9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Gesellschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2022 - Gesellschaft

Den Frauen in Afghanistan droht wieder "eine Zeit der Dunkelheit", schreibt Tobias Matern in der SZ. Einen Funken Hoffnung gibt es dennoch, meint er: "Es trauen sich in Kabul noch Frauen auf die Straße, sie demonstrieren für ihre Rechte und gegen die Taliban-Erlasse. Auch wenn es kleine Gruppen sind, ihr Mut ist bemerkenswert, weil sie bewaffneten Taliban gegenüberstehen. Auf den Westen können diese Frauen nicht mehr setzen. Aber kann vielleicht gerade deshalb aus diesen Gruppen eine Bewegung werden, können die Frauen den Widerstand anführen und den Wandel in Afghanistan einleiten?"

In der taz greift Dinah Riese den Missbrauchsfall am Abraham-Geiger-Kolleg auf (unser Resümee) und zitiert jüdische Institutionen, die eine Aufarbeitung versprechen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2022 - Gesellschaft

Der Rechtsextremismus ist nach wie vor die größte Gefahr im Land Innenministerin, sagte Nancy Faeser bei der Vorstellung der Jahresstatistik des Bundeskriminalamts laut Welt. "Die Zahl der Delikte in den klassischen Bereichen Rechts- und Linksextremismus ging leicht zurück. Eine Zunahme um 15,5 Prozent gab es allerdings auch wieder bei den politisch motivierten Gewalttaten. 3.889 Gewalttaten wurden gezählt, rund zwei Drittel davon Körperverletzungen.

Muslimischer Antisemitismus kann recht heftig sein, berichtet Frederik Schindler in der Welt und zitiert eine Studie, die das American Jewish Committee (AJC) in Auftrag gegeben hat: "So ist etwa gut jeder Dritte in der nicht-muslimischen Bevölkerung der Ansicht, dass Juden den Status als Opfer des Holocaust zu ihrem Vorteil ausnutzten. Unter den deutschsprachigen Muslimen stimmen hier ganze 54 Prozent zu. 23 Prozent der nicht-muslimischen Bevölkerung Deutschlands hängen dem antisemitischen Mythos an, dass Juden zu viel Macht in der Wirtschaft und im Finanzwesen hätten. Bei den befragten Muslimen stimmen sogar 49 Prozent dieser Aussage zu." Auch in der nicht-muslimischen Bevölkerung gibt es große Unterschiede: "So teilen ganze 48 Prozent der befragten AfD-Wähler die Ansicht, dass Juden den Holocaust zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzten, bei den Grünen-Wählern sind es 24 Prozent."

Auch im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zirkulieren Verschwörungstheorien. Das gemeinnützige Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) ist ihnen nachgegangen (mehr hier). Oranus Mahmoodi  berichtet bei hpd.de darüber: "Eines der zentralen Ergebnisse des CeMAS-Papers lautet: Impfstatus und Verschwörungsglauben haben einen Zusammenhang. Ungeimpfte sind zu rund 56 Prozent auch den Verschwörungserzählungen im Zusammenhang mit Russland und der Ukraine zugetan. Bei den Geimpften sind es nur 14,5 Prozent, die den Fantasiegeschichten zum Ukraine-Krieg nicht abgeneigt sind. Die Forscher befragten in einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung 2.031 volljährige Personen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.05.2022 - Gesellschaft

Hartmut Bomhoff ist Lehrkraft am Abraham-Geiger-Kolleg, wo Rabbiner des liberalen Judentums ausgebildet werden. Er soll Fotos von sich mit erigiertem Penis an seine Lieblingsstudenten verschickt haben. Das gab Ärger in der Jüdischen Gemeinde, hat Alan Posener für die Welt recherchiert, die dann auch gleich mit drohenden Schreiben von prominenten Anwaltskanzleien behelligt wurde. Der Fall wird heruntergespielt, so Posener, denn Bomhoff ist der Ehemann einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Deutschland, Walter Homolka, der in zahllosen Gremien sitzt und beste Beziehungen in die politische Sphäre hat. Mithilfe seiner Stiftungen und Institutionen könne der katholisch aufgewachsene Homolka "Posten verteilen, Karrieren machen und ruinieren. Seine Verbindungen zur Politik sind unerlässlich für viele jüdische Einrichtungen, die ohne staatliche Hilfsgelder nicht überlebensfähig wären. Dafür freuen sich Politiker über Fototermine mit der Person, die sie für den wichtigsten Repräsentanten des jüdischen Lebens in Deutschland halten." Homolka hat nach dem Artikel in der Welt seine Aufgaben in der jüdischen Gemeinschaft und an der Universität Potsdam vorerst ruhen lassen. In der FAZ berichtet heute Thomas Thiel.

Im Windschatten des Ukraine-Krieges erlassen die auf Hilfe aus dem Westen angewiesenen Taliban immer repressivere Regeln für die Öffentlichkeit, berichtet Oranus Mahmoodi bei hpd.de. Die Burka ist für Frauen wieder weithin vorgeschrieben. "Die meisten neuen Regeln betreffen erwartungsgemäß Mädchen und Frauen: Sie sind aus der Regierung und der gesamten Verwaltung ausgeschlossen, sie dürfen keinen Sport treiben oder 'westliche' Kleidung tragen, sie dürfen nur in männlicher Begleitung Distanzen über 72 Kilometer zurücklegen - selbstverständlich im Hidschab. In Kabul und Umgebung dürfen Frauen zwar Freizeitparks besuchen, aber nur an drei Tagen in der Woche, im Hidschab und ohne Mann. Die Männer haben an den übrigen vier Tagen Zutritt. Im afghanischen TV dürfen beliebte Serien keine Schauspielerinnen mehr zeigen. Es kommt auch vor, dass Frauen, die bei der Regierung gearbeitet hatten, einfach verschwinden."

Und Mädchen dürfen die Schule nur noch bis zur sechsten Klasse besuchen, berichtet Markus Wanzeck in einem jetzt online freigestellten Artikel für die Zeit. "Katastrophal für ein Land, das einer Bildungswüste gleicht. In dem nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung lesen und schreiben kann, zwei Drittel der Frauen Analphabetinnen sind. In dem nach Schätzungen sowieso schon bis zu vier Millionen Kinder den Schulen fernbleiben, weil sie bei der Feldarbeit helfen müssen. Weil manche Eltern weltliche Schulen für gottlose Orte halten. Weil der Schulweg in manchen Gegenden für Mädchen zu gefährlich ist. Weil radikale Islamisten Anschläge auf Schulen verübt haben." Weitere Sanktionen würden die Taliban nicht beeindrucken, lernt Wanzeck: "Viele von ihnen haben ihre Familie im Ausland, erzählt Naim Ziayee [Vorsitzender der Afghanischen Kinderhilfe Deutschland]. Dort schicken sie ihre Töchter auf Schulen und Universitäten."

In der SZ berichtet Peter Laudenbach von Angriffen auf Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, die in Deutschland jeden Monat stattfinden: "Sie wirken wie aggressive Gesten der Verdrängung und Verhärtung, wie der Versuch, sich der Geschichte dieses Landes nicht stellen zu müssen. Das hat viel mit Abwehr, Täter-Opfer-Umkehrung, Gefühlskälte und blankem Hass zu tun und sehr wenig mit aufgeklärtem Patriotismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2022 - Gesellschaft

Es passieren auch noch schöne Dinge auf dieser Welt:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2022 - Gesellschaft

Im Tagesspiegel wird Sebastian Leber übel bei dem Gedanken, dass bei den diesjährigen Demos am 1. Mai wieder Antisemiten geduldet werden: "Ein Grund, warum Antisemiten geduldet werden, ist sicherlich, dass sie es bei Bedarf verstehen, ihren Judenhass halbwegs zu verschleiern und ihre Auslöschungsfantasien etwa als 'antiimperialistisch' zu verklären. Oder sie behaupten, Nationalstaaten müssten doch sowieso überwunden werden auf dem Weg zur klassenlosen Gesellschaft. Aber von den 193 Staaten, die derzeit existieren, wird am Sonntag in Berlin namentlich nur von einem einzigen die Abschaffung gefordert werden. Und natürlich ist das antisemitisch. Es macht fassungslos, wie viele Linke den Judenhass in der eigenen Szene weiterhin leugnen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2022 - Gesellschaft

"Die antisemitische Allianz von Linksextremisten, Linksliberalen und Islamisten" wird leider oft "unterschlagen", sagt der Historiker Michael Wolffsohn, der gerade das Buch "Eine andere Jüdische Weltgeschichte" veröffentlicht hat, im FR-Gespräch mit Claus-Jürgen Göpfert. Er befürchtet, dass sich Juden zunehmend von Europa abwenden. Aber auch in der jüdischen Gemeinde gebe es einen Trend nach rechts: "Unter den Zuwanderern, die nach 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen, existiert eine krasse Ablehnung all dessen, was auch nur nach links duftet. Viele hegen heute sogar Sympathie für die rechte AfD. Diese Menschen haben den sogenannten real existierenden Sozialismus noch erlebt. Auch unter den russischen Einwanderern in Israel findet sich eine starke rechte Tendenz. In Frankreich, wo es kaum 'russische' Juden gibt, hegen, empirisch nachweisbar, etwa 30 Prozent der jüdischen Bevölkerung Sympathien für die Rechte Marine Le Pen." Mit Blick auf den Nahost-Konflikt plädiert er im Gespräch für eine Verbindung aus Bundesstaat und Staatenbund.
 
Marie-Luise Goldmann liest für die Welt eine ganze Reihe Neuerscheinungen zur Debatte um biologisches Geschlecht und Gender, Transsexualität und Feminismus (darunter Alice Schwarzers "Transsexualität" und Kathleen Stocks "Material Girls") und fragt: Sind Transmenschen vielleicht die eigentlich Konservativen? "Manchmal scheint es, als wären Transmenschen die letzten, die Weiblichkeit und Männlichkeit noch feiern, die sie so sehr affirmieren, dass sie dafür Operationen in Kauf nehmen. Vielleicht verläuft die entscheidende Linie im Diskurs also gar nicht an der Grenze zwischen Transbefürwortern und ihren Kritikern (…), sondern zwischen jenen, die an eine Auflösung der Geschlechter glauben und jenen, die ihre identitätsstiftende Kraft in Anspruch nehmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2022 - Gesellschaft

Am Wochenende kam es bei einer Demo in Berlin zu "Judensau"-Rufen und anderen antisemitischen Ausschreitungen. Innenministerin Nancy Faeser äußerte ihre Empörung in einem seher allgemein gehaltenen Tweet. Man dürfe sich nicht an antisemitische Beschimpfungen gewöhnen, "egal von wo und von wem sie kommen". Erica Zingher geht das in der taz nicht weit genug: "Angebracht wäre eine ehrliche Analyse dessen, welche ideologisch durchaus unterschiedlichen Gruppen sich auf diesen Protesten zusammengeschlossen haben. Denn etwas verbindet eine linksextreme palästinensische Terrorgruppe, Islamisten, Nationalisten, antiimperialistische deutsche Linke und andere Teilnehmer der Demonstrationen: Ihr Hass auf Israel und nicht selten eben auch ihr Hass auf Juden."

So richtig überrascht ist Deniz Yücel in der Welt nicht von der Demo. Sie beweist "einmal mehr, dass der Unterschied zwischen einer zur Weltanschauung erhobenen 'Israel-Kritik' und vulgärem Judenhass im Wesentlichen ein Klassen- und Bildungsunterschied ist: Abitur-Antisemiten sagen 'Apartheidstaat Israel'. Wenn sie ganz auf der Höhe der Zeit sind, kleiden sie ihren 'Antizionismus' gar in ein hippes Gewand: postkolonial, antirassistisch, gendergerecht. Das Schischa-Proletariat hingegen redet frei Schnauze: 'Drecksjude', 'Scheißjude'. Aber es ist nicht so, dass die einen bloß offen aussprechen, was die anderen für sich behalten. Abitur-Antisemiten gleich welcher Provenienz wollen keine sein, sie glauben ihren eigenen Beteuerungen - und merken nicht, dass für sie der Staat Israel den Platz eingenommen hat, dem im Antisemitismus vor Auschwitz das 'Weltjudentum' innehatte. Sie denken nicht das Ressentiment, es denkt in ihnen." Besonders empört ist Yücel aber über die Berliner Polizei, die nicht bereit war, anwesende Journalisten zu beschützen, die angepöbelt und angegriffen wurden.

Und es kann noch schlimmer kommen: 73 Prozent der Palästinenser glauben, dass Israel irgendwann zwischen März und Juni 2022 kollabieren wird, informiert uns Hannes Stein in der Welt. "Die Prophezeiung stützt sich auf ein paar Verse aus dem Koran, vor allem aber auf YouTube-Videos und ein Buch von Bassam Jarrar, einem Chefideologen der radikalislamischen Terrororganisation Hamas. Er sagt Israels Untergang jetzt schon seit 1992 voraus, insofern ist diese Geschichte nichts Neues. Aber nun ist eben der Stichtag gekommen, an dem die Prophezeiung sich erfüllen soll, und die Fieberkurve steigt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2022 - Gesellschaft

Auf Zeit online erzählt eine Afghanin, unter welchen Bedingungen Frauen in ihrem Land nach der von den Taliban durchgesetzten strikten Geschlechtertrennung - wenn überhaupt noch - studieren: "An unserer Uni hatten nur fünf oder sechs junge Frauen Masterstudiengänge belegt. Infolge der jüngsten Ereignisse sind es jetzt sogar nur noch zwei oder drei, und für zwei, drei Studierende bietet eine Universität keinen eigenen Studiengang an. Eine Kommilitonin, TESOL-Studentin im Abschlusssemester, sagt: 'Unsere Kommilitonen kommen weiter. Aber für uns bieten sie auch zwei Wochen nach Semesterbeginn noch immer keine Kurse an. Wir drei Studentinnen hängen einfach in der Luft. Manche Kommilitoninnen aus unserem Freundeskreis sind ins Ausland gegangen, andere haben ihr Studium abgebrochen. Präsenzunterricht findet für uns nicht statt. Wir gehen nur donnerstags kurz zur Uni und geben unsere Hausarbeiten bei unseren Dozenten ab. Meine Masterarbeit schreibe ich unter größten Schwierigkeiten, weil ich keine Beratung bekomme und auch die Bibliothek nicht nutzen kann. Ich entdecke, dass ich unsichtbar geworden bin und völlig im Dunkeln tappe.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2022 - Gesellschaft

In seiner Spiegel-online-Kolumne schimpft Sascha Lobo über den deutschen "Lumpen-Pazifismus, den er in den Überresten der Friedensbewegung verortet, aber nicht nur dort: "Es sind Menschen wie der Friedensbeauftragte der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Friedrich Kramer. Er sagt auf die Frage, wie man auf die Kriegsverbrechen des Diktators Putin in der Ukraine reagieren solle: 'Manchmal können wir alle nur hilflose Zuschauer sein. Und das ist vielleicht gut so.' Es scheint mir kaum möglich, die eigene Ungerührtheit im Angesicht tot gebombter Kinder noch maliziöser zu feiern. Aber gut, es ist ein Bischof."

Auch Monika Maron kann in der NZZ nur den Kopf schütteln über jene, die Verhandlungsbereitschaft oder gar Kapitulation von der Ukraine fordern. "Warum richten diese Verteidiger des Friedens ihre Forderungen an die Ukraine, warum nicht an Putin? Und warum glauben sie, dass Putin, wenn er die Ukraine niedermetzeln durfte, sich nicht ermutigt fühlt, sich den nächsten Traum zu erfüllen, die Moldau oder vielleicht sogar das Baltikum? … Und Alice Schwarzer macht sich Sorgen um Putin. Man solle ihn nicht dämonisieren, schreibt sie und fragt, was ihn wohl so verhärtet hat. Den Mut der Ukrainer und ihres Präsidenten macht sie verächtlich als gefährliches, männliches Heldentum: 'Wo Helden sind, sind die Vergewaltigten und Toten nicht weit.' Und ihre Ahnungslosigkeit oder Herablassung belegt sie, indem sie von der 'kleinen Ukraine' spricht, dem zweitgrößten Flächenland Europas mit vierzig Millionen Einwohnern. Man hätte Putin von Anfang an geben müssen, was er wollte, dann gäbe es den Krieg und den drohenden Weltkrieg nicht. Darum fordert sie kühn: 'Verhandeln. Jetzt!', als hätte es nicht längst Verhandlungen gegeben, die an Putins ehernen Ultimaten gescheitert sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2022 - Gesellschaft

Antisemitismus breitet sich zunehmend in der Mitte der deutschen Gesellschaft aus, entnehmen Dirk Banse und Martin Lutz (Welt) dem "Lagebild Antisemitismus" des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Judenfeindlichkeit tauche vermehrt im Zusammenhang mit der Pandemie auf: "'Die Pandemie hat wie ein Brandbeschleuniger für Antisemitismus gewirkt', sagte Felix Klein, der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Welt. 'Auch dadurch, dass er viele Milieus, die bisher für sich standen, miteinander verbunden hat.' Dazu kämen ein immer offener geäußerter israelbezogener Antisemitismus in allen Milieus und fortgesetzte Angriffe auf die Erinnerungskultur. 'Viele der antisemitischen Straftaten finden online statt, in Form von Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung, Holocaustleugnung', so Klein."

Die russische Schriftstellerin Alissa Ganijewa liest in der NZZ mitgeschnittene Gespräche russischer Soldaten und ihrer Mütter, Frauen und Freundinnen und ist entsetzt über die verrohte Sprache - gerade bei den Frauen. Zu hören sei, wie jene  "bestialisch" und "obszön" zu Plünderung, Vergewaltigung und zum Töten auffordern: "Ein Marodeur, der plündert, brandschatzt, den Feind besudelt und Beute nach Hause bringt, gilt darin als tapferer Ernährer. Der russische Staat mit seiner nachgerade faschistischen imperialen Ideologie hat seinen armen, trägen und gedemütigten Volksmassen einen Freibrief ausgestellt, sich für ihr Elend auf Kosten freiheitlich denkender, ihr Leben aktiv gestaltender und europäisch gesinnter Menschen zu rächen. Der Kern des russischen Systems besteht seit langem aus bewaffneten Männern, die anderen bewaffneten Männern zudienen. Die Zahl der Ordnungshüter und Machtträger mit Schlagstöcken übersteigt mittlerweile deren Zahl in der UdSSR, obwohl die Bevölkerung Russlands nur halb so groß ist. Frauen werden dazu erzogen, andere Frauen zu hassen und Feminismus als Schimpfwort zu betrachten, als eine Geisteskrankheit, die der eigenen Erfolglosigkeit gegenüber Männern entspringt."

Außerdem: "Die Behauptung, dass russische Menschen in Deutschland und Europa jetzt die Opfer einer feindlichen Stimmung sind, ist größtenteils Putin-Propaganda", meint Sasha Marianna Salzmann im Tagesspiegel-Interview mit Nadine Lange (hinter Paywall).