Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.11.2009. In Spiegel Online ist Claude Lanzmann bestürzt: Kinobesucher, die einen Film von ihm sehen wollen, werden als "Judenschweine" beschimpft, geschlagen und letztlich am Kinozugang gehindert - und niemand regt sich auf. In der FAZ schlägt der Jurist Burkhard Hess vor, nicht nur Google zu verklagen, sondern auch die Bibliotheken, die mit Google zusammenarbeiten. Die Kritik von Ulrich Wickert löst bei ARD und ZDF nur Schulterzucken aus, meldet die Welt. BoingBoing stellt drastische Pläne der britischen Regierung zum Schutz der Verwerterindustrien vor.
19.11.2009. Die Welt liest die Tagebücher der Mussolini-Geliebten Clara Petacci. Ohne große Freude meldet sie zudem, dass Pirate Bay die Segel streicht. Die FAZ beobachtet die Produktion von Raubkopien auf chinesischen Hühnerfarmen. Die SZ vermisst gezielte Aktionen von den Studenten. FR und taz feiern Birgit Schulz' Dokumentation über die einstigen RAF-Anwälte Christian Ströbele, Otto Schily und Horst Mahler. Die Zeit rollt den Streit um den Kafka-Nachlass auf. Außerdem schickt Jonathan Littell eine Reportage aus Tschetschenien: Die Wirklichkeit, das sind zwei Kugeln im Kopf.
18.11.2009. In der FR möchte Tiziano Scarpa das Subjekt wiederbeleben, schon um Berlusconi wieder etwas entgegenstellen zu können. Die SZ bestaunt das Wunder von Lüttich. Die Berliner Zeitung erinnert in der Sloterdijk-Debatte daran, dass wir nicht nur für Hartz IV Steuern zahlen. Die Welt erklärt noch einmal die Vorzüge von Open Access. In den Blogs werfen Matthias Spielkamp und Robin Meyer-Lucht einen kritischen Blick auf die Verlegerpläne für ein Leistungsschutzrecht.
17.11.2009. In der Welt schreibt Paul Lendvai über den rasenden Antisemitismus der Imre-Kertesz-Gegner in Ungarn. Die FR ist traurig über Minsk: Moderne Geschmacklosigkeiten schwächen den Brutalismus der Stadt. In der taz macht der Medizinhistoriker Klaus Bergdolt keine Hoffnung: Wäre die Schweinegrippe ernst, würden wir Kranke isolieren. Es ist November. In China übernimmt das Wetterveränderungsamt die Verantwortung, berichtet die FAZ.
16.11.2009. Nach dem neuen Google Book Settlement werden deutsche Bücher nicht mehr online gestellt. Nun fürchtet die Branche kulturellen Bedeutungsverlust, meldet die Welt. In der FR spricht Shirin Ebadi und im Tagesspiegel Said über die Chancen der iranischen Protestbewegung. Im Perlentaucher ist nachzulesen, warum ein Leistungsschutzrecht den Autoren nichts bringt. FR und FAZ betrachten Botticelli.
14.11.2009. Die SZ findet: Viel sexyer als die weiblichen Pin-Ups sind bei Botticelli die männlichen. Die FR empfiehlt Frank Castorfs neue Inszenierung: die Mühe lohnt sich. Die FAZ berichtet über ein Zerwürfnis zwischen Katharina Hacker und dem Suhrkamp Verlag. In der NZZ spricht Richard Powers über Gentechnik und seinen neuen Roman. In der Welt plädiert der Historiker Rick Atkinson fürs Erzählen. Dokumentiert ist jetzt auch die bemerkenswerte Rede des freien Journalisten Tom Schimmeck auf den Mainzer Medientagen. Carta fragt: Wer bestimmt den Preis von Werbung?
13.11.2009. Die NZZ fragt: Kassiert das Internet das Individuum? Die Welt versucht mit David Foster Wallace das Wesen der Depression zu verstehen. Die FAZ staunt über einen japanisch-chinesischen Flirt. Die SZ hält am Analogbuch fest. Die Blogs gucken ein Video mit Ariana Huffington und Mathias Döpfner. Die FR ist verknallt in eine Schönheit aus Florenz: "Sie ist Venus und Flora, Minerva und die Grazien."
12.11.2009. In der FR verteidigt Norbert Bolz den Liberalismus. Der Freitag würde sich ja mit Honneths Sloterdijk-Kritik anfreunden, wenn da nicht Honneths Fliegenklappe wäre. Die Welt staunt über die offene Gesellschaftskritik türkischer Künstler. Die NZZ verabschiedet sich mit Trauer von zwei Dritteln aller Sprachen. In der FAZ meint Bernard-Henri Levy, dass man das Ende des Sozialismus durchaus voraussehen konnte.
11.11.2009. Die FR geißelt die Herren Sloterdijk, Gumbrecht, Bohrer, Bolz, Sarrazin und Precht als Sprachrohre einer konsumistischen Ordnung. Die FR ist angesichts eines Heiner Müller, der die Unschuld hasste, aber auch froh, dass es einen Enzensberger gibt. Überhaupt sind alle froh, dass es Enzensberger gibt, der nach Mauerfall und Levi-Strauss endlich wieder Anlass zu neuen Gedenksonderseiten gibt. Auf Abdolkarim Soroush Blog schildert ein anonymer Autor die Angst des Regimes vor neuen Demos. Carta kritisiert Bernd Neumann, den Verteidiger der alten Medienordnung.
10.11.2009. Die taz würdigt den zivilisatorischen Einfluss Peter Kraus', Mary Roos' und Udo Jürgens' auf die Deutschen. Die FR stellt die Frage der Verteilung neu. In der SZ plädiert Boris Groys für das Englische als lingua franca in Europa. Die FAZ wundert sich über die Frenesie der Franzosen in bezug auf den 9. November. Und die Internetpetition zu Open Access hat schon 1309 Unterzeichner. Im Guardian sieht Adam Michnik postkommunistischen Krokodilen aufs Maul.