Marko Martin
besucht für die
Salonkolumnisten das Genozid-
Museum in Vilnius, Litauen - das in erster Linie der Ermordung von 60.000 sogenannt '
bürgerlich-reaktionärer' Litauer durch die Stalinisten beleuchtet. Der
Holocaust und die litauische Beteiligung dagegen sind unterbelichtet: "Würde dem gegenwärtigen Litauen, das seit der 'zweiten Unabhängigkeit' von 1990 eine stabile und wirtschaftlich prosperierende Demokratie ist, wirklich ein Zacken aus der Identitäts-Krone fallen, wenn man statt
unkritischer Hagiografie ein wenig mehr Mut aufbrächte, historischer Komplexität gerecht zu werden? Bislang erinnert jedoch im 'Genozid-Museum' mit seinen original erhaltenen Verhör- und Kellerzellen lediglich
ein (!)
Raum an den Holocaust. Mit historischen Fotos und Quellentexten wird hier an die
nahezu vollständige Vernichtung der litauischen Juden zur Zeit der deutschen Besatzung erinnert, die einheimische Mitschuld nicht geleugnet, jedoch recht kursorisch abgehakt."
Die Nazis schlossen in den Kriegsjahren zahlreiche Bündnisse mit muslimischen Alliierten,
erzählt der Historiker
David Motadel im Gespräch mit Andreas Main vom
Deutschandfunk. Und sie kümmerten rührend um das
geistliche Wohl der Soldaten: "Islamische Rituale und Praktiken, wie zum Beispiel das Gebet oder das Schächten, wurden in diesen Einheiten gestattet. Und das Schächten, das ist ein besonders klares Beispiel, dadurch, dass das Schächten eigentlich immer ein großes Thema der Antisemiten in Deutschland gewesen war. Seit dem 19. Jahrhundert gab es diese Schächt-Debatte, die natürlich
gegen Juden gerichtet war. Und so kam es auch, dass in einem der ersten Gesetze des NS-Regimes 1933, das Reichstierschutzgesetz, das Schächten verboten wurde. 1941 wurde dieses Verbot
dann aufgehoben, um Muslimen, die in der Wehrmacht und SS kämpften, das Schächten zu gestatten."
In der
Welt erinnert Alan Posener an den sehr starken
jüdischen Beitrag zur 68er-Bewegung, besonders in den USA und Frankreich, aber auch in den osteuropäischen Ländern. Aber dann drehte sich die Atmosphäre: "Wie konnte eine Bewegung, die in ihren Anfängen
internationalistisch und blockübergreifend war, proisraelisch und von der jüdischen Idee des 'Tikkun Olam', der Heilung der Welt, inspiriert, zu einer antiamerikanischen, antiisraelischen und
oft genug antisemitischen Bewegung werden? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Aber neben den Panzern in Prag, den Knüppeln in Warschau und der Stasi in Ost-Berlin muss man auch die Rolle der SPD und der moskauhörigen Kommunisten im Westen nennen."