Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.06.2010. Das Blog Esowatch fragt: Wie präsidentiabel ist ein Politiker, der im Kuratorium einer evangelikalen Bewegung sitzt, welche gegen Schwule hetzt und sich für den Kreationismus stark macht? Die NZZ hat sich in den Oderbruch aufgemacht und warnt vor dem Biber. In der SZ schreibt Moshe Zimmermann über die Ereignisse vor Gaza. Die Welt zeichnet ein Porträt Katharina Hackers, die ein Porträt ihrer Generation zeichnet. Laut Berliner Zeitung hat Henning Mankell in Berlin eine positive Bilanz der "Free Gaza"-Aktion gezogen.
03.06.2010. Die NZZ hat die Nase platt. Vom Schaufenstergucken bei Hermes Paris. Amos Oz kommentiert in der New York Times die Vorfälle vor Gaza. The Daily Beast wundert sich über das Tempo der UNO bei Israel und ihre Langsamkeit bei Nordkorea. Meedia fragt: gibt es in Deutschland einen politisch-medialen Komplex? Die meisten Zeitungen sind aber noch ausgeschlafener als sonst: Die halbe Republik ist Fronleichnam.
02.06.2010. In der FAZ bekennt David Grossman seine Verzweiflung über den Vorfall vor Gaza. In der NZZ wendet sich Hans Ulrich Gumbrecht gegen den lieben Frieden in Europa. In der Zeit erklärt Heinz Holliger seine Liebe zu Schumanns Wahnsinn. Der Tagesspiegel kommentiert die moralische Aufwallung unserer Medien gegen Horst Köhler: "Immer eins in die Fresse, und wenn er fragt, warum, noch eins für die dumme Frage." Und alle gratulieren MRR.
01.06.2010. Laut Techcrunch hatte auch hohe Politik ihre Hände im Spiel, bevor Facebook gegenüber Pakistan einknickte. In Ägypten foltert Polizei Facebook-Nutzer, um an das Passwort zu kommen, meldet die NZZ. Facebook ist auch für Iphone-Besitzer gefährlich, berichtet Spiegel Online. Israel hat den Krieg der Bilder verloren, meint Bernard-Henri Levy in Ha'aretz. Gawker staunt über die Coolness der Marina Abramovic. In Srebrenica werden die Vereinten Nationen jetzt mit einer "Säule der Schande" geehrt, berichtet die FAZ.
31.05.2010. In der SZ fragt Stefan Weidner: Gibt es einen Faschismus der Aufklärung? Gabriele Goettle besucht für die taz einen Cashflow-Club auf der Suche nach Reichtum und Erfolg. Man gratuliert Clint Eastwood. Man begräbt Dennis Hopper. Man liest das erste Bilderbuch für demente Senioren. Und, klar, wir sind Meyer-Landrut! Die FAZ mag ihre Bewunderung für Stefan Raab nicht ganz verhehlen, kriegt die Lippen dabei aber nicht ganz ungekräuselt. Die SZ sieht in Lenas Sieg auch einen Sieg der in den Casting-Shows praktizierten Demokratie. Wir setzen außerdem einige Links zu den aktuellen Ereignissen um den "Free Gaza"-Konvoi.
29.05.2010. Die MRR-Geburtstagsmaschinerie läuft an. Das Geheimnis von Reich-Ranickis Erfolg beim Publikum ist sein Zentrismus, meint Stephan Wackwitz in der taz. In der Berliner Zeitung erklärt der britische Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier, warum Reichtum an Bodenschätzen eher Fluch als Segen ist. Empfindsamen unter den Kunstliebhabern rät die FAZ von einem Besuch der Bruce-Nauman-Austellung in Berlin ab. Auf großes Interesse stößt das Berliner Urteil, das einem muslimischen Schüler ostentatives Beten an der Schule untersagt.
28.05.2010. Die FAZ fragt: Gäbe es einen Ismael im Google-Zeitalter? Die FR ließ sich von der Buchmesse nach Argentinien einladen und traf dort auf eine "zarte, eine schöne Hexe". Die NZZ stellt Blogs vor, in denen ägyptische Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung in Partnerwahl und Ehe fordern. In einem Video von den TED-Talks erzählt Sharmeen Obaid-Chinoy, wie Taliban Kinder zu Selbstmord-Attentätern machen. Und Dietrich Fischer-Dieskau singt Hugo Wolfs "Morgenstimmung".
27.05.2010. Die FR feiert die zugleich bodenständige und raffinierte Naturlyrik Oswald Eggers. Der Tagesspiegel besucht Andres Veiel bei den Dreharbeiten zu seinem ersten Spielfilm - über Gudrun Ensslin und Bernward Vesper. Carta verabschiedet sich vom Papier. Die New York Times meldet: Erstmals ist Apple mehr wert als Microsoft. Clay Shirky fragt in seinem Blog: Können Medien sich anpassen, oder sind sie zu komplex? Und der Ukraine-Experte Timothy Snyder konstatiert im Blog der NYRB: Unter Janukowitsch ist Stalin nicht so böse wie unter Juschtschenko.
26.05.2010. In der SZ antwortet Thomas Ostermeier recht bitter auf Botho Strauß' Motzereien über jüngere Theatermacher. Die SZ stellt auch ein Kunstwerk vor, das Ai Weiwei ins Netz gestellt hat (und auf das wir verlinken). In der FAZ rechnet der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes mit der sozialdemokratischen Zapatero-Regierung ab. Carta pfeift geistiges Eigentum.
25.05.2010. In der taz erklärt Apichatpong Weerasethakul, warum die thailändischen Ereignisse durchaus auch ihre erfreuliche Seite haben. Die Goldene Palme für Weerasethakul findet allgemein Zustimmung. Die Financial Times und die Blogs staunen über Rupert Murdochs blickdichte Paywall bei der britischen Times. Die FR staunt mehr über Christoph Schlingensief selber als über sein Spektakel "Via Intolleranza II". Nach der Schaffung künstlichen Lebens erklärt Craig Venter, was wir eigentlich sind: Informationsmaschinen.