9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2014 - Internet

In der NZZ hält Joachim Güntner zwar manche Kritik an Amazon für überzogen, aber sein Geschäftsgebaren tatsächlich anstößig: "Vor allem wäre daran zu erinnern, dass kundenfreundlich und menschenfreundlich nicht dasselbe sind. Für die Dumpingpreise oder die bequeme Lieferung frei Haus, welche den preisbewussten Kunden erfreuen, zahlt immer irgendwo jemand die Zeche, sei es ein Hersteller, der seine Ware nicht mehr reell kalkulieren kann, sei es ein mies entlohnter Dienstleister."

Gina Thomas nimmt dagegen in der FAZ dankbar Amazons Erkenntnisse über das Leseverhalten auf und verrät, welche Bücher zu Ende gelesen werden (Donna Tartt) und welche nicht (Stephen Hawking, Thomas Piketty). Stefan Schulz beschreibt ebenfalls in der FAZ, wie unbrauchbar die Instrumente des Kartellamts zur Beobachtung der digitalen Ökonomie sind. Zum Beispiel gelte hier ein Suchanbieter - im Gegensatz zu einer Brücke - keine "wesentliche Einrichtung".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2014 - Internet

Der Google-Manager David Drummond protestiert im Guardian gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das die Suchmaschine zwingt, Suchergebnisse zu löschen, wenn sie bestimmten Personen nicht genehm sind. "Der Guardian könnte einen Artikel über eine Person haben, der absolut legal ist, aber wir wären rechtlich verpflichtet, in unseren Suchergebnissen Links zu diesem Artikel nicht zu zeigen. Es ist so, als würde man sagen, ein Buch darf in einer Bibliothek stehen, aber es darf im Katalog nicht verzeichnet werden. Aus diesem Grund sind wir mit diesem Urteil nicht einverstanden." Auf deutsch erschien der Artikel in der FAZ. In der FAZ wird auch gemeldet, dass Google Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einen "Löschbeirat" einlädt, um die Triftigkeit von Löschanfragen zu beurteilen.

Außerdem in der FAZ: Michael Hanfeld fordert im Aufmacher des Feuilletons eine "positive Regulierung" der von Google (aber auch Facebook und Amazon) beherrschten Märkte und stellt erste Tendenzen zum Einknicken bei deutschen Politikern fest.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2014 - Internet

Es ist immer noch nicht klar, wer mit einem blauen Brief von der VG Media rechnen muss, um für das neue Leistungsschutzrecht Schutzgeld zu bezahlen. Das deutsche Urheberrecht war schon diffizil genug, meint Till Kreutzer bei rights.info: "Da diese Aspekte in der Debatte von verschiedensten Seiten unzählige Male hervorgehoben wurden, sollte erwartet werden können, dass der Gesetzgeber besonders sorgfältig arbeitet, um zumindest soweit wie möglich Rechtssicherheit zu gewährleisten. Dieses Ziel wurde jedoch gründlich verfehlt. Die Neuregelungen zum Leistungsschutzrecht enthalten eine Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe mit großem Auslegungsspielraum."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2014 - Internet

400 europäische Unternehmen wollen Kartellklage gegen Google bei der Europäischen Kommission einreichen, angeführt von einem Google-geängstigten Mathias Döpfner. Der ehemalige amerikanische Botschafter John Kornblum warnt (jetzt online) in der FAZ und erinnert an eine Parallele - den Kampf des Autokonzerns Ford gegen den Konkurrenten GM per Kartellklagen: "Die Dominanz von GM wurde schließlich auf dem Markt gebrochen, aber nicht von Ford, sondern durch innovative deutsche und japanische Importe. Diese Geschichte hält eine wichtige Lektion bereit. Juristische Angriffe gegen einen starken Konkurrenten sind fast immer erfolglos."

Johannes Boie berichtet in der SZ, dass sich beim neuseeländischen Internetprovider Slingshot das Geoblocking ausschalten lässt und Nutzer im Global Mode surfen können.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2014 - Internet

Auch in Deutschland hat Google jetzt Suchergebnisse gestrichen, berichtete Ole Reißmann schon am Freitagnachmittag bei Spiegel online. Es handelt sich in diesem Fall um einen älteren Spiegel-Artikel: "Sucht man nach einem bestimmten Namen, taucht ein Artikel des Nachrichtenmagazins über die Scientology-Organisation nicht mehr in den Treffern auf. Google weist seine Nutzer am Seitenende selbst darauf hin: "Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechtes entfernt."" Erstaunlich, dass Spiegel Online, anders als der Guardian (wir berichteten), den Namen des Betroffenen nicht nennt.

In Techcrunch verweist Colleen Taylor auf ein Gespräch mit den Google-Gründern Sergey Brin and Larry Page, das der Internetunternehmer Vinod Khosla führte und das hier als Video zu sehen ist. Interessant ist es, weil Page auf Liberalisierung im Datenschutz drängt. Sein Beispiel sind Gesundheitsdaten, wo er über das "Ausmaß der Regulierung" klagt: "Stellen Sie sich vor, Sie könnten in die Patientenakten in den USA Einsicht nehmen, jeder Forscher könnte das tun. Die Namen sollten vielleicht entfernt werden. Und vielleicht sollte der Patient informiert werden, wenn ein Forscher seine Daten untersuchte und warum er das tat. Ich glaube, wir könnten so 10.000 Leben retten, allein im ersten Jahr. Aber es ist fast unmöglich. Ich mache mir Sorgen, dass wir durch zu viel Regulierung die großartigen Möglichkeiten des Data Mining kaputt machen."

Johannes Boie berichtet in der SZ, dass sich beim neuseeländischen Internetprovider Slingshot das Geoblocking ausschalten lässt und Nutzer im Global Mode surfen können.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2014 - Internet

Das von deutschen Medien so einhellig begrüßte EuGH-Urteil gegen Google zeitigt erste Konsequenzen. Mark Scott meldet im Bits-Blog der NY Times: "Einige britische Medien, inklusive der BBC und des Guardian, sagen, dass sie Mitteilungen von Google erhalten haben, in denen erklärt wird, welche ihrer Artikel nicht mehr in europäischen Suchen aufgelistet werden. (Die Links bleiben allerdings erhalten.)"

Siehe dazu auch James Balls Artikel im Guardian: "Guardian articles have been hidden by Google." Es geht in einem Fall um den britischen Fußballschiedsrichter Dougie McDonald, der zu den Gründen für einen Elfmeter, den er gegeben hatte, gelogen haben soll. Tippt man die Suche "Dougie McDonald Guardian" bei Google.co.uk ein, werden die drei Guardian-Artikel dazu nicht mehr aufgeführt. Auch bei der deutschen Suche mit der selben Anfrage werden die Artikel nicht mehr angezeigt. Bei Google.com soll die Suche noch funktionieren. Inzwischen wird die Recherche allerdings derart von Links zur Berichterstattung zu der Geschichte überwuchert, dass diese Suchen mit Vorsicht zu genießen sind.

Der Suchmaschinenexperte des Guardian, Chris Moran, präzisiert dabei: "Die Suche "Dougie McDonald" site:the guardian.com fördert nicht den right-to-be-forgotten-article zutage. Aber suche nach "Scottish referee who lied" und Du wirst ihn finden." Moran vermutet, dass Google das Urteil des EuGH so eng wie möglich auslegt.




9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2014 - Internet

Die Empörung über das Rattenexperiment von Facebook mit seinen Nutzern, denen es unterschiedliche Newsstreams zu spielte, um ihre Reaktionen zu testen, empört immer noch die amerikanischen Blogs. Nicole Lee hält in Engagdet fest: "Schlimm genug, dass die Studie ohne die Zustimmung der Facebook-Nutzer stattfand. Aber Facebook beobachtete ja nicht nur die Aktionen der User - es spielte absichtlich mit ihren Gefühlen." Kurt Wagner meldet unterdessen in Mashable, dass die britische Datenschutzbehörde (dass es da sowas gibt!) eine Untersuchung gegen Facebook einleitet.
Stichwörter: Facebook

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2014 - Internet

(Via Open Culture) "The Internet"s Own Boy", Brian Knappenbergers Dokumentarfilm über den Internetaktivisten Aaron Swartz, der sich letztes Jahr das Leben nahm, steht nun in einer CC-Version online, meldet Cory Doctorow in Boingboing. Damit soll vor allem einem nicht amerikanischen Publikum Gelegenheit gegeben werden, sich mit Swartz" Ideen von einem freien Netz auseinanderzusetzen. Der Film kann gestreamt oder heruntergeladen werden. (Sage Ross" Aaron-Swartz-Porträt findet sich unter CC-Lizenz bei Flickr.)

Stichwörter: Doctorow, Cory, Swartz, Aaron

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.06.2014 - Internet

Die Presseverlage wollen Google durch ihren Gang zum Kartellamt zwingen, ihre Snippets nicht auszulisten und auf jeden Fall dafür zu bezahlen. Lawblogger Thomas Stadler fasst sich an den Kopf: "Was die Verlage für sich fordern, würde vielmehr eine Ungleichbehandlung gegenüber allen anderen Anbietern von Inhalten im Netz darstellen. Es ist aber nicht Aufgabe des Kartellrechts, eine Besserstellung einer einzelnen Branche herbeizuführen. Ganz im Gegenteil."

Vergessen leicht gemacht. Bisher ist die Prozedur, um bei Google ungenehme Suchergebnisse streichen zu lassen, recht umständlich. Der französische Anbieter forget.me hat das jetzt vereinfacht, berichtet Martin Weigert in Netzwertig: "Abgesehen von der netten grafischen Aufmachung, den Visualisierungen und den ausführlichen Erklärtexten zeichnet sich Forget.me auch dadurch aus, dass User nicht wie beim Google-"Löschservice" manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche "Forget this"." Weigert findet das im übrigen problematisch: "Unsere Demokratie lebt und profitiert davon, dass sich Informationen, deren Zugänglichkeit potenziell im allgemeinen Interesse liegt, nicht einfach so aus dem öffentlichen Sichtfeld ausradieren lassen."

Während in der EU noch Lobbyarbeit gemacht wird, um ein europäisches Netz vom Internet abzukoppeln, prescht Russland schon vor und will in den nächsten Jahren eine Art Anti-Internet schaffen, berichtet Elke Windisch im Tagesspiegel: "Es soll zwar weltweit zugänglich sein, aber von Russland kontrolliert und ausschließlich von Bürgern der Russischen Föderation mit Inhalten bestückt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.06.2014 - Internet

Mit ihrer Beschwerde gegen Google vor dem Bundeskartellamt wollen die Verlage vor allem eines, meint Marcel Weiß auf Neunetz, nämlich Google zwingen, für ihre Inhalte zu zahlen. Den nächsten Schritt kann er sich auch schon ausmalen: "Sollte die Beschwerde vor dem Kartellamt scheitern, haben die Presseverlage noch mehr Munition für ihren eigentlichen Plan. Wir armen Presseverlage können uns nicht gegen das übermächtige Google wehren, werden sie dann argumentieren. Unser Leistungsschutzrecht ist nicht durchsetzbar, werden sie in den Feuilletons analysieren. Wir brauchen ein weiteres Gesetz, werden sie schlussfolgern."

Auch die Buchverlage stehen auf, meldet Buchreport.de - und zwar gegen Amazon: "In den vergangenen Wochen hat der Börsenverein wiederholt Amazon für den Umgang mit Verlagsgruppen wie Bonnier kritisiert. Jetzt folgen Taten: Der Verband hat nach eigenen Angaben Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht."

Detailliert geht Astrid Herbold auf Zeit Online den Meldungen des Buchhandels nach, die Leser würden Amazon allmählich den Rücken kehren und wieder in der Buchhandlung einkaufen. Herbold kann das nur in kleinsten Prozentzahlen bestätigen, die größere Verluste nicht wettmachen.

Im Leitartikel auf der Seite 1 der FAZ möchte Eckhard Lohse dringend Schutz vor den "Gefahren des Internets" - des Internets, nicht der Politiker, die uns mittels digitaler Technologien massenhaft ausspionieren. Im Gegenteil, gerade diese Politiker sollen"s nach Lohses Wunsch richten. Im Feuilleton fragt Jordan Mejias: Müssen wir Angst vor Supercomputer Watson haben? Klar, Angst! Mehr Angst, mehr, mehr, mehr.

Während deutsche Institutionen zähneklappernd in die Zukunft blicken und hoffen, sie ginge an ihnen vorbei, stutzt man in den USA über den Rückgang der Zahl von Programmierern. Offenbar ist die Ausbildung einfach zu langweilig und abstrakt, erklärt Tasneem Raja im amerikanischen Magazin Mother Jones. Vietnam macht das zum Beispiel viel besser, musste ein Googlemitarbeiter dort kürzlich lernen. Dabei sind Computer gar nicht so abstrakt wie man denkt: "So what is computational thinking? If you"ve ever improvised dinner, pat yourself on the back: You"ve engaged in some light CT. There are those who open the pantry to find a dusty bag of legumes and some sad-looking onions and think, "Lentil soup!" and those who think, "Chinese takeout." A practiced home cook can mentally sketch the path from raw ingredients to a hot meal, imagining how to substitute, divide, merge, apply external processes (heat, stirring), and so on until she achieves her end. Where the rest of us see a dead end, she sees the potential for something new."