
Immer mag man ihn nicht lesen, aber bei großen Ereignissen läuft der große alte Publizist
Jean Daniel, der eine wöchentliche Kolumne im
NouvelObs hat, zu großer Form auf. Er
kommentiert das Versagen der Linken, das den Aufstieg
Le Pens in den Wahlen ermöglichte und zieht den Fokus weiter auf: "Die Linke war sicher, dass sie noch im zweiten Wahlgang für Jospin stimmen konnte, und fuhr ins Wochenende oder stimmte für einen chancenlosen Kandidaten. Aber das Versagen vor der
bürgerlichen Pflicht der einen oder die
Laune der anderen tragen
unverantwortliche Züge. Aus der Geschichte wissen wir, dass beispielsweise die
Kommunisten häufig den Feind dem Gegner vorzogen -
lieber Faschismus als Sozialdemokratie. In der jüngeren Vergangenheit konnten wir zusehen, wie
Ralph Nader, der Vater der amerikanischen Ökologiebewegung, zum
Wahlsieg Bushs beitrug, wie die Spaltung in der
italienischen Linken Berlusconi zum Sieg führte, und welche gefährliche Rolle
Shimon Peres spielte, als er, gegen seinen Gegner Barak, den Sieg seines Feindes Scharon erleichterte. All diese Leute haben dem
Schlimmsten, was es in ihrem Land gibt, den Sieg gesichert."
Im
Literaturteil können wir einem
pikanten Pas de deux zusehen:
Alain Finkielkraut und
Pascal Bruckner, die beide zu den besten öffentlichen Denkern Frankreichs gehören, haben vor Jahren einige Bücher (zum Beispiel "Die neue Liebesunordnung") zusammen veröffentlicht, dann haben sich ihre Wege getrennt. Heute
erinnert sich Finkielkraut an seine einstige Zusammenarbeit mit Bruckner ("zusammen mit ihm schafffte ich es,
meinen Stil zu entkrampfen und Bücher zu schreiben"), und Pascal Bruckner
bespricht Alain Finkielkrauts
neues Buch "L'imparfait du present" - eine Art Tagebuch des letzten Jahres, von
"Big Brother" bis zum
11. September - und freut sich wiederum über eine gewisse Entkrampfung des Stils: "Dem aristokratischen Vergnügen, zu
missfallen, dieser Lust, allein gegen alle zu kämpfen, mit dem Rücken zur Wand - nichts begeistert ihn mehr als ein Publikum, das ihn auspfeift - scheint er heute den
demokratischen Willen,
zu überzeugen, vorzuziehen."