Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 21

Magazinrundschau vom 14.03.2006 - Al Ahram Weekly

Anlässlich des Internationalen Frauentages zieht Amira El-Noshokaty eine für die ägyptische Frau deprimierende Bilanz: "Der Schutz der Frau, ihre politischen und zivilen Rechte, die Frauenforschung, die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten - das alles ist in Gang", zeitigt bisher jedoch nur bescheidene Erfolge. Die Realität ist immer noch dies: "Nach einem Bericht des ägyptischen Human Development Report von 2005 sind über 90 Prozent aller verheirateten Frauen Opfer von Genitalverstümmelung, die Analphabetinnen-Quote beträgt bis zu 85 Prozent auf dem Land und 57 Prozent in den Städten."

Abdallah Al-Ashaal, ehemaliger Assistent des ägyptischen Außenministers, plädiert dafür, Dänemark wegen der Karikaturen vor dem Europäischen Gerichtshof oder dem Internationalen Gerichtshof zu verklagen. Er ist überzeugt, dass die Dänen die Menschenrechte der Muslime verletzt haben und versteigt sich zu einem bizarren Vergleich: "Sicherlich ist der dänischen Regierung bekannt, dass ihr Land ein Zentrum für fremdenfeindlichen Hass und Gewalt gegen muslimische Immigranten geworden ist. Sicherlich wollen sie nicht, dass ihre Zeitungen das Feuer anfachen und eine Situation erzeugen, die für Muslime in Aussicht stellt, was die Tutsi in Ruanda erwartete."

Weitere Artikel: Nevine El-Aref verfolgt den mysteriösen Weg einer ägyptischen Totenmaske der 19. Dynastie in ein Museum in den USA. Youseff Rakha porträtiert die in London lebende arabische Schriftstellerin Hanan al-Shaykh. Und Eva Dadrian besucht eine Ausstellung zum 1600. Geburtstag des Armenischen Alphabets in der Bibliothek von Alexandria.

Magazinrundschau vom 07.03.2006 - Al Ahram Weekly

Voll des Lobes und der Anerkennung zeigt sich Nehad Selaiha angesichts der arabischen Premiere von Jean Genets Bordellstück "Der Balkon" in Kairos Al-Hanager Theater: "In der arabischen Welt ein Stück aufzuführen, das vor einem halben Jahrhundert in Paris einen Skandal verursachte, ist noch immer eine Herausforderung ... die Schauspielerinnen mußten erst lernen, dass man sich im Puff nicht nach den Regeln der Keuschheit kleidet ... jeder Zentimeter nackte Haut war nervenaufreibende Verhandlungssache."

Weitere Artikel: Galal Nassar blickt zurück auf 15 Jahre Al Ahram und stellt fest, dass die Probleme im Nahen Osten noch immer die gleichen sind wie im Gründungsjahr des Blattes. Jailan Halawi kommentiert den jüngsten Verstoß gegen die Pressefreiheit in Ägypten. Und in einem Interview schwärmt der britische Fotograf und bekennende Muslim Peter Sanders vom "blendenden Licht reinen Glaubens".
Stichwörter: Genet, Jean, Pressefreiheit

Magazinrundschau vom 28.02.2006 - Al Ahram Weekly

Erica Silverman stellt den für einen Oscar in der Kategorie "Bester ausländischer Film" nominierten Streifen "Paradise Now" des palästinensischen Regisseurs Hany Abu Assad vor: "Der Film vermittelt die Brutalität militärischer Besatzung, die junge Menschen dazu führt, den Tod zu wählen - allerdings ohne diesen Standpunkt zu verteidigen." Jüdische Organisationen in den USA sind dennoch besorgt: "Sie drängen darauf, den Film nicht mit dem Herkunftssiegel 'Palästina' zu versehen, weil es keinen palästinensischen Staat gäbe."

Weiteres: In der Titelstory untersucht Firas Al-Atraqchi die mysteriösen Umstände der Zerstörung des 1200 Jahre alten Askariya-Schreins im irakischen Samarra. Und Anouar Abdel-Malek schreibt einen Nachruf auf den linksintellektuellen Publizisten Mohamed Sid-Ahmed. Besprochen wird die (Auto-)Biografie einer Analphabetin - Tonbandaufnahmen und Diktate, die die libanesische Schriftstellerin Hanan al-Shaykh ihrer Mutter abgelauscht hat. Eine kleine Volksgeschichte des modernen Libanon in höchst erfrischendem Ton, findet der ungenannte Rezensent.

Für die aktuelle Ausgabe der Cairo Review of Books nimmt Hazem Kandil die jüngst erschienene arabische Übersetzung von Edward Saids Essaysammlung "Representations of the Intellectual" über die Rolle des Intellektuellen in Staat und Gesellschaft zum Anlass, um über Saids eigenen Standpunkt in der Sache zu reflektieren: "Im Bewusstsein, sich zwischen Wahrheit und Fremdbestimmung entscheiden zu müssen, hat er seinen Weg gefunden. Der Intellektuelle muss sich die Möglichkeit erhalten, sich zu entwickeln, zu verändern, Neues zu entdecken oder Verworfenes wiederzubeleben."


Stichwörter: Libanon, Mutter, Said, Edward J.

Magazinrundschau vom 21.02.2006 - Al Ahram Weekly

Ein Titelbeitrag des Magazins befasst sich mit den sensationellen Ausgrabungen im Tal der Könige. Nevine El-Aref durfte einen Blick werfen in die 3000 Jahre alte Grabkammer: "Ein Sarkophag trug das gemalte Gesicht einer schönen Frau in vollem Make-up, mit schmalen, bogenförmigen Augenbrauen, schwarz geränderten Augen, gerade geschnittenem schwarzen Haar und einer goldenen Halskette. Durch den Deckel eines anderen Sargs war der braune Stoff zu sehen, der die Mumie umgibt. Dahinter die Silhouette dreier weiterer Särge, ihre Gesichter nach oben gewandt, die Hände über der Brust gefaltet."

Von der Berlinale berichtet Samir Farid über den dänischen Beitrag "1:1" von Annette K. Olesen, in dem es um muslimische Immigranten in Dänemark geht: "Mit diesem Film und mit den dänischen Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen reichen die Dänen Arabern und Muslimen die Hand. Sollen wir sie abweisen, bloß weil ein Dummkopf eine Karikatur gezeichnet und ein anderer sie veröffentlicht hat?"

Weitere Artikel: Ein Beitrag von Ayman El-Amir greift das Thema auf und fordert, die Unterschiede zwischen der arabisch-muslimischen Welt und dem Westen erst einmal zu begreifen, bevor man sie unter den Konsensbemühungen eines "leeren Dialogs der Zivilisationen" begräbt. Und im Interview erklärt Italiens führende Arabisch-Übersetzerin Isabella Camera d'Afflitto, wie sie ihren Landsleuten arabische Literatur schmackhaft macht.

Magazinrundschau vom 14.02.2006 - Al Ahram Weekly

Al-Ahram bringt ein dickes Dossier zum Thema Mohammed-Karikaturen: In einem Exklusivinterview übt sich Dänemarks Premier Fogh Rasmussen in Schadensbegrenzung: "Karikaturen von Politikern können bei uns ja eine große Ehre bedeuten ... Aber Politiker unterscheiden sich natürlich von Propheten."

Von Ehre keine Spur, findet Anjali Kamat und erklärt in einem Beitrag des Dossiers, die Debatte offenbare "eine klaustrophobische Vision von Menschlichkeit", imstande, den Kampf der Kulturen anzuheizen: "Verblendet durch Polarisierungen ist sie unfähig, die Karikaturen als das zu sehen, was sie sind: hässlich und rassistisch ... So lehrt sie uns weniger über fanatische Muslime als über Europas Umgang mit der 'Muslim-Frage'."

Für Salama A Salama sind die "Spannungen leicht zu erklären: Europa hat es versäumt, seine ethnischen Minderheiten auf sinnvolle Weise zu integrieren. In Dänemark gab es überhaupt keinen Grund, die beleidigenden Zeichnungen zu veröffentlichen. Aber die jüngsten Wahlen haben zum Aufstieg der rechtsextremen Volkspartei geführt, die bekannt ist für ihren Rassismus und ihre Xenophobie. Die Volkspartei hat es geschafft, die öffentliche Meinung gegen Muslim und Ausländer in Dänemark aufzuwiegeln - eine leichte Sache, bedenkt man die jüngsten Geiselnahmen im Irak."

Ein anderes Dossier befasst sich mit den Rangeleien um die Publikation eines Romans von Nagib Machfus. Nachdem Machfus selbst die Veröffentlichung von "Children of the Alley" an die Zustimmung durch die Muslimbrüderschaft geknüpft und so die ägyptische Intelligenz gegen sich aufgebracht hat, erinnert Sayed El-Bahrawi an die moralische Funktion von Literatur: "Indem sie die Widersprüche eines menschlichen Dilemmas oder sozialen Phänomens erkundet ... erweitert sie unser Bewusstsein und hilft uns, solche Widersprüche zu überwinden ... Wenn Machfus der Muslimbrüderschaft moralische Autorität zuspricht, muss man dagegen angehen."

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - Al Ahram Weekly

Ahmed Naguib Roushdy erklärt, wie Rede- und Pressefreiheit einen Staat vor Terror schützen könnnen: "Freiheit ermöglicht es dem Individuum, seinem Ärger Luft zu machen, anstatt ihn zu unterdrücken oder fehlzuleiten. Sie erlaubt es der Regierung, sich mit ihren Gegnern auseinanderzusetzen und Fehler zu korrigieren. Sie bringt dem Gläubigen andere religiöse Überzeugungen nahe und hilft, diese zu tolerieren."

Wie unscharf die Grenzen dieser Freiheit sein können indes, belegt der Beitrag von Gihan Shahine zu den Reaktionen der arabischen Welt auf die vom dänischen Jyllands-Posten publizierte Entschuldigung wegen der Mohammed-Karikaturen. Während die einen eine Verschärfung der Boykotte fordern, predigen andere, wie der islamische Gelehrte Abdel-Sabour Shahine, Toleranz im Namen des Propheten: "Mohammed selbst war ständig Ziel von Anfeindungen, und seine Reaktionen waren so tolerant, dass sogar seine Gegner schließlich Muslime wurden."

Weitere Artikel: In einem Beitrag zu Steven Spielbergs Kinofilm "München" wirft der Politikwissenschaftler Joseph Massad Spielberg Verdrehung der Tatsachen vor und weist darauf hin, dass "die Palästinensische Gewalt eine Reaktion war auf die zionistische Eroberung und Mord." Spielberg stelle die israelischen Terroristen menschlich dar: "Sie lachen, weinen, lieben, kochen, essen, töten, bereuen." Die Palästinenser dagegen erschienen gewissenlos: "Anders als ihre israelischen Gegenspieler schießen sie, ohne zu weinen." Dass es arabische Literatur auf dem deutschsprachigen Markt nicht leicht hat, dokumentiert ein Beitrag von Rania Khallaf. Mangelhafte Kommunikation zwischen Verlagen, Autoren und Kulturinstitutionen und praktisch keine staatlich geförderten Projekte. Rühmliche Ausnahmen: Die Sphinx Books Agency, DTV und die Schweizer Verlage Lenos und Lisan.

Magazinrundschau vom 31.01.2006 - Al Ahram Weekly

Zu welch erstaunlichen Effekten es kommen kann, wenn Puppen und Menschen gemeinsam auf der Bühne agieren, hat Nehad Selaiha während einer Aufführung des Theater-Regisseurs Ahmed Halawa im Al-Tali'a theatre in Kairo erfahren: Man fühlt sich wie ein Kind in einer Märchenwelt, "aber dieser Zauber dauert nicht lang; es folgt eine Art existentieller Furcht, da man, angeregt durch das Bühnengeschehen, über die Bedeutung des Menschseins nachdenkt und ob man nicht in Wirklichkeit auch so etwas ist wie ein Puppe."

Hala Halim war während der Buchmesse auf Podiumsveranstaltungen zum Thema Globalisierung. Hier mussten sich die Diskussionsteilnehmer vom Publikum öfter Elitismus vorwerfen lassen: "Ein junger Mann sagte, 'Sie sprechen über die Globalisierung der Regierenden, aber es gibt auch eine Globalisierung der Regierten. Das zeigten die Menschen, die auf der ganzen Welt gegen den Krieg im Irak protestierten, vielleicht ohne auch nur zu wissen, wo der Irak überhaupt liegt.'"

Weitere Artikel: Rania Khallaf berichtet über - teils heftig geführte - Diskussionsveranstaltungen zu Übersetzungen arabischer Literatur ins Deutsche während der Cairo International Book Fair. Einen Blick auf Kairos Clubszene wirft Serene Assir in einem Artikel. Obgleich Clubs wie das "Latex" oder das "Hard Rock" sehr wohl auch die üblichen westlichen Genres bedienten, schreibt sie, sei der Abräumer auf dem Tanzflur doch immer noch die eigene, die arabische Musik. Und ein Artikel informiert uns, was das zweite Festival des europäischen und des "unabhängigen" ägyptischen Films in Kairo zu bieten hat.

Magazinrundschau vom 24.01.2006 - Al Ahram Weekly

Nach der Schlappe bei den Parlamentswahlen in Ägypten leckt die ägyptische Linke ihre Wunden, so auf einem Seminar des Socialist Studies Centre in Kairo. Amira Howeidy notiert die Vorschläge führender Linker für eine führendere Linke: Unstimmigkeiten raus, Selbstkritik rein. Und Marx ägyptisieren. Der ägyptischen kommunistischen Linken, so hieß es vom Podium, sei der Marxismus nämlich noch immer heilige Kuh, ungeachtet der Tatsache, dass es keine monotheistische Religion sei, sondern eine Methodik. Huch. Folgt noch ein beinahe selbstzerstörerischer Tipp für die Genossen: Öfter mal hoch von der Couch und raus aus der Bude!

Vom 17. Januar bis 03. Februar findet in Kairo die 38. Cairo International Book Fair statt, größtes Kulturhappening in der arabischen Welt und diesmal mit Deutschland als "guest of honour". Geboten werden u. a. ein Diskussionsforum "Me and Germany", die Präsentation der arabischen Übersetzung von Rafiq Shamis "The Secret Report on the Poet Goethe" und echte Spezi-Themen, wie "Der Weg der arabischen Literatur auf den hiesigen Buchmarkt nach Edward Saids 'Orientalismus'". Selbstverständlich ist nicht alles nur deutsch auf der Messe. Nagib Machfus zum Beispiel. Der hat sogar einen eigenen Pavillon: Machfusien. Hier lang zum Programm.

Weiteres: Amal Choucri Catta war beim Neujahrskonzert des Cairo Symphony Orchestra mit der Sopranistin Nicola-Jane Kemp, die "außerordentlich fesselnd" "Mein Herr Marquis, ein Mann wie Sie" sang. Und Hala Halim berichtet über die Jahrestagung der Modern Language Association of America. Das Hauptforum war der Rolle des Intellektuellen im 21. Jahrhundert gewidmet.

Magazinrundschau vom 03.01.2006 - Al Ahram Weekly

Nabil Abdel-Fattah, Autor des jährlichen "State of Egyptian Religion Report", konstatiert, mit welcher Sorge, aber auch Unkenntnis man in Ägypten auf die großen Wahlerfolge der Muslimbrüder reagiert. Es habe bisher kaum soziologische Forschung über deren Umfeld gegeben. Und die Ideen dieser Gruppierung zum modernen Staat blieben "geheimnisumwoben". "Auch in den kulturellen Zirkeln dehnen sich Überraschung und Sorge über die Wahlerfolge der Muslimbrüder aus, denn in Sachen künstlerischer Kreativität haben sich diese keineswegs zweideutig geäußert. Der Streit um den Roman "Bankett der Meerespflanzen" des syrischen Autors Haidar Haidar und die Demonstrationen von Al-Azhar-Studenten gegen manche andere Romane bleiben in Erinnerung. Das kulturelle Establishment ist bei manchen Formen künstlerischen Schaffens recht vorsichtig geworden, während religiöse Würdenträger eine immer größere Rolle bei der Zensur von künstlerischen und wissenschaftlichen Werken spielen."
Stichwörter: Kreativität, Muslimbrüder

Magazinrundschau vom 27.12.2005 - Al Ahram Weekly

Rania Khallaf berichtet von der "Sharjah International Book Fair" in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo verschiedene Veranstaltungen die Lage der Literatur und des Verlagswesens in den arabischen Ländern reflektierten. Eines dieser Seminare widmete sich dem Mangel an Übersetzungen in den arabischen Ländern: "Said Al-Barghouti, ein Übersetzer, sprach von einer nicht zu leugnenden Krise. 'Israel', so sagte er, 'übersetzt in einem Jahr mehr Bücher als alle arabischen Länder zusammen.' Als Ursachen für die Krise nannte er die mangelnden Ressourcen der Verlagshäuser und das Fehlen einer Förderung von Übersetzungen."

Eine interessante Besprechung widmet Heba M Sharobeem dem auf englisch publizierten Buch Buch "Opening the Gates - An Anthology of Arab Feminist Writing" (Indiana University Press, mehr hier).