Das iranische Regime will angeblich die "
Sittenpolizei" abschaffen. Gilda Sahebi kann in der
taz in Begeisterung darüber
nicht im entferntesten einstimmen: "Über die Sittenpolizei spricht im Iran schon lange niemand mehr. Sie spielt bei der
Niederschlagung der Proteste keine Rolle, ebenso wenig bei der systematischen Ausübung sexualisierter Gewalt in iranischen Gefängnissen oder bei der Verhängung von Todesurteilen. Die Menschen wollen nur eines: den Sturz des Regimes. Sie wollen Frau, Leben, Freiheit." Viel mächtiger seien Polizei und Basidsch-Milizen.
Im
taz-Bericht von Teseo La Marca
klingt es etwas anders: "Die iranische Sittenpolizei (Gascht-e Erschad) war bisher das in der Bevölkerung
am meisten gefürchtete Instrument der Regierung, um die strengen islamischen Sittengesetze durchzusetzen." Es könnte aber auch um eine Zentralisierung von Kompetenzen gehen: "Noch Ende Oktober verkündete Ali Khan-Mohammadi, der Sprecher des staatlichen 'Amtes für das Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen', dass die Durchsetzung der Sittengesetze
noch weiter verschärft werden solle. Künftig sollten dafür auch die Basidschi, die Freiwilligenmiliz der Revolutionsgarden, eingesetzt werden. Berüchtigt sind die Basidschi vor allem dafür, dem Regime mit äußerster Gewalt bei der Unterdrückung der Proteste zur Seite zu stehen."
In der
Welt beschwert sich Daniela Sepehri bitter, dass die
deutsche Polizei iranische Demonstranten gegen das Mullah-Regime und seine Anhänger in Deutschland nicht besser schützt. Statt dessen durfte das sogenannte Islamische Zentrum Hamburg (IZH), dessen Leiter "von Khamenei persönlich eingesetzt" sei, jahrzehntelang unbehelligt den Islamismus propagieren. Und kürzlich sei sogar ein
Demonstrant angezeigt worden, der auf einer Demonstration in Berlin "
Khamenei ist ein Mörder" gerufen hatte. "Ali Khamenei, Religionsführer der Islamischen Republik und Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde, ist für die Hinrichtung Tausender politischer Gefangener und die Ermordung Tausender Protestierender im Iran in den Jahren seiner Amtszeit verantwortlich. ... Die Anzeige kann also nur von einem Laien gestellt worden sein, der das Grundgesetz nicht kennt, würde man meinen. Doch eine Presseanfrage ergab, dass die Strafanzeige
von Amts wegen gestellt worden ist, also von der Polizei selbst. Ein Skandal, der sich einreiht in eine Liste von Beispielen, wie wenig iranische Aktivisten und Aktivistinnen, die sich aus dem deutschen Exil heraus gegen das iranische Regime erheben, auf den Schutz der Behörden zählen können."
Die
chinesische Regierung scheint dem Druck ein wenig nachzugeben und stärker als bisher ein "
Leben mit Covid" in Betracht zu ziehen. Das Dumme ist nur: Gerade die älteren Chinesen sind
viel zu wenig geimpft,
schreibt Fabian Kretschmer in der
taz: "Die niedrige Impfrate hat vor allem mit der verbreiteten Wissenschaftsskepsis der Senioren zu tun, die lieber der
traditionellen chinesischen Medizin vertrauen. Zudem hat der Staat im Vergleich zu anderen Generationen weniger Hebel, um sozialen Druck auszuüben. Die Impfkampagne lief schließlich vor allem über Parteiinstitutionen, Arbeitgeber und Schulen. Vor einem Impfzwang hat Peking bislang zumindest zurückgeschreckt." Ähnlich berichtet Friederike Böge in der
FAZ: "Am Sonntag gab etwa die Stadt Guangzhou bekannt, dass fast
die Hälfte ihrer Bürger, die mehr als 80 Jahre alt sind, noch ungeimpft sind. Stattdessen wurden Milliarden in
Testkapazitäten und Quarantäneeinrichtungen investiert. Bei einer ungebremsten Öffnung könnten nach einer Prognose von Wissenschaftlern der Fudan-Universität 1,5 Millionen Chinesen an oder mit Corona sterben."
Immer wieder ist in den Medien in letzter Zeit von
chinesischen Polizeiaktivitäten im Ausland die Rede. Besonders massiv ist dieses Problem laut einem Bericht der NGO "Safeguard Defenders" in
Italien,
berichtet Angela Giuffrida im
Guardian. Hier ist sogar die Rede davon, dass chinesische Beamte Chinesen auffordern oder gar zwingen,
nach China zurückzukehren. "In Italien leben 330.000 chinesische Staatsbürger (laut Zahlen des nationalen Statistikamtes Istat aus dem Jahr 2021), und das Land ist aufgrund zahlreicher
bilateraler Abkommen ein fruchtbarer Boden für potenziellen Einfluss aus Peking. Dazu gehört ein gemeinsames
polizeiliches Überwachungsprogramm, das erstmals 2015 unterzeichnet wurde und in dessen Rahmen chinesische Polizisten zeitweise in italienischen Städten patrouillieren, angeblich um chinesischen Touristen zu helfen."