Mona Sarkis
stellt in der
NZZ fest, dass sich immer mehr junge Menschen in der
islamischen Welt von der Religion abwenden, selbst in Saudi-Arabien sind ein Viertel der Menschen
religionsmüde. Sarkis schreibt dies zum einen dem Internet zu, das Wissen und andere Weltsichten zugänglich macht, und dem Islamismus, dessen Auswüchse immer mehr Muslime abstießen: "Noch wenn man vom pervertierten Glaubens- und Gesellschaftsverständnis solcher Extremisten absieht, bleibt die Frage, was der politische Islam
eigentlich je geleistet hat... Die Einsicht, dass der bisher praktizierte politische Islam in die Irre, aber nicht aus dem Abseits führt, beginnt auch dort Fuß zu fassen, wo man es zuletzt erwartet hätte. So sorgte der saudische Scharia-Gelehrte und ehemalige Salafist Abdullah al-Maliki 2011 mit einem Buch für Aufsehen, in dem er den Schlachtruf "Der Islam ist die Lösung" in "Die
Souveränität der Umma ist die Lösung" abwandelte."
Angesichts des australischen Anschlags will es der Wiener Religionspädagoge
Ednan Aslan im Gespräch mit Evelyn Finger in der
Zeit nicht mit der Ausflucht bewenden lassen, der Terror habe
nichts mit dem Islam zu tun: "Nicht wenige Imame bringen unser Glaubensbekenntnis bewusst oder unbewusst
mit Aggression in Verbindung, mit Folter, Vergewaltigung, Auspeitschen, Töten. Seit dem 15. Jahrhundert hat sich eine
Theologie der Gewalt durchgesetzt, und seit dem 17. Jahrhundert ist sie zur Norm erstarrt." In der
FAZ bleibt die in Mekka lebende Schriftstellerin
Raja Alem im Gespräch mit Sandra Kegel allerdings dabei: Der Islamische Staat habe nichts mit dem Islam zu tun.
Im
Freitag empfiehlt Christian Welzbacher das Kompendium "Islamic Movements of Europe", das mit seiner Sachlichkeit gut geeignet ist, "jene
klaffende intellektuelle Wunde, die durch Panikmache, Unwissen und
Sarrazinaden aufgerissen wurde", zu schließen.
Jens Jessen lässt in der
Zeit einige lebensweltliche
Debatten des Jahres 2014 Revue passieren, Stichwort
Social Freezing,
Leihmutterschaft,
Gendertheorie. Mit der grimmig-ohnmächtigen Geste eines Superintendenten, dem das letzte Wort abgeschnitten wurde, bezieht er auch zum Thema
Sterbehilfe einen erzkonservativen Standpunkt: "Der aufgeklärte Westler mag vielleicht schon lange nicht mehr geneigt gewesen sein, sein Leben als Geschenk Gottes zu betrachten. Aber neueren Datums ist doch die Neigung, das Leben als eigenes Geschenk an sich selbst zu betrachten, mit dem dann, konsequenterweise, auch nach Belieben verfahren werden kann, einschließlich der
Vernichtung nach Gutdünken."