Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 24.06.2002 - New York Times

Zwei neue Napoleon-Biografien sind anzuzeigen, die eine verfasst von Paul Johnson (Auszug "Napoleon"), die andere von Frank McLynn (Auszug "Napoleon: A Biography"). Der Historiker Mark Mazower wägt die beiden gegeneinander ab: Deute der wenig moderate Johnson den kleinen Franzosen als Präfiguration Hitlers und Stalins, als Inkarnation des Bösen, der dem 20. Jahrhundert das Erbe des Totalitarismus überließ, und als "French cultural racist", operiere McLynn jenseits polemischer Absichten und biete dem Leser eine gerechte und gut geschriebene Synthese vorliegender Forschungsergebnisse. "More relaxed than Johnson, McLynn sketches in context and milieu and, after a slow start, brings his subject to life. Napoleon's paradoxes, his extraordinary energy, his mercurial temperament all form part of a rounded and persuasive portrait." Doch nicht vollends überzeugend offenbar, denn wo Johnson Stalin und den Totalitarismus ins Spiel bringt, lässt uns Mazower wissen, bemüht McLynn psychoanalytische Deutungsmuster und riskiert so einen ähnlichen Anachronismus wie jener.

Besprochen wird auch Joseph E. Stiglitz' Studie "Globalization and Its Discontents" - "more of an economic treatise than a narrative critique", wie Rezensent Joseph Kahn einräumt, der die von Stiglitz kritisierten Praktiken von IWF und Weltbank unter der Clinton-Regierung zwar zu Genüge kennt, Stiglitz aber für seine treffsichere Argumentation und für sein Insiderwissen (Stiglitz war selbst Wirtschaftsberater bei Clinton) schätzt. Nachteil des letzteren Vorteils: Das Buch erscheint "tendenziös und mitunter sogar rachsüchtig".

Ferner stellt die Times noch vor: Ward Justs neuen Roman (Probe "The Weather in Berlin") über einen ausgebrannten Hollywood-Regisseur unterwegs in Neu-Berlin, zwischen "Wessi triumphalism and Ossi discontent". Hier die Besprechung und eine Audiolesung mit Just. Sowie eine Biographie über Herman Melville.

Magazinrundschau vom 17.06.2002 - New York Times

Adam Cohens (Erfolgs-)Geschichte des Internetauktionshauses eBay (Leseprobe ''The Perfect Store'') stellt Joseph Nocera uns vor. "A brisk, workmanlike history of the company", schreibt Nocera und erklärt die Richtung des Buches so: "What is most notable about Cohen's book, though, is his willingness to stray from the classic business narrative and into the gnarlier issues of community and idealism. He portrays Omidyar (den eBay-Gründer Pierre Omidyar) as an earnest dreamer, who began AuctionWeb (as eBay was first called) in the hope that he might create, in Cohen's words, 'a perfect, global marketplace that everyone comes to on an equal basis' ... What Cohen is really documenting -- though he never says it quite this bluntly -- is the way eBay gradually lost the eBaysian spirit as it became an ever bigger, ever more successful business."

In Carole Angiers "The Double Bond" (Auszug) hat Richard Eder eine perfekte Biografie über Primo Levi gefunden, die den "verschlungenen Komplexitäten und Widersprüchen des Menschen und Schriftstellers" gerecht wird. Er schreibt: "Whether by influence or otherwise, Angiers approach to Levi suggests something of Holroyd's way with George Bernard Shaw: a determination to understand, nudge, infiltrate and all but become her subject. Scrupulously indexed and annotated (113 pages of endnotes for 731 pages of text), 'The Double Bond' is remarkable in all senses of the word."

Besprochen wird auch Mark Costellos zweites Buch "Big If", ein Agenten-Roman auf der Fährte Don DeLillos ("Costello has clearly read ''White Noise'' and ''Underworld,'' but like all good novelists he has created a thoroughly original universe"), das der "American obsession with assassination" nachgeht, indem es den Leser in die Welt des Secret Service mitnimmt. Hier eine Audio-Lesung mit Costello.

Daphne Merkin schließlich (die übrigens gerade an einer Studie über Depression arbeitet) nimmt sich Catherine Millets "The Sexual Life of Catherine M." zur Brust und befindet: Zu wenig Liebe (von der romantischen Sorte) und viel zu wenig Humor. Als ob es darum ginge in dem Buch!

Magazinrundschau vom 10.06.2002 - New York Times

Ein "erstklassiges intellektuelles Abenteuer" sei das Buch, schreibt George Johnson in einer begeisterten Besprechung von Stephen Wolframs revolutionärer Welterklärungtheorie "A New Kind of Science". Über 1200 Seiten (350 davon Anmerkungen) und nicht weniger als die Aufforderung an den Leser, das Universum künftig nicht mehr mit Einstein & Co. als Bündel von auf der Annahme eines Raum-Zeit-Kontinuums basierenden mathematischen Gleichungen zu betrachten, sondern als lauter "little snippets of software called algorithms" (die das im Eigenverlag publizierte Buch übrigens in endlosen TV-Schnee-Illustrationen abbildet): Zeit fließt nicht, sie tickt. Raum ist keine Fläche, sondern ein Gitter. - Und dieses Buch hier, meint der Rezensent, ist etwas selten Schönes: "too bad that more science isn't delivered this way".

Thriller sind ja eher selten. Oder Rezensenten lesen lieber Sachbücher. Stephen L. Carters Debütroman um einen mysteriösen Mord an einem einflussreichen Richter hat es allerdings sogleich auf das Cover der Book Review geschafft! Was den Rezensenten Ward Just besonders für das Buch einnimmt, ist einerseits, dass es "von jeder einzelnen Seite lebt" (kein "page-turner" also), vor allem aber, dass es ihm "eine neue Welt" eröffnet, mit eigener Sprache, eigenen Verhaltensweisen und eigenen Mythen und Legenden: "the milieu of the black bourgeoisie -- not just the rich but the rich and influential ... The news that's delivered in 'The Emperor of Ocean Park' will surely be surprising for the inhabitants of what Stephen L. Carter calls 'the paler nation.'" Hier die Leseprobe.

Wie diplomatisch haben diplomatische Memoiren zu sein? Ruhig etwas weniger, wenn es nach Bill Keller ginge, der in den Erinnerungen des Russland-Experten und Clinton-Vertrauten Strobe Talbott ("The Russia Hand") desöfteren das kritische Urteil vermisst und auch die Feinheiten: "Talbott, who is so fluent with the nuances of policy, shies away from the intricacies of human character, at least the characters on his side. The book does not give us much of Bill Clinton's horrifying and enchanting complexity. When the messy, tabloidy world of Clinton's life threatens to intrude on his diplomatic missions, Talbott deliberately turns away, heartsick."

Magazinrundschau vom 03.06.2002 - New York Times

In ihrem "Close Reader" verbrüdert Judith Shulevitz Michel Houellebecq mit Jean-Marie Le Pen ("Both disparage Islam, or at least suspect that Muslims mean harm to Westerners. Both oppose European union and globalization"), um beide dann um so schärfer gegeneinander abzusetzen: "Must we demand from novelists the same standards we demand (or should demand) from politicians? ... Obviously, when he makes a racist remark on television, we're entitled to condemn it. We'd be foolish, though, to do the same to his novels. The last thing we want from a good novelist -- and Houellebecq is one -- is an ethic of sober responsibility." - Ist Martin Walser eigentlich "a good novelist"?

Ist Striptease Ausdruck weiblicher Unabhängigkeit oder das genaue Gegenteil? Stacy Schiff stellt "Sisters of Salome" vor, "a highbrow survey of what generally passes as a lowbrow art", das dieser Frage nachgeht und die Ursprünge des Strippens im Salome-Kult des Fin-de-siecle-Paris lokalisiert. Das Buch der ehemaligen Balanchine- und Striptease-Tänzerin Toni Bentley beschreibt die Entwicklung der Salome-Figur "from Maud Allan's vaudeville belly dancer to Mata Hari's voluptuous temptress to Ida Rubinstein's Russian Jewish flapper" und der lesbischen Femme fatale einer Colette. Die Details dieser Erkundung, schreibt die Rezensentin, sind so delikat und enthüllend wie ein Schleiertanz!.

Außerdem präsentiert die Times ihre alljährliche Sommer-Lektüreliste, Sam Swope fragt sich, ob es wirklich nötig ist, Kinderbuch-Klassiker wie Grimms "Tapferes Schneiderlein" der Gleichberechtigung halber als "Brave Little Seamstress" zu adaptieren, Bruce McCall erörtert die Beziehungen von Bestseller-Autoren zu ihren Schreibgeräten (angeblich schreiben noch immer 80% von ihnen auf klapprigen Schreibmaschinen!), und James Traub bespricht eine Hommage auf die Feuerwehr, die New Yorker insbesondre (Auszug "Firehouse").

Magazinrundschau vom 27.05.2002 - New York Times

"Erschöpfend, streitsüchtig und manchmal unerträglich" findet Rick Moody Jimmy McDonoughs Biografie über Neil Young (Leseprobe "Shakey"). Das Buch befasst sich in der Hauptsache mit Youngs musikalisch produktivster Zeit zwischen dem ersten Buffalo Springfield Album von 1966 und "Rust Never Sleeps" von 1979 und wird unerträglich immer dann, wenn dem Autor die Musik aus dem Blick gerät und er sich in Details oder endlosen Interviews (insgesamt um die 50 Stunden!) verliert. Ebendies mache den Unterschied aus "zwischen der leichten, eingängigen Biografie, die wir hätten haben können, und der langatmigen vorliegenden". Kurzweilig ist dafür das Audiopaket zur Besprechung: Clips von Neil Young, kommentiert vom Rezensenten!

Die NYT bespricht das Buch eines Arabisten und Politikwissenschaftlers, das den Spuren des politischen Islam folgt. "Jihad" von Gilles Kepel, schreibt Robin Wright, "will be a welcome respite for anyone who fears the fury associated with militant Islam. Despite the terrorist attacks of Sept. 11 and the Palestinian suicide bombings in Israel, Gilles Kepel argues that the trend is, in fact, now on its last legs. The violence is merely a reflection of the movement's failure, not its success". Eher schwach findet Wright die Ausrichtung der Arbeit ("in its detail and scope") auf den spezialisierten Leser, zu kurz komme das "größere Bild". Und dass die Bewegung bereits am Ende ist, möchte er auch nicht glauben: "Islam is now just beginning to struggle with its own reformation, a process of reinterpreting the Koran and blending religious traditions with modern society. The past quarter century of militancy is a part of this broader process -- a phase of history that is definitely not over."

Mit einer eher ungewöhnlichen Bemerkung beginnt Gillian Tindall seine Besprechung der Flaubert-Biografie aus der Feder von Geoffrey Wall. "Ich wünschte, das Buch gefiele mir besser", schreibt er. Der Autor habe zwar "Madame Bovary" übersetzt, wisse eine Menge über Flaubert und verehre ihn auch wirklich, aber literarische Sensibilität und die Fähigkeit zu schreiben seien nun mal zwei Paar Schuh. Flauberts Geschichte sei einfach zu außergewöhnlich ("such richness of human themes on the one hand, such emotional anorexia on the other"), als dass man sie derart "spielend und schwatzend" erobern dürfe. Hier ein geschwätziger Auszug aus "Flaubert".

Magazinrundschau vom 21.05.2002 - New York Times

Angesichts eines drohenden neuen Krieges in der Golfregion sicher ein wichtiges Buch, das Fouad Ajami uns in der Times vorstellt: "The Reckoning" von Sandra Mackey - eine, wie Ajami versichert, verständlich geschriebende Geschichte des Irak, die allerdings eine schwerwiegende Schwäche hat: "Mackey has delivered a muddled message because she does not really understand the wellsprings of Arab radicalism. She believes that the radicalism and the anti-Americanism arise from our ties to Israel, when they spring from countless other sources: a deep alienation between ruler and ruled, a rage born of the disappointments of the young, a scapegoating that shifts onto America the blame for the ills of an Arab world unsettled and teased by exposure to a modern civilization it can neither master nor reject."

Im "Close Reader" verteidigt Judith Shulevitz, was sie als das Hans-Castorp-Erlebnis beschreibt: eine Lektüre frei von Weisungen und genährt von reiner Leidenschaft. Was Oprahs Buchclub im US-Fernsehen leisten konnte - "to nurture her fans even after they turned the television off", schreibt Shulevitz, werde durch Lektüreverordnungen wie das ominöse "One Book, One City program" wohl kaum erreicht. "What they have in mind is what economists call social capital, which is the trust between people that lets them get along well enough to build businesses and other useful institutions. One Book, One City people believe that reading as a group will turn us into a unified body of productive citizens." Literatur aber gedeihe auf dem Boden reicher, kritischer Individualität, nicht in irgendwelchen morschen Vorstellungen von gemeinsamer Erbauung.

Ferner freut sich Holland Cotter über die erste vollständige Biografie der Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven alias Else Hildegard Plotz aus Germany, die im New York der zehner Jahre sexuelle Feldforschung betrieb und der Dada-Bewegung frische Impulse verlieh (zum Beispiel schenkte sie Marcel Duchamp ein Urinal, die spätere "Fountain"). Und ein Kulturwissenschaftler legt eine Apologie des Graffitos vor, das er als artikulierten "sozialen Aufschrei" verstanden wissen will. Ja, als was den sonst!

Magazinrundschau vom 13.05.2002 - New York Times

Die Rezensentin ist baff: Dieser Mann hatte Knochenkrebs, seine Lebenserwartung schien gering, er aber lehnte die Chemotherapie ab, zog es vor, weiter zu leben und ein Buch über seinen Fall zu schreiben, "in a spare, wry, backhanded style reminiscent of the great English novelist Penelope Fitzgerald", und für Natalie Angier "the most persuasive case for alternative medicine that this skeptical, generally dismissive reader has yet come across". "I don't know", schreibt Angier, "what I'd do if I were to come down with myeloma, and who knows whether the author's extended survival can be attributed to anything he ate, breathed or expelled; maybe he was one of the statistical outliers found in every patient population. Nevertheless, there is something to be said for challenging the use of toxic chemotherapy regimens when a cure is out of the question." Hier ein Auszug aus Michael Gearin-Toshs "Living Proof".

Ein gleichfalls ganz außergewöhnliches Buch stellt Mia Bay in der Review vor: "The Bondwoman's Narrative" (Leseprobe), entstanden um 1850, ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur der allererste Roman einer schwarzen Autorin, sondern auch der einzige, der je von einer entflohenen Sklavin geschrieben wurde. Ein Erfahrungsbericht über die Sklavenzeit aus erster Hand! Dass das Buch der Hannah Crafts darüber hinaus auch noch "immens unterhaltend" geschrieben ist, wie Bay erklärt, macht die Überraschung perfekt: "Its distinctive charms lie in its unusual combination of genres. A slave narrative rich in insight, 'The Bondwoman's Narrative' is also enlivened by conventions drawn from both Gothic and sentimental novels. Always interesting, if only intermittently well written, it uses its various genres to mobilize the dramatic potential inherent in its setting in the slave South."

Zu lesen gibt es außerdem (und zu hören) neue Lyrik von Peter Sacks, ferner über die Biografie, die Sue Graham Mingus über ihren Mann, die Jazzlegende Charles Mingus verfasst hat (Auszug "Tonight at Noon"), Susannah Meadows zeigt sich enttäuscht von Hari Kunzrus so hoch dotiertem Debütroman "The Impressionist", und Margo Jefferson schwärmt von den Essays des Kunstkritikers John Berger.

Magazinrundschau vom 06.05.2002 - New York Times

"A timely, thoughtful and well-argued contribution to an important subject" nennt der Philosoph Colin McGinn in einer Besprechung von Francis Fukuyamas Buch "Our Posthuman Future" (Auszug), das die von den neuen Biotechnologien ausgehende Gefährdung des Menschen analysiert. Von einigen Einwänden gegen Fukuyamas Konzeption einer universellen "menschlichen Natur" abgesehen ("brauchen wir so etwas, um die kommenden Technologien zu bewerten?"), scheint McGinn d'accord. Nicht zuletzt mit Fukuyamas aristotelischem Verständnis vom menschlichen Wohlergehen als oberstem Ziel der Politik: "There is no alternative to figuring out what allows human beings to prosper in deciding what policies to pursue. Freedom unconstrained by a substantive conception of that which makes life worthwhile is a recipe for meaninglessness. And this is where we need our philosophers. As Fukuyama rightly insists, the standard mix of utilitarianism and scientific materialism is not an adequate basis for evaluating the new technologies."

Der Naipaul- und Rushdie-Kenner Michael Gorra bespricht eine Kipling-Biografie David Gilmours (Auszug "The Long Recessional"), die ihm ganz im Kipling-Trend zu liegen scheint, mit dem wichtigen Unterschied allerdings, dass Gilmour sich nicht auf den Künstler, sondern auf den politischen Kipling, Kipling "als Apostel des Empires", konzentriert und dadurch einiges auslässt. "Yet in emphasizing Kipling's 'public role', Gilmour risks forgetting that he had a private one as well, and that the border between them was never quite distinct ... Other things have been left out, too; I missed, for example, any substantive account of Kipling's finances or of the rhythms and routines of his daily life. Nor does Gilmour offer any but the most scattered reference to the picaresque wonders of 'Kim', that infectious and irreplaceable book to which all later descriptions of India in English remain indebted."

Ferner in der Review: Joseph Roths "Gesammelte Erzählungen", von denen der Rezensent ganze zwei für meisterhaft hält, dann ein Buch, das die Geschichte des Panzers aufrollt, ein anderes, das die Essgewohnheiten italienischer, jüdischer und irischer Immigranten in Amerika auf ihre kulturelle Bedeutung abklopft, neue und ausgewählte Gedichte des polnischen Dichters Adam Zagajewski (Leseprobe "Without End"), und Judith Shulevitz führt ein in die Welt der "blogs" - "the diminutive of 'Weblog', an online news commentary written, usually, by an ordinary citizen, thick with links to articles and other blogs and studded with non sequiturs and ripostes in sometimes hard-to-parse squabbles."

Magazinrundschau vom 29.04.2002 - New York Times

Isabel Hilton bespricht drei im Exil geschriebene, sehr persönliche Bücher über Afghanistan. Alle drei - "Zoya's Story" (Auszug), ''My Forbidden Face'' (Auszug) und ''West of Kabul, East of New York'' (Auszug) -, schreibt sie, illustrierten viele derjenigen Fragen, die der Westen beantworten müsse, wenn Afghanistan aus dem jetzigen Krieg in einem besseren Zustand hervorgehen soll als zuvor. "Afghanistan remains a long way from those happy images of Afghan women shedding their burkas that we enjoyed last November." Die in den Büchern erzählten Geschichten selbst scheinen Hilton einem "populären Genre" zuzugehören: "the personal account that illustrates the wider political context. It does not diminish their particularity to say that they are illustrative rather than revelatory, reinforcing what we feel we understand rather than shedding new light or bringing new understanding."

Anthony Lewis hat sich geistreich amüsiert mit dem dritten Band von Robert A. Caros Biografie über Lyndon B. Johnson. "The book reads like a Trollope novel, but not even Trollope explored the ambitions and the gullibilities of men as deliciously as Robert Caro does. I laughed often as I read. And even though I knew what the outcome of a particular episode would be, I followed Caro's account of it with excitement. I went back over chapters to make sure I had not missed a word." Hier eine Leseprobe und ein Audio-Interview mit Caro.

Außerdem in der Review: Eine kurzweilige indisch-amerikanische Familiengeschichte unserer Tage (Leseprobe Bharati Mukherjees "Desirable Daughters"), zwei Erzählbände (beides Debüts), die das Leben nach der Adoleszenz in den Blick nehmen, Martha Serpas liest aus ihrer neuen Gedichtsammlung "Cote Blanche", Gerald Jonas bespricht Science-Fiction von Kim Stanley Robinson, Sheri S. Tepper u.a., und der Boox-Comic entdeckt ein Subgenre der Autobiographie: die "ME-moir".

Magazinrundschau vom 22.04.2002 - New York Times

Die 81-jährige Autorin im Lehnstuhl - nicht gerade das aufregendste Coverfoto, das sich David Orr denken kann. Und dann auch noch Lyrik, "this snotty, boring, passe art form"! Marie Ponsots neuen Gedichtband "Springing" (Leseprobe und Audiolesung mit der Autorin, noch mehr hier) aber will uns der Rezensent unbedingt schmackhaft machen. Ältere Dichter, insbesondre Dichterinnen schrieben "lebens-bejahend"? Von wegen. "Ponsot is a love poet, a metaphysician and a formalist, but she is neither sappy nor tedious nor predictable. And she isn't cozy ... (her) best work has a dry bite that would make lunch meat out of Oprah, to say nothing of Dr. Phil."

Von der Generation der ältesten zu derjenigen der ganz jungen Autoren. Bewundernd äußert sich Melanie Rehak über Judith Hermanns (mehr hier) Erzählband "Sommerhaus, später" (im Original erschienen 1998) in der englischen Übersetzung von Margot Bettauer Dembo (hier ein Auszug). Besonders fasziniert haben Rehak die Subtilität und das Spiel mit Absenzen in diesem Buch. "In spite of all this emptiness, Hermann's writing, which is spare and literal ... achieves a fullness that seems almost magically spun out of the dead air of her settings; she's a master at capturing what teems beneath placid surfaces -- what Wallace Stevens once referred to as 'the nothing that is.' It's a good thing, too, because there is an awful lot of nothing under examination."

Vorgestellt werden auch Carole Seymour-Jones' Biografie über Vivienne Eliot, die den Einfluss der ersten Frau T. S. Eliots auf dessen Arbeit verdeutlicht (Auszug "Painted Shadow"), ein Buch auf den Spuren von Aussteigern jeder Art (chinesischen Eremiten etwa oder indischen Mystikern), ferner neue Krimis von Michael Connelly, Elizabeth Peters und Robert Barnard sowie ein illustriertes Kinderbuch (ab 6) nach Tolstois Erzählung "Die drei Fragen".