In der
taz warnt Memet Kiliç, stellvertretender Vorsitzender des Bundeszuwanderungsrates davor, die Probleme eines
radikalen Islams bei Flüchtlingen herunterzuspielen. Dass Religion heute in Deutschland ein solches Gewicht hat, lastet er auch den
christlichen Kirchen hierzulande an: "Beispielhaft ist der Islamunterricht. Dieser war nie eine Forderung der Muslime in Deutschland. Die Türken, die die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland bildeten, waren mit der
Religionskunde im Türkischunterricht weitgehend zufrieden. Die
Amtskirchen aber wollen ihren konfessionellen Unterricht in der Schule zementieren und die Diskussionen um Religionskunde oder Ethikunterricht abwenden. Also treiben sie die Forderung nach Islamunterricht in der Schule als Gleichbehandlungssatz voran. Stets ist zu beobachten, dass als Erstes die
Juristen der Kirchen unruhig werden, wenn ein konservativer Islamverband vor einem Gericht in Sachen Schwimmunterricht, Gebetsraum in der Schule etc. scheitert."
Die
Frauen in Medina zu Zeiten Mohammeds waren fortschrittlicher als viele Muslime heute, erklärt Judith Sevinç Basad, Journalistin und Projektkoordinatorin für die von
Seyran Ates gegründete Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, in der
FAZ. Sie fragt sich, warum Ates' liberale Moschee nicht nur von reaktionären Muslimen abgelehnt wird, sondern auch von
angeblich feministischen. "Obwohl die Ursprünge des Islams weitaus geschlechtergerechter und feministischer ausgelegt werden können, stoßen Ateş' Reformversuche auch unter Feministinnen auf Ablehnung. So monierte die genderfeministische Islamwissenschaftlerin Schirin Amir-Moazami in einem Interview mit
islamiQ, dass der liberale Islam ein
Produkt des westlichen Kolonialismus sei, den man den europäischen Muslimen jetzt aufzwingen wolle. Liberale Muslime, so Amir-Moazami, würden die Stimmen von unterdrückten Muslimen 'von vornherein in Misskredit' bringen. Auch die Freiheit und die Menschenrechte, die hinter einem geschlechtergerechten Islam stehen, wären nur eine
westlich-konstruierte und deswegen 'reduktionistische Version von Freiheit'."