
Das neue Buch der italienischen Journalistin
Oriana Fallaci, "La Rage et l'orgueil" (Die Wut und der Stolz), hat nach seinem Erscheinen in Frankreich einen
Sturm der Entrüstung ausgelöst und beschäftigt nun die Gerichte. Entstanden in Reaktion auf den
11. September attackiert Fallaci darin nicht nur die Islamisten, sondern auch die in Europa lebenden Muslime: die Immigranten "vermehren sich wie
Ratten", seien für Prostitution und Kriminalität verantwortlich, und der arabische Mann habe "etwas, das jede Frau mit Geschmack abstößt". Ein
Verbotsantrag von zwei französischen Organisationen gegen das Buch ("islamfeindliches Pamphlet") wurde inzwischen abgelehnt, aber zur Überprüfung an die nächste Instanz weiter gegeben. Am 10. Juli wird darüber verhandelt. (Eine Zusammenfassung der bisherigen juristischen Ereignisse lesen Sie
hier.) Laurent Joffrin
geht in seinem mit einiger
Rage geschriebenen Text mit der Autorin, dem Buch und seinen Befürwortern (darunter
Alain Finkielkraut) hart ins Gericht. Das Buch sei "symptomatisch", "idiotisch" und "pathologisch", insofern es "wie ein Fiebermal auf eine viel
tieferliegende Krankheit hindeutet". Ergänzt wird Joffrins Abrechnung durch ein
Porträt der "florentinischen
Hasspredigerin", das mit dem sprechenden Titel "Der Kreuzzug der Macho-Frau" überschrieben ist. Denn auch hier geht es recht barsch und stellenweise sehr persönlich zu: Fallaci sei schon immer ein "Opfer ihrer machistisch-manichäistischen Weltsicht" gewesen. Nun habe sie, schreibt die Italienkorrespondentin des
Nouvel Obs, Marcelle Padovani, "mit 73 ihr Gewehr noch einmal geladen".
Außerdem - und unbedingt lesenswert -: ein
Interview mit
Peter Brook, der für das
Festival von Aix-en-Provence in diesem Jahr eine Oper ("Don Giovanni") und ein Theaterstück ("Hamlet") inszeniert hat. Brook erklärt, warum ein Sänger, der eine Rolle bereits fünf Mal gesungen hat oder sich "jeder beliebigen Regie anpasst" gar nicht die Ausdruckskraft haben kann, die er, Brook, verlangt. Sehr schön auch seine Erläuterung über die Gemeinsamkeit von
Mozart und Shakespeare: "Das Detail. Im alten Komödiantentheater kann der Ausdruck eines einzigen, großen Gefühls fünf Minuten dauern: der Zorn, die Rache etc. Das macht die Sache schwer. Kein Mensch hat solche Gefühlsregungen so lange. Shakespeare und Mozart... konnten den wahren Moment schaffen, klug, wahrhaftig, in einem
einzigen Satz."