Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.04.2010. In der NZZ fragt Cora Stephan: Schaffen Apple und Amazon die Verlage ab? Und was heißt das für die Autoren? In der FR klagt die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez den Postkonzern DHL an, bei der Zensur im Lande mitzuwirken. Außerdem stellt die FR einige Fakten zu Helene Hegemann richtig. Frederic Fillou fragt in seinem Blog: Gibt es noch britische oder französische Zeitungen, die nicht in die Hände von russischen Oligarchen übergehen? In der FAZ reitet der Theologe Friedrich Wilhelm Graf eine Attacke gegen den Filz in den Kirchen.
31.03.2010. Kurz vor Ostern und kurz nach den Missbrauchsfällen geht der Trend zum Atheismus. In der Welt empfiehlt der Philosoph Daniele Dell'Agli den Vorkämpfer Karlheinz Deschner. Dieser wiederum erläutert im Humanistischen Pressedienst die katholische Maxime "si non caste caute". In der Zeit erzählt Thomas Hürlimann, wie er nach frühkindlicher Indoktrination in kirchlichen Institutionen einen Club der Atheisten gründete. Christopher Hitchens empfiehlt in Slate eine Festnahme des Papstes.
30.03.2010. Die Welt studiert mit Tidiane N'Diaye die Geschichte und Gegenwart der Sklaverei in der islamischen Welt. Mashable präsentiert Videos von Lady Gaga, die als erste Popmusikerin über eine Milliarde Videoaufrufe erreicht hat, samt Parodien und Satiren. Die NZZ freut sich über den Pritzker-Preis für das japanische Architektenbüro Sanaa, das gerade auch in der Schweiz gebaut hat. Die taz beugt sich über die Popkritik: Ist sie nun tot oder nicht?
29.03.2010. In der FAZ fordert Ulf Erdmann Ziegler die Verlage zum Handeln auf: Entmachtet Thalia, gründet Gegenkonzerne. Auch die NZZ macht sich am Beispiel Italiens Gedanken über die Buchhandelsketten. Jeff Jarvis schlägt in seinem Blog und im Guardian eine Bill of Rights für das Internet vor. In der Welt erklärt Arianna Huffington, warum Blogs besser sind. Die Welt und eine Studie des Publizistikprofessor Klaus Beck erkennen zugleich nur eine Perspektive für den Journalismus: die Bezahlschranke im Netz.
27.03.2010. In der Welt glaubt Dave Eggers fest an die Verbreitung radikaler neuer Ideen durch den Roman, aber nicht ans Internet. Die Berliner Zeitung warnt vor zu häufigem Epilieren der Schamhaare. Die taz bricht eine Lanze für die Reformschulen. Die SZ macht Theater fürs Theater, ganz besonders in Wuppertal. In der FAZ erzählt der Schriftsteller Jean-Christophe Bailly von der ewigen Traurigkeit über den Feldern von Verdun.
26.03.2010. Die Washington Post zitiert aus den neuesten Zensurvorschriften der chinesischen Regierung an die Medien des Landes: Organisieren Sie keine Diskussionen zum Google-Rückzug, stellen Sie keine eigenen Recherchen an! Timothy Garton Ash träumt im Guardian nach dem Google-Rückzug von Regeln für das globale Dorf. In der FR spricht Beate Klarsfeld über Naziverfolgung und Justiz. Die NZZ beschreibt, wie sich Irland von der katholischen Kirche emanzipiert. Die FAZ widmet sich den Kulturkürzungen in den Bundesländern.
25.03.2010. Reformpädagoge Hartmut von Hentig wehrt sich in der Zeit sehr aggressiv gegen Vorwürfe. Und die Zeit bringt gleichzeitig ein Dossier zum Thema, in dem auch ihre selige Heraugeberin und Freundin Hentigs Gräfin Dönhoff nicht gut aussieht. Die SZ fordert zumindest gegenüber der katholischen Kirche ein säkulares Recht ein. Die FAZ konstatiert: Die britischen Internate sind als traditionelle Brutstätten der Grausamkeit katholischen Institutionen an die Seite zu stellen. Außerdem in der Zeit: eine sehr interessante Reportage zum geostrategischen Kampf um Einfluss in Timbuktu.
24.03.2010. Google in China ist das Thema. Die Regierung Obama sollte sich nicht nur außerhalb der USA für weniger Zensur einsetzen, sondern auch ihre Position in den Acta-Verhandlungen überdenken, meint die taz. Sergey Brin drängt die Regierung Obama im Guardian zu einer dezidierteren Haltung. Das Blog Searchengineland zweifelt an Googles Motiven. Außerdem: Die Welt fordert eine neue Inquisition. Und Christian Thielemann äußert sich in diversen Zeitungen über Wolfgang Wagner.
23.03.2010. Wolfgang Wagner wallt zur Wiege. Christoph Schlingensief schildert in der Welt die Sternstunden der Musikausbildung, die er in Bayreuth erleben durfte. Auch die Debatte um den sexuellen Missbrauch geht weiter: Christopher Hitchens erklärt in Slate seinen Abscheu vor einer Organisation, die Kinder foltert und nichts dabei findet. Der Sozialpädagoge Martin Kutz erzählt in der SZ die schauerliche Geschichte katholischer Erziehung. Und Tilman Jens erinnert sich für den Spiegel an die Odenwaldschule. Die Blogs beschäftigen sich mit Googles Rückzug aus China.
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen.