
"Von jenseits der großen Mauer können wir in
alle Winkel der Welt reichen" lautet der Text der 1987 verschickten, ersten und angesichts heutiger Versuche des chinesischen Regimes, das Netz zu kontrollieren,
durchaus blauäugigen E-Mail aus China,
steht im Aufmacher zum Themenschwerpunkt
China und Internet. Diesem zufolge scheint die Zeit der
Netzrepression aber auch durchaus endlich zu sein, da insbesondere auf dem Land die Zahl der Internetnutzer schlagartig wächst: Und "selbst nur gelegentliche Internetnutzer können in politische Diskussionen verwickelt werden und das Internet stellt den einen Raum dar, in dem die Leute verhältnismäßig frei ihre Gedanken äußern und die Regierung kritisieren können. Im Privaten haben sie immer gemurrt und Familien haben sich am Esstisch über die Propaganda amüsiert, die ihnen das Staatsfernsehen serviert. Doch in der Lage zu sein, abweichende Ansichten kollektiv online auszudrücken, ist neu. Millionen von Nutzern sind
subversiv im Kleinen, sie nagen am imposanten Gebäude des Parteienstaats mit Humor, Wut und betrübtem Zynismus. Nur jene, die es wagen den Staat zu bedrohen - in einer sehr breiten Definition umfasst dies auch die Kritik an einem Führer oder öffentlich seine Klage zu artikulieren - werden zur Bestrafung ausgesiebt."
Die Effizienz der
großen Firewall, die das chinesische Netz zensiert, nimmt stetig zu,
erfährt man hier: "Wer heute bei
Google verbotene Suchbegriffe eingibt, wird zu einer Sackgasse weitergeleitet und auf eine
virtuelle Strafbank verfrachtet, von der aus der Zugang zur Suchmaschine für 90 Sekunden gesperrt bleibt, auch wenn andere Bereiche des Internet zugänglich bleiben." Einen etwas
genaueren Blick hinter die Kulissen der chinesischen Netzregulierung findet man
hier. Außerdem
mutmaßt der
Economist über das Ausmaß staatlicher Hackaktivitäten aus China und
stellt die
Internetrestriktionen anderer Regime vor.
Außerdem eine
Reportage aus dem nordkoreanischen
Pyöngyang, wo es im Alltag derzeit offenbar ganz und gar nicht danach aussieht, als würde sich das Land ernsthaft für einen Krieg wappnen: "Nordkorea ist die
am höchsten militarisierte Gesellschaft auf Erden. Und doch sind die einzigen Gewehre, die man in der Hauptstadt zu Gesicht bekommt, die hölzernen, die einige ziemlich unerfahren wirkende Kadetten tragen. ... In Pyöngyang fällt es einem schwer, den Eindruck abzuschütteln, dass die Drohungen und das Geprahle in Richtung Amerika und Süden im wesentlichen für das eigene Land gedacht sind. Bedrohungen von außen legitimieren Nordkoreas Paranoia und durchgesetzte Isolation, egal was das Land seinem Volk abverlangt. Und sie versorgen eine Nation, die an einschläfernde, umfassender Kim-Lobpreisung als Entertainment gewohnt ist, mit
existenziellem Drama."