
Wie sehr
Russland sich um jeden Preis als Großmacht fühlen will, das lässt sich vor allem an der
Erinnerungspolitik ablesen. Und über die kann man viel in dem von Wladimir Putin angestoßenen, abgesegneten und propagierten
neuen Geschichtsbuch für russische Schüler lernen, wie Arkady Ostrovsky in der
Titelgeschichte erläutert: "'Die Sowjetunion', erklärt das neue Lehrbuch, 'war keine Demokratie, aber sie war für Millionen Menschen auf der Welt das Beispiel für die beste und
gerechteste Gesellschaft.' Darüber hinaus vermochte es die UdSSR, 'eine gigantische Supermacht, der eine gesellschaftliche Revolution gelang und die den brutalsten aller Kriege gewann', westliche Länder so unter Druck zu setzen, dass auch in ihnen die
Menschenrechte beachtet wurden. Im frühen 21. Jahrundert freilich, fährt das Lehrbuch fort, war der Westen Russland gegenüber
feindselig und selbstgerecht." All das ist kein Zufall, setzt Ostrovsky hinzu: Von einer liberalen Gesellschaft ist im gegenwärtigen Russland kaum eine Spur, dafür wird
Stalin allerorten verteidigt, wenn nicht gefeiert.
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