
In der Titelgeschichte
porträtiert John Murray Brown die
Neureichen Irlands und beschreibt die Umwälzungen, die der beispiellose
ökonomische Erfolg des Landes mit sich bringt: "Eine Konsequenz besteht darin, dass die Iren sich selbst heute anders sehen. Das Bild der bescheidenen, aber poetischen Katholiken im Schatten der steifen und versnobten englischen Protestanten gilt für beide Seiten nicht mehr, nicht einmal als Karikatur. Die Nation der '
Heiligen und Gelehrten' hat im letzten Jahrzehnt bewiesen, dass sie auch Geschäftssinn besitzt.
Garret FitzGerald glaubt, dass die Geschwindigkeit und das Ausmaß der ökonomischen Veränderungen in ganz Europa ohne Beispiel ist. Manche Iren erleben angesichts des sozialen Wandels einen
Orientierungsverlust - etwa, wenn es um die plötzliche Massen-Einwanderung geht (zehn Prozent der Bevölkerung sind inzwischen außerhalb Irlands geboren). Außerdem ist die eine Institution, die sich am entschiedensten der irischen Begeisterung für den Hyper-Kapitalismus widersetzt - die
katholische Kirche - schwächer und marginalisierter denn je zuvor, nicht zuletzt wegen der Missbrauchsskandale."
In einer langen Liste
erklären Prospect-Autoren, welche sie für die über- und welche für die unterschätztesten Kulturereignisse des Jahres 2007 halten. Nur der
Autor Julian Gough weigert sich, etwas beizutragen - und zwar aus gutem Grund: "Eine der Annehmlichkeiten, die das Leben in einem
perfekten freien Markt mit einer perfekten freien Presse bietet, in der vorurteilslose Kritiker informierte und gebildete Verbraucher auf genau die Dinge hinweisen, derer sie bedürfen, ist es, dass kein einziger kultureller Gegenstand je unter- oder überschätzt wird."
Weitere Artikel: Raymond Tallis
schildert die Revolution des Denkens, die der Gedanke des antiken
Philosophen Parmenides, dass es das, was nicht ist, gar nicht gibt, ausgelöst hat - und fordert mit Blick nicht nur auf die Quantenphysik eine
radikale Abwendung von Parmenides. Der
Historiker Bernard Wasserstein blickt zurück aufs Jahr 1968, in dem er als Student den sowjetischen Dichter
Jewgeni Jewtuschenko als Poetik-Professor in Oxford vorschlug - Jewtuschenko wurde bei der Wahl dann nur - oder immerhin - Dritter.