Unsere Auffassung von
Literatur, wie sie "diskutiert, rezensiert, analysiert, urheberrechtlich geschützt, raubgedruckt und parodiert" wird, ist gänzlich von der Technik des
Buchdrucks bestimmt,
erklärt der
Komparatist Michel Caouli. Was aber, wenn Texte elektronisch gelesen werden? Vielleicht lassen sich künftige Lesegeräte so programmieren, dass sie
überflüssige Adverbien herausfiltern, oder ellenlange Landschaftsbeschreibungen? "Den Text für meine eigenen Zwecke benutzen heißt, dass ich nicht mehr tue, was Gelehrte, Kritiker und viele Normalleser tun: Ich interpretiere den Text nicht mehr, lese ihn nicht mehr mit dem Ziel, die Intentionen des Autors zu verstehen. Wenn ich mir
Martin Scorseses 'GoodFellas' ohne Ton anschaue und mir eine Händel-Arie anhöre (vom Singen ganz zu schweigen), ohne Rücksicht auf den ursprünglichen Kontext dieser Werke, wenn ich Adverbien aus
Rohinton Mistrys Prosa verschwinden lasse - dann ist all das nur möglich, wenn ich mich von der Pflicht befreie, dem Werk treu zu bleiben. Unter bestimmten Bedingungen (im Klassenzimmer zum Beispiel oder bei einem wissenschaftlichen Aufsatz) kann es interessant sein, die komplexen
Intentionen eines Autors zu ergründen, aber es gibt keinen Grund, warum mein Gebrauch des Textes sich darauf beschränken sollte."
Weiteres: Hennric Jokeit und Ewa Hess
fragen, welche Rolle die
Neurowissenschaften im 21. Jahrhundert spielen werden, da sich der
Kapitalismus von einem repressiven in einen liberalen gewandelt und auch unsere seelische Störungen verändert hat: "Die
Neurose, ein aus Schuld, Ohnmacht und versagender Disziplin geborenes Leiden, verlor an Bedeutung. Das an der Selbstverwirklichung scheiternde Selbst schob sich in den Vordergrund: Es begann der Siegeszug der
Depression."
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intelligentes Leben im Fernsehen. Karl Heinz Bohrer liest noch einmal
Jürgen Habermas' große Schrift "Der philosophische Diskurs der Moderne". Und John Derbyshire stellt
Dennis Duttons "Art Instinct" vor.