Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
02.12.2009. Laut Tagesspiegel fordert Bernd Neumann ein amerikanisches Gesetz gegen Google Books. In der Welt kritisiert Tariq Ramadan das Schweizer Minarettverbot, aber auch das schüchterne Auftreten der Schweizer Muslime. Die FAZ bringt eine Liebeserklärung an Peter Doherty, auch wenn er über das Deutschlandlied nicht richtig informiert war. Und die SZ scheint versuchten Mord an Juden schon viel weniger befremdlich zu finden, wenn er surrealistisch gemeint ist.
01.12.2009. Die NZZ sieht das Schweizer Minarett-Verbot auch als Blamage für den Journalismus. Im Tagesspiegel schreibt der Historiker Hamed Abdel-Samad: "Die Muslime sind zu empfindlich." In der FAZ erklärt Jürg Altwegg, warum er sich bei der Abstimmung enthielt. In der taz wirft Beate Klarsfeld den Deutschen mangelnde Aufarbeitung ihrer Geschichte vor. In der FR erklärt Toni Negri, was an der Demokratie faschistisch ist.
30.11.2009. Das Schweizer Minarett-Verbot wird allenthalben mit Entsetzen bis Befremden kommentiert. Die Blogs kopieren Bernd Neumanns Satz, dass es kein Recht auf Privatkopien gibt. In der taz verbittet sich der iranische Regimekritiker Akbar Gandji Einmischung aus dem Westen: "Man kann Demokratie und Menschenrechte nicht von außen einführen." Die FAZ schildert den Streit zwischen Exklusionisten und Inklusionisten in der Wikipedia.
28.11.2009. In der NZZ preist Mario Vargas Llosa die EU als das einzige politische Projekt der Welt, das zugleich revolutionär und Realität ist. In der SZ ergründet Georg Klein die Kunst des David Lynch. In der Welt geht Norbert Zähringer der großen Schweinegrippe-Verschwörung nach. Die FAZ ertappt Roland Koch bei einer Verstiegenheit zur Tarnung der Taktlosigkeit. Die FR geht auf Baustellen-Tour in Südafrika. Und die taz erkundet Seouls neue Clubkultur.
27.11.2009. Auch die Afrikaner wollen Strom: In der Welt protestiert die ugandische Menschenrechtlerin Fiona Kobusingye gegen die Klimaschützer. In der FR bekennt Jakob Augstein, dass er der Sohn von Martin Walser ist. Die NZZ berichtet über die geplante Pantheonisierung Albert Camus' und ihre Gegner. Die taz und andere Zeitungen kritisieren die für heute geplante Absetzung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender. In der SZ analysiert der Psychologe Peter Kruse die Angst Frank Schirrmachers vorm Kontrollverlust durch das Netz.
26.11.2009. Etwas ist faul im Staatstheater, das sich von der Krise nicht berühren lässt, ruft der Tagesspiegel. Die Berliner Zeitung würdigt die verantwortungsvolle Tätigkeit der Landesmedienanstalten. Die Zeit mobilisiert ihre letzten Kräfte, um über das Zeitungssterben Auskunft zu geben. Die Verleger sollen sich nicht so haben, meint Blogger Markus Beckdahl: 13 Prozent Rendite können sich doch sehen lassen.
25.11.2009. Die Welt klärt die Relevanzproblematik bei Wikipedia. Gawker meldet: Die Washington Post schließt ihre Büros in New York, Chicago und Los Angeles. Die FAZ staunt über das konservative französische Kabinett, das wie ein Mann hinter seinem schwulen Kulturminister steht. Außerdem bringt sich Kai Diekmann für den Chefredakteursposten der taz ins Gespräch. Die SZ erkennt auf liberale Tendenzen des EU-Parlaments bezüglich der Bürgerrechte im Internet. Die Berliner Zeitung bemerkt eine kleine Veränderung bei Twitter.
24.11.2009. Die FR genoss beides in Korngolds "Toter Stadt": das Prunkvolle und dessen Verrottung. Der Tagesspiegel analysiert das Bündnis zwischen linken Regierungen in Amerika und Machmud Achmadinedschad. In der SZ liest Gerd Koenen den jetzt edierten Briefwechsel zwischen Gudrun Ensslin und Bernward Vesper. Viele Zeitungen kommentieren Rupert Murdochs Allianz mit Microsoft - Spiegel Online findet sie selbstmörderisch. Gawker langweilt sich ohne Paris Hilton. In der FAZ erinnert sich Michal Hvorecky an die Wende in Bratislava.
23.11.2009. FAZ und SZ retten heute die Öffentlich-Rechtlichen: Die FAZ sieht einen Staatsjournalismus aufziehen. Die SZ würdigt die Arbeit der Degeto, die es schafft für 400 Millionen Euro jährlich fast ausschließlich Schmonzetten zu produzieren. Die NZZ interviewt einen Überlebenden des nordkoreanischen Gulag. Im Perlentaucher erwidert Ilja Braun auf den Vorschlag des Heidelberger Juristen Burkhard Hess, Google immer weiter zu verklagen und die Bibliotheken gleich mit.
21.11.2009. Was werden die Skandinavier mit der eisfreien Arktis anfangen?, fragt der dänische Autor Jens Christian Gröndahl in der NZZ. Die Welt bringt eine Rede von Necla Kelek über die Muslime und den Holocaust. In der FR spricht der Schriftsteller Irvin D. Yalom über Freud, Nietzsche und den Tod. Alle Zeitungen kommentieren den endgültigen Ausstieg Joachim Unselds aus dem Suhrkamp Verlag. Viel besprochen: der neue Roman Katharina Hackers, die Suhrkamp ebenfalls verlässt.