Noch vor dem "Madagaskar-Plan" der Nazis, hatte die polnische Regierung 1937 die Idee, Hunderttausende
polnische Juden auf die Insel auszusiedeln, schreibt der US-Historiker
Peter Hayes in seinem Buch
"Warum? Eine Geschichte des Holocaust". Ist es nach dem neuen polnischen
Holocaust-
Gesetz nun strafbar, darüber zu schreiben,
fragt Sven Felix Kellerhoff in der
Welt und nennt weitere von Hayes auf Grundlage verschiedener Quellen zusammengetragene Beispiele für
polnischen Antisemitismus: "Aufgrund judenfeindlicher Übergriffe an Polens Universitäten ging die Zahl jüdischer Studenten von 1928 bis 1938 um fast zwei Drittel zurück, von 20,4 auf 7,5 Prozent. Ab 1937 gab es für Juden unter den Studenten
speziell gekennzeichnete Sitzbänke in den Hörsälen. Juden verloren alle Funktionen in Geschäften der staatlichen Monopolverwaltung wie dem Tabak-, Alkohol- und Bauholzhandel. Fast alle jüdischen Mitarbeiter der nationalen und kommunalen Verwaltung wurden entlassen oder zum 'freiwilligen' Ausscheiden gedrängt, ebenso bei Eisenbahn und Post."
Polen gedenkt derweil der antisemitischen Kampagne, die
1968 Tausende Juden in die Emigration trieb, schreibt Florian Hassel in der
SZ: "Der Kattowitzer Parteichef Edward Gierek hetzte am 14. März 1968 vor 100.000 Menschen gegen 'Revisionisten und Zionisten, die dem Imperialismus dienen'; KP-Chef Gomułka sagte in einer vom Fernsehen übertragenen Rede am 19. März, dass solche, deren Loyalität Israel gelte,
in Polen nichts verloren hätten - der geifernde Saal schrie: 'Gleich!' und 'Noch heute!' Tausende polnische Juden verloren ihre Arbeit. 'Ende mit dem Judentum! (…) Wer Jude ist, hat heute nichts in Polen verloren!', erklärte ein Beamter des Kulturministeriums, nachdem dessen jüdischer Generaldirektor Stanisław Neumark aus der Partei ausgeschlossen worden war. Viele polnische Juden, vor allem ältere, fürchteten wieder um ihr Leben." Hassel weiter: "Polens Ministerpräsident
Mateusz Morawiecki bekräftigte indes, er wisse nicht, warum Polen sich entschuldigen solle, (…) Polens Juden seien keine Fremden gewesen, alle antisemitischen Kundgebungen seien
'von der kommunistischen Macht vorbereitet' worden."
Ergänzt: Etwas umständlich bat der polnische Präsident
Andrzej Duda am Donnerstag die Opfer um Verzeihung, meldet die
FAZ: "Duda sagte zunächst, das 'heutige freie, unabhängige Polen, meine Generation, trägt dafür
keine Verantwortung und muss nicht um Vergebung bitten'. Er fügte jedoch hinzu: 'Denen, die starben, die vertrieben wurden, möchte ich sagen: Bitte vergeben Sie der Republik, vergeben Sie den Polen,
vergeben Sie dem damaligen Polen.'"