Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.05.2010. In der NZZ stellt Laszlo F. Földenyi mit Canetti eine Frage, die aus der Mode gekommen ist: "Was ist der Mensch?" Und Joachim Gauck spricht über Freiheit. Die Ankündigung von Google, ein Itunes in die Wolke zu stellen, macht Techcrunch froh: Der Kampf der Giganten Google/Apple ist einfach unterhaltsamer als die einstigen Kämpfe Apple/Microsoft und Google/Microsoft. In der Welt diagnostiziert Sibylle Lewitscharoff eine chronische Schlaffheit unter Kritikern. Und Cannes ist fast vorbei, und es ist Zeit, Apichatpong Weerasethakul zu feiern.
21.05.2010. Die SZ erwägt nach dem spektakulären Raub in Paris die praktischen Vorteile geklauter Kunstwerke. Die taz fragt, was das für Damien Hirst heißt. BoingBoing stellt Google TV vor, das das Internet ins Fernsehen bringt. Die Welt staunt über die Birthler-Behörde, die dem Historiker Helmut Müller-Enbergs den Prozess macht, weil er die Stasi-Vergangenheit des Karl-Heinz Kurras enthüllte. In der FAZ entsteht nun zumindest künstliches Leben.
20.05.2010. In der Zeit liest Jürgen Habermas deutschen Politikern in der Krise die Leviten. Außerdem fordert die Zeit eine Regulierung des Netzes durch den Staat. In der FR bestreitet Avi Primor, dass es einen neuen Antisemitismus gibt. Der Freitag liest ein Manifest, das der radikalen Linken den "lebendigen Schwung der Jugend" zurückgeben möchte. Auf Facebook wurde ein "Everybody Draws Mohammed Day" ausgerufen. Der FAZ wurde bei Andrej Ujicas aus Originalaufnahmen montierter "Autobiografia lui Nicolae Ceaucescu", die in Cannes gezeigt wurde, ziemlich unheimlich zumute.
19.05.2010. Amazon begibt sich immer mehr auf das Feld der Verlage, berichtet paidcontent.org. In Amerika will die Firma vor allem Übersetzungen publizieren. Anders als die ÖRA in Deutschland wird die BBC sparen müssen, berichtet Telepolis. Der Observer schickt eine Reportage aus Sodom-sur-mer (das liegt in Dubai). Facebook wird auf Kritik an Datenschutzbestimmungen reagieren, berichtet das Wall Steet Journal. Und Dirk Baecker verteidigt den Kapitalismus gegen die FR.
18.05.2010. In der FR sprechen südafrikanische Regisseure über das Theater in ihrem Land sechzehn Jahre nach der Apartheid: "Nur bei Premieren haben wir ein gemischtrassiges Publikum." Die NZZ meldet Entspannungen im polnisch-jüdischen Verhältnis. Die taz rätselt über den neuen Godard. Die SZ lauscht verzückt dem Berliner Rundfunkchor im Berghain.
17.05.2010. Die NZZ steht im Pariser Musee d'Orsay vor den Köpfen guillotinierter Franzosen. Bei den Passionsspielen in Oberammergau möchte die FR den Schauspielern Socken anziehen, die Welt findet: Jesus ist einfach zu gut, um interessant zu sein. In Carta erklärt Wolfgang Michal, warum die FAZ Peter Kruse anschwärzt. In der FAZ sieht Botho Strauß nur noch schnellfertige Virtuosen im Theater.
15.05.2010. In der NZZ geht Fabio Pusterla mit Philippe Jaccottet über einen verbrannten Hügel. In der Welt wechselt Theodore Dalrymple die Straßenseite: er hat einen britischen Politiker gesehen. Der britische Autor Will Self fürchtet in der taz eine Rückkehr der Schnösel mit antiquiertem Akzent. In der FR warnt Hans-Ulrich Wehler vor einer Demokratiekrise. Die SZ sagt mit dem Oberammergauer Regisseur Christian Stückl: Schalom, Jesus.
14.05.2010. Für die NZZ endete die Münchner Musikbiennale im Allerlei - Zeit für ein neues Konzept. Die FR ist sehr froh über das Schauspiel Frankfurt unter Oliver Reese, das sich wieder in die Hirne und Herzen der Stadt spielt. Die Welt erlebte das Fiasko der Whitney Houston und den Triumph Lady Gagas in Berlin. In der FAZ kritisiert die Informatikerin Constanze Kurz das BGH-Urteil gegen offene WLAN-Zugänge. Was kommt als nächstes: Das Verbot des anonymen Netzzugangs?
12.05.2010. Die taz stellt dringende Fragen an das junge türkische Kino: "Warum rinnen an deinen Fenstern immer Regentropfen herunter?" Die FR liest den dritten Band von Warlam Schalamows Erinnerungen an den Gulag. Alle Zeitungen werfen einen Blick auf das Cannes-Programm, das eigentlich genauso aussieht wie jedes Jahr. Die Zeitungsverleger sind schon wieder traurig. Eben ging's ihnen noch prächtig, da müssen sie sich gegen die ÖRA wehren, meldet das Handelsblatt. Google bringt ein Gpad, meldet das WSJ. Und Ayaan Hirsi Ali verstößt gegen die Benimmregeln des Guardian.
11.05.2010. In der Welt wendet sich Städtebauer Albert Speer gegen allzuviel Eitelkeit von Einzelbauten, besonders von Zaha Hadid. In der taz wendet sich Marlene Streeruwitz gegen Stücke, die nur der Eitelkeit der Regisseure dienen. Die FR bringt gute Nachrichten: Den deutschen Zeitungen geht's prächtig. Weitersagen, bittet der Verlegerverband. Das Problem mit den Kandidaten für die Nachfolge am Zentrum für Antisemitismusforschung ist, dass sie keine Antisemitismusforscher sind, meint Clemens Heni in seinem Blog.