Magazinrundschau - Archiv

Merkur

240 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 24

Magazinrundschau vom 21.09.2010 - Merkur

Das diesjährige Doppelheft des Merkurs widmet sich dem Thema Freiheit und Paternalismus, im ersten Teil werden die Klassiker der Weltliteratur der Freiheit gelesen, im zweiten die aktuellen Möglichkeiten des Liberalismus eruiert.

Der Sozialstaat macht uns asozial, meint Klaus Hartung: Familiäre Verantwortungen zerfallen, soziopathisches Verhalten (Alkoholismus, Apathie) wird prämiert und die Elitebildung durch einen bildungspolitischen Egalitarismus brutalisiert: "Wir haben keine Klassengesellschaft mehr, sondern den Widerspruch zwischen bildungsbürgerlichen Schichten und bildungsfernen Schichten. Im konkreten Fall, auf dem Kampffeld vor der Kita, in der Schule und am Zugang zur Universität, verhalten sich diese bildungsbürgerlich orientierten Eltern gänzlich asozial, obwohl sie zumeist in ihren Selbstverstaändnis sozial gesinnt sind. Sie wollen ihre Kinder nicht in Klassen mit vielen Ausländerkindern sehen, obwohl sie für die Integration und die multikulturelle Gesellschaft sind. Es hat sich herumgesprochen, wie sehr grüne Eltern diese Schizophrenie praktizieren. Die Absurdität ist nun, dass es gerade diese bildungsbürgerlichen Schichten sind, die einerseits eine sozialorientierte integrierende Bildungspolitik zu tragen haben, die aber um der eigenen Kinder willen das Problem verschärfen, das sie lösen sollen."

Außerdem: Kurt Scheel widmet sich Wilhelm von Humboldts "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen": "Das Unzeitgemäße der Überlegungen Humboldts erstrahlt in besonderem Glanz in folgendem Zitat: 'Der Staat soll nämlich auf keine Weise für das positive Wohl der Bürger sorgen, daher auch nicht für ihr Leben und ihre Gesundheit.'" Rainer Hank bilanziert den Sozialstaat und seine Dialektik: "Es ist die Tragik des Wohlfahrtsstaates, dass seine marktausgleichenden Korrekturen den Marktmechanismus nicht nur irritieren, sondern auch dessen Wohlfahrtsproduktion dämpfen und damit die Bedingungen, von denen er lebt, untergraben." Wolfgang Kersting ermuntert Liberale, sich nicht von der grassierenden "Gerechtigkeitsrhetorik" beeindrucken zu lassen. "Paternalismus ist der politische Trend des 21. Jahrhunderts", weiß Norbert Bolz. Und Ulrike Ackermann ruft: John Stuart Mill lesen!

(Im Zusammenhang mit dem Thema des Heftes sei noch auf zwei amerikanische Artikel hingewiesen: Angelo M. Codevilla kritisiert im American Spectator die "herrschende Klasse", die durch Erziehung und Ausbildung derart homogen wurde, dass es praktisch keinen Unterschied mehr gibt zwischen Demokraten und Republikanern und die nicht zuletzt der Glaube eint, sie müssten bestimmen, wie die Bürger zu leben haben. Und Kenneth Minogue beschreibt im New Criterion die neue Unterwürfigkeit, die sich daraus ergibt. Man muss mit den Autoren nicht übereinstimmen, aber die Aufsätze eignen sich gut dafür, den eigenen Freiheitsbegriff zu überprüfen.)

Magazinrundschau vom 03.08.2010 - Merkur

Der Literaturwissenschaftler Niels Werber hat die aus dem Nachlass veröffentlichte "Politische Soziologe" von Niclas Luhmann aus den sechziger Jahren verschlungen, ein Fest für Systemtheoretiker. Klar wird: Für Luhmann waren nicht der Mensch, nicht Machtbildung, Freiheit oder Gleichheit der entscheidende Bezugspunkt, sondern systemische Komplexität: "Man kann mehrere Parteien als Konkurrenten auf die Problemsuche schicken, sich mit der Problemsensibilität einer szientifisch ausgebauten Ideologie wie dem Marxismus-Leninismus begnügen oder ad hoc der Intuition 'großer Männer' vertrauen. Eine Funktion findet immer alternative Strukturen. Die politische Soziologie Luhmanns will ihre Theorie für alle Fälle modellieren. Die Sowjetunion, die Dritte Welt, die Schweiz, die DDR sind keine Ausnahmen eines normativen, Repräsentations- und Partizipationsmodellen verpflichteten politischen Projekts, sondern Testfälle einer Theorie der Gesellschaft. Dies führt immer wieder zu interessanten Fragestellungen, da die systemtheoretische Analyse immer nach Funktionsäquivalenten fragt: Die Witwenverbrennung tritt dann an die Seite der Rentenkasse."

Außerdem: In der Literaturkolumne blickt David Wagner auf die Highlights seines Leselebens: Handke war dabei, Proust und Bolano, viel Spiegel Online, Gizmodo, Perlentaucher und Guardian: "Ich serendipitiere so durchs Netz, den großen Text, der keine Ufer hat." Remigius warnt vor dem Verlust des Individuums durch Schwarmintelligenz und zuviel Gleichheit. Der Historiker Egon Flaig rekonstruiert die kulturelle Genese des Rassismus und hält fest: "Die erste Textflut, in denen Schwarze als minderwertig vorkommen, entströmt der arabisch-islamischen Kultur."

Magazinrundschau vom 29.06.2010 - Merkur

Der Soziologe Walter Hollstein setzt an, den Mann zu rehabilitieren, der bei Albert Camus oder Georg Simmel noch Qualitäten wie Mut, Fürsorge und Willenskraft aufbrachte, heute dagegen nur noch für Macht, Gewalt und Missbrauch steht. Dabei lastet Hollstein die Abwertung der Männlichkeit nur zum Teil dem Feminismus an. "Die Machtdebatte in der Gesellschaft bestimmt die öffentliche Diskussion dermaßen, dass darüber andere Tatbestände in Vergessenheit geraten. Dass Männer in vielen Rechtsbereichen wie dem Scheidungs-, Sorge- und Unterhaltsrecht diskriminiert werden, wird ebenso wenig in den breiten öffentlichen Diskurs aufgenommen wie geschlechtsspezifische Einseitigkeiten beim Militärdienst, bei der Altersversorgung oder dem Arbeitsschutz, um nur wieder wenige Bereiche beispielhaft zu benennen. So sehr Männer noch immer an der oberen Spitze der sozialen Pyramide überrepräsentiert sind, so sehr sind sie es auch am unteren Ende. Das Gros der Arbeitslosen, Hilfsarbeiter, Obdachlosen oder chronisch Kranken ist männlich, ohne dass jemand dies zum Anlass nähme, darin eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit zu sehen."

Außerdem: Anlässlich des Missbrauchs in "Erziehungsanstalten" erinnert der Sozialpsychologe Ulrich Oevermann in einem sehr lehrreichen Text, welche Bedeutung der Familie bei der Entwicklung einer erwachsenen Sexualität zukommt (jedes Zitat würde allerdings die Komplexität dieses Textes reduzieren, allein die "Pubertät" heißt bei Oevermann "Phase der Adoleszenzkrisenbewältigung"!). Karl Heinz Bohrer fragt nach der Macht der Philosophie. Und Stefan Willer huldigt dem Stimmenbeschwörer Georg Klein.

Magazinrundschau vom 01.06.2010 - Merkur

Verfassungsrichter Udo di Fabio besingt, allerdings nicht online, die emanzipative Kraft des Geldes: "Weil Geld in einer Geldwirtschaft indifferent gegen Person und Status ist, übersteigt es alle sozialen Schranken und zeigt eine unbezwingbare Tendenz zur Freiheit wie zum Egalitarismus, weil es ganz egal ist, wer Geld in Händen hat. Ohne Geld keine 'Befreiung', die zugleich empfunden wurde als 'soziale Entleerung' von Beziehungen, weil es doch immer nur um Geld geht."

Für den Sündenfall schlechthin hält der Jurist Horst Meier die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom November 2009, den verschärften Volksverhetzungsparagrafen für grundgesetzkonform zu erklären, obwohl er nicht mehr nur die Leugnung des Holocausts unter Strafe stellt, sondern auch die Verherrlichung oder Rechtfertigung des Nationalsozialismus: "Die Verfassung bietet ein Forum, auf dem alle über alles diskutieren können. Ohne Ausnahme. Permanent. Niemand darf diese Debatte für beendet erklären; und keine Staatsgewalt darf eine Ächtung des NS-Regimes als amtliche Wahrheit verordnen und Widerspruch dagegen bestrafen. Man mag sich damit begnügen, die Vergangenheitsbewältigungsverweigerer politisch zu isolieren - sie mit juristischen Zwangsmitteln zu überziehen ist überflüssig und schädlich."

Der Zoologe Hubert Markl macht sich verschiedenste Gedanken über Charles Darwin, die Natur und die Kultur und stellt klar: "Die Natur lernt immer hinzu!"

Magazinrundschau vom 04.05.2010 - Merkur

In ihrer Internetkolume beschäftigt sich Kathrin Passig mit den automatisierten Filtersystemen von Twitter, Facebook, Amazon, Netflix und Co., die - allerdings unterschiedlich durchdacht - die überholten Bestenlisten hinter sich lassen wollen zugunsten personalisierter Empfehlungen. Aber auch die funktionieren nicht zuverlässig, meint Passig: "Für den Einzelnen ist das Verallgemeinern des eigenen Geschmacks verlockend. Der Song, der mich so glücklich macht, muss diesen Effekt doch sicher auch für alle anderen haben. Selbst erfahrene Nutzer von Empfehlungssystemen, die genau wissen müssten, dass es zwischen ihren Geschmacksnachbarn und Freunden keine nennenswerten Überschneidungen gibt, sitzen dieser Illusion immer wieder auf und lassen sich zum Aussprechen von Kauf-, Lese- oder Anhörbefehlen 'an alle' hinreißen. Schließlich geht ein Teil des Problems auch schlicht auf das Festhalten an vertrauten Modellen zurück. 'Das Netz quillt über mit Informationen - wir organisieren die Rangreihenfolge. Das ist die Leistung, die wir bringen', erklärte Christoph Keese, Journalist und Lobbyist der Axel Springer AG, im März 2010. Es gibt diese allgemeingültige Rangreihenfolge nicht, und dass Redaktionen eine Weile so tun durften, als gebe es sie, beruhte auf einem Mangel an besseren Lösungen, der mittlerweile behoben ist."

Weiteres: Henning Ritter schreibt über Schopenhauers Ethik des Mitleids. Markus Knell liest die Autobiografien der beiden libertären Ökonomen Janos Kornai und Vernon Smith. Karl Heinz Bohrer widmet sich Kurt Flasch.

Magazinrundschau vom 30.03.2010 - Merkur

Siegfried Kohlhammer macht sich einige zum Teil recht unbehagliche Gedanken zur misslingenden Integration von Muslimen in Europa, für die er dezidiert nicht die europäischen Gesellschaften verantwortlich macht. "Keine andere Migrantengruppe beklagt sich so häufig über Diskriminierung und Mangel an Respekt und stellt derart exorbitante Forderungen, deren Zurückweisung dann als weiterer Beweis für Islamophobie gilt. Als der frühere englische Innenminister Charles Clarke 2005 erklärte, über die Einführung des Kalifats und der Scharia, die Aufhebung der Gleichheit der Geschlechter und der Meinungsfreiheit könne es keine Verhandlungen geben, sah ein Vertreter von Hizb ut-Tahrir Britain darin 'einen Angriff gegen den Islam'. Ein dänischer Muslimführer beklagte sich 2004 über den Säkularismus der dänischen Gesellschaft als 'eine widerwärtige Form der Unterdrückung'. Und keine andere Migrantengruppe droht derart ungeniert und ungestraft - und erfolgreich - mit Gewalt, sobald sie sich gekränkt oder herausgefordert fühlt."

Weitere Artikel: Der inzwischen in Israel lebende Schriftsteller Chaim Noll versucht den Ungeist zu fassen zu bekommen, der die Neue Klasse in den sozialistischen Länder antrieb und, sofern sie ihr eigenes Ende überlebt haben, noch immer antreibt. Der Soziologe Alan Johnson versucht zu begreifen, was Europas Linke an Slavoj Zizek findet, der noch immer dem egalitären Terror und dem autoritären Kommunismus das Wort rede. Theodore Dalrymple wettert gegen Le Corbusier: "Le Corbusier bedeutete für die Architektur, was Pol Pot für die Gesellschaftsreform war." (Hier der Originaltext) Und Walter Laqueur warnt Europa davor, seine eigene Schwäche zu rationalisieren.

Magazinrundschau vom 09.03.2010 - Merkur

W.A. Pannapacker, Professor für Englisch am Hope College in Michigan, bekennt sich (hier im englischen Original) zu seiner Herkunft aus dem Aufsteiger-Milieu, die ihm offenbar recht quälende Jahre unter snobistischen Kommilitonen beschert hat: "Anders als die unabhängigen Highbrows und die unbefangenen Lowbrows sind die Middlebrows anscheinend derart bemüht, 'im Leben voranzukommen', dass sie etwas einzig dann wirklich mögen, wenn es von den sozial über ihnen Stehenden approbiert worden ist. Für Virginia Woolf und ihre Nachfolger sind Middlebows nichtauthentisches, unaufrichtiges Pack, sklavisch der Mode und Schicklichkeit gehorchend, eine Kultur nachäffend, die sie nicht zu verstehen vermögen; sie sind das Muster für Hyacinth Bucket in der BBC-Sendung 'Keeping Up Appearances', die Anrufe mit dem Satz 'Die Bouquet-Residenz, die Hausherrin am Telefon' entgegennimmt."

Heinz Theisen, Politikwissenschaftler an der Katholischen Hochschule in Köln, will dem Universalismus Grenzen gesetzt sehen: "Solange der Westen seine Einflusssphäre mit der Universalität der allgemeinen Menschenrechte gleichsetzt, droht jedes Problem auf der Welt zu einem Problem des Westens zu werden." Theisen plädiert für eine recht eigene Kombination aus Multikulturalismus und Geopolitik: "Je mehr wir uns aus fremden Kulturräumen zurückziehen, desto mehr Recht haben wir auf die Behauptung unseres eigenen Kulturraums. Nach dem Disengagement kann sich der Westen auf die Sicherung der eigenen Hemisphäre konzentrieren."

Hansjörg Graf schreibt über John Donne und zitiert aus einem Essay von T.S. Eliot über die lyrische Leistung der Metaphysicals: "Racine und Donne schauten in sehr viel mehr als nur ins Herz. Man muss auch auf die Hirnrinde schauen, ins Nervensystem und in den Verdauungstrakt."

Magazinrundschau vom 02.02.2010 - Merkur

James Bowman, langjähriger Filmkritiker der New York Sun und inzwischen bekennender Griesgram beklagt noch einmal den Verlust der Wirklichkeit im Kino, das mit seinen Fantasy-Produktionen nurmehr Kinder und Zyniker bediene. "Die Redakteure stimmten entweder mit mir überein oder tolerierten meine immer verschrobenere kritische Haltung. Schließlich aber, gegen Ende des Jahres 2007, reichte ich eine Filmkritik dieser Art ein, bei der einem neuen, jüngeren Redakteur der Geduldsfaden riss: 'Natürlich ist es Fake', schrieb er mir offensichtlich verärgert, 'es ist ein Film!'. Er dachte vielleicht, dass ich dachte, dieser Film oder jener Film sei oder sollte eine genaue fotografische Aufzeichnung von Ereignissen sein, die sich auf dieser Welt, die wir immer öfter als real zu bezeichnen genötigt sind, tatsächlich zugetragen hatten, aber ich bezweifle es. Es ist wahrscheinlicher, dass er einfach festgestellt hatte, dass die Aussage, ein Film oder irgendein anderes offenkundig zur darstellenden Kunst gehöriges Werk weise keine Ähnlichkeit zur Realität auf , keine legitime kritische Reaktion mehr darstellt." (Hier das Original aus The New Atlantis)

Weiteres: Karl Otto Hondrich erzählt von Charly, seinem schlauen Hund, und Tiger, der kranken Katze: "Der Mensch schaut auf sein Tier. Es rührt ihn, wie gut er es kennt und wie ähnlich es ihm ist." In der Ökologiekolumne beschreibt Hansjörg Küster die Dynamik der Natur. Christian Caryl schwärmt von den Pixar-Studios. Und Jürgen Kocka widmet sich in der Geschichtskolumne der Kapitalismusforschung.

Magazinrundschau vom 29.12.2009 - Merkur

Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich sieht einen neuen Künstlermythos aufziehen, nämlich den des Künstlers, der wie ein Filmproduzent oder Handelsunternehmer Großaufträge akquiriert, in Werkstätten wie dem Mike Smith Studio in London, mixedmedia berlin oder Carlson & Co. in Los Angeles produzieren lässt und nur noch - wie in der Whisky-Werbung - bei der Endabnahme für die "besondere Qualität" bürgt: "Die Idee eines einheitlichen Stils, die für Generationen von eigenhändig schaffenden Künstlern zentral war, wird also auf einmal zu einem Signum von Idiosynkrasie. Und handwerkliches Nicht-Können ist nicht nur kein Handicap, sondern sogar Voraussetzung dafür, als Künstler spontan - eben flexibel - bleiben zu können." Und wie einst das unschuldige Auge werde nun die unschuldige Hand propagiert: "Demzufolge wäre der Künstler, der sich bei der Entwicklung seiner Konzepte überhaupt nicht von dem beeinflussen lässt, was er über Handwerkstechniken und Materialeigenschaften weiß, am besten dazu disponiert, Meisterwerke zu schaffen. Auch andere Künstler lassen sich ausdrücklich als technisch unbedarft darstellen: nicht nur um sich möglichst stark von einem schnöden Handwerkertum zu distanzieren, sondern weil sie auf diese Weise als besonders unabhängig - als frei und insofern authentisch - wahrgenommen werden wollen. Man inszeniert sich gemäß der Maxime: Je weniger ich kann, desto weniger bin ich determiniert."

Außerdem übernimmt der Merkur einen Essay des Philosophen John R. Searle aus der New York Review of Book, in dem er - unter Verweis auf Paul Boghossians "Fear of Knowledge" - vehement gegen Relativismus und Sozialkonstruktivismus plädiert: "Es ist hinreichend bewiesen, dass die Ureinwohner Amerikas den Kontinent von der eurasischen Landmasse aus erreichten, indem sie die Beringstraße überquerten. Von indianischer Seite gibt es auch Berichte, wonach es die Nachfahren des Buffalo-Volkes waren, und sie kamen aus dem Inneren der Erde, nachdem übernatürliche Geister die Welt als Wohnstätte für die Menschen hergerichtet hatten. Es liegen also zwei sich gegenseitig ausschließende und einander widersprechende Darstellungen vor. Einige Ethnologen erklären, dass die eine Darstellung so gut wie die andere sei." Aber immerhin, meint Searle, sei es einfacher, beispielsweise Richard Rorty zu widerlegen als Derrida: "Es ist viel leichter, ein schlechtes Argument zu widerlegen als ein wirklich grauenhaftes." (Hier die englische Version)

Weiteres: Gunter Schäble schreibt übers Klima. Cord Riechelmann folgt Alexander von Humboldt nach Zentralasien. und Thomas Frahm blickt auf die schwierige Transformation in Bulgarien.

Magazinrundschau vom 01.12.2009 - Merkur

So europäisch wie Schweden sind die USA vielleicht nicht, aber mit Großbritannien, Italien oder Frankreich können sie durchaus mithalten, meint der Historiker Peter Baldwin und räumt mit einer ganzen Reihe von Vorurteilen auf - und zwar in Hinsicht auf Sozialausgaben, Kriminalität, Religion oder der Bildung: "Simone de Beauvoir war überzeugt dass die Amerikaner, da sie nicht denken, nicht zu lesen brauchten. Denken ist schwer zu quantifizieren, lesen weniger. Und die Amerikaner, so stellt sich heraus, lesen tatsächlich. Der Prozentsatz analphabetischer Amerikaner entspricht dem europäischen Durchschnitt. Es gibt in den USA mehr Zeitungen pro Kopf der Bevölkerung als irgendwo in Europa mit Ausnahme der skandinavischen Länder, der Schweiz und Luxemburgs. Die lange Tradition finanziell gut ausgestatteter öffentlicher Bibliotheken in den Vereinigten Staaten hat dazu geführt, dass der durchschnittliche amerikanische Leser besser mit Büchern versorgt ist als die Leser in Deutschland, England, Frankreich, Holland, Österreich und allen Mittelmeerstaaten. Sie machen auch häufiger Gebrauch von Bibliotheken als die meisten Europäer."

Weitere Artikel: In einer kleinen Geschichte der Technologiekritik fällt Kathrin Passig auf, dass sich die Argumente gegen Handy, Internet oder Twitter nicht von denen gegen Straßenbeleuchtung, Telefon oder Tonfilm unterscheiden. Der Philosoph Volker Gerhardt erklärt die Politik als geradezu unabwendbare Tragödie, zumindest im Platonschen Sinne. Der Politikwissenschaftler Heinz Theisen erklärt ausgerechnet am Beispiel Israel die Integration verschiedener Kulturen für gescheitert und plädiert dafür, es generell bei einer Koexistenz zu belassen. Und Thomas Speckmann analysiert Russlands und Chinas Strategien, ihre Einflussphären auszuweiten.