Mit Trumps Wiederwahl und dem Aufstieg des Populismus in Deutschland ist das Jahr
1933 unserer Zeit angebrochen,
ruft der Soziologe
Harald Welzer in der
taz. Viel erinnert an die Machtergreifung der Nazis - dabei darf man nicht tatenlos zusehen, sonst wiederholt sich die Geschichte, warnt er. Im "mächtigsten Land der Erde passiert eine autoritäre Revolution. Und wenn Deutschland in dieser historischen Situation keine geschichtsbewusste, verantwortungsbereite Regierung bekommt, wird das im Selbstgespräch vertiefte, klamaukhafte und letztlich orientierungslose 'Politische Berlin' die Abschaffung der offenen Gesellschaft weiter befördern." Es gelte "ähnlich wie mit 'Unteilbar', dem Bündnis aus NGOs, Gewerkschaften und Initiativen von 2018, alle zu versammeln, die gegenwärtig in den unterschiedlichen Sektionen des zivilgesellschaftlichen Normalbetriebs vor sich hin agieren - von der Letzten Generation bis zu den Landfrauen. Für 'eine kraftvolle, lebendige Reaktion gegen das Ungeheuerliche', nämlich den
Sieg der Menschenfeinde. Eine nächste Chance wird es nicht geben."
Die
Vasallen Donald Trumps suggieren mit
großen Worten den Beginn eines neuen Zeitalters - für ihre Ideen finden Sie unterschiedliche Schlagworte, wie Mark Siemons in der
FAS aufschlüsselt. Elon Musk sprach beispielsweise von "The Machine" und definiert diese als "einen extrem reglementierten und schnellen Konsensbildungsprozess aus dem Ideen, Debatten und freie Rede von vornherein ausgeschlossen sind". Der Blogger Curtis Yarvin prägte hingegen den Begriff der "Kathedrale", als "
überwölbendes Glaubenssystem im Zentrum der modernen Gesellschaft", erklärt Siemons. Blickt man aber genau hin, wird klar, dass hinter den Begriffen vor allem viel heiße Luft steckt. Auch widersprechen sich Trumps Kulturkämpfer in ihren ideologischen Ansichten, wie Siemons darlegt: "Was genau aber soll nun die Wahrheit hinter der Kathedrale/Maschine/Uniparty sein, und was soll an deren Stelle treten? Die Frage weist auf eine
gewaltige Leerstelle im Trump-Kosmos hin. Denn die radikale Rhetorik, die den einzelnen intellektuellen Paten seines Erfolgs gemeinsam ist, verdeckt, wie unterschiedlich, ja gegensätzlich deren ideologische Positionen in Wirklichkeit sind. Was sie zusammenhält, ist nur, dass sie mit der Vergangenheit brechen wollen, und zwar, indem sie möglichst viele Staatsangestellte, die für diese Vergangenheit stehen, entlassen."
Der israelische Autor und Psychologe
Michael Tobin hofft in der
NZZ, dass der 7. Oktober zu einem "Mittel für die nationale Erneuerung und den Beginn eines realistischen Prozesses
in Richtung Frieden" wird: Der "Schmerz hört nicht auf. Die Verluste dauern an. Die Geiseln führen ein unvorstellbares Dasein. Dennoch, zum ersten Mal, so weit ich und die meisten Israeli zurückdenken können, scheint ein Ende in Sicht zu sein, zumindest eines, von dem wir uns eine Vorstellung machen können. "Wir befinden uns "hier am 421. Tag des Krieges, und ein unvollkommener Sieg scheint in Sicht. Die Hamas als Kampfeinheit ist vernichtet. Sinwar, Deif, Nasrallah und so viele andere wurden ins Paradies befördert. Der Hizbullah wurde geschwächt, und Iran scheint deutlich weniger bedrohlich." Der Schrecken des 7. Oktober habe Israel gezeigt, dass es nicht unverwundbar ist - eine wichtige Lehre, so Toben: "Der Mythos des
andauernden Status quo löste sich in dem Moment auf, als Barbaren die Tore stürmten und wehrlose Israeli massakrierten. ... Unser eigener Hochmut wurde am 7. Oktober tödlich verletzt. So schmerzhaft es auch ist, das zu sagen, er war unsere Krankheit und unser potenzieller Untergang."
Wenn das
iranische Regime es will, kann es in kurzer Zeit
Atombomben entwickeln - das Material dazu ist da,
warnt im
taz-Interview der israelische Diplomat
Nadav Eshcar. Er hofft auf eine friedliche Lösung, betont aber, dass Israel eine Fertigstellung der Bombe in jedem Fall verhindern wird: "Das Hauptproblem für eine diplomatische Lösung ist die Entschlossenheit des Iran, seine nuklear-militärischen Fantasien weiter in die Tat umzusetzen. Man muss sie so stark unter Druck setzen, dass sie verstehen, dass es für sie das Beste ist, ihren Plan aufzugeben. Wir erklären der internationalen Gemeinschaft immer wieder, dass der Iran eine Bedrohung für die globale Sicherheit ist und dieses Problem gelöst werden muss. Wenn das nicht gelingt, kann das die ganze internationale Gemeinschaft auf schreckliche Weise verändern."