Die
Welt publiziert
eine Rede des Hongkonger Aktivisten
Joshua Wong, die dieser auf Einladung der
Bild-Redaktion am Montag beim
Bild100-Fest hielt: "Lassen Sie mich klarstellen: Wir stehen jetzt
zwischen der freien Welt und Chinas Diktatur. Wenn wir in einem neuen Kalten Krieg leben, so ist Hongkong das neue Berlin. Hongkong ist jetzt das Schlachtfeld für zwei sehr verschiedene, gegensätzliche Ideologien: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gegen eine Diktatur, die die Grundrechte nicht achtet. Ich hoffe einfach, dass die Welt verstehen wird, dass die Menschen in Hongkong die
Demokratie verdienen. Wir setzen unseren Kampf mit unserem Motto fort: 'Stand with Hong Kong!' (Steht auf Hongkongs Seite). Das ist aber mehr als ein bloßer Slogan. Wir drängen die freie Welt, uns im Widerstand gegen das autokratische chinesische Regime beizustehen. Wir Hongkonger tragen diesen schweren Kampf
nicht nur für uns selber aus. Er betrifft uns und die Welt gleichermaßen."
Schuld an den Verwerfungen in den modernen Demokratien ist eine "
Désintermédiation", schreibt der französische Politologe
Rémi Lefebvre in
La Vie des idées, also eine Krise der vermittelnden und repräsentierenden Instanzen (siehe
unsere Magazinrundschau).
FAZ-Redakteur Peter Sturm würde dem wohl zustimmen. Die Krise der
britischen Demokratie kam zustande durch ein aus Verlegenheit beschlossenes Referendum, legt er dar: "Direkte Demokratie
sieht das System nicht vor. Nun hat aber gerade ein Vertreter der Konservativen Partei, die sich seit Urzeiten als
Gralshüterin des spezifisch britischen parlamentarischen Systems betrachtet, einen Akt direkter Demokratie inszeniert, dessen Folgen das ganze Konstrukt schwer erschüttern."
In der
New York Times warnt Glenn S.
Gerstell, Leiter der Rechtsabteilung der
NSA, vor neuen Gefahren aus Russland, China, Iran oder Nordkorea, die durch die Digitalisierung drohen. Um ihnen zu begegnen, brauche es viel mehr Geld und eine intensivere Zusammmenarbeit mit dem privaten Sektor, fordert er: "So könnte unsere Gesellschaft beispielsweise erwägen, eine
stärkere Koordinierung zwischen Regierung und Privatsektor bei der Förderung strategischer Ziele der nationalen Sicherheit (wie die Entwicklung von Quantencomputerkapazitäten) durchzusetzen. Man könnte spezifische Anforderungen an den Privatsektor stellen,
proprietäre Daten und Technologien
mit der Regierung zu teilen (mit angemessenen Garantien), wenn dies für die nationale Sicherheit unmittelbar relevant ist. Oder eine Verpflichtung in Betracht ziehen, die Regierung über die
Einzelheiten von Cyberunfällen zu informieren. Vielleicht sollten wir die Diskussion über eine nationale Dienstleistungsverpflichtung wieder in Gang bringen, um der Regierung in einem breiten Spektrum von Bereichen technisches Fachwissen zur Verfügung zu stellen, oder anderweitig eine Regelung schaffen, um dieses Fachwissen der Regierung zur Verfügung zu stellen (und nicht das aktuelle Modell, bei dem der Privatsektor oft staatlich ausgebildete Talente weglockt). Es geht hier nicht darum, für einen dieser Punkte einzutreten, sondern nur darum, dass unsere politischen Entscheidungsträger
Alternativen prüfen müssen, wenn wir die bevorstehende technologische Lücke schließen wollen."
New-
York-
Times-Autor Charlie Warzel setzt
hier Punkt für Punkt auseinander, warum Gerstells Vorschläge die westlichen Demokratien nicht retten werden.