9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2015 - Geschichte

In der FAZ erklärt Joseph Croitoru, welch legendäre Gestalt Palmyras Herrscherin Zenobia für die arabische Welt war und ist: "Zenobia wurde in literarischen und populärhistorischen arabischen Darstellungen zu einer antiimperialistischen Rebellin verklärt, deren Befreiungskampf gegen die römischen Unterdrücker als Sinnbild für die nationalen Aspirationen der Araber aufgefasst wurde. Auch die aufkeimende arabische Frauenbewegung entdeckte die mutige, der Überlieferung nach sagenhaft schöne und in mehreren Sprachen bewanderte Königin für sich."
Stichwörter: Palmyra, Zenobia, Frauenbewegung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2015 - Geschichte

Beate Seel unterhält sich in der taz mit dem Archäologen Andreas Schmidt Colinet über Palmyra als multikulturelles Zentrum der Antike: "Schon in der Antike hat Palmyra den Welthandel zwischen den Römern und China kontrolliert und ist damit enorm reich geworden. Wir würden heute von globalisiertem Handel sprechen. Wir haben Seiden aus China gefunden, die bis nach Rom gehandelt wurden, und Kollegen in China haben Gläser aus Köln gefunden, die über Palmyra bis dorthin gebracht wurden. Daran können Sie erkennen, wie der Kulturaustausch und damit der Waren- und Ideenaustausch zwischen Ost und West seine Schnittstelle in Palmyra hatte."
Stichwörter: Palmyra, Seide, Kulturaustausch

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.05.2015 - Geschichte

Im Freitag weist Erhard Schütz darauf hin, dass der Angriff auf das Passagierschiff Lusitania im Ersten Weltkrieg durch ein deutsches U-Boot in Großbritannien und den USA - anders als bei uns - nicht vergessen ist. Sven Felix Kellerhoff berichtet in der Welt, dass die Pferdestatuen von Hitlers Reichskanzlei bei einem Hehler entdeckt wurden.
Stichwörter: U-Boot

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2015 - Geschichte

Auf Zeit Online erinnert die Historikerin Karen Hagemann daran, dass Frauen im Nationalsozialismus nicht nur besorgte Soldatenmütter, Krankenschwestern und wartende Ehefrauen waren: "Insgesamt dienten rund 500.000 zumeist junge und ledige Frauen als Helferinnen der Wehrmacht, die an allen Kriegsschauplätzen in der Armee, der Luftwaffe und der Marine eingesetzt wurden, um Soldaten für den Fronteinsatz frei zu machen. 160.000 von ihnen waren als Flakhelferinnen direkt am Kampfgeschehen beteiligt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs kam in der Wehrmacht auf 20 Soldaten mindestens eine Frau."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2015 - Geschichte

Seit ihrer Erfindung 1851 huldigen Weltausstellungen dem Fetisch Fortschritt, schreibt der italienische Journalist Marco d"Eramo in der taz. Mit dem Ende der Fortschrittsideologie in den späten 1950er Jahren haben sie daher ihre Relevanz verloren: "Und so fragt man sich doch, welchen Sinn es heute haben soll, eine Weltausstellung auszurichten, wenn nicht den, ein paar fette Bauaufträge zu vergeben und öffentliche Gelder loszueisen in einer Zeit, da alle sinnvollen öffentlichen Ausgaben (für Bildung, für Gesundheit, für die Sozialsysteme) bei allen Troikas dieser Welt unter dem Generalverdacht der Verschwendung stehen. Deswegen oszilliert die Expo-Rhetorik immer zwischen großem Epos und Wurst-und-Käse-Verkäufer."
Stichwörter: Expo, Expo 2015, Epos, Käser

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2015 - Geschichte

In der Wiener Ausstellung "Perle des Reiches" schaut sich Dankwart Guratzsch für die Welt die größenwahnsinnigen Pläne für den Umbau Wiens an und wundert sich: Nicht Hitler, sondern österreichische Architekten drängten darauf: "Als hätten die alle Maßstäbe sprengenden Planungen jahrzehntelang in Schubläden gelegen und nur darauf gewartet, veröffentlicht zu werden, zückten die Planer ihre detailliert ausgearbeiteten Reißbrettentwürfe fast gleichzeitig wie auf Kommando aus der Tasche. An Speer und Hitler vorbei entfaltete sich ein Überbietungswettbewerb, als ginge ein Jahrhunderttraum in Erfüllung. Von Beklemmung durch den "Anschluss" keine Spur. Mit den Opfermythen Österreichs lässt sich das nicht in Einklang bringen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2015 - Geschichte

Matthias Hannemann staunt in der FAZ nach der Lektüre der nun editierten Kriegstagebücher Astrid Lindgrens nicht schlecht. Im neutralen Schweden wusste man über die NS-Verbrechen mehr als die angeblich so ahnungslosen Deutschen: "Im Herbst 1942 schrieb sie, dass die Deportation jüdischer Männer, Frauen und Kinder von Norwegen nach Polen "einen sicheren Tod" bedeutete, und je mehr Flüchtlinge nach Schweden gelangten, umso schlimmere Geschichten kursierten. Von den Vernichtungslagern schreibt sie nichts. Aber man musste wohl keine Details aus den Todesfabriken kennen (...), um die Dimension der deutschen Verbrechen zu erahnen. Was in den Zeitungen stand, reichte aus."

Florian Hassel hat in der SZ nach dem Historiker-Kongress in Danzig Zweifel, ob das Verhältnis zwischen Polen und Russland noch zu reparieren ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2015 - Geschichte

In der FAZ greift der ehemalige Bundeverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde nochmal in die recht laue Debatte um die Frage ein, ob die DDR womöglich ein Rechtsstaat gewesen sei: "Indem der ideologische Schlagabtausch des Kalten Krieges fortgeführt wird, wird der DDR-Nostalgie nicht entgegengewirkt, sondern sie wird provoziert und verstärkt. Die globale Kennzeichnung der DDR als Unrechtsstaat ist nicht nur falsch, sie kränkt auch die Bürger und Bürgerinnen der ehemaligen DDR."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2015 - Geschichte

Im taz-Interview mit Klaus-Helge Donath beschreibt der Historiker Nikita Sokolow, wie verzerrt die russischen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg sind. Der Tag des Sieges wird erst 1965 gefeiert: "Stalin hasste die Frontkämpfer. Das war nicht die Armee, die er gegründet hatte. Sein Heer hatte der Feind 1941 schon geschlagen. In ihm herrschten Angst und blinder Gehorsam. Erst die neue Armee 1943 war nicht mehr ein rein Stalin"sches Produkt. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt hielten die meisten Russen die Deutschen nicht für Feinde. Die Bevölkerung wollte von den Kommunisten befreit werden... Erst als die Russen begriffen, dass diese Deutschen was anderes vorhaben, zogen sie schweren Herzens aufseiten der Partei in den Krieg."

Ebenfalls in der taz beschreibt Julian Weber die exzessiven Neonazi-Umtriebe in München.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2015 - Geschichte

Im Gedenken an das Kriegsende wird in der Ukraine neuerdings nicht nur das Nazi-, sondern auch das kommunistische Regime verurteilt, berichtet die ukrainische Autorin Maria Matios in der taz: "Laut dem neuen Gesetz wird kein Feiertag verlegt und schon gar nicht der "Tag des Sieges" verboten, wie es die hysterische russische Propaganda beteuert. Der ukrainische Staat weist lediglich freundlich darauf hin, dass mit hirnlosen Tanzorgien am Grabe der Gefallenen Schluss sein sollte. Der Gefallenen soll man gedenken, die Unversöhnten versöhnen. Denn seien wir ehrlich, in ein paar Jahren gibt es gar keine mehr, die es zu versöhnen gilt."

"Mein Vater kämpfte gegen das Böse des Faschismus, aber ein anderes Böses nutzte ihn aus", beschreibt der Schriftsteller Michail Schischkin in der NZZ anhand der eigenen Familiengeschichte den Zwiespalt aus Kriegsgewinn und erneuter Unterdrückung aus russischer Perspektive. Und er zieht Parallelen zur Gegenwart: "Im Gewaltkonflikt mit der Ukraine ruft man die Russen wieder in den Kampf gegen den "Faschismus". Einmal mehr greift ein Diktator zum Patriotismus, um seine Macht zu sichern. Hysterisch prasselt es von den Bildschirmen herab. Die Rede ist vom "großen Russland", von der "Rückkehr der russischen Erde", dem "Schutz der russischen Sprache" oder dem "Sammeln der russischen Welt". Und immer wieder lautet der Appell: "Lasst uns die Welt vor dem Faschismus retten.""