Das mächtige, ehrgeizige, innovative China steigt unaufhaltsam auf, doch für den Westen bleibt Wladimir Putin die
Bête Noire, wundert sich
Ivan Krastev in der
FAZ, dabei sei Russland doch ein Gespenst der Vergangenheit, eine Mischung aus
Scheitern und Banalität. Fürchten die westlichen Demokratien etwa, dass sie Russland ähnlicher werden, fragt Krastev: "Nicht der Aufstieg des Autoritarismus, sondern
die Verwischung der Grenzen zwischen Demokratie und Autoritarismus lähmt das liberale Denken im Westen. Was ist der Unterschied zwischen der Behauptung des Kremls, es gebe keine Alternative zu Putin, und unserer These, es gebe keine Alternative zur aktuellen Wirtschaftspolitik? Was unterscheidet Putins Russland von Erdogans Türkei, Modis Indien oder Bolsonaros Brasilien? Und unterscheidet es sich so deutlich von Orbáns Ungarn oder Trumps Amerika? Sind wir sicher, dass wir noch in liberalen Demokratien leben?"
Herfried Münkler, oberster Geostratege des Landes,
erklärt uns im
taz-Gespräch mit Stefan Reinecke die
EU als Imperium mit multinationaler Identität und - natürlich - mit
Einflusssphären. Wenn Münkler allerdings Europas künftige Rolle in der globalen Weltordnung beschreibt, wird es mitunter auch esoterisch: "Wenn eine unipolare Ordnung zerfällt, entstehen oft
Systeme mit fünf Akteuren. Nachdem die kaiserliche Macht in Italien im 13. und 14. Jahrhundert zerfiel, entstand die Lega von Lodi mit Mailand, Florenz, Venedig, Neapel und dem Kirchenstaat. Als das Habsburger System am Ende des Dreißigjährigen Krieg zerfiel, blieben
fünf Machtzentren: der Kaiser in Wien, Spanien, Frankreich, England, Schweden. Als Napoleons Imperialprojekt zu Ende ging, waren es
wieder fünf: Preußen, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Russland... Jetzt zeichnet sich ein Szenario mit den USA, China, der EU, Russland und Indien als neue Imperien ab. Wenn die EU vereinigt bleibt, kann sie die Regeln mitbestimmen. Wenn nicht, wird Europa zur Einflusssphäre eines der anderen Imperien werden."