Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.10.2009. Die Welt wundert sich: Nun werden Bücher doch ohne Zustimmung der Autoren digitalisiert. Aber diesmal unter staatlicher Aufsicht. Die NZZ erkundet die Erinnerungskultur des jüdischen Lebens in Polen. Die SZ stattet deutschen Denkmalschützern im Bamian-Tal einen Besuch ab: Werden die Buddhas wieder aufgebaut? In The Daily Beast bekennt Philip Roth: Er glaubt nicht mehr ans Buch. Und was genau sagte Horst Köhler bei Lyrikline?
27.10.2009. kress.de meldet, dass die Lettre gegen die Bild-Zeitung klagt: wegen unerlaubter Onlinestellung des Sarrazin-Interviews. Die NZZ liest sich durch die Mediengeschichte des "Feind-Bild Springer". Techcrunch meldet drastische Auflageneinbrüche bei amerikanischen Zeitungen. Das Bundespräsidialamt erklärt, warum es zum Jahrestag der Auschwitzbefreiung der Toten im Gazastreifen gedenkt. Don Alphonso zitiert Exklusivmeldungen der Augsburger Allgemeinen, die demnächst richtig teuer werden.
26.10.2009. In der SZ erklärt Robert Crumb, warum er die Bibel in seiner Comic-Version nicht mit zusätzlichem Humor würzen musste. Nicht nur der Mensch, auch die Demokratie kommt aus Afrika, staunt die FR. Der PEN Club lehnt die Google Book Search ab, meldet Heise. Die NZZ beklagt die Verwilderung der Zustände in Italien. Stefan Niggemeier analysiert ein Lehrstück über den Qualitätsjournalismus.
24.10.2009. In der Welt erklärt der Historiker Daniel Jonah Goldhagen, was den Holocaust von anderen Genoziden unterscheidet: Er wurde betrieben von einer internationalen Völkermordkoalition. In der NZZ erzählt Lukas Bärfuss, über welche weißen Flecken er in Zürich diskutieren möchte. In der FR befürchtet Dirigent Ingo Metzmacher eine Aushöhlung der Klassischen Musik. Die taz lauscht der Musik der Narcocorridos. Die SZ macht einen Unterschied zwischen Deutlichkeit und Wehetun. Die FAZ sichtet Herta Müllers Securitate-Akten.
23.10.2009. In der NZZ beklagt Robert Menasse den neuen Kolonialismus innerhalb der EU. Die SZ schwärmt vom großen Erzähler Peter Paul Rubens. Die taz stößt auf eine unheimliche Vorliebe deutscher Maler für Nadelbäume. In der FAZ fragt Gerd Antes, warum bei der Schweinegrippe alles großgeredet wird, was bei der Atomkraft kleingeredet wird. Und im Tagesspiegel fürchtet sich Klaus Staeck vor Blogorrhoe.
22.10.2009. TechCrunch berichtet über eine Revolution in der Suche: Google und Bing integrieren Twitter. Wird Henryk Broder Zentralrat? Per Tagesspiegel wirft er jedenfalls schon mal seine Kippa in den Ring. Die Berliner Zeitung vermisst Qualität im Netz und möchte mehr Kontrolle. Die Welt fragt: Wird sich Milan Kundera nun äußern? Die Zeit hat es erfahren: Deshalb sind wir!
21.10.2009. In der FAZ stellt Karl-Heinz Bohrer im Streit zwischen Peter Sloterdijk und den Verbliebenen der Frankfurter Schule die Freiheit zurück an ihren Platz (über der Gleichheit). Die NZZ glaubt nicht an die Segnungen des Neuro-Enhancement. Laut Carta plant die neue Regierung ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Die Prager Zeitung Lidove Noviny kommentiert neu aufgefundene Dokumente, die die Vorwürfe gegen Milan Kundera bekräftigen.
20.10.2009. Die Feuilletons sehen die schmähliche Entlassung Peter Ripkens, der den China-Gastland-Auftritt der Buchmesse koordinierte, als Bauernopfer - aber für oder gegen die Meinungsfreiheit? Die Welt fragt mit Derrida: Warum malte van Gogh zwei linke Schuhe? Die NZZ sondiert die Angst der Bertelsmänner vor Liz Mohn. Aggregat7 fragt: Warum sind in der Wikipedia Lokomotiven relevant, Bahnhöfe aber nicht?
19.10.2009. Die Buchmesse dominiert die Feuilletons noch. Die Chinesen sind sich laut Welt noch nicht ganz sicher, ob sie den Frankfurter "Krieg ohne Kugeln" gewonnen haben. Die FR berichtet über die angeblich vom Auswärtigen Amt betriebenene Ausladung der Dissidentin Dai Qing. Der SZ gelang es trotz guten Zuredens sinophiler Experten nicht, Sympathie für die offizielle Delegation aus China aufzubringen. Carta erklärt, warum Libreka nicht funktioniert.
17.10.2009. In Frankfurt hat man nur wenig über das lebendige, im Umbruch befindliche China erfahren, bedauert die taz. Spiegel-online warnt die Verlage vor der Übermacht Amazons. Die FR feiert die blühende deutsche Gegenwartsliteratur. Die Welt druckt Walt Whitmans Reportage über die Ermordung Abraham Lincolns. In der SZ erinnert sich Richard Swartz an seine erste Begegnung mit Herta Müller - in einem Kreis junger männlicher Genies.