9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2019 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind ein gigantischer Apparat und entsprechen in ihrer Größe dem gesamten deutschen Kulturbetrieb. Die Rundfunkräte aber sind zahnlose Tiger, die den Strukturen, Apparaten und Intendanten kaum ein Gegengewicht bieten können. Der Medienwissenschaftler Hermann Rotermund fordert statt der Ernennung institutionennaher Rundfunkräte in der FAZ: "direkte Listenwahl der Rundfunkräte durch die beitragszahlenden Haushalte bei Ausschluss politischer Listen. Dafür kann eine modernisierte Variante der Sozialwahlen angewandt werden. Jeder Haushalt erhält vom Beitragsservice TANs und gibt seine Stimme mit Hilfe einer App oder auf einer Website ab. Der Gesetzgeber stellt Kriterien für die Zulassung von Listen auf. Die Rundfunkräte werden auf 30 bis 35 Mitglieder reduziert - aktuell sind es bis zu 74. Die Aufwandsentschädigungen, zurzeit auf Bafög-Niveau, werden erhöht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2019 - Medien

Die beiden Reuters-Journalisten Wa Lone, 33, und Kyaw Soe Oo, 29, die zu einem Massaker im Rahmen der Vertreibung der Rohingya recherchiert hatten und dafür ins Gefängnis gesteclte worden waren (unser Resümee vom September letzten Jahres), sind im Zug einer Generalamnestie as dem Gefängnis entlassen worden, melden Simon Lewis und Shoon Naing bei der Presseagentur: "Die Frauen der Reporter hatten im April einen Brief an de Regierung mit Bitte um Begnadigung geschickt, naicht, wie sie sagen, weil sie irgendetwas Falsches getan hätten, sondern weil es ihnen erlauben würde, zu ihren Familien zurückzukehren."
Stichwörter: Myanmar, Rohingya, Reuters

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2019 - Medien

Der Enthüllungsjournalist Vadim Komarow aus der ostukrainischen Stadt Tscherkassk liegt im Koma, nachdem er mit einer Metallstange auf den Kopf geschlagen wurde. Er ist nicht der erste zu Korruption recherchierende ukrainische Jornalist, der in diesem Jahr attackiert wurde, berichtet Bernhard Clasen in der taz, der unter anderem mit dem Gewerschaftler Sergiy Tomilenko sprach: "Gerade die Straflosigkeit von Gewaltakten gegen Journalisten, so Tomilenko, sei ein Einschüchterungsversuch aller Journalisten. Eine Woche zuvor, am 27. April, war ein Brandanschlag auf das Auto von Wolodimir Pisozkij, Chefredakteur der Zeitung Zorja, in der Stadt Dnipro verübt worden. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2019, so die ukrainische Journalistengewerkschaft bei einer Pressekonferenz Anfang Mai, habe man 23 Gewaltakte gegen Journalisten dokumentiert."

Heute startet die re:publica, die mal als eine Art Messe und Podium der Netzöffentlichkeit startete und heute mehr von den Öffentlich-Rechtlichen dominiert wird, wenn man sich die Besetzung der Podien und teilweise die Themensetzung ansieht. Eröffnet wird das ganze hoch offiziell von Bundespräsidente Frank-Walter Steinmeier. Meedia gibt einen Überblick. Eines der Podien: "was kann der Journalismus dagegen tun und was heißt Relevanz in Zeiten von Donald Trump, Matteo Salvini und Heinz-Christian Strache überhaupt noch? Um das zu diskutieren, kommt eine hochkarätige vierköpfige Runde zusammen: 'Monitor'-Redaktionsleiter Georg Restle, ZDF-Journalistin Marietta Slomka, Falter-Chefredakteur Florian Klenk und Digitaljournalistin Vanessa Vu."  Auch Sascha Lobo wird wie jedes Jahr eine Rede halten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2019 - Medien

"Dr. Deutsch" betrachtet bei den Salonkolumnisten nochmal den von der FPÖ angestachelten Skandal um den ORF-Anchorman Armin Wolf, der einen FPÖ-Politiker kritisch befragt hatte - und untersucht nebenbei die FPÖ-Argumente gegen öffentlich-rechtliche Medien: "Es gibt nachvollziehbare Vorbehalte sowohl gegen die Ausstattung als auch die Gebührenlogik öffentlich-rechtlicher Anstalten, die im Internet beispielsweise zu einem unlauteren Wettbewerb zu Ungunsten der freien Presse führt. Das Beispiel Österreich zeigt allerdings, wie wichtig es ist, sensibel bei der Wahl der Argumente zu sein. Die lautesten Gegner jeder Form des angeblichen 'Staatsfunks' sind oft diejenigen, die sich dann, wenn sie an der Macht sind, unkritische Regierungsmedien bauen - also echten Staatsfunk."

Die AfD inspiriert die Mainstream-Parteien. Nicht nur entwickelt man einen Populismus für die je eigene Klientel - ostentativer Katholizismus bei der CDU, Kevin Kühnerts Äußerungen bei der SPD -, man will auch aus der Kommunikationsstrategie der AfD lernen und entwickelt fleißig eigene Newsrooms, berichtet der Tagesspiegel. Dabei hat das vor einem Jahr groß annoncierte Newsroom-Projekt der AfD nicht mal funktioniert: "Die AfD hat ihre Newsroom-Ankündigung geschickt vermarktet, aber so viel verändert hat sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit seitdem nicht. Ursprünglich sollte der Newsroom Unter den Linden Platz finden, in einem aus drei kleineren Zimmern verbundenen großen Raum - dort sitzt aber offenbar bis heute kaum jemand." Allerdings: "In den sozialen Medien hat die AfD schon länger eine Vormachtstellung, was geteilte Beiträge und Erwähnungen betrifft. Zudem arbeitet die AfD-Fraktion daran, rechte, ihr wohlgesonnene Blogger noch schneller mit Informationen zu versorgen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2019 - Medien

Heute vor 28 Jahren wurde in Windhuk, Namibia der Tag der Pressefreiheit erfunden. Die Zeitungen erinnern vor allem an die in vielen Ländern verfolgten und inhaftierten Journalisten, dabei ist die Türkei weltweit führend bei der Anzahl von Inhaftierungen von Journalisten, wie Caroline Stockford vom Internationalen Presseinstitut in der Welt schreibt.

Pressefreiheit ist das "Recht der Bürger, alles zu erfahren", schreibt Stefan Aust ebenfalls in der Welt und mahnt: "Viele 'Medienschaffende' (ein Ausdruck, der sich eher nach DDR anhört) sehen sich weniger als Aufklärer denn als 'Influencer' - und häufig als Sprachrohr der wirklichen Vierten Gewalt der Gegenwart, der NGOs. Diese Nichtregierungsorganisationen, zum größten Teil finanziert durch steuerbegünstigte Spenden und andere Staatsknete, ausgestattet mit dem Privileg des Verbandsklagerechtes, dürften heute einflussreicher sein als die meisten Journalisten, derer sie sich zunehmend bedienen. Zu den wichtigsten Prinzipien der journalistischen Freiheit der Berichterstattung gehört, seine Quellen sorgfältig abzuklären und sich nicht zum publizistischen Handlanger von Interessengruppen zu machen, die zumeist ihre eigene Agenda haben, auch wenn sie noch so edel daherkommen."

In der SZ greift Nicolas Richter noch einmal den Fall um den ORF-Moderator Armin Wolf auf, dem von dem FPÖ-Mann und ORF-Aufseher Norbert Steger ein Sabbatical nahegelegt wurde, nachdem jener im Gespräch mit einem FPÖ-Politiker eine aktuelle Karikatur der FPÖ mit einer Stürmer-Karikatur verglich (Unsere Resümees). Richter rät Steger doch selbst einmal durch die Welt zu fahren, nach Mexiko etwa, "wo Kartelle Journalisten auf offener Straße erschießen lassen, oder nach Saudi-Arabien, das jüngst einen Regimegegner von Agenten mutmaßlich zersägen ließ." Er fügt hinzu: "In der jüngeren europäischen Geschichte hat niemand die freie Presse so systematisch mit Verachtung überzogen wie die Rechtspopulisten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2019 - Medien

Neuseeländische Medien haben sich darauf geeinigt, dem Täter von Christchurch bei der Prozessberichterstattung keine Plattform zu bieten. Allerdings hat dieser Ansatz seine Grenzen, schreibt Peter Weißenburger in der taz: "Rassistische Statements und Symbole aussieben kann man nur, solange diese nicht für den Verlauf des Prozesses relevant sind. Das Prinzip der 'Öffentlichen Rechtsprechung', auf das sich die neuseeländischen Journalisten in ihrer Erklärung stützen, ist in der englischsprachigen Juristerei ein hohes Gut. Es sieht vor, dass die Öffentlichkeit alle Indizien nachvollziehen kann, die den Prozess und das Urteil formen. Dazu gehört die Gedankenwelt des Täters. Die neuseeländischen Medien werden es also schwer haben, ihre Selbstverpflichtung umzusetzen."

Die New York Times hat eine Karikatur publiziert, in der Trump als Blinder einem Blindenhund mit dem Gesicht Netanjahus hinterherstolpert. In einem viel beachteten Editorial entschuldigt sich die Redaktion für die antisemitische Karikatur und stellt einen weltweit steigenden Antisemitismus fest: "Ein besonders beängstigender und aus der Geschichte bekannter Aspekt des Anstiegs in den letzten Jahren ist, dass er sowohl von der rechten wie von der linken Seite des politischen Spektrums kommt. Sowohl rechte als auch linke Politiker spielen mit gefährlichen Klischees wie dem dem, dass die Juden heimlich das Finanzsystem oder Politiker kontrollieren."

Der Guardian hat es tatsächlich geschafft, mit seiner offenen und Spenden-Strategie nach Jahren der Verluste einen kleinen Gewinn von 800.000 Pfund zu machen, freut sich Jim Waterson in einer Eigenmeldung der Zeitung. Vor allem aber ist der Guardian inzwischen zu einem wahrhaft globalen Medium geworden: "Die monatlichen Page Views sind von 790 Millionen im Januar 2016 auf 1,35 Millarden im März 2019 gestiegen."

Außerdem: In der Zeit unterhält sich Eva Schweitzer mit Arthur G. Sulzberger, Verleger der New York Times, der verspricht, Donald Trump nicht in Ruhe zu lassen. Und turi2 meldet, dass der Tagesspiegel online und für seinen bekannten Newsletter "Checkpoint" eine Zahlschranke einrichten will.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.04.2019 - Medien

Dieter Bornemann, Redakteursrat des ORF, beklagt im Gespräch mit Theresa Hein von der SZ die Attacken der FPÖ auf den ORF und besonders auf den Anchorman Armin Wolf, dessen Absetzung gefordert wird, seit er im Gspräch mit einem FPÖ-Politiker eine aktuelle Karikatur der FPÖ mit einer Stürmer-Karikatur verglich (das Video ist hier zu sehen):  "Dass die öffentlich-rechtlichen Medien politisch unter Druck gesetzt werden, kann man in mehreren Ländern Europas beobachten. In vielen Bereichen werden Redaktionen ausgehungert, unter Beschuss genommen, es gibt massive Personaleinsparungen. Die finanzielle Situation macht natürlich den Qualitätsjournalismus schwieriger." Mehr auch auf Armin Wolfs eigener Seite.
Stichwörter: FPÖ, ORF, Wolf, Armin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2019 - Medien

Öffentlich-Rechtliche Sender lassen sich offenbar ganz gut gleichschalten, wenn die Rechtspopulisten erstmal am Ruder sind. Der bekannte Anchorman Armin Wolf wehrt sich im ORF gegen die FPÖ. Nun hat der Chef des Stiftungsrat Norbert Steger, der der FPÖ nahesetehn soll, reagiert, berichtet turi2 mit Bezug auf mehrere Quellen: "Im Streit der FPÖ gegen den ORF legt der ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger regierungskritischen ORF-Moderator Armin Wolf eine Auszeit nahe. 'Ich würde ein Sabbatical nehmen, auf Gebührenzahler-Kosten durch die Welt fahren und mich neu erfinden,' sagt Steger in der Tageszeitung 'Österreich' über Wolf."

(Via turi2) Die Medienwissenschaftler Christoph Bieber, Leonhard Dobusch und Jörg Müller-Lietzkow fordern in der Medienkorrespondenz eine "öffentlich-rechtliche Internetintendanz". Sie soll spezifische formen für das Internet entwickeln und Drittanbieter einbinden: "Die Internetintendanz entwickelt und realisiert Verfahren zur wettbewerblichen und transparenten Vergabe von mindestens 75 Prozent der für die Internetintendanz bereitgestellten Mittel."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2019 - Medien

Das Internet vergisst nicht? Von wegen, meint Felix Simon in der NZZ, nirgendwo sei die Archivierung so schwierig wie im Internet. Mit jedem neuen Dateiformat und jeder Umstellung im Trägermedium gingen Inhalte verloren: "Selbst Papier schlägt die Langlebigkeit einer Server-Festplatte um mehrere hundert Jahre... Nirgendwo wird die Gefahr des digitalen Gedächtnisschwundes allerdings deutlicher als im Journalismus. Auch wenn sich Print tapfer hält, findet der Journalismus des frühen 21. Jahrhunderts überwiegend online und digital statt. Doch angesichts der schillernden neuen Welt fragt kaum einer, ob die schönen Produkte der neuen Zeit auch in Zukunft noch zugänglich sein werden. Eine Zeitungsseite ist vergleichsweise leicht zu archivieren, eine Website mit aufwendigen multimedialen Inhalten ist es nicht."
Stichwörter: Internet, Archivierung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2019 - Medien

Die VG Media, die gern für die beteiligten Medien Leistungsschutzrechte beziehen will, hat von Google in einem Vergeichsangebot 1,24 Milliarden Euro gefordert, berichtet Stefan Krempl bei heise.de. Google wolle sich zu diesen "haltlosen Gedankenspielen" nicht äußern. Die meisten der beteiligten Verlage, die sich nun wohl vom EU-Urheberrecht bestärkt fühlen, haben Google nach dem deutschen Leistungsschutzgesetz kostenlose Lizenzen erteilt. "Der Suchmaschinenbetreiber überlegt nun nach Informationen von heise online auch angesichts der Anschuldigungen der VG Media, sich nicht 'rechtskonform' zu verhalten, den Verlegern eine Art Gegenrechnung zu schicken. Diese sollen Hunderte Millionen Klicks über die Suchmaschine erhalten haben, die frei monetarisierbar gewesen seien."