Im Gedenken an das Kriegsende wird in der
Ukraine neuerdings nicht nur das Nazi-, sondern auch das kommunistische Regime verurteilt,
berichtet die ukrainische Autorin
Maria Matios in der
taz: "Laut dem neuen Gesetz wird kein Feiertag verlegt und schon gar nicht der "Tag des Sieges" verboten, wie es die hysterische russische Propaganda beteuert. Der ukrainische Staat weist lediglich freundlich darauf hin, dass mit
hirnlosen Tanzorgien am Grabe der Gefallenen Schluss sein sollte. Der Gefallenen soll man gedenken, die Unversöhnten versöhnen. Denn seien wir ehrlich, in ein paar Jahren gibt es gar keine mehr, die es zu versöhnen gilt."
"Mein Vater kämpfte gegen das Böse des Faschismus, aber ein anderes Böses nutzte ihn aus",
beschreibt der
Schriftsteller Michail Schischkin in der
NZZ anhand der eigenen Familiengeschichte den Zwiespalt aus Kriegsgewinn und erneuter Unterdrückung aus russischer Perspektive. Und er zieht Parallelen zur Gegenwart: "Im
Gewaltkonflikt mit der Ukraine ruft man die Russen wieder in den Kampf gegen den "Faschismus". Einmal mehr greift ein Diktator zum
Patriotismus, um seine Macht zu sichern. Hysterisch prasselt es von den Bildschirmen herab. Die Rede ist vom "großen Russland", von der "Rückkehr der russischen Erde", dem "Schutz der russischen Sprache" oder dem "Sammeln der russischen Welt". Und immer wieder lautet der Appell: "Lasst uns die Welt
vor dem Faschismus retten.""