Magazinrundschau - Archiv

Die Weltwoche

110 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 11

Magazinrundschau vom 25.10.2005 - Weltwoche

Im dritten und letzten Teil der Serie über Abu Mussab al-Sarkawi widmet sich Urs Gehriger dem modernen Propagandakrieg des Terroristen im Internet. "Al-Qaida ist die erste Terrororganisation, die den Kampf vom Boden in den Cyberspace ausgeweitet hat. Und an der Spitze steht Abu Mussab al-Sarkawi. Die Soldaten, die er in den digitalen Kampf schickt, sind jung, wenig über zwanzig. Während ihre Väter in den achtziger Jahren in den Dschihad nach Afghanistan reisten, sitzen sie bequem im Internetcafe. Statt der Kalaschnikow tragen sie Laptops, Handycams und DVDs. Kaum ein größerer Anschlag im Irak, der nicht von einer Kamera aufgezeichnet wird. Wenig später steht die 'Reportage' bereits im Netz. Der Kämpfer rennt mit dem Film zu einem Computer und lädt ihn auf eine der Dutzenden von Dschihad-Websites. 'Für einen Clip von 15 Sekunden dauert der ganze Ladeprozess eine halbe Stunde', sagt Kohlmann, 'mehr nicht.'" Evan Kohlmann ist 26 Jahre alt und mit seinem Büro Globalterroralert in kürzester Zeit zu einem gefragten Berater für alle geworden, die genaueres über islamistische Websites wissen wollen.

Margrit Sprecher porträtiert den Chef der Deutschen Bank, den Schweizer Josef Ackermann, der in Deutschland wegen seinen radikalen Maßnahmen immer mehr unter Beschuss gerät. "Doch Josef Ackermann sieht aus wie immer: heiter. Die volle Tolle über der Stirn ist frisch geföhnt, der Rücken scheint breiter denn je. Und neben den schmalschädligen, schmallippigen und schmalnasigen Vorstandsherren der Deutschen Bank wirkt er wie ein Bonvivant, der darauf wartet, dass endlich der gemütliche Teil beginnt. Das, allerdings, dauert lange."

Magazinrundschau vom 18.10.2005 - Weltwoche

"Radikal, pauschal, scheißegal." Daniel Binswanger nutzt die Besprechung von Giorgio Agambens neuem Band "Profanierungen" um den italienischen Starphilosophen, der eine "neue Benchmark der Kathederprophetie" setzt, einmal mit schweizerischer Gründlichkeit zu dekonstruieren. "Worüber lohnt es sich noch nachzudenken, wenn man einmal bewiesen zu haben glaubt, dass die moderne Welt ein Konzentrationslager ist? Das Problem wird für Giorgio Agamben immer drängender. Schon in seinem 'Ausnahmezustand' war ein Kapitel der Frage gewidmet, wie dem biopolitischen Totalitarismus zu entkommen sei. Die Vorschläge wirkten jedoch zaghaft: Es müsse, meint er, ein positives Verhältnis zur 'Anomie', das heißt zu atomisierten, gesetzlosen Gemeinschaftsformen gefunden werden. Das existierende Recht müsse 'de-aktiviert' werden, damit ein neuer Gebrauch von Gemeinschaftsformen sich entwickeln könne. Als Beispiel nennt Agamben das subversive Potenzial des Karnevals. Kann man eine neue Welt herbeifeiern?"

Weitere Artikel: Der Schriftsteller Martin Amis erklärt Sandro Benini, warum er mit 56 Jahren schon seine Autobiografie geschrieben hat. "Ich hoffte zumindest, das Image des 'bad boy' mit jenem des 'bad man' einzutauschen." Urs Gehriger und Marwan Shehadeh beschreiben im zweiten Teil der Serie über den Aufstieg Abu Mussab al-Sarkawis das Netzwerk im Irak und treffen einige Mitstreiter des Terroristen in Jordanien. Markus Schneider diskutiert die Forderung des Präsidenten der Nationalbank, Jean-Pierre Roth, die Schweizer sollten länger arbeiten. Nina Streeck unterhält sich mit dem Gründer von Transparency International, Peter Eigen, über Korruption und geht gleich in medias res. "Ich habe Ihnen ein kleines Geschenk mitgebracht, Truffes von Sprüngli (hier)." - "Das ist lieb." - "Natürlich hoffe ich im Gegenzug darauf, dass Sie sich länger als die vereinbarte Stunde Zeit nehmen. Fühlen Sie sich schon bestochen?"

Magazinrundschau vom 11.10.2005 - Weltwoche

Die Weltwoche macht auf mit dem ersten Teil ihrer Serie über Abu Mussab al-Sarkawi. Urs Gehriger zeichnet seinen Weg nach vom "bloßen Taugenichts" zum weltweit gesuchten Terroristen nach. Al-Sarkawi war unter anderem auch Initiator eines Attentats auf einen amerikanischen Diplomaten im Sommer 2002. "Das Attentat ist ein Meilenstein in Sarkawis Karriere. Er hat bewiesen, dass er in der Lage ist, vom Ausland aus gezielt eine Operation zu koordinieren. Für diese Tat wird Sarkawi am 6. April 2004 in seiner Heimat Jordanien 'zum Tod durch den Strang' verurteilt. Ein Verdikt, das er mit einer Geste quittiert, die einem das Blut gefrieren lässt: Vor laufender Kamera schneidet er einem gefesselten Amerikaner, Nicholas Berg, den Kopf ab, hebt ihn hoch und preist Gott im Himmel. Es ist das Fanal zur bisher grausamsten Phase des Irakkrieges. Washington setzt 25 Millionen Dollar aus auf den Kopf von Abu Mussab al-Sarkawi. Damit tritt er endgültig aus dem Schatten Bin Ladens. Und droht ihm gleich den Rang abzulaufen."

Weitere Artikel: Hanspeter Born besucht den englischen Historiker Robert Conquest und ist beeindruckt: "Als Historiker bringt er das Weltgeschehen auf die Reihe, als Dichter alles auf fünf Zeilen." Christian Seiler geht mit Marianne Kaltenbach essen, der Frau, die "der Schweiz das Kochen beibrachte".

Magazinrundschau vom 27.09.2005 - Weltwoche

Hans-Ulrich Wehler, Wirtschafts- und Sozialhistoriker, poltert gegenüber Walter De Gregorio über das notorisch misanthropische Deutschland. "Das Problem ist, dass die Deutschen Wachstumsfetischisten geworden sind. Wenn sie nicht ihre vier Prozent erzielen, dann glauben sie schon, die Welt gehe unter. Die Deutschen haben schon ein merkwürdiges Talent, ihren dritten Platz in der Weltwirtschaft und ihre Exportweltmeisterschaften, ihr inneres Wohlstandsniveau so miese zu reden, dass man denkt, man lebt im Innern von Ghana." Genauso furios markiert er Schröders Kardinalfehler. Wie seinerzeit Roosevelt in seinen wöchentlichen Kamingesprächen hätter der Kanzler seine Politik dem Volk immer wieder nahe bringen müssen. "Ich frage mich, warum sich Schröder diese Zeit nie genommen hat. Eine Viertelstunde bei der ARD, die Privaten hätten ihm sogar eine halbe Stunde geschenkt. Er hätte die Reformnotwendigkeiten erklären können. Es sei zu kompliziert, wurde mir einmal geantwortet. Das ist Schwachsinn."

Magazinrundschau vom 20.09.2005 - Weltwoche

In einem langen Gespräch mit Julian Schütt erklärt Martin Walser (mehr hier), warum Wahlkampf keine Beschäftigung für ihn ist - "Ich will anderen Leuten nicht in ihre Wahlentscheidung reinreden" - und schwärmt von Maybrit Illner ("Die ist toll."). Den Anschuldigungen des Lüneburger Kulturwissenschaftlers Martin N. Lorenz, Walser sei Antisemit, hält er triumphierend eine Studie entgegen, "die sich mit meinem von manchen Medien als antisemitisch eingestuften Buch 'Tod eines Kritikers' beschäftigt. Über ein Dutzend Professoren aus allen möglichen Ländern und Fakultäten, auch Juristen, kommen darin einhellig zum Schluss, dass mein Buch nicht die geringste antisemitische Tendenz habe. Die Studie der mit feinem Besteck operierenden Fachleute wird totgeschwiegen. Nun kommt so ein Skandalstudent aus Lüneburg und hat mit seiner Arbeit ein enormes Echo. (...) Die Anschuldigungen haben nichts mit mir und meinen Büchern zu tun. Schreiben ist schöner als diese Hysterie."

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - Weltwoche

"Alles über Deutschland" tönt vom Titel der Weltwoche. Bruno Ziauddin reist erster Klasse mit dem ICE durch die Bundesrepublik, um aus Schweizer Sicht die Frage zu beantworten: Geht es den Deutschen wirklich so schlecht? Bereits im Zug auf der Fahrt durchs Allgäu stellt er überrascht fest: "Hier sieht alles genauso perfekt aus wie in einem Heidi-Film. Nur wohlhabender. Kaum ein Haus, das nicht picobello renoviert wäre; der Limousinen-Quotient ist erheblich höher als in der Schweiz, geschweige denn sonst wo in Europa. Und der ICE, aus dem heraus man die ersten Banalbeobachtungen macht, erinnert mit seiner Hightech-Ausstattung, den geräumigen, holzverkleideten Toiletten und dem freundlichen Reisebegleiter, der einem den Tomatensaft auf einem Tablett an den Sitz bringt, an ein Viersternehotel. Kann ein Land, das sich solche Züge leistet, in der Krise sein?"

Im Interview mit Walter De Gregorio wettert Großliterat Gore Vidal gegen George Bush und den amerikanischen Rassismus, der im Umgang mit den Opfern des Hurrikan zutage getreten sei. Mit den Häusern und Menschen seien in New Orleans auch die Kulissen einer "vermeintlich multikulturellen, toleranten Gesellschaft" weggeschwemmt worden. "Rassismus ist Teil unserer Geschichte, unsere Nation ist auf Rassismus aufgebaut. In den USA kann nur Präsident werden, wer die weißen Wähler davon überzeugt, dass er die Schwarzen ebenso hasst wie sie, aber so geschickt ist, dies nicht zu sagen. Zum Beispiel muss er über schwarze Sozialempfänger reden, über schwarze Mütter, die mit ihrem Sozialhilfegeld Flaschen von Cristal-Champagner kaufen."

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - Weltwoche

"Ich offenbare hier kein Geheimnis, wenn ich sage, ich dachte, es sei das Stolpern eines Reiters, von dem er sich schnell aufrichten wird, womit dann die Sache ein Ende gehabt hätte." Abu Mussab al-Sarkawi, der bekannteste Terrorist im Irak, antwortet auf die Kritik seines ehemaligen Mentors Abu Mohammed al-Makdisi, der in einem Interview Enthauptungen und Entführungen als falschen Weg des Dschihad gebrandmarkt hatte. Die Weltwoche druckt Auszüge aus der elfseitigen Replik Sarkawis. "Ich warne dich in Gottes Namen, folge nicht dem Wege Satans, sonst gehst du unter. Hüte dich, du, unser rechtschaffener Scheich, vor den Fallstricken der Feinde Gottes. Hast du nicht das auffallende Interesse aller Medien an diesem unglücklichen Gespräch gemerkt, du ehrwürdiger Scheich? Hast du nicht daran gedacht, dass die gekauften Mikrofone das Recht niemals unterstützen und das Unrecht niemals bekämpfen? Vielmehr setzen sie alles daran, die Reihen der Muslime zu spalten und dem Honig Gift beizumischen."
Stichwörter: Dschihad, Irak, Enthauptung, Weltwoche

Magazinrundschau vom 16.08.2005 - Weltwoche

"MRR ist ein 85-jähriger Popstar, der sein Publikum mit Buchkritiken sehr unterhält", weiß Julian Schütt nach einem in der Tat recht unterhaltsamen Gespräch mit einem ungeduldigen Marcel Reich-Ranicki. "Ich hoffe, Ihr Aufnahmegerät funktioniert. Nicht dass Sie nachher sagen, das Band sei nicht in Ordnung gewesen. Wir werden diese Aktion nicht wiederholen. Also los!" Dass in seinem Kanon deutscher Dramen nur Männer vertreten sind, ficht ihn nicht an. "Ich wähle Bücher nicht nach den Geschlechtsteilen der Autoren aus. Meine Überzeugung ist: Deutschsprachige Frauen können keine Dramen schreiben. Ich weiß, ich gelte deswegen als Frauenfeind. Man will mich erdrosseln und kommt mir mit Marieluise Fleißer, der aber Bertolt Brecht mehr als nur über die Schultern geguckt hat. Sie hat nach der Beziehung mit Brecht noch vierzig Jahre gelebt, doch kein Stück mehr zustande gebracht."

Außerdem führt Nancy Jo Sales ein langes und ruhiges Interview mit der Schauspielerin Angelina Jolie.

Magazinrundschau vom 09.08.2005 - Weltwoche

Urs Gehriger und Simon Brunner zitieren aus Blogs, Homepages und Internetforen Berichte von amerikanischen Soldaten, die im Irak stationiert sind. "Wir saßen fest, mein Humvee brannte aus. All die anderen aus meinem Truck waren verwundet, und mein Schütze, Lance Corporal Cisneros, war tot. Er hatte uns das Leben gerettet, als eine Rakete das Dach des Transporters traf und nach unten explodierte, er bekam die ganze Ladung ab und gab uns damit Schutz." Auf den Seiten eines Amateur-Pornoforums ist ein großes Archiv mit Filmen und Bildern entstanden, die Soldaten von ihren Einsätzen gemacht haben. Das Erfolgsprinzip: Wer Material aus dem Irak zur Verfügung stellt, bekommt freien Zugang zu den kostenpflichtigen Bereichen.
Stichwörter: Irak, Weltwoche, Raketen

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Weltwoche

Die unter einem Pseudonym veröffentlichende Katharina Wille-Gut beschreibt en detail und sehr amüsant das anstrengende Leben von Edel-Hausfrauen an der Zürcher Goldküste. "Was die Partnerschaft anbelangt, sind wir halb jungen Goldküstenfrauen ziemlich leidensfähig. Weniger Scheidungen und Trennungen als in Oberglatt oder Emmenbrücke sind das Resultat. Allenfalls in schlimmen Ehekrisen checken wir die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ab und liebäugeln mit der finanziellen Unabhängigkeit. Mit vernichtenden Resultaten. Für ein einziges Thierry-Mugler-Kostüm - so rechnete ich bereits vor Jahren aus - hätte ich zwei ganze Wochen lang arbeiten müssen. So schlecht ist meine Ehe dann doch wieder nicht, beschloss ich damals bei einem Glas Champagner im Savoy, kündigte den Job sofort und konzentrierte mich fortan auf das gute Gelingen meiner eigentlichen Aufgaben." (Hier das Ganze in Buchformat.)