Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.11.2009. In der Welt erinnert sich Buchpreisträgerin Kathrin Schmidt an ihren Überschwang im Herbst 89. Die FAZ fragt, was das Jahr 1989 heute den Chinesen und den Russen bedeutet. Die SZ sucht nach architektonischen Leistungen Berlins seit dem Mauerfall und und erstarrt vor einer Blutwurst zur Salzsäule. In der NZZ plädiert der Architekt Magnago Lampugnani für eine Verdichtung der Städte.
07.11.2009. Der Mauerfall treibt sie alle um. Der Westen sollte nicht vergessen, wie einverstanden er eigentlich mit der Mauer war, meint die NZZ. Die Welt erinnert daran, wie die NZZ den Mauerfall fuhr: einen Schriftgrad größer. Die NZZ bringt außerdem eine Erzählung von Imre Kertesz, der außerdem in der Welt ein Loblied auf Berlin singt. Der Tod der Netzeitung wird bisher nur in einigen Blogs kommentiert: 14 Mitarbeiter müssen gehen.
06.11.2009. Kultiversum bringt ein Theaterheute-Gespräch vom 4. November 1989, in dem Ulrich Mühe und Heiner Müller über den Fortgang der Ereignisse spekulieren. Netzwertig kommentiert die Iphone-Politik des Springer-Verlags: Bild und Welt bekommen zahlbare Apps, der Iphone-Zugang zu den Webseiten wird gesperrt.In der Welt erklärt die Goncourt-Preisträgerin Marie N'Diaye, warum sie in Berlin lebt. Die SZ hätte gern ein Bürgergeld. Die FR dankt den Islamisten für den Mauerfall, und Slavoj Zizek fordert Freiheit ohne Risiko.
05.11.2009. Während die Polen den russischen Bären piesackten, war den Deutschen in Ost und West immer ganz bange, wirft Andrzej Stasiuk uns in der Welt vor. Die FR auskultiert die Wähler vom Kollwitzmarkt und stößt auf ein leise pochendes soziales Herz. Jeff Jarvis diagnositiziert: Twitter ist für das Web, was das Web für die Medien ist. Die SZ plädiert für den lange verkannten Künstler Gustav Metzger. In der FAZ erhält Claude Levi-Strauss ein dreiseitiges Staatsbegräbnis
04.11.2009. Mit Claude Levi-Strauss starb der Mann, der uns die Struktur gab, meint die SZ. Auch die anderen Zeitungen würdigen den Anthropologen. Richard Wagner rückt in der NZZ den Rand ins Zentrum. In der FR erklärt der Ostberliner Autor Reinhard Jirgl, was die Wende wirklich war: die "beamtische, teils feindliche Übernahme eines Betriebs namens DDR". In der taz verficht Daniel Goldhagen noch einmal seinen Interventionismus.
03.11.2009. In der Achse des Guten erinnert sich Richard Wagner, wie die Evangelische Kirche einmal Herta Müller und ihn selbst auslud, weil sie beim Tête-a-Tête mit den rumänischen Machthabern störten. Im Perlentaucher antwortet der Medienwissenschaftler Stefan Münker auf Richard David Prechts Sehnsucht nach Öffentlichkeit wie früher. Die NZZ erklärt, was Schwindel-Marketing ist. In der SZ fordert der Urheberrechtler Gerd Hansen ein Urheberrecht, das auch Nutzer schützt. In der taz spricht der Schriftsteller Mahmud Doulatabadi über die Lage im Iran.
02.11.2009. In den USA kündigen die ersten Journalisten, weil sie nicht akzeptieren, dass das Onlineangebot ihrer Zeitung zahlbar wird, meldet die New York Times. Illegale Downloader kaufen mehr Musik als solche, die nie illegal Musik herunterladen berichtet der Independent. Die NZZ macht sich Sorgen über die Narcocultura in Mexiko. In der Welt erklärt Francis Fukuyama, warum Demokratie auch in nicht-westlichen Gesellschaften die beste Regierungsform ist. Slate fühlt sich bei der Lektüre von Hannah Arendts Schriften an antisemitische Propaganda erinnert. Der Chronicle of Higher Education will keinen Heidegger mehr lesen.
31.10.2009. Die Welt präsentiert die New Yiddishists. Als Ausweg aus der deutschen Fernsehfilmmisere kann sich die SZ nur eine Lösung vorstellen: die komplette Zerschlagung der Produktionskonglomerate. Die taz begreift dank Robert Crumbs endlich die Bibel. In der NZZ erinnert sich Volker Braun an eine Zeit des Handelns der Künste. FR, Welt und FAZ kommentieren den Verkauf des Suhrkamp Archivs nach Marbach.
30.10.2009. Laut FR rät Jeff Jarvis deutschen Medien zu einer chinesischen Selbstkritik. In der Welt macht Alaa al-Aswany das "Regime von Kriechern und Claqueuren" in Ägypten für den katastrophalen Braindrain im Lande verantwortlich. Außerdem lässt sich die Welt von der Tuba fönen. Im Standard konstatiert Daniel Goldhagen: "Die UNO ist mehr ein Ermöglicher von Völkermord als ein Verhinderer." Und in der FAZ schildert Viktor Jerofejew die russische Intelligenzija in der Krise: verwirrt und verloren.
29.10.2009. Die FR vermisst die Titanen unter den begabten Dirigenten. Was wird aus verwaisten Werken, wenn die VG Wort obsiegt?, fragt Carta. Der Freitag dichtet einen Sprechchor aus den Erinnerungen an den 4. November 1989. In der Zeit amüsiert sich der Philosoph Martin Seel über seine Kollegen Axel Honneth und Peter Sloterdijk. In der FAZ spricht Mircea Cartarescu über das postsozialistische Rumänien.