Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.08.2009. In der taz erklärt Thomas Demand, warum er lieber subtil als politisch ist. FR und Welt besuchen die Magdeburger Ausstellung "Aufbruch der Gotik". Die FAZ stellt die fast achtzigjährige spanische Literaturagentin Carmen Balcells vor, die an E-books glaubt. Die SZ lernt von Stanford: das Internet literarisiert in ungeahntem Ausmaß. Und Navid Kermani bekommt nun doch den Hessischen Kulturpreis.
28.08.2009. Die NZZ liest russische Literatur und findet planes Erzählen und grob vereinfachte Weltbilder. In der FR vergleicht Slavoj Zizek den Gaza-Streifen zwar nicht, aber dann doch mit einem KZ. Die Welt studiert die Programme der Parteien und zweifelt an der Realisierbarkeit eine "Kulturflatrate". Die SZ vermisst Begeisterung fürs wieder aufzubauende Berliner Schloss.
27.08.2009. In der Welt verkündet Martin Scorsese, dass er jetzt auch in 3D drehen will. Ist Berlusconi rückständig oder modern? Peter Schneider antwortet in der Zeit auf Slavoj Zizek. Viel Wind macht ein Gutachten des Bayerischen Rechnungshof über die Öffentlich-Rechtlichen. Die NZZ sieht Barcelona zur angesagtesten Architekturstadt der Welt werden.
26.08.2009. In der FR fragt Ismael Kadare: Warum hebt die EU die Visumspflicht für Serbien auf, aber nicht für Bosnien und andere Opfer Serbiens? Die Welt ist beruhigt: Das Theater ist gut aufgestellt für die Krise. In der SZ gibt Joachim Kaiser zu bedenken: Es gab einmal Fernsehen mit Anspruch. Die taz empfiehlt den Grünen, bei Schwarzen nicht nur auf den Hintern zu gucken.
25.08.2009. Im Solinger Tageblatt fürchtet der Verfassungsrichter Udo Di Fabio, dass das Internet nicht nur die freie Presse, sondern auch das bürgerliche Individuum kaputtmacht. In der Berliner Zeitung erklärt Peter Glaser wie Digitalisierung atomisiert. Die Medienblogs berichten über Ärger bei der Berliner Zeitung. Die FAZ greift den Fall Tariq Ramadan auf, der von der Universität Rotterdam rausgeschmissen wurde, weil er für einen iranischen Staatssender arbeitet. In der taz meint Chaim Noll: Die DDR hätte früher untergehen können, wenn Kohl sie nicht unterstützt hätte.
24.08.2009. Große betriebsinterne Querele. Der Springer-Verlag wollte unter umstrittenen Konditionen ein "Springertribunal" abhalten. Aber die Ankläger wollten nicht anreisen. Jeder versteht sie. Die NZZ beklagt eine "Aldisierung" des Buchhandels. Techcrunch fragt sich, warum sich die Open Content-Bewegung ausgerechnet mit Amazon und Microsoft gegen Google zusammentut. Die New York Times berichtet über Sorgen in Hollywood: Die Stars ziehen nicht mehr.
22.08.2009. Ein Roman als Irrenhaus? Unendlichen Spaß scheint "Unendlicher Spaß" nicht zu machen. Aber es gibt viele Gründe, David Foster Wallaces jetzt übersetzten Roman zu lesen. Alle Zeitungen bringen zeitgleich ganzseitige Kritiken des 1.500-seitigen Opus. In der FR wettert Christopher Hitchens gegen die Zensur der Yale University Press an den Mohammend-Karikaturen: "Wir haben uns ins eigene Fleisch geschnitten." Die NZZ sieht zu, wie ein sächsisches Dorf dem Tagebau geopfert wird.
21.08.2009. In der FR spricht Herta Müller über die Deportation der Rumäniendeutschen in Stalins Arbeitslager. Die NZZ verteidigt den freien Markt gegen die Zeitungsverleger. In der Welt findet Quentin Tarantino eigentlich auch, dass sich Brad Pitt in seinem Film wie ein Nazi aufführt. Die taz fragt mal anders: Was macht das Kopftuch aus Frauen, die es nicht tragen? Die New York Times berichtet, dass sich Amazon, Microsoft und Yahoo gemeinsam gegen das Google Book Settlement stellen.
20.08.2009. Die Diskussion über Tarantino geht weiter: Als "Fest der Selbstgerechtigkeit" sieht Jens Jessen in der Zeit den Film. Ekkehard Knörer verteidigt Tarantinos Rachefantasie im Perlentaucher. Michael Kohler hat in der FR ein vernichtendes Lob für Tarantino. Die FAZ hat Madonna live nicht live gesehen. Die Blogs diskutieren über ein Video, in dem Ursula von der Leyen heimlich, aber eben doch öffentlich die Zähne fletscht. Im Guardian plädiert Cory Doctorow für kostenlose Ebooks als Marketinginstrument.
19.08.2009. Es wird weiter über Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" debattiert. Er macht Juden zu Nazis, schreibt Daniel Mendelsohn in einer scharfen Attacke in Newsweek. Das Blog Cargo sieht das anders. In der SZ wird Tarantinos Unbekümmertheit um Geschichte und Filmklischees verteidigt. "Nach vier Jahren Resistance nun also Kollaboration" schreibt Pierre Assouline in seinem Blog zur Meldung, dass die Pariser Nationalbibliothek ihre Bestände nun von Google digitalisieren lässt.