Hamid Dabashi,
Professor für Iranische Studien und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University,
erzählt in einem langen, unaufgeregten Text von einer Reise nach
Jerusalem und einem persönlichen
Dienst an einem Freund: Dabashi entnahm ein wenig Erde von den Gräbern zweier Begleiter Mohammeds, um sie auf das Grab des im vergangenen Jahr verstorbenen
Edward Said zu streuen. Ein Bericht über die emotionalen Farben einer in Angst erstarrten Stadt, über Fremdheit und Heimat, über Blicke zwischen Gegnern und Menschen.
Abdel-Azim Hammad hat
ein Auge auf
Otto Schily geworfen, der dem Autor durch besonders eifrige
anti-arabische Ressentiments aufgefallen ist. Warum, fragt sich Hammad, betreibt der deutsche Innenminister Politik auf eigene Rechnung, während die deutsche Regierung ansonsten um Ausgleich im Nahen Osten bemüht ist? Hat er ein
persönliches Problem? Oder spielt er nur den
Bad Cop, der in Zeiten des Terrors hart durchgreift, während die Good Cops Schröder und Fischer sanft vermitteln?
In einer
"wegweisenden" Rede in der Kairoer Al-Azhar-Moschee hat
Rowan Williams,
Erzbischof von Canterbury, dafür plädiert, die Doktrin des einen, allmächtigen Gottes, die dem Judentum, dem Islam und dem Christentum gemein ist, zur Grundlage einer
Handlungsethik zu machen, die religiöse Unterschiede und verschiedene weltliche Interessen im Interesse eines gottgefälligen Verhaltens überwindet.
Al-Ahram dokumentiert den Wortlaut der Ansprache.
Außerdem: In der vergangenen Woche trafen sich
arabische Intellektuelle in der Bibliotheca Alexandrina, um sich über
Pressefreiheit und die Möglichkeiten des Schutzes unabhängiger Journalisten und Autoren auszutauschen; Gamal Nkrumah war dabei und
berichtet von Forderungen nach politischen Reformen - und einem gewissen Pessimismus. Ein/e nicht genannte/r Autor/in hat sich von der geistigen Vitalität des 82-jährigen
Alain Robbe-Grillet, der als Ehrengast zum 20. Filmfestivals von Alexandria geladen war,
fesseln lassen. Und Dina Ezzat
berichtet weiter über die
Buchmesse und die Debatte um die Repräsentation der arabischen Welt: Der Kulturkritiker Ahmed Kamal Abul-Magd, der als offizieller Vertreter der Arabischen Liga nach Frankfurt reist, verteidigt die
Image-Mission der Delegation und greift seinerseits die Kritiker des offiziellen Programms, die er als "Rückzügler" bezeichnet, an. Die Frankfurter Messe, meint er, ist eine einzigartige Chance, das
Bild der moslemischen Welt im Westen zu verbessern - wer in einem solchen Moment über Teilnehmerlisten streite, schade der guten Sache.