
Das diesjährige Doppelheft des
Merkurs widmet sich dem Thema Freiheit und Paternalismus, im ersten Teil werden die Klassiker der
Weltliteratur der Freiheit gelesen, im zweiten die aktuellen Möglichkeiten des Liberalismus eruiert.
Der Sozialstaat macht uns
asozial, meint Klaus Hartung: Familiäre Verantwortungen zerfallen, soziopathisches Verhalten (Alkoholismus, Apathie) wird prämiert und die
Elitebildung durch einen bildungspolitischen Egalitarismus
brutalisiert: "Wir haben keine Klassengesellschaft mehr, sondern den Widerspruch zwischen bildungsbürgerlichen Schichten und bildungsfernen Schichten. Im konkreten Fall, auf dem
Kampffeld vor der Kita, in der Schule und am Zugang zur Universität, verhalten sich diese bildungsbürgerlich orientierten Eltern gänzlich asozial, obwohl sie zumeist in ihren Selbstverstaändnis sozial gesinnt sind. Sie wollen ihre Kinder nicht in Klassen mit vielen Ausländerkindern sehen, obwohl sie für die Integration und die multikulturelle Gesellschaft sind. Es hat sich herumgesprochen, wie
sehr grüne Eltern diese Schizophrenie praktizieren. Die Absurdität ist nun, dass es gerade diese bildungsbürgerlichen Schichten sind, die einerseits eine sozialorientierte integrierende Bildungspolitik zu tragen haben, die aber um der eigenen Kinder willen das Problem verschärfen, das sie lösen sollen."
Außerdem: Kurt Scheel
widmet sich Wilhelm von Humboldts "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen": "Das Unzeitgemäße der Überlegungen Humboldts erstrahlt in besonderem Glanz in folgendem Zitat: 'Der Staat soll nämlich
auf keine Weise für das
positive Wohl der Bürger sorgen, daher auch nicht für ihr Leben und ihre Gesundheit.'" Rainer Hank
bilanziert den
Sozialstaat und seine Dialektik: "Es ist die Tragik des Wohlfahrtsstaates, dass seine marktausgleichenden Korrekturen den Marktmechanismus nicht nur irritieren, sondern auch dessen
Wohlfahrtsproduktion dämpfen und damit die Bedingungen, von denen er lebt, untergraben." Wolfgang Kersting
ermuntert Liberale, sich nicht von der grassierenden "
Gerechtigkeitsrhetorik" beeindrucken zu lassen. "Paternalismus ist der politische Trend des 21. Jahrhunderts", weiß Norbert Bolz. Und Ulrike Ackermann ruft:
John Stuart Mill lesen!
(Im Zusammenhang mit dem Thema des Heftes sei noch auf zwei amerikanische Artikel hingewiesen:
Angelo M.
Codevilla kritisiert im
American Spectator die "herrschende Klasse", die durch Erziehung und Ausbildung derart homogen wurde, dass es praktisch keinen Unterschied mehr gibt zwischen Demokraten und Republikanern und die nicht zuletzt der Glaube eint, sie müssten bestimmen, wie die Bürger zu leben haben. Und
Kenneth Minogue beschreibt im
New Criterion die neue Unterwürfigkeit, die sich daraus ergibt. Man muss mit den Autoren nicht übereinstimmen, aber die Aufsätze eignen sich gut dafür, den
eigenen Freiheitsbegriff zu überprüfen.)