Der Osteuropaforscher
Benno Ennker erkennt in einem Essay für die Gegenwart-Seite der
FAZ zwar Bezüge zum
Faschismus im Putinismus, allerdings fehlen ihm auch zentrale Elemente wie etwa die Mobilisierung nach innen. Viel stärker scheinen ihm Bezüge zum
Stalinismus, der sich in dem von Putin verteidigten Hitler-Stalin allerdings auch mit dem Faschismus verbündete. Auch personell gebe es zum Stalinismus naturgemäß die größten Verknüpfungen: Die Eliten seien "mit einer Vielzahl von Fäden mit der einst von Stalin geschaffenen sowjetischen Nomenklatura verbunden, wie in entsprechenden Untersuchungen wiederholt festgestellt wurde. Unter Berücksichtigung der
elterlichen Herkunft machen Nomenklatura-Abkömmlinge selbst 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion einen Anteil von 60 Prozent in der politischen Elite aus, wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Maria Snegovaya ergab."
In der
SZ macht Sonja Zekri ihrem Unbehagen über
Timothy Snyders sehr aktive Unterstützung der
Ukraine Luft. Ist das noch Wissenschaft, fragt sie? Verdreht der Historiker Snyder nicht auch ganz schön Fakten? Sie wirft ihm insbesondere vor, die Geschichte der Ukraine zu
verklären und den Stalinismus mehr oder weniger mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen: So spreche er vom
Holodomor als "spezifisch ukrainisches Ereignis" ohne zu erwähnen, dass Kasachen und Wolga-Bauern ebenfalls ausgehungert wurden. Und er spreche fast immer von
sowjetischen "
Konzentrationslagern", nicht vom Gulag. "Regelrecht verstörend aber wird es, wo er die
Kollaboration mit den deutschen Besatzern bei der Ermordung der jüdischen Bevölkerung behandelt. Es ist eines der schmerzhaftesten Kapitel der ukrainischen Geschichte, denn ohne ukrainische - baltische, polnische - Helfer hätten die Nazis die Shoah schwerer durchführen können. Snyder geht den umgekehrten Weg. Er spielt die Kollaboration herunter, beschreibt sie als Folge einer
Täuschung durch die Nazis, die den Ukrainern einredeten, alle Juden seien Kommunisten und alle Kommunisten Juden, oder als erzwungen und alternativlos. Dass es in der Ukraine - wie in vielen Staaten Osteuropas und wie in Europa insgesamt - einen
virulenten Antisemitismus gab, dass viele Ukrainer ideologische Gründe für die Teilnahme am Holocaust hatten, erwähnt er nicht."