In staatlichen Institutionen und bei ihren Vertretern hat
das Kreuz nichts zu suchen. Kopftuch oder Kippa auch nicht,
meint Thomas Ribi in der
NZZ mit Blick auf den bayerischen Kruzifixbeschluss. "Entscheidend ist, dass sich der Staat nicht mit einem religiösen Symbol identifizieren darf, egal mit welchem. Als liberaler Verfassungsstaat ruht seine Autorität nicht auf einer Religion oder einer Weltanschauung. Im Gegenteil, er bezieht seine Legitimation gerade daraus, dass er
zu den '
letzten Fragen', den Fragen nach Herkunft, Wesen und Sinn unserer Existenz also,
keine Stellung bezieht. Der Staat soll Frieden und Freiheit schützen, Ordnung gewährleisten und das Zusammenleben der Menschen regeln, soweit das notwendig ist. Mehr nicht."
Der deutsche Arzt und Theologe
Manfred Lütz verteidigt im Interview sein Buch über die Geschichte des
Christentums, dem von Kritikern vorgeworfen wird, es sei zu schönfärberisch. Und spielt es nicht womöglich den Falschen in die Hände? "
Barmherzigkeit,
Toleranz und
Internationalität sind natürlich nicht exklusiv christlich, aber im Christentum sind sie gewissermaßen 'erfunden' worden. Wenn sich dann politische Strömungen auf das christliche Abendland berufen und gleichzeitig 'Deutschland, Deutschland über alles' rufen, dann haben die nicht einfach eine falsche Meinung. Sie sind
schlicht nicht informiert."
Zeit online und andere Zeitungen
berichten heute alle über die Ergebnisse einer europaweiten
Umfrage des Pew-Instituts, wonach in Deutschland
12 Prozent keinen Juden als Familienangehörigen tolerieren würde und
33 Prozent keinen Muslim. Besonders ablehnend anderen Glaubensgruppen gegenüber waren die
Katholiken. Die Studie zeigte aber ganz generell, "dass Menschen christlichen Glaubens ablehnender sind als
Menschen ohne Konfession. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um praktizierende Christinnen und Christen handelt oder um solche, die entweder nie oder sehr selten zum Gottesdienst gehen."
Weiteres: Die
SZ hat bei
bayerischen Museums-
und Hochschuldirektoren herumgefragt, wer das Kreuz schon aufgehängt hat. Einerseits möchte man es ja gern verstehen, aber andererseits ist Christian Geyers heutiger theologischer Aufmacher des
FAZ-Feuilletons vielleicht eher etwas für Fachleute: "
Ambivalenzkompetenz gilt als Gebot der Stunde. Aber wer sich den zitternden Rezeptoren von Haut und Haar verschreibt, kommt in peinliche Verlegenheiten, und zwar nicht nur in der Theologie."