei Chelique Sarabia hervor, der mit seinem 1971 veröffentlichten Album "Revolución Electrónica en Música Venezolana" mit "flirrenden Gitarren" dem venezolanischen Volkslied einen "modernen Dreh verlieh".



Besprochen werden ein Wiener Abend mit Grigory Sokolov (Standard), ein von Andris Nelsons dirigierter Schostakowitsch-Abend in Wien (Standard), Billie Eilishs Konzert in Berlin (Tsp), ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters in Frankfurt (FR), neue Alben von Manuel Stahlberger (NZZ), Arcade Fire (Presse) und der kolumbianischen Los Pirañas (tazler Ole Schulz lauscht "nervösen Gitarren, dubbigen Passagen und rockig-polternden Klängen"), ein Auftritt von Dendemann in Frankfurt (FR) und das Debütalbum "A.O.E.I.U" der ghanaischen Musikerin Florence Adooni (taz). Hier das ziemlich mitreißende und episch ausladende Titelstück:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2025 - Musik

Tazler Gregor Kessler kommt bei der Aussprache von Tristwch Y Fenywod über den "lateralen Frikativ" zwar nicht hinweg. Dass das walisische Folk-Trio nun auch in Deutschland für ein paar Konzerte auf Stippvisite vorbeikommt, freut ihn aber dennoch ganz ungemein. Die Zeichen stehen auf "okkulter Düsternis. ... Druidischer Avant-Folk, hypnotische Trance, vorgetragen von drei queeren Künstlerinnen mit dezidiert antifaschistischer und feministischer Haltung. Mit 'Schmerz der Frauen' lässt sich der Bandname übersetzen. Ferch Lisbeth leitet ihn von der inhärenten Melancholie ihrer weiblichen Erfahrung her und meint damit ein universelles feminines Leid, das sie erst zum Komponieren gebracht hat." Der walisische Schriftsteller "Dylan Thomas fordert die Dunkelheit heraus und setzt ihr Erkenntnis und Schöpfung entgegen. Tristwch Y Fenywod tun mit ihrem dunkel-glühenden Gothicsound Vergleichbares. Ihre Klangsignatur hat etwas Altes, ohne dabei altertümlich zu klingen, etwas folkloristisches, ohne einen Hauch Folk zu spielen. Mysteriöser Fairytale-Noir. Ein Begräbnis-Marsch aus J.R.R. Tolkiens Songbook."



Außerdem: Lars Fleischmann porträtiert für die taz die Kölner Saxofonistin Theresia Philipp, die seit Anfang des Jahres das Bundesjazzorchester leitet. Jürgen Kesting gratuliert in der FAZ der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter zum 70. Geburtstag. Besprochen wird ein Auftritt von Richard Thompson in Hamburg (FAZ).
Stichwörter: Folk, Tristwch Y Fenywod, Wales

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.05.2025 - Musik

Lahav Shani ist Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und des Israel Philharmonic Orchestras. Beide Orchester spielen heute, zum 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa, in München gemeinsam Gustav Mahlers sechste Sinfonie. Warum so ein düsteres Werk, will Reinhard J. Brembeck im SZ-Gespräch von Shani wissen: "Wenn man über den 8. Mai spricht, die Welt von heute, die Vergangenheit und von dem, was verloren ging, dann bietet die Sechste nicht nur eine große Palette von Gefühlen, so wie alle Mahler-Sinfonien. In der Sechsten findet sich auch etwas Zerstörerisches, Dramatisches und Fatalistisches, das nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern auch vom heutigen Zustand der Welt. Vor achtzig Jahren wäre es eine völlig abwegige Idee gewesen, diese beiden besonderen Orchester zusammen auf einer Bühne auftreten zu lassen. Ich wollte beweisen, dass das keine verrückte Fantasie ist, sondern zeigen, was in dieser Welt möglich ist."

Ziemlich beeindruckend fand VAN-Kritikerin Eleonore Büning bei den 57. Wittener Tagen für neue Kammermusik die Stockhausen-Hommage "Plus or Minus" von Ming Tsao: "Strikt durchkonstruiert und in ihren Möglichkeiten unendlich, wirkt seine Realisierung unfassbar kraftvoll und ausdrucksstark. Von der puren Energie des vulkanischen Variationsgeschehens wird man geradezu physisch überfallen, umarmt und vereinnahmt. Der ganze Saal hebt ab. Tsao hat mit 'Plus or Minus' die offene Partitur 'Plus-Minus' von Karlheinz Stockhausen abermals mit Leben erfüllt: diesmal für zwei Klaviere und Elektronik. Statt konzeptkonform zwischendurch 'abzusterben', wurden die Leerstellen ('Negativbänder') aufgeladen mit Zitaten aus 'Mantra', Stockhausens erster Formelkomposition. Auch die beiden Steinway-Flügel schielen zuweilen surreal verstimmt, ihr Resonanzraum füllt sich mit Geisterklängen."

Weitere Artikel: Hartmut Welscher spricht für VAN mit Gerald Mertens, der sich nach 25 Jahren als Geschäftsführer der Orchestergewerkschaft unisono in die Rente verabschiedet. Jens Balzer spricht für die Zeit mit dem Künstler und Filmemacher Steve McQueen über dessen musikalische Einflüsse und wie sie dessen aktuell in Basel zu sehende Installtation "Bass" gesprägt haben. Christine Lemke-Matwey berichtet in der Zeit von der Schubertiade in Hohenems. Ueli Bernays (NZZ), Wolfgang Sandner (FAZ) und Andrian Kreye (SZ) gratulieren Keith Jarrett zum 80. Geburtstag. Christoph Irrgeher porträtiert für den Standard den Komponisten Sven Helbig, dessen "Requiem A" heute in Wien gespielt wird. Christoph Irrgeher (Standard) und Werner M. Grimmel (FAZ) erinnern an den vor 200 Jahren verstorbenen Komponisten Antonio Salieri. Arno Lücker spricht für VAN aus diesem Anlass mit dem Salieri-Experten Timo Jouko Herrmann. Mit Bands wie Tristwch Y Fenywod und Witch Club Satan erobern die Hexen aktuell die Bühnen, beobachtet Jens Balzer in der Zeit.

Besprochen werden das neue Album von Arcade Fire (Standard) und ein neues Album der Brooklyner Post-Punkband Model/Actriz (Freitag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.05.2025 - Musik

Die vom Brexit arg gebeutelte britische Musikszene hofft, dass ein Gipfeltreffen zwischen Großbritannien und der EU ihre Lage verbessert, berichtet Hanspeter Künzler in der NZZ. Das Publikum reagiert rein den Verkaufszahlen nach zu urteilen bislang eher zögerlich auf das Comeback von François-Xavier Roth, meldet Axel Brüggemann auf Backstage Classical. Michael Maier blickt für die Berliner Zeitung auf die kommende Saison der Berliner Philharmoniker. Dieter David Scholz erinnert in der NMZ an den vor 200 Jahren gestorbenen Komponisten Antonio Salieri. Im Tagesspiegel gratuliert Gregor Dotzauer Keith Jarrett zum 80. Geburtstag. Besprochen wird Julien Bakers und Mackenzie Scotts Countryalbum "Send A Prayer My Way" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2025 - Musik

Propalästinensische Aktivisten haben unter dem gespenstischen Motto "Escalate for Palestine" zahlreiche Proteste beim Eurovision Song Contest in Basel angekündigt. Ihr Ziel: Yuval Raphael, die das Hamas-Massaker beim Nova Festival überlebt hat, aus dem Wettbewerb rausmobben - auch wenn in den Demo-Aufrufen ihr Name, anders als noch im letzten Jahr bei Eden Golan, nicht fällt, berichtet Andrea Schuhmacher im Tages-Anzeiger. Jonathan Kreutner, Generalsekretär vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, "vermutet dahinter taktische Gründe: 'Was Raphael am 7. Oktober widerfahren ist, ist Terrorismus, der von jenen Personen ausgeübt wurde, die diese Demonstranten gezielt verschweigen.' Die Aktivisten würden das Thema um Raphael gekonnt umschiffen und sich damit gleich selbst entlarven. 'Diese Gruppen können Raphael nicht persönlich erwähnen, ohne das Massaker der Hamas zu thematisieren und damit ihre eigene Glaubwürdigkeit gleich selbst massiv zu untergraben.'"

Hier Raphaels Wettbewerbsbeitrag:



Weiteres: Dietmar Dath gratuliert in der FAZ dem Rockmusiker Bob Seger zum Achtzigsten. Besprochen werden Darksides Album "Nothing" (FR), ein Konzert von Pete Doherty in Berlin (FAZ) sowie neue Klassik- und Jazzveröffentlichungen, darunter "Homage", das neue Album des US-Saxofonisten Joe Lovano mit dem Marcin Wasilewski Trio, das Standard-Kritiker Ljubiša Tošić in den Bann zieht: "Raffinement beherrscht die spontane Kommunikation, alles fließt und ist voll exzentrischer melodischer Wendungen. Expressivität ist hier auch eine Verwandte der Subtilität."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2025 - Musik

Der Rockmusiker Christopher Annen verteidigt in der FAZ die zur Debatte stehende Reform der GEMA, nach der das E-Musik-Privileg bei den Tantiemen künftig aufgelockert werden soll: Innovation entsteht schließlich nicht allein im Elfenbeinturm, sondern auch in populäreren Musikformen abseits der ganz großen Publikumserfolge. Der Blick auf die Zahlen zeigt zudem, "dass etwa dreißig Prozent der Wertung einem sehr kleinen Kreis von wenigen Hundert Komponistinnen und Komponisten vorbehalten sind, die sogenannte E-Musik schreiben. Siebzig Prozent bleiben für die Tausenden Komponistinnen und Komponisten der U-Musik, die außerdem 97 Prozent dieser Wertungsmittel erwirtschaften. In der E-Wertung teilen sich allein die wertungsstärksten hundert Komponisten fünf Millionen Euro, mehr als dreißig Prozent der E-Wertung gehen an Komponistinnen und Komponisten, die älter als siebzig sind. Diese Umverteilung von aufkommensschwächer zu aufkommensstark und von jung nach alt ist ein generelles Problem der Wertung, da sie, neben der künstlerischen Wertigkeit, vor allem das allgemeine Aufkommen und die Mitgliedsjahre in der GEMA berücksichtigt. Im Sinne einer kulturellen Nachhaltigkeit ist es daher sehr wichtig, dass wir mehr Förderung an Newcomer geben."

Weitere Artikel: In der Debattenreihe der Jungle World über 50 Jahre Punk ärgert sich Ronja Schwikowski, Chefredakteurin des Szenemagazins Plastic Bomb, wie alternde Puristen jegliche Inspiration von außen aus der Szene fernhalten wollen: Dabei ist "der interessante Punk heute ein Hybrid unterschiedlichster Popreferenzen und keine Reproduktion des Immergleichen." Michael Pilz fragt sich in der Welt, ob er sich nach den MeToo-Vorwürfen gegen Arcade-Fire-Sänger Win Butler vor ein paar Jahren noch das neue Album dessen Band anhören kann. Christian Schachinger resümiert im Standard den Auftakt des 20. Donaufestivals in Krems. Rahel Zingg blickt für die NZZ auf den Beginn des Prozesses gegen den Rapper Sean Combs, dem schwerer sexueller Missbrauch in mehr als hundert Fällen vorgeworfen wird. Marlene Knobloch plauscht für Zeit Online mit dem Schauspieler Jeff Goldblum, der gerade ein neues Jazzalbum veröffentlicht hat. Im Musikvideo lässt er es sich sommerlich-leicht gut gehen, dass man es ihm am liebsten gleich nachtun möchte:



Besprochen werden ein von Mirga Gražinytė-Tyla dirigiertes Konzert der Wiener Philharmoniker mit Yuja Wang (Standard), ein Konzert von Tyler The Creator in Frankfurt (FR), und Lael Neales Album "Altogether Stranger", auf dem sie laut Standard-Kritiker Karl Fluch "eine charmante Dröhnmusik schafft, die in ihrer solipsistischen Anmutung jede Menge schrägen Charme freisetzt".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.05.2025 - Musik

In seiner taz-Kolumne dreht Detlef Diederichsen den Spieß in der Debatte um die GEMA-Tantiemen für E- und U-Musik um: Dass Helmut Lachenmann in VAN (unser Resümee) der E-Musik die Rolle des ästhetischen Antriebsmotor für das Neue und der U-Musik lediglich die Position einer Sachwalterin des Bestehenden im Namen der Zerstreuung zuweist, hält er für eine allzu grobe Gegenüberstellung. "Dass spätestens seit den 1960er Jahren diese Erweiterungen auch und gerade in musikalischen Bereichen stattfinden, die aus der Popmusik hervorgegangen sind, dass es hier - wie auch im Jazz - eine breite Front experimentierender Musiker gibt, die zu den Extratöpfen der E-Musik-Klasse keinen Zugang haben, ignoriert diese Position. Womöglich absichtlich, denn wenn der Inhalt der Töpfe auf mehr Köpfe verteilt wird, bleibt für den Einzelnen weniger."

Außerdem: Dierk Saathoff bespricht in der Jungle World Reto Caduffs Kino-Dokumentarfilm "Einfach machen!" über Frauen in der frühen deutschen Punkszene. Jan Brachmann berichtet für die FAZ von der Schubertiade in Hohenems. Thilo Komma-Pöllath spricht für die FAS mit Suzanne Vega, die aktuell ein Comebackalbum veröffentlicht hat. Wir hören rein:

Stichwörter: Gema, E-Musik, U-Musik, Tantiemen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2025 - Musik

Jakob Biazza erzählt in der SZ von seinem Besuch in London beim Progrock-Genie Steven Wilson, der mit "The Overview" gerade "schon wieder (!) ein zum Niederknien gutes, solarsystem-flirrendes neues Album" vorgelegt hat. Um nichts anderes geht es ihm dabei, als um die Winzigkeit des Menschen im Angesicht des schier endlosen Kosmos. Als Grundlage dafür dient ihm ein Bassmotiv, schreibt Biazza, "ein vogelkralliges Motiv, das die allerwenigsten selbst mit Übung pfeifen könnten. Und das sich trotzdem im Gehirn festfrisst und es auf absehbare Zeit nicht mehr freigibt. Ein aufgefächerter Akkord zunächst nur, und eine beinahe erwartbare Variation, die sich dann plötzlich schief und sperrig in die Harmonien spreizt, sie aufhebelt. Die beglückt und nervt und wieder weiter beglückt und anstrengt und dabei aber: absolut Sinn ergibt. Wilson greift das Motiv, während die Musik durch schwebenden Alternative-Rock, weltumspannend schöne Balladen-Elemente, eleganten Electro-Pop, Prog-Rock und Operetten-Sprengsel hetzt, all das auch gern innerhalb von drei Minuten, immer wieder auf."



Weitere Artikel: Yelizaveta Landenberger führt in der taz durch die ukrainische Experimental-Szene. Frederik Hanssen blickt für den Tagesspiegel aufs Programm der kommenden Saison beim DSO Berlin. Imke Merit Rabiega und Julian Theilen (Welt) sowie Eva Dinnewitzer (Presse) malen sich aus, was der Lorde-Sommer wohl so bringen mag.

Besprochen werden das neue Album von Billy Idol (Welt), ein Frankfurter Auftritt von Omer Klein (FR), ein Wiener Auftritt der US-Jazzsängerin Jazzmeia Horn (Standard), Julien Bakers und Torres' Countryalbum "Send Me a Prayer My Way ("Es plätschert belanglos, man versichert sich der eigenen Bedeutung, gibt sich verletzlich", seufzt Karl Fluch im Standard) und Ichiko Aobas Album "Luminescent Creatures" (taz).

Stichwörter: Wilson, Steven, Progrock, Lorde

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.04.2025 - Musik

Gerald Felber schreibt in der FAZ zum Tod des Komponisten Christfried Schmidt. Der im Alter von 92 Jahren Verstorbene war "ein Hineinwühler von rigoroser, auch gegen sich selbst rücksichtsloser Entschlossenheit" und also kein Mensch, der ringsum nichts als Freunde sammelte. Ob in der DDR oder später in der BRD: "Ein Außenseiter blieb Schmidt im alten wie im neuen Staat. ... Wenn man, was er über ein reichliches halbes Jahrhundert hin komponiert hat, auf den kürzesten Nenner bringen will, dann vielleicht so, dass sie dringlichst mit ihren Hörern reden will. Das schließt gewiss auch Brüllen oder heiseres Flüstern ein, lockt zu gefährlichen Ausflügen in somnambule Traumwelten, reißt Verschwiegenes und Verborgenes ans Licht, ist immer eine Herausforderung und manchmal eine Zumutung - aber nie anbiedernd oder distanziert-technizistisch kühl." 2022 befasste sich Florian Neuner in einer Radiodoku für Dlf Kultur mit Schmidts Leben und Werk.

Besprochen werden Uwe Schüttes Buch "Sternenmenschen" über den Aufenthalt von David Bowie in Gugging 1994 (NZZ), das neue Album von Bon Iver (Standard) und weitere neue Popveröffentlichungen, darunter "Abyss" von Anika ("leidenschaftlich und laut, rockend und kratzbürstig, eingängig und erhaben", schwärmt Karl Fluch im Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2025 - Musik

Steven Walter, Leiter des Bonner Beethovenfestes, erzählt auf Backstage Classical von seiner Reise durch die USA. Dass dort in der Kultur- und Musikszene eine große Depression angesichts von Trump II herrscht, wäre vielleicht noch sachte untertrieben. Dennoch stößt Walter auf überraschende Oasen: Mitten im Bible Belt, wo MAGA politisch hegemonial ist, findet das hochgradig eklektische BIG EARS Festival statt: "Der Vibe ist faszinierend", schwärmt Walter. "Prallgefüllte Säle mit der sperrigsten neuen Musik, vielleicht war es auch Free-Jazz, wer weiß? Tanzen zu Avantgarde-Postrock, das aber irgendwie auch Minimal Music war. Spröden Klängen in einer Western-Bar lauschen, Noise in einer Kirche, Folkjazz oder Jazzfolk (ich weiß es nicht) im Theater. Passend zu Big Ears lautet das Motto hier einfach nur: listen. Und noch nie habe ich ein so aufgeschlossenes Programm und Publikum erlebt."

Weitere Artikel: Diedrich Diederichsen schreibt in der taz zum Tod des Pere-Ubu-Sängers David Thomas (mehr zu dessen Tod bereits hier). Binnen kurzer Zeit hat sich die baschkirische Ethno-Band Ay Yola in weiten Teilen Osteuropas und Russlands zum Phänomen entwickelt, berichtet Artur Weigandt in der FAZ. Sead Husic porträtiert für die taz den Sänger Nezir Rahmanović, der in seiner bosnischen Heimat ein Star war, in Berlin aber durch die Bars tingelt. In der FAZ gratuliert Kerstin Holm dem russischen Komponisten Wladimir Tarnopolski zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden die von Jordi Savall dirigierten, audiovisuell unterstützten Konzerte bei den Migros-Classics in der Tonhalle Zürich (NZZ), das Berliner Comeback-Konzert der Sugababes in der Originalbesetzung (Tsp), Billy Idols Comeback-Album "Dream Into It" (manche Songs klingen so, "als ob man deutschen Schlager etwas rockiger gestalten wollte", stöhnt Christian Schachinger im Standard), Jim McNeelys Album "Primal Colors" (FR), neue Bücher über Bruce Springsteen (FAZ) und Masha Qrellas neues Album "Songbook" (taz).