
Im
Interview mit
Zeit online (und in ihrem Buch
"Zumutung Demokratie") denkt die
Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger darüber nach, warum
Demokratie hierzulande immer stärker als
Kränkung empfunden wird: "Überall geht es heute darum, besonders, hervorgehoben, individuell und
irgendwie anders zu sein. Ziel ist das bestmögliche Ich, das sich von den anderen unterscheidet. Die Demokratie verspricht uns dabei, dass wir das alles dürfen. Und trotzdem legt sie uns die Zumutung auf, dass wir, wenn es ums demokratische Entscheiden geht,
eben nicht individuell sind und es nicht darum geht, wie einzigartig wir sind, sondern dass wir alle gleich sind und dass meine Stimme, so großartig ich sie auch finde, im demokratischen Prozess nicht mehr oder weniger wert ist als jede andere auch." Um das Gemeinschaftsgefühl wieder zu stärken, wünscht sie sich mehr "
anthropologische Orte", wie die Eckkneipe oder die Bibliothek, in der Menschen aus allen Milieus "gefahrlos miteinander in Kontakt treten" können.

Im Gespräch mit dem
Tagesspiegel denkt auch die italienische
Philosophin Donatella Di Cesare über Demokratie nach, der immer mehr
Verschwörungstheoretiker misstrauen (Sie hat zu dem Thema auch ein Buch geschrieben,
"Das Komplott an der Macht"). Stigmatisierung nützt da gar nichts, meint sie, viele wissen einfach nicht mehr, wer wofür verantwortlich ist: "Bis vor ein paar Jahren war die Macht eine recht konkrete Instanz: Für uns in Italien war es die
Regierung in Rom. Aber an wen soll ich mich heute wenden? Rom verweist einen in vielen Punkten an
Brüssel, Brüssel verweist auf größere
globale Zusammenhänge und Zwänge. Zugleich wirkt sich die reale Macht konkret auf das Leben der Menschen aus. Sie kriegen täglich eine
Ökonomie mit empörender Ungleichheit zu spüren. Doch wer die Verhältnisse ändern will, hört: Es gibt keine Alternative. Daher fühlen sich die Leute desorientiert und sehen keinen Fortschritt mehr. Sie empfinden die Demokratie als eine
Täuschung. Aus dieser Ohnmacht und Entpolitisierung entsteht ein Komplottismus, der ständig fragt, wer im Hintergrund die Fäden zieht und Vorstellungen von einem 'Deep State' und einer 'Neuen Weltordnung' entwickelt."
Außerdem: In der
NZZ würdigt die Wirtschaftsphilosophin Karen Horn den schottischen Aufklärer und Ökonom
Adam Smith zum 300. Geburtstag.